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Jüdische Zeitung · 1914-01-23 · 3-4 (23.1.1914) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
3-4 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 u. 4 JÜDISCHE ZEITUNG Seile 5 die Kinder fast aller dieser Einwanderer ohne Religionsunterricht geblieben, und es fehlte ihnen ferner an einer Zentralstelle sozialer Fürsorge, ln einer kürzlich in New York von der Föderation der orientalischen Juden einberufenen Versammlung wurde daher beschlossen, eine „Ladino“-Gemeinde zu gründen, deren Unterhalt von den Mitgliedern der Gemeinde selbst durch bestimmte Beitrüge bestritten werden soll. Die Jahresbeiträge sollen zur Errichtung von Religionsschulen, Vereinshäusern und einem Arbeitsnachweis verwendet werden. * Deutsch-jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina. Eine Anzahl jüdischer Herren gesetzestreuer Richtung . beabsichtigen, zum Teil mit ihren Familien, im Frühjahr eine Gesellschaftsreise nach Palästina zu unternehmen. Die Reise soll am 26. Februar ab Frankfurt, •am 27. Februar ab Triest ihren Anfang nehmen und einschließlich der zwölftägigen Hin- und Rückreise etwa fünf Wochen dauern. * Die Gesundheitsverhältnisse Jerusalems. . Am 14. Februar findet im Herrenhause in Berlin die Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem statt, in deren öffentlicher Sitzung die ersten Autoritäten über die sanitären Verhältnisse in Palästina Bericht erstatten werden. Die Gesellschaft, deren Vorsitz die Herren Ministerialdirektor Kirchner, Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach. Gesandter Graf Lerchenfeld und Generaldirektor Ballin übernommen haben, hat sich die Ver- besserung der Jerusalemer Gesundheitsverhältnisse zur Aufgabe gemacht. Auf Grund einer besonderen Vereinbarung ist eine Arbeitsgemeinschaft mit der Nathan Strauß-Stiftung und der Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler zustande gekommen. Die drei Gesellschaften haben ein „Internationales Gesundheitsamt in Jerusalem“ ins Leben gerufen, das gegenwärtig Abteilungen für Malariaforschung, Bakteriologie und, Tollwutbehandlung besitzt und demnächst durch eine Abteilung für Tuberkulose erweitert werden soll. Für die Jahresversammlung der deutschen Gesellschaft gibt sich lebhaftes Interesse kund. Zulassungskarten sind durch den Schatzmeister Dr. James Simon, Berlin W, Tiergartenstraße 15 a und den Schriftführer Geheimrat Prof Dr. Pannwitz, Berlin, Schöneberger Ufer 13, erhältlich. .. * Beilis auf der Reise nach Palästina. Der im Kiewer Ritualmordprozeß freigesprochene Mendel Beilis hat vorige Woche mit seiner Familie Rußland verlassen und ist über Galizien und Wien nach Triest abgereist, wo er sich nach Jaffa einschiffen wird. Er gedenkt, sich dauernd in Palästina als Landarbeiter niederzulassen, ln einem Gespräch mit einem jüdischen Journalisten erklärte Beilis, die Nachricht, daß Baron Rotschild für ihn in Palästina ein Stück Land gekauft habe, sei falsch. Der bedauernswerte Mann wurde in Galizien auf allen Bahnhöfen von großen Menschenmassen umringt und konnte sich des Ansturmes der Gratulanten und „Interviewer“ kaum erwehren. Auf den größeren Bahnhöfen wurden ihm feierliche Empfänge bereitet. Auch im Eisenbahnzug, in _ dem die Familie Beilis fuhr, drängten sich die Mitreisenden, um Beilis sprechen und beglückwünschen zu können. In Wien wurde er am Bahnhof von jüdischnationalen Studenten und einem Abgeordneten der Kultusgemeinde empfangen. Judenfeindliche Boykotthetze in Galizien. Die antisemitische Boykottbewegung, die in Russisch-Polen einen gewissen Stillstand erreicht hat, greift nach Galizien über und schreitet hier in ungeahnter Schnelligkeit fort. So berichtet man aus Ropczyce über die Gründung eines christlichen Konsumvereins, dem es mit Unterstützung des Bezirks- und Landesausschusses gelungen ist, sämtliche jüdischen Geschäftsleute des Städtchens brotlos zu machen. Besonders hetzt die katholische Geistlichkeit des Städtchens gegen Otto Hugo (Delnäers Wien, II.» Taborstr. 17 [Hirschenhaus] ( Jugendschriften, Bilderbücher und Geschenkwerke in reicher Auswahl zu \ allen Preisen. Antiquariat. Provinzversand. i felclml Wirstmn aus der Fabrik 'L. T- Piovati Zentral-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN I., Adlergasse 5. I. Franz J sefs-Quai 19. Versand nach dem In- und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurantc gratis u. franko. RESTODRAHI ]RR0B FIHRAS i im Neubau des nca HOTEL NEW-YORK nea j Wien, II-, Kleine Sperlgasse 5! bietet den I* T. Gästen allen Komfort — ] Küche und Keller sind als erstklassig bekannt Eie ante u geräumige Lokalitäten Hochreits¬ und Festbankette werden bestens arrangiert! die jüdische Bevölkerung. Der Geistliche Stawasz in Ropczyce fordert die Gläubigen von der Kanzel herab zum offenen Boykott gegen die Juden auf. Er verbietet allsonntäglich seiner Gemeinde jeden Verkehr mit den Juden und droht den Zuwiderhandelnden mit schweren Kirchenstrafen. Daß die Bauern die eindringlichen Worte ihres Seelenhirten beherzigen, ist nur selbstverständlich. So verlor die jüdische Kaufmannschaft ihre ganze christliche Kundschaft. Alle christlichen Dienstmädchen haben ihre Stellen bei Juden gekündigt, und es ereignete sich sogar, daß eine christliche Hebamme sich weigerte, eine jüdische Wöchnerin zu besuchen, indem sie sich auf das Verbot des Geistlichen berief. Partemachrichten. Mähr.-schles. zion. Distriktstag. Sonntag, den l. Februar 1914, findet im Bräuhaus, saale zu Igian der mähr.-schles. zion. D.-T. statt. Die Tagung beginnt um 9' Uhr früh mit folgender Tagesordnung: 1. Wahl des Büros, 2. Rechenschaftsberichte, 3. Organisation (Referent Dr. Leopold Leschner- Troppau), 4. Budget, 5. Neuwahlen, 6. Jugenderziehung im Goluth (Referent Dr. Sig. Werner, Iglau), 7. Der Schulkampf in Erez Israel (Referent Dr. S. Friedmann, Troppau). V ereinsnachrichten. Wien. (Jungjüdische Makkabäerfeier.) Die Wiener Zionistische Vereinigung und der Jüdische Wanderbund „Blau-Weiß“ veranstalteten am Sonntag, den 21. Dezember im Festsaale des Hotel Continental eine Makkabäerfeier. Die Feier erfreute sieb eines ungemein starken Besuches. Ungefähr 700 Personen füllten den Saal bis auf den letzten Platz. Die Fest, rede hielt med. Otto Schick (Wr. Z. V.), der eine historische Darstellung der Makkabäerzeit gab und durch seine begeisternden Ausführungen starken Beifall auslöste. Hierauf folgten Rezitationen des Frl. Helldorf und des Schauspielers Herrn Egon Brecher sowie musikalische Darbietungen der Herren Rudolf und Max Lampel. Etwas neues war jedoch der Chor des Wanderbundes, der mehrere hebräische Lieder zum Vortrag brachte und auf das Publikum starken Eindruck machte. Eine Musterriege des I. Wiener jüdischen Turnvereins, die unter Aniührung ihres Vorturners Herrn Reiß Barrenübungen ausführte, riß die Anwesenden zu stürmischen Beifallskundgebungen hin. Mit dem Absingen der Hatikwah fand die Feier einen stimmungsvollen Abschluß. Das namhafte Reinerträgnis wird zum größten Teile dem Pressefond der geplanten Jugendzeitschrift zugeführt werden. Wien. Der „Akad. Verein jüdischer Medi-! ziner“ verafistaltet auch heuer einen Ball, der am! 27. Jänner in den „Beethovensälen“ unter dem Protek- | torate Sr. Magnifizenz Hofrat Professor Dr. Richard! Ritter von Wettstein stattfindet. Das Präsidium des 1 Ehrenkomitees, dem fast sämtliche Professoren und Dozenten der medizinischen Fakultät angehören, hat in liebenswürdiger Weise Se. Spektabilität Hofrat Professor Caltauf übernommen. Ein rühriges Komitee, an dessen ■ Spitze M. N C. Theodor Sußmann steht, ist eifrig bestrebt, den Abend möglichst glanzvoll zu gestalten. Auskünfte in Ballangelegenheiten werden täglich zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags im Vereinslokale, IX. Garnisons- I gasse 22 erteilt. I Wien. (Sektion Favoriten) Donnerstag, den 1 8. d. M. fand im Klubzimmer des Restaurants Hofi mann der erste Vereinsabend der neugegründelen Sektion Favoriten des Zionistischen Zentralvereines als interne Makkabäerfeier statt. Fast 100 Personen hatten sich eingefunden, darunter die angesehensten Bürger des; Bezirkes mit ihren Familienangehörigen. Der Sektions- : obmann Herr Dr. A. Lustig begrüßte in seiner einleitenden Ansprache u. a. Herrn Dr. Leopold Friedmann als Vertreter des D. K-, Herrn Johann Sampl i als Obmann und Herrn Heinrich Weiß als Obmann- I Stellvertreter des Tempelvereines. Herrn Emanuel Schie-! browitz als Obmann des HnmanitätsVereines und den | korporativ erschienenen Akad Verein „Theodor Herzl“, i der den Bezirk Favoriten zur Propaganda vom D. K-; zugeteilt erhielt Nach einem Prolog, der von Frl. Frieda j Roller gesprochen wurde, hielt Dr. Willy Stein eine! tiefdurchdachte Festrede, die mit großem Beifall auf- Penommen wurde. Hierauf folgten Rezitationen des rl. Frieda Roller. Sie las Gedichte von Rosenfeid,; Bomelowitsch nnd Bialik mit feiner Empfindung und I wirksamen Vortrage. Alsdann ergriff namens des Ver- | eines „Theodor Herzl“ med. Menzel das Wort zu i einer wirkungsvollen Ansprache, in der er namens seiner Korporation die eifrigste Mitarbeit versprach. Den Abend beschloß ein gemütlicher Teil, den die Mitglieder des „Theodor Herzl“ mit hebräischen und jüdischen Liedern bestritten. Mitternacht war vorüber, als der erste Vereinsabend geschlossen wurde. Die Veranstaltung hat, wie wir mit Genugtuung konstatieren können, den besten Eindruck gemacht und ermutigt uns. auf dem eingeschlagenen Wege fortzufahren. — Die Sektion •Favoriten hat beschlossen, jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat ihre Vereinsabende im Restanrant i Hofmann abzuhalten. — Die Konstituierung der neuen I Sektion ergab die Wahl des Herrn med. Dr. A Lustig zum Obmann, der Herren S. Knie und Max Steiner zu Obmann-Stellvertretern und des Herrn Norbert Hochstimm zum Schriftführer. Wien. (Jüdischer Turnverein Leopoldstadt). Das Mädchenturnen hat Mittwoch, den 14. Januar begonnen. Der Mädchenturnplatz befindet sich in der städtischen Volksschule, 11. Leopoldsgasse 3. In dem geräumigen schönen Turnsaale des Schulgebäudes wird zweimal wöchentlich, und zwar Mittwoch V mim ml«»/ Cenfredeund\^rfQind; 'Vten.VIliar iahilferßr^ iüfe Unsere lö» tlo&eiie ^ndßerweiKe VerKetuföhaüTer VRainerplatX.3 KAlferatraQeö LRotenfurmi&t2 X Kepierplaf* 15 VLMäriahilferfir4? 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