Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 5 (30.1.1914)
- Date
- 1914-01-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 5 QRRF-Würfel Feinste Rindsuppe An Ausgiebigkeit und Wohlgeschmack ähnlichen Erzeugnissen weit überlegen.- Graf-Würfel u, Würze Koscher« Man achte genau auf den Namen „Graf“ bedeutende -Mehrleistung jüdischer Steuerträger. -Das Geld wird überdies - den Landesverwaltungen überwiesen, die fast durchweg in den Händen erklärter Judengegner sind, deren Mehrheit sich, wie in Niederösterreich, offiziell "als “ antisemitisch bezeichnet. ■ Den Lehrern sei gewiß ihre’bescheidene Gehaltsaufbesserung gegönnt. Aber wie sieht diese Gegenleistung aus dem jüdischen Gelde der Branntweinsteuer aus? Wie viele jüdische Lehrer an öffentlichen Schulen gibt es’noch in Westösterreich? Sie sind jetzt wohl schon sehr dünngesät und die meisten- Grönländer dürften jetzt überhaupt nicht einen einzigen jüdischen Volksscbullehrer mehr zählen. Soviel von derBranntweinsteuer. Nun zu den Kosten der Dienstpragmati k. Diese' finden, wie erwähnt, in der Personalsteuererhöhung ihre Deckung. Es ist nunleicht zu erweisen, daß durch diese’Steuerreform der jüdische Steuerträger noch in weit höherem Maße herangezogen wird als der nichtjüdische, übrigens ein Prinzip ' unserer. Steuergesetzgebung, wie es ja auch notorisch ist, daß die Juden vergleichsweise mehr Steuern aufbringen als jede der anderen Volksgemeinschaften Oesterreichs. Das Herren? haus hat bekanntlich die Steuerstufen für den Mittelstand (1800—10000 K) noch weiterhinaufgesetzt als die Regierungsvorlage. Die Christlichsozialen machten angeblich wegen dieser Belastung des Mittelstandes, ein gewaltiges Getöse, ■; in Wahrheit, weil sie einen unerwünschten Wählerzuwachs im dritten Wahlkörper des Wiener Gemeinderates aus der Sleuererhöhung befürchten. Ja, sie drohten das ganze Gesetzeswerk zu verhindern.- Die Juden haben hier, wie bei der- Err höhung der Branntweinsteuer, nicht aufgemuckt und werden, doch-viel schwerer durch die Steuer betroffen, als andere Bevölkerungsschichten. Gerade sie stellen ein Hauptkontingent zum erwerbenden Mittelstand, dec. unter die erhöhte Steuerskala fällt.’- Der 15proz. Steuerzuschlag für die minderbelasteten Haushalte (Junggesellensteuer) trifft - die Juden in ungleich höherer Anzahl alsandere Nationen, weil der Jude wenigstens in Westösterreich sich erst ziemlich spät verehelicht, erstan eine Familiengründung denkt, wenn er die materiellen-Voraussetzungen zur Erhajtung".von Weib .Und Kind gegeben sieht. -/ Die Bucheinsicht, welche die Personalsteuernovelle gleichfalls vorsieht, wird wieder? dem jüdischen Zensiten weitaus unangenehmer werden, als dem nichtjüdischen. Nicht, daß etwa die jüdische Steuermoral eine schlechtere wäre als die nichtjüdische. Die Moral hat niemand - gepachtet und fanatische Steuerzahler gibt es nirgends. Aber wo hat der jüdische Steuerträger eine Gewähr, daß ihn die Schätzungs-, daß ihn die Berufungs.T kommission sein Judentum nicht fühlen läßt? Diese Kommissionen werden gewählt und man weiß ja, wie sehr sich z. B. die Christlichsozialen-jin Wien bemühen, die Steuerkömmissionen in ihre: Hände zü.bekömrnen? gewiß nicht zu dem Zwecke, um den jüdischen Steuer; trägem die Steuerlast zu erleichtern. Leider besitzen wir keine ^verläßliche nationale Steuerstatistik, um es in nackten Zahlen zu zeigen, daß die österreichischen Juden eine weit überwältigend größere Tötalsteuersumme aufbringen, als ihrer Kopfzahl und ihren Erwerbsverhältnissen entspricht. Und was bietet ihnen der Staat als Gegenleistung?- Sie dürfen wohl im Verhältnis mehr zahlen, namentlich an den nunmehr: erhöhten Personalsteuern, sie dürfen wohl mehr Geld aufbringen für die 'Bezüge der Staatsbeamten, wie wenige jüdische Staatsbeamte gibt es aber, die aus diesen jüdischen Geldern auch Bezugsvermehrungen erhalten? Die sporadischen jüdischen Staatsbeamten, diese „Paradeisraeliten“ in einem oder dem anderen Amte,--sind -ja-nur die. Ausnahmen des Grundsatzes, die Juden vom Staatsdienste geflissentlich ferne zu halten, denn aus der Futterkrippe des Staates dürfen nur die geatzt werden, die liegend oder stehend die Taufe empfangen haben. Die anderen Nationen Oesterreichs erhalten gerade aus der erhöhten Personalsteuer, weil sieeine -Zwecks Steuer für die Beamten ist, den größten Teil ihrer Leistung wiederrefundiert, weil die vielen Tausenden ihrer Volksgenossen, die im> Staatsdienste stehen, aus . derselben Steuererhöhung die erhöhten Gebühren bekommen. Die Juden -bekommen - fast nichts im Vergleiche zu-ihrer unverhältnismäßig hohen-Mehrleistung. Der Jude ist eben ein viel zu williges Steuerobjekt, er versieht es überdies nicht, aUs der Steuerpflicht für sich das Recht abzuleiteh, über'die Verwendung seiner Steuergelder mitzuentscheiden. An ddr Gesetzwerduhg der neuen Steuern haben zwar einige Juden mitgevrirkt, aber’für die Juden haben’ sie -rein nichts erwirkt. Der Referent der Personalsteuernövelle Dr. von Licht ist ein-getaufter Jude,;.und weil dem Drama das Satyrspiel folgen mußte, erfolgte; die schlieflliche Erledigung des ganzen Finanzplanes im Abgeordnetenhause auf Grund eihes Antrages des jüdischen Abg. Küranjäa, da man vor- Vlautert Obstruktiönsbekämpfung und Dienstpragmatik n. Steuerreform oder „Der Jod zahlt alles“. Dienstpragmatik der Beamten, die .Lehrergehaltsregulierung, Branntweinsteuer und Persönalsteuererhöhnng: wem gellten diese Worte nicht zum Ueberdruß seit Jahr und Tag ins Ohr! Damit bat’s nun. ein Ende. Gewiß auch ein Gewinn, denn nun soll vorgeblich der Reichsrat wieder freie Bahn für andere Arbeiten bekommen. Es ist nicht jedermanns Sache, alles politische Geschehenmft den beiden in Oesterreich so häufig angewandten Maßstäbeu „Gut für die Juden“, „Schlecht für 'die Juden“ zu messen. Im Falle Dienstpragmatik and Steuerreform aber drängt sich eine Durchleuchtung - vom jüdischen Gesichtspunkte aus umsomehr dem mit den öffentlichen Vorgängen Beschäftigten unwillkürlich auf, als er weiß, daß bei allen, die einer Erörterung der in Rede stehendenden Dinge keinen Geschmack abgewinnen konnten, weil sie ihnen uninteressant zu sein glaubten, die Wirkungen der neuen Gesetze in Form von höheren Steuervörschreibungen bald in fühlbare Erscheinung treten werden. Statt des ängstlich vermiedenen Raisonements wird bald das Raisonieren beginnen.' Das jüdische Interesse an der Dienstpragmatik war nicht all zu groß. Jüdische Belange wurden eigentlich - nur berührt, als der tschechische Sozialdemokrat Dr. Schmeral die Aufnahme einer Bestimmung in das Gesetz verlangte, welche der Regierung vorschrieb, bei Ernennungen von Beamten sich nicht von nationalen oder konfessionellen Rücksichten leiten zu lassem Oer Antrag' Schmeral wurde auf Verlangen der . Regierung abgelehnt. Damit sind lediglich die begehenden Verhältnisse vom Gesetz unberührt gelassen wordenjoder-klarergesagt: diejuden werden wie bisher vom.Staatsdienste ferngehalten werden. Nun verursacht die-Dienstpragmatik auch geldliche Aufwendungen. t Also schuf man. eine Bedeckung hierfür in der Erhöhung der Personalsteuern. Für Erhöhung der-Gehfiter der schlecht entlohnten Lehrer wurde bekanntlich die Branntweinsteuer neuerdings hinaufgesetzt Heber beide Steuererböhungen-muß vom’ jüdischen $tandpünkte etwas gesagt1 werden. Gewiß kommen die Juden als BranntWeinkonsumenten nicht zii sehr in Betracht, betroffen werden' -aber - so - und so viele ‘Tausende jüdischer Existenzen, die -als Schanker, Spirituserzeuger usw. ■ die Rolle des Steuereinnehmers für den Staat bei den Branntweinkonsumenten spielen müssen. Jede’ Erhöhung von Verbranchsgebühren hat einen.Konsumrückgang im-Gefolge, den der Schanker als Sinken seines Umsatzes zu spüren -bekommt. Es steckt also in dem' Ertrag der; Branntweinsteuer eine BficherDesprechnngen. Die verlorene -Schlacht. Humoristische Erzählungen von Scholem Alejchem. (JüdischerVer- .lag; Berlin 1914. M. 2.— in Pappband, M. 3.— in Leinenband.) -Oer vorliegende Band IV. der Sammlung? „Vom alten Stamm“ bietet dem westjüdischen Leserpublikum köstiiche Perlen jüdischen Humors. Beim Lesen dieser Geschichtcben und Schilderungen fällt einem unwillkürlich ein Sprach Otto Julius Bierbanms ein: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Ja, wenn man trotzdem Jacht Denn fast die Gestalten des- Dichters wider- fipiegeln nur zu getreu das nackte Elend und die Sorgen ider Judengasse, allein es umgibt sie einem Glorienschein gleich der satyrische jüdische Witz. Der Rebbe und der Beifer, der Tramwayschaffner und der Jude ans Kolomea, der Fuhrmann und die Geflügelhändlerin, sie alle sind dem Leben abgelauschie Figuren, wohl übertrieben und karikiert, aber die meisten -stimmen -datjp überein, daß sie am Hungertnche nagen und uns trptzdem zum Lachen zwingen. Und darin offenbart 'pich gerade die große literarische und nationale Bedeutung Sehlem Alejchems: einerseits schildert er die aussterbenden Gestalten und die Alltagsleiden des ostjüdischen Ghetto, er hält sie wie auf einem Film für alle Zeiten fest, andererseits entfaltet er seinen urwüchsigen tiefen jüdischen Witz, den nur ein fühlender Jude wirklich verstehen kann und der den jüdischen Massen in ihrer Not Trost bringt — Die Verdeutschung kann als gelungen bezeichnet werden. L. B» Jüdisches Gemeinde-Jahrbuch 5674. (Herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15. M. 1.—.) - - Mit der stufenweisen Entwicklung und Ausgestaltung der zionistischen Weltanschauung hat sich auch' allmählich die Auffassung Bahn gebrochen, daß die sogenannte „Gegenwartsarbeit“ zum eisernen . Bestände der zionistischen Bewegung .gehört. Eine der vornehmsten Gegenwartsaufgaben (bildet die Arbeit in der jüdischen-Gemeinde und mittelbar die Eroberung. der Kultusstube. Diesem überaus wichtigen Arbeitszweige ist der vor uns liegende, geschmackvoll ausgestattete Band gewidmet, der.infolge seines-gediegenen Inhaltes zweifelsohne geeignet ist, das Verständnis der zionistischen Kreise für die Gemeindearbeit und das Gemeindeleben zu heben und andererseits unserer Bewegung neue Anhänger zuzuführen. Von den Aufsätzen, die fast alle den Kern der Sache erfassen, heben wir hervor: „Ein Gemeindeprogramm“ von Gustav Witkowsky, „Die Finanzwirtschaft der Gemeinden“ von Max Kollenscher, „Die Verhältniswahl in-den jüdischen Gemeinden“ von Elias Strauß, „Wirtschaftspolitische Aufgaben der Gemeinde“ von Hans Goslar usw. Es wäre zu wünschen, wenn auch die österreichische nationale Judenschaft, deren Gemeindepolitik doch älter ist als die der deutschen Gesinnungsgenossen, mit einem ähnlichen -Buche beschert würde. L. B. Kleines Feuilleton. Statistik der Wiener 'Juden. Im Januarheft der „Zeitschrift für Demographie, und Statistik der Juden“ ist eine Statistik der Wiener Juden von Horater enthalten. Wir entnehmen daraus folgendes: Der Geburtenrückgang zeigt sich in folgenden Zahlen: Lebendgeburten auf-1 i000 Einwohner’ Gesamtbevölkerung Juden 1880 - 39.91 28 14 1890 -’. 32,34 22,18 1900 . 31.66 22,17 - Durchschnitt 1901—1905 29,24 19.59 „ 1906-1910 " " 24,63 16,91 1911 . 20.20 14,85 Dies trotz vermehrter Eheschließungen. Dabei ist zu bemerken, daß die Totgeburten immer mehr zu- , nehmen, insbesondere bei. den Juden. Dieser enorme Rückgang kann durch die Vehninderung der Sterbefälle nicht mehr wettgemächt werden. Die Sterblichkeit zeigt nachstehende Tabelle: - Auf 1000 Einwohner Sterbefälle Gesamtbevölkerung Juden 1880 28 19 14,02 1900 20.74 12,91 ■ Durchschnitt 1901—1905 19 14 13.27 1906-1910 : 17.63 . 13.79 1911 ‘ 16,45 14,99 ln Summa kann der Verfasser sägen, daß die drittgrößte'Judengemeinde der Welt - (nach New York und ’ Warschau) auf dem -Aussterbeetat ist und sich nur. mehr durch Zuwanderungen erhalten kann. Im Jahre 1911 z. B. standen bei den Wiener Juden 2035 Lebendgeburten 2308 Sterbefälle gegenüber. Dazu kömmt noch die Austrittsbewegung. Ob zwar diese einen erfreulichen, wenn auch kleinen Rückgang , zeigt, so ist ihre Zahl (um 600) doch beträchtlich. Es gab: Austritte Pro Eintritte Pro Zahl Mille Zahl Mille 1880 110 1,50 53 0,72 1890 302 3 02 60 0.60 1900 607 4.17 55 0,37 Durchschnitt 1901- -1905 621 4,17 100 0,67 „ 1906- -1910 601 4,02 153 1- - 1911; 575 3 28 188 1,07 Die Austritte sind 4mäl so hoch Ms in Berlin. Die Mischehen weisen eine fortwährende Steigerung auf: