Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 eignet sind, der Entfaltung dieser Arbeit die gröOten Hindernisse und Schwierigkeiten zu bereiten, so hätteich gewiß nicht einer Gründung den Rücken gekehrt, an deren Aufbau ich mich mit besonderer Liebe beteiligt und der ich einen beträchtlichen Teil meiner Zeit und Kraft sechs Jahre lang gewidmet habe. Ich meine, Herr Redakteur, Sie wünschen, ich sol* Ihren Lesern auseinandersetzen, worauf sich diese meine Ueberzeugung gründet. Und, wenn ich mich nicht irre, haben Sie sich an mich gewendet, weil die Polemik in den Zeitungen über den Gegenstand den Charakter eines Parteibaders zwischen Zionisten und Antizionisten angenommen hat. Die Leitung des technischen Instituts möchte gerne, daß der Widerstand gegen ihre Beschlüsse vor' der Oeffentlichkeit lediglich als politische Umtriebe der Zionisten erscheine, als Wirkung der Agitation einer Partei, die die ganze neue Gründung „erobern“ und unter ihre Herrschaft bringen möchte. Es.ist notwendig, daß alle Welt begreife, daß die hebräische Kultur, die in Palästina wieder auf blüht, nicht eine zionistische Angelegenheit, überhaupt nicht die Angelegenheit irgend einer Partei, sondern eine allgemein jüdische Sache ist, die jeden Juden bis tief in die Seele hinein angeht, insofern er es treu und redlich mit seinem Volke meint und dessen Lage in der Gegenwart begreift, einerlei, ob er dem Parteizionismus sympathisch oder antipathisch gegenübersteht. Ueber den Gegensatz zwischen „Zionisten“ und „Assimilatoren“ wird seit einigen Jahren so viel debattiert, daß wir beinahe vergessen haben, daß beide Parteien nur zwei Minoritäten darstellen, die an den entgegengesetzten Extremen stehen. Minoritäten, die wissen oder zu wissen glauben, wohin sie unser Volk führen: die einen zu einem vollen und uneingeschränkten nationalen Dasein, die anderen zu einem vollständigen Verschwinden, durch das restlose Aufgehen in der umgebenden Völkerwelt. Indessen, zwischen diesen beiden Minoritäten steht die Majorität, die große Menge der einfachen Leute und der Aufgeklärten, die im tiefsten Innern ihrem Volke treu anhangen und seinen Fortbestand begehren, aber vom Strom des Lebens mehr und mehr, ohne Wissen und Willen, fortgerissen, dem Abgrund der Assimilation zutreiben und nicht wissen, an was sie sich klammern sollen, um sich und die Ihrigen vor der Flut zu bergen. Die Thora gerät in Vergessenheit, die Kraft der Religion wird erschüttert, die Vätersitten schwinden immer mehr, das Leben wird jedes jüdischen Inhaltes bar, die Eltern sehen zu, wie ihre Nachkommen sich von ihrem Volk entfernen, und sie können nichts dagegen ausrichten, verzagten Herzens wenden sie sich von dieser ganzen „leidigen Angelegenheit“ ab und tauchen im Leben des Alltags unter. Die Besseren unter ihnen bemühen sich, ihre Herzensbedürfnisse durch „soziale“ jüdische Arbeit zu beschwichtigen, durch Wirksamkeit in lokalen oder allgemeinen Wohltätigkeitsinstitutionen, wohl wissend, daß die Flut'immer mehr anschwillt, daß diese ihre Arbeit ihr Volk nicht retten wird. Aber sie sagen sich: zunächst wollen wir wenigstens unsere seelischen Bedürfnisse befriedigen, und — aprfes nous le deluge! Solche Juden — Juden schlechthin, ohne Programm —, diese sind es, denen die Auflebung der hebräischen Sprache und Kultur in Palästina zum Lebenselixier werden, das ihren verzagenden Geist aufrichten, das Vertrauen in die Zukunft ihres Volkes kräftigen kann. Mitten aus der Zersetzung und dem Niedergang rings um ihn her blickt der Jude auf und sieht plötzlich dort, im verlassenen Vaterlande, das er Isfen-. Größte Auswahl in UhrtasportsBrtiiclii und EecbfNqaisIten. Mi Glieder von Verbind un^en, Spor r-Tour is ten- und Turnvereinen erhalten auf die auf jedem SfrücK ersichHichen Preise einen 10%id9n fast schon ganz vergessen hat, den Geist Israels zu! neuem Leben erwachen, die alte Sprache seines Volkes lebt wieder auf und verwebt sich wieder mit dem Leben des Volkes, neuartige Juden, wie sie in der Diaspora nicht ihresgleichen haben, Juden der Sprache, der Bildung, der Bestrebungen und der ganzen Geistesrichtung nach werden in den dortigen hebräischen Schulen herangebildet, und von Jahr zu Jahr wächst ihre Zahl und immer mutiger halten sie die Fahne der hebräischen Kultur hoch. Beim Anblick dieser überwältigenden Erscheinung erbebt das Herz des Golusjuden, sein uralter Glaube an die Unvergänglichkeit des Judentums kehrt wieder. Es nützt nicht, mit unschuldiger Miene zu fragen: „Wozu der Lärm? Es handelt sich ja um eine praktische Frage, ln einer orientalischen Stadt wird ein technisches Institut gegründet, um der jüdischen Jugend jener Gegenden die Möglichkeit zu bieten, sich in den technischen Fächern auszubilden und nachher Arbeit und ehrlichen Erwerb zu finden. Für diesen Zweck ist eine reiche Kultursprache gewiß am besten geeignet, in der man alle Wissenschaften unterrichten und durch deren Vermittelung die Schüler Anschluß an die große Kulturwelt finden würden. Gewiß sollen die Schüler auch gute Juden sein, deswegen haben wir beschlossen, daß sie auch Hebräisch in bedeutendem Maße lernen sollen; aber das Hebräische zur Unterrichtssprache zu machen und dadurch den Schülern die Erreichung ihres' Zieles zu erschweren, das wäre unerhört und ohne Nutzen für den eigentlichen Zweck,“ — Freilich, ein solcher Einwand wäre gerecht, wenn es sich um eine technische Schule in Smyrna oder Saloniki handelte. Dort wären „unsere armen Glaubensgenossen“ dankbar für eine deutsche Schule, in welcher auch Hebräisch unterrichtet würde. Aber das ist es ja eben, daß in Palästina die Schulförderung ein höheres Ziel verfolgt, als bloße Philanthropie, und diesem Ziel entsprechen nur hebräische Schulen, in denen auch Deutsch (oder eine andere europäische Sprache) unterrichtet wird, nicht aber deutsche Schulen, in denen auch Hebräisch unterrichtet wird. Man bedenke: nach zwanzigjähriger harter Arbeit und fortwährenden Kämpfen g, gen innere und äußere Hindernisse, haben wir es endlich dahin gebracht, daß die hebräische Sprache;n den palästinensischen Schulen herrscht und immer mehr hinanreiit, um dort als Basis des Erziehungswesens und der Kultur zu dienen. Und in dem Moment, da wir den völligen Sieg herannahen sehen, kommen Juden aus verschiedenen Ländern und errichten in gemeinsamer Arbeit ein neues Bildungsinstitut, eine Lehrstätte, die im Range höher steht, als alle bisherigen Schulen in Palästina, in diesem lnstitu aber soll eine fremde Sprache und somit auch ein fremder Geist herrschen, dus Hebräische dagegen wird ins Ghetto zurückgewiesen, ganz wie in den Schulen der Diasporal Bedarf es erst eines Beweises, daß ein solcher Vorgang, abgesehen von der Kränkung, die in ihm liegt, geeignet ist, Demoralisation in die ganze Arbeit zu bringen und ihre Entwicklung zu hemmen, wenn nicht gar sie um viele Stadien nach rückwärts zu schleudern? Die ersten Versuche, das Hebräische zur herrschenden Sprache in den palästinensischen Schulen zu Mcinii The e Neu&r mm Cenfr<^eund\/feoföind: "^/ieivVinanahüferfir^ Unsere nodeUe ^nelfterwerKe VerKetufshaüTer MRainerplatät3 K Alfer strebe 6 LRotenfurmt&l2 X Keplerplat* 15 VLMoriahilfer(tr4? 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