Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 3-4 (23.1.1914)
- Date
- 1914-01-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2438141-2438483-2438486--3966-2443776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Seite 4 V Nr. 3 u. 4 JÜDISCHE ZEITUNG durch den ‘Boykott, der gegen den jüdischen Ingenieur geführt werde.--Im Staatsdienste werden wohl jüdische Techniker aufgenommen und die Juden müssen auch weiter darauf dringen, beim Staate angestellt zu werden. Doch viel untoleranter seien die Unternehmer und bedauerlicherweise die jüdischen Unternehmer. Zum Beispiel in Witkowitz seien über lausend Beamte angestellt und keine zehn jüdischen darunter, desto mehr getaufte Juden. Man habe bei Gutmann und Rotschild interveniert, doch ohne Erfolg. Die größten Untemehr inungen stehen unter jüdischem Einfluß und trotzdem herrscht bei fast ollen ein Boykott gegen Juden. Was ( muß man dagegen tun? Die jüdischen Ingenieure, der Jüdische Akad. Technikerverband möge bei jenen; Firmen, welche jüdische Ingenieure aufnehmen, interj verlieren, die judenfeindlichen Irrmen zu boykottieren. Man möge öffentlich gegen jüdische, doch judenfeindliche Firmen protestieren. i Darauf antwortet Herr Ingenieur Tob eil: Er ' glaube, die Verhältnisse seien nur in Wien und Nieder- : Österreich so schlechte; er weist darauf hin, daß in i Triest und in Böhmen jüdische Ingenieure gern aufi genommen werden. Nur jetzt seien eben die Verhält- ' nisse wegen der vergangenen Kriegswirren so schlecht. Jüdischer Antisemitismus, i Einen krassen Fall jüdischer Selbsterniedrigung , bildet der vor einigen Tagen in einem Lundenburger Blatte veröffentlichte Artikel eines Herrn Paul Bittner über ,,Die Abstammung der Juden“. Der jüdische Artikelschreiber steht auf dem Standpunkt, daß die Juden nicht reinrassig seien durch Ehen, die sie nur untereinander schließen, Inzucht betreiben und dadurch die Entartung entgegengehen Daher sei eine Blutauffrischung notwendig, die nur auf dem Wege der Mischehen mit ihren Wirtsvölkern herbeigeführt werden könne. Die Argumente, die Herr Bittner gegen das Judentum ins Treffen führt, hat er dem antisemitischen Rassentheoretiker Chamberlain entlehnt. Unter anderem sagt aber auch Chamberlain daß die Juden moralisch und intellektuell minderwertig seien Herr Bittner schenkt Chamberlain volles Vertrauen, woraus der notwendige Schluß folgt daß Herr Bittner von der eben angeführten Minderwertigkeit keine Ausnahme machen darf. In einem Flugblatte hat Gg. Rabb. Dr. Heinrich Schwenger den jüdischen Jünger Chamberlains gründlich heimgeleuchtet und seine Anwürfe im Interesse der wissenschaftlichen Wahrheit klar und deutlich widerlegt. Es ist dies eine traurige Folge der Assimilation, die ihren Träger veranlaßt, sein eigenes Volk zu schmähen und mit den Waffen seiner Gegner zu befehden. Mensch ein, der ein verschwitztes Gesicht und im Mund eine Pfeife hat Ich besinne mich nicht lange, fasse ihn an der Hand und zeige ihm die Tür: „Schert euch mit euren Socken zum Teufel! Ich brauche keine Socken!“ „Aber um Gotteswillen,“ ruft Nojech, der Portier, dazwischen. „Was tut ihr? Das ist doch der Besitzer unseres Hotels ....!“ „Ach so?! Nehmt mir’s nicht übel,“ sage ich, reiche ihm die Hand und bringe ihm einen Stuhl. „Ich meinte, ihr seid der, der davonlief, um mir Socken zu bringen. Ein wahres Unglück! Man hat mich mit Socken überschüttet. Eine Socken-Sündflut! Bitte, nehmt Platz!“ Der Hotelwirt dankt, setzt sich und tut einen Zug aus seiner Pfeife: „Also von Jehupez kommt ihr! Ich habe einen Bekannten in Jehupez. Das heißt, er wohnt nicht mehr in Jehupez, er ist schon lange weg von dort, — ich glaube, es sind an die achtzehn Jahre und vielleicht sind’s gar ganze neunzehn.Man sagt, nach Odessa. Er hat Verwandte in Odessa, haben ein Weizengeschäft. Eigentlich zwei Geschäfte, eines in Odessa und das andere in Nikolajew. Das Odessaer Geschäft geht nicht schlecht, das Nikolajewer aber geht nicht so gut, weil Nikolajew jetzt heruntergekommen ist, — man sagt durch Feodossia. Ist eine große Stadt geworden, Feodossia. Ich habe auch in Feodossia Bekannte. Man sagt, eine feine Stadt, dies Feodossia!“ Ich merke, daß es eine Geschichte ohne Ende ist und falle ihm in die Rede: „Was wollte ich euch nur fragen? Ja: warum habt ihr denn euer Gasthaus ,Hotel Türkalia* genannt?“ „Ich denke noch,“ antwortet er, „wie Feodossia ein ganz kleines Städtchen war... Ich bin, müßt ihr wissen, selbst aus der Größte Auswahl l UintersportsMelii Fechtrequisiten Ludwig Lazar l. T TT» TTT WieMX. Liechien$temstr.& i£olinga$$ Mitglieder von Verbind un^en, Sport-Tour istera- und Turnvereinen erhalten auf die auf jedem- Stück ersichtlichen Preise einen tO%igen Rabats Zionismus in Portugal Aus dem jüdischen Lehen. Seit einigen Monaten besteht in der jüdischen Gemeinde in Lissabon ein zionistischer Verein, der von dem Oberkantor Mucznik begründet wurde und eine stattliche Mitgliederzahl aufweist. Am Sonntag, den 28. Dezember, veranstaltete der Verein aus Anlaß des Chanukahfestes eine Makkabäerfeier großen Stils,, die unter reger Teilnahme der ganzen jüdischen Gesellschaft Lissabons staitfand und überaus stimmungsvoll verlief. Die Festrede hielt Professor Joseph Benoliel vom städtischen Gymnasium. Professor Benoliel hat aus diesem Anlasse auch die zionistische Volkshymne „Hatikwah“ (Die Hoffnung) ins Portugiesische übersetzt. Oberkantor Mucznik steckte hierauf die Chanukahlichter an und stimmte unter Mitwirkung eines von Frl. Esther Levy, der Tochter des Präsidenten der jüdischen Gemeinde Isaac Levy, organisierten Kinderchors die Chanukahgesänge sowie die Hymne „Hatikwah“ an. Schriftsteller Moses Bensabath Almazalag hielt einen glänzenden Vortrag über die Bedeutung des Zionismus. Herr Dr. Terlo führte Lichtbilder aus Palästina vor und würdigte im Anschluß daran die zionistische Palästinaarbeit, namentlich die Tätigkeit des jüdischen Nationalfonds, und die unvergänglichen Schöpfungen Theodor Herzls. Um das Gelingen der Makkabäerfeier hat sich insbesondere Frau Hanna Sequerra große Verdienste erworben. Ein jüdischer Gouverneur in Palästina. In gut unterrichteten politischen Kreisen verlautet, daß der Minister des Innern, Talaat Bey, demnächst einen Juden zum Gouverneur einer palästinensischen Stadt ernennen wird. Es soll sich um eine Studt in Galiläa mit vorwiegend jüdischer Bewohnerschaft handeln. Das jungtürkische Kabinett will damit der jüdischen Bevölkerung des Reiches seine Anerkennung für ihr musterhaft patriotisches Verhalten während des Balkankrieges bekunden. * Orientalische Juden in New York. Statistische Eihebungen haben ergeben, daß in New York 10 000 spanisch sprechende Juden (Sephardim) leben, die aus der Türkei und den anderen Balkanländern eingewandert sind. Außerdem gibt es' noch weitere 5000 orientalische Juden in New York, von denen 2500 griechisch, 2000 arabisch und die restlichen 500 türkisch und persisch sprechen. In New York erscheint auch ein Wochenblatt „La America“ im Idiom der spanischen Juden, dem sogenannten Ladino. Trotz ihrer stattlichen Zahl haben sich die orientalischen Juden bisher nicht zu einer eigentlichen Gemeinde zusammengeschlössen. Infolgedessen sind bisher Gegend dort, ein Bessarabier bin ich, aus Bessarabien, aus einem kleinen Städtchen Dubossari; das heißt, geboren bin ich in Beiz.Wart ihr schon einmal in Beiz? Eine schöne Stadt das, Beiz. Aber mit Kischinew kann man sie doch nicht vergleichen . ..“ „Sprecht mit dem Herrn etwas lauter,“ macht mich der Portier, der etwas abseits steht, aufmerksam. „Das Gehör ist verdorben. Er hört schlecht.“ Ich trete nun ganz nahe an den Wirt heran und schreie ihm ins Ohr: ich plötzlich singen. Die Töne kommen von verschiedenen Seiten. Auf der einen Seite läßt sich ein litauischer Chasen hören, der auf eine sonderbare Weise meckert: Jissmechu wemalchusscho schejmrej schahoss wekejrej ojneg ... Und der Chor fällt ein. Und zwar eine Hälfte: Furaril! Furarirl! .. Furaril! Furarirl! Die andere: „Ich frage, warum euer Hotel einen so merkwürdigen Namen hat?“ „Warum schreit ihr so?“ antwortet er. „Ich bin nicht taub! Ein merkwürdiger Name, sagt ihr? Wieso merkwürdig? „italia“! „Portugalia“! „Türkalia“! Das ist doch ganz einfach. Die andern Namen hat man mir weggeschnappt. Na, da habe ich’s nach dem Türken genannt... Ja, wo halte ich denn? | Richtig! Kischinew! Und die Menschen?... Bei uns in Bessarabien sind ganz andere Menschen! Bei uns in Bessarabien ist man ganz anders. Bei uns in Bessarabien, wenn man anfängt zu essen, trägt man, müßt ihrwissen, zu allererst die schönen Fische aus dem schönen Fluß auf. Dann kommt „Kade“, das gute, fette Stück „Kade“. Dann ein großer Teller schöne, reine Mamaliga,*) die man mit einem langen Faden der Breite nach durchschneidet. Und endlich heiße Papuschki. Dazu trinkt man den echten, reinen bessarabischen Wein. Und als Nachspeise hat man noch den richtigen, guten Nahut, — so eine Art Erbsen ...“ Während der Wirt dermaßen die bessarabische Speisekarte hersagt und ihm dabei das Wasser im Munde zusammenläuft, höre *) Maispudding, die italienische Polenta. Pim — Pom! Pim — Pom! Pim — Pom! Auf der anderen Seite singen die Schauspieler: Füßelein! Und Füßelein! Ei, was für Füßelein! Und der Diener, der vor meiner Tür die Schuhe putzt, spuckt immerzu auf die Bürste und singt auch sein Liedchen: Hab’ ich eine Schwiegermutter, Hat-sie einen Schwiegersohn, Schlägt er ihre Tochter, Zitterts ganze Haus davon! Das ist aber noch immer nicht alles. Ich höre auch eine fluchende Frauenstimme. «Die Wirtin sucht ihren Mann in allen Zimmern. Und sonderbarenveise flucht und schimpft sie in Reimen. „Werdet ihr mit dem Wirt und der Wirtin zusammen Mittag essen?“ fragt mich Nojech, der Portier, die Tür öffnend, „oder wollt ihr ins Restaurant?“ „Ins Restaurant!“ antwortete ich rasch. „Ins Resjaurant!“«