Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 3-4 (23.1.1914)
- Date
- 1914-01-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Nr. 3 u. 4 nugtuung gewährt uns der kraftvolle Widerstand, und die selbstbewußte, tapfere Gegenwehr unserer wackeren palästinensischen Brüder, denen wir in ihrem schweren, für das ganze jüdische Volkstum bedeutsamen Kumpfe nach unseren besten Kräften beistehen wollen. Kien m. p., phil. Brand m. p. Eine jüdische Universität in Jerusalem. Am 6. und 7. Januar hat der Arbeits-Ausschuß für die Universität in Jerusalem im zionistischen Zentralbureau zu Berlin seine erste Sitzung abgehalten. Der Arbeits-Ausschuß besteht aus dem Engeren Aktions-Komitee der zionistischen Weltorganisation und den Herren Ingenieur Ussischkin (Odessa), D. Wolffsohn (Köln a. Rh.) und Prof. Weizmann (Manchester). Es wurde Bericht erstattet über dietEntwicklung der Vorarbeiten seit dem letzten Zionistenkongreß, insbesondere über die Verhandlungen betreffs Ankaufs des Bauplatzes und die Propaganda in den verschiedenen Ländern. Als Ergebnis der Verhandlungen seien.hier folgende Beschlüsse veröffentlicht: Der Arbeits-Ausschuß beschließt zur Aufbringung der erforderlichen Geldmittel die Bildung einer besonderen Gesellschaft. Die Einzahlung der gezeichneten Beträge soll ratenweise erfolgen. lieber den Bauplatz und die Statuten wurden keine endgültigen Beschlüsse gefaßt. Der Ausschuß beschließt, schon jetzt Lehrkräfte für die Universität ausfindig zu machen, die neben ihrer wissenschaftlichen Befähigung auch den Anforderungen an die Kenntnis des Hebräischen genügen könnten. Der Ausschuß hält es für notwendig, sich mit der Hebräischen Sprachkommission in Jerusalem ins Einvernehmen zu setzen zum Zwecke der Festlegung einer hebräischen Terminologie für die verschiedenen wissenschaftlichen Gebiete. Es wurde beschlossen, die Vorarbeiten für die Universitätsbibliothek zu beginnen und schon jetzt in Aussicht gestellte Bücherspenden entgegenzunehmen. Es wurde ferner eine umfassende Propaganda in Wort und Schrift beschlossen. Die Zentralstelle für sämtliche Angelegenheiten der Universität bildet das zionistische Zentralbureau in Berlin, es sollen jedoch angesichts der verschiedenen Arbeitsbedingungen in den einzelnen Ländern Bureaus gegründet werden. Sämtliche Beschlüsse sollen der nächsten Sitzung des großen zionistischen Aktions-Komitees vorgelegt werden. eine halbe Stunde lang ihn jüdisch anspricht, bis man zuletzt sein Teil von ihm kriegt. Darum dachte ich mir, ich werde polnisch, russisch und deutsch probieren; ich verstehe, Gott sei Dank, einige Sprachen . . . Ein paar gute, warme Handschuhe vielleicht? ... Ich war einmal ein großer Kaufmann, wie ihr mich da seht, bin auf die größten Märkte gefahren: nach Jarmelnica, Proskurow und Poltawa.. . . Mehr wollt ihr also nicht? Ein Stück Seife? Einen guten Kamm, eine Seltenheit? Nicht? Besten Dank für die Losung. Meine Kinder werden sich erquicken . . . . Vielleicht doch noch eine gute Bürste? Oder einen schönen Schlips? Oder vielleicht noch ein halbes Dutzend Socken? Ich werd’s euch billiger lassen. Nicht? Nein? Na, schön. Adieü . . . Der Mann packt seine Mütze und geht. An seiner Stelle ist gleich ein anderer da: „Kauft mir Socken ab, Reb Jid, gute, billige Socken.“ „Danke, ich brauche keine Socken,“ antwortete ich. „Was heißt das: Ihr braucht keineSocken!“ sagt er. „Soeben habt ihr ja bei dem andern ein halbes Dutzend gekauft. Ich bin auch ein Jude und arm, und Vater von vielen Kindern, — zwei Knaben in der Schule, einer ist in der Lehre und die kleineren im Chejder. Besten Dank, Gott soll euch Glück geben! Adieu . . . .“ Und-schon ist ein. dritter da, — ein hochgewachsener, magerer Mensch mit einem furchtsamen Gesicht: „Wenn ihr ein gutes Werk tun und euch das Fasten am Tischebow ersparen wollt, dann kauft mir diesen Rest da ab. Ich gebe ihn euch zum Einkaufspreis. Ein paar Dutzend Socken, die mir übriggeblieben sind.“ „Ich brauche keine Socken,“ sage ich, „ich habe schon genug Socken.“ GLAS 1KR. jüdische Frauen und Kinder niederknallen lassen und musste sich dem gerechten Zorne des Volkes in Drohobycz und der jüdisch-nationalen Studenten in Wien durch eilige Flucht entziehen. Nun lässt sich Herr Jakob Feuerstein, der so viele jüdische Familien zugrunde gerichtet hat, anlässlich der Einweihung des jüdischen Waisenhauses in Drohobycz vom dortigen Rabbiner als „Vater der Waisen“ feiern. Höher gehts nimmer.... Auch im Hotel Post finden Faschingsunterhaltungen statt. Durch den Vorstoß der Tschechen ermuntert, wollen auch die tschechisch fühlenden Juden in Wien Wurzel fassen und so findet diese Woche eine Versammlung der assimilatorischen Rozvoj- Juden in Wien statt. Redner: Herr Dr.Heinrich Cohn. Man kann sagen, durch diese Veranstaltung wird einem langgefühlten Mangel im jüdischen Leben abgeholfen Hoffentlich werden auch die in Wien lebenden Magyaren und Polen israelitischer Konfession bald von sich hören lassen. MARMELADE Bestes Obst in der bekömmlichsten Form Frei von allen künstlichen Zusätzen. Mummenschanz. Wieder ist der Fasching ins Land gezogen, die Zeit der Redouten und Maskenfeste ist wieder da. Im fröhlichen Getümmel tauchen drollige und possierliche Gestalten auf, die selbst jetzt, zur Zeit ärgster geschäftlicher Krise, jeden zum Lachen zwingen. Oder soll man etwa schweren Herzens und feuchten Augens die Nachricht lesen, daß von den auf dem Balle der Stadt Wien erschienenen zwei Exzellenzherren der eine Dr. Rudolf Sieghart heißt? Der Rabbinersohn, der übrigens ein freigebiger Patron der christlich-sozialen Partei und ihrer Kongresse ist, dürfte sich auf dem Repräsentationsballe der Christlich-Sozialen überaus wohl gefühlt haben. Mein Gott, wenn man von Kindheit an an die Gesellschaft gewöhnt istl Aber Herr Sieghart steht nicht allein, der Karneval hat auch für andere Masken gesorgt. Herr Jakob Feuerstein hat vor dritthalb Jahren anlässlich der Reichsratswahlen Die Znknnft des jüdischen Ingenieurs. Am 12. Dezember veranstaltete der „Jüd. Akad. Technikerverband“ in Wien einen Diskussionsabend mit dem Titel: „Die Zukunft des jüdischen Ingenieurs in Oesterreich“. Der Verlauf des gutbesuchten Abends war folgender: Nach Begrüßung des Obmanns, cand. arch. H. Sobelsohn, ergreift Herr Ingenieur Kauf das Wort. Er erörtert die akademischen Berufe im Zusammenhänge mit der wirtschaftlichen Lage. Die Anzahl derer, die die Fachkenntnisse besitzen, ist zu groß. Nicht nur diese Kenntnisse sind von Wert, sondern von größerem Wert ist die Tüchtigkeit, besonders die angeborene, kaufmännische. Es ist deshalb von den Eltern verfehlt ihre Kinder auf die Technik zu senden. Bei den Staatsbahnen herrsche Ueberfüllung. Die Ursache dieser Zustände liegt im Wehrgesetze, da man die Berechtigung zum Einjährigendienste erst nach | Vollendung der Mittelschlustudien erlangen kann. Redner; kommt nun auf die Möglichkeiten für den jüdischen Ingenieur zu sprechen. In Oesterreich werden Juden höchst selten in der Privatindustrie beschäftigt; folglich muß das Ziel des jüdischen Ingenieurs in jenen Ländern liegen, wo man Ingenieure unbeschadet ihrer Nationalität und Konfession braucht das sind der Balkan und der Orient. Dem entgegnet Herr Ingenieur Stricker: Der lugenieurberuf ist für den Juden kein schlechter, nicht weil derselbe wissenschaftlich befähigter sei, er sei aber kaufmännisch begabter. Der Beruf sei nnr schlecht „Ich gebe sie euch unter dem Einkaufs- I preis,“ meint er nun. „Ich will nicht handeln, j Gebt, wie viel ihr wollt, gebe euch Gott! Gesundheit und langes Leben .... Ich i habe einen Sohn im Gymnasium, der heuer j fertig wird. Er will Doktor werden. „Du j wirst dann nicht mehr so viel arbeiten! brauchen, Vater,“ sagt er. „Dann werde | ich arbeiten, und du wirst dich ausruhen,“ i sagt er ... . So sagt er, mein Sohn. Aber einstweilen muß ich ihm manchmal noch mit einem Dreirubelschein aushelfen, obwohl er selbst schon ganze sechzehn Rubel monatlich verdient .... Viel Glück und adieu!“ Kaum ist er draußen, tritt schon ein neuer . Besuch ein: eine Frau in einem türkischen j Shawl. „Seid ihr das, der Gast aus Jehupez?“*) | sagt sie mit singender Stimme. „Ja, ich, was gibts denn?“ „Ich hörte, daß ihr nach Berditschew ge- kommen seid, um Socken einzukaufen. Da; habe ich euch ein paar Dutzend als Muster! gebracht. Ich habe eine Sockenfabrik. Schon zehn Jahre arbeite ich Socken.“ „Wer hat euch erzählt, daß ich Socken kaufe?“ frage ich. „Es ist nicht richtig. Ich bin nicht Socken kaufen gekommen und brauche keine Socken.“ Doch die Frau kümmert sich wenig um meine Worte, sondern fährt fort. Ihre Zunge geht schnell wie ein Mühlrad: „Meine Socken sind in ganz Berditschew , berühmt. Da seht euch dies Stück an! Was i sagt ihr dazu?“ „Aber um Gotteswillen!“ schreie ich. „Ich kaufe keine Socken, ich brauche keine ■ Socken!“ „Da liegen ja Socken bei euch,“ überführt j sie mich. *) Humoristische Bezeichnung für Kiew. „Die habe ich zum verkaufen mitgebracht,“ lüge ich und begleite sie zur Tür hinaus. Ich drehe den Schlüssel um, um vor Sockenverkäufern Ruhe zu haben. ... Es klopft. „Wer da?“ rufe ich. „Ich,“ antwortet es von draußen. „Was für ein ich?“ frage ich in meiner Angst vor Socken. „Dawid.“ „Was für ein Dawid?“ „Dawid Lauf.“ „Was für ein Dawid Lauf?“ „Der Kommissionär!“ „Was soll’s?“ frage ich. „Vielleicht Socken?“ „Socken wollt ihr?“ antwortete er. Bitte, ich laufe schon in ein Geschäft und bringe euch Socken.“ „Nein, nein,“ schreie ich. „Ich brauche keine Socken!“ Ich öffne die Tür: Nojech, der Portier, kommt herein, vollbepackt mit Semmeln, Brezeln, Mohnbrötchen und Prenseln. „Für wen bringt ihr so viel?“ frage ich. „Darüber braucht ihr euch doch keine Sorge zu machen,“ erwidert er. „Den Hunden wird man es sicherlich nicht vorwerfen. Unberufen genug Mäuler da, die essen wollen. Ich selbst habe sechs eigene zu Hause, außer zwei fremden Waisenkindern .... Sagt mir lieber: was seid ihr für ein sonderbarer Mensch! Habt ihr’s mir nicht sagen können, daß ihr Socken braucht? Müßt ihr Dowidel Lauf schicken?“ „Wer hat ihn geschickt?“ „Ich weiß nicht, wer ihn geschickt hat. Ich sicher nicht! Wartet nur, ihr werdet schon sehen, was für Socken euch Dowidel, der Diebskerl, bringen wird! Berditschewer Socken!.. .“ In diesem Augenblick geht die Tür auf, und es tritt ein gutgenährter, rotbäckiger