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Jüdische Zeitung · 1914-01-09 · 2 (9.1.1914) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG' Nr. 2 machen, gelangen nicht ganz. Aber da das Streben nicht aufhörte und die Anstrengungen nicht erlahmten, fing die Arbeit schließlich an, Früchte zu tragen. Allerdings haben wir den endgültigen Sieg noch nicht in Händen, aber die Hauptsache ist, daß wir jetzt schon wissen, daß allen Schwierigkeiten zum Trotz die Sache nicht unmöglich ist und sichere Aussicht auf Verwirklichung hat Die Bestrebungen müssen also gekräftigt und alle dahinzielenden Anstrengungen gefördert werden,- bis das Ziel erreicht ist. Das ist die Basis aller Arbeit, und das ist auch, das Kriterium, nach welchem. wir jedes neue Lehrinstitut in Palästina beurteilen müssen, ob es mit uns oder gegen uns arbeitet. Wir wollen nicht abschälzen, in welchem Tempo ein Institut diesem unserem Hauptziel entgegenstrebt, aber es ist unerläßlich, daß es dies in einem gewissen Maße, und zwar in ausgesprochener und unzweideutiger Weise tut, da wir sonst das Ziel nicht erreichen werden. Der Weg ist lang und beschwerlich, unsere Anstrengungen legen ihn Schritt für Schritt zurück. Was schon erreicht worden ist, braucht nicht mehr erstrebt zu werden und bedarf keiner Anstrengung. Wenn unsere Bemühungen gestern einen bestimmten Punkt erreicht haben und wir •heute einige Schritte vorwärts zurücklegen, so gilt das Erreichte schon als sicherer Besitz. Und eine Institution, die gestern noch mit uns zusammen vorwärts schritt, darf heute nicht auf dem gestern eingenommenen Punkt stehen bleiben, ohne daß sie unversehens in die Reihen unserer Gegner gerät... Sie sehen, geehrter Herr, daß ich hier mich ausschließlich mit der innerjüdischen Seite der Frage beschäftigthabe, ohne die politische Gefahr zu berühren, die unserer Arbeit in Palästina von seiten einer Institution erwachsen kann, welche dort den Einfluß eines der großen europäischen Staaten zu stärken geeignet ist — ohne den Argwohn zu erwähnen, mit dem die andern Staaten uns verfolgen, indem sie uns als die politischen Agenten jenes Staates verdächtigen, die ihm im Wettbewerb um den Einfluß im Orient Maklerdienste j leisten. Dieser Punkt wurde schon von andern behandelt und ich kann ihn hier unberührt lassen. Hochachtungsvoll Achad Haam. London, 14. Dezember 1913. * % Machwort der Redaktion von „Ost and West“. Wohl selten hat in der ganzen jüdischen Oeffentiichkeit eine so tiefgehende Erregung geherrscht, wie die, welche jetzt allenthalben ob der Sprachenfrage an dem zu eröffnenden Technikum zu Haifa tobt. In Palästina herrscht unter den Juden ein förmlicher Aufruhr, Man hört, daß Lehrer und Schulkinder streiken, die Polizei, vom Konsul einer fremden Großmacht geführt, muß eingreifen, um die berühmte „Ruhe“ herzustellen. Volksansammlungen in den Straßen müssen mit Gewalt auseinandergetrieben werden, öffentliche Protestversammlungen werden abgehalten, die. Organe aller Parteien bringen Erklärungen für und wider, sogar der offizielle Telegraph, für den sonst innere jüdische Angelegenheiten gar nicht existieren, regt sich und verkündet der Welt, daß in Palästina „einige Agitatoren“ die jüdische Bevölkerung aufgehetzt haben, um der Welt zu beweisen, daß ruhige jüdische Arbeit in Palästina unmöglich sei. Der offizielle Draht zeigt ein besonders warmes Herz für ruhige jüdische Arbeit in Palästina. Und das weite jüdische Publikum, welches jeden Fortschritt der Kulturarbeit im Lande der Väter mit der wärmsten Sympathie verfolgt, steht verwirrt da und begreift nicht, daß in unserer Zeit, da wir von allen Seiten befehdet werden, plötzlich Juden untereinander einen so heftigen, zu unerhörten Ausschreitungen führenden Kampf beginnen, und es fragt sich unwillkürlich, was denn die Ursache und wer der Urheber des Streites sei. „FLOTT“ Beh.konz.Maschinschreib-, Vervielfältigungs¬ und Uebersetzungsbureau BERTA MERUK Wien lf Wipplfngersfrasse 31 vis-ä-vis der Börse Telefon Nr. 23684 Uebernahmevon sämtl.schriftlichen Arbeiten, wie: Exposes, Eingaben, Zirkulare etc. in beliebiger Anzahl in allen - Kultursprachen. Separierte Diktierräume. Perfekte Schreiberinnen werden auch ausser Haus geschickt. Billigste prompteste Bedienung. Vereine und Korporationen gemessen eine Ermässigung. Es scheint im voraus ziemlich unwahrscheinlich, daß in die Lehrer der palästinensischen Schulen des „Hilfs-. Vereins der deutschen Juden“ und in die Zöglinge urplötzlich der böse Geist der Auflehnung und der Revolte gefahren sei und sogar die Väter und Mütter angesteckt hätte. Uns einzureden, daß ein paar Agitatoren die sonst so ruhige, besonnene und friedlicher, stiller Arbeit ergebene jüdische Bevölkerung ohne weiteres zum Aufruhr verleiten konnten, so daß der Konsul einer fremden Großmacht die Hilfe der Polizei anrufen mußte, um Schulen und Erziehungsanstalten, die immer den Juden das teuerste und heiligste waren, zu schützen — das heißt denn doch, an unseren naiven Glauben viel zu starke Anforderungen stellen. Wir haben darum Achad Haam in der Frage das Wort erteilt. Keiner ist wohl berufener, in der Sache ein Urteil abzugeben, als dieser Mann, der zu den besten Kennern der Verhältnisse Palästinas gehört, der seit 30 Jahren jeder Arbeit zur Förderung der ökonomischen und kulturellen Lage in diesem Lande seine Kräfte in höchstem Maße lieh, und dessen abgeklärte, ausgeglichene, gereifte Denkweise, sowie dessen tiefe Liebe zum jüdischen Volke und seinen höchsten Gütern über allem Zweifel erhaben sind. Indessen bedürfen die Ausführungen Achad Haams der Ergänzung nach verschiedenen Seiten hin. Was in Palästina geschieht, wurde durch das Vorgehen des Hilfsvereins hervorgerufen, ein Vorgehen, dem die verhängnisvolle, grundfalsche Anschauung als Basis dient, daß diese „armseligen Ostjuden“, die aus Rußland, Rumänien oder Galizien kamen, sich in Palästina angesiedelt haben, und denen „wir Westjuden“ nun großmütig Hilfe spenden und „Kultur“' darbieten, efn entrechteter, willenloser Haufe sind, der demütig und unterwürfig zu „uns“ emporblicken soll, keine eigene Meinung und selbständige Bestrebungen haben darf, und nur von uns Weisungen und Belehrungen entgegenzunehmen hat. Nun sind aber die in Betracht kommenden Juden von Palästina keine Schnorrer, die man gleich denChalukkah- Nehmem von oben herab behandeln darf. Das sind Männer, die hingekommen sind, um ihr Schicksal in ihre eigenen Hände zu nehmen, sie wollen auf dem alten Boden des Vaterlandes für sich und ihre Nachkommen eine nationale Zukunft erbauen, sie wollen ein unabhängiges Dasein führen, sie sind der Sklaverei und der Unterdrückung entronnen, um fürder in Freiheit und Unabhängigkeit zu gedeihen. Sie wollen gehört werden bei der Gestaltung ihres Schicksals. Das sind keine Parias mehr, keine Bettler, die von der Gnade der Almosenspender leben. Es ist eine Vermessenheit, auf die Höhe der Geldsummen zu pochen, die man ihnen angeblich „aus eigener Tasche“ geschenkt hat, und daraus das Recht herzuleiten, sie am Gängelbande zu führen, ln dem vorliegenden Falle trifft nicht einmal das zu.' Denn die Summen, aus v denen sich die Fonds des Technikums zusammensetzen, stammen nur zu einem verschwindend' geringen' Teil ■' vom ,,HiIfsverein der deutschen Juden“. Sie sind '• hauptsächlich von russischen und amerikanischen Juden aufgebracht und dem Hilfsverein auch nur unter der : ausdrücklichen, von Herrn Jakob Schiff, New York, gestellten Bedingung überwiesen worden, daß sie nicht einen Bestandteil der allgemeinen Fonds dieses Vereins bilden, sondern ausschließlich den Zwecken des jüdischen Institus für technische Erziehung in Haifa dienen sollen. Folgende Ziffern beweisen das. Es haben für das Technikum in Haifa gespendet: Herr Wissotzky in Moskau 430 000 M., Herr Schiff in New York 420 000 M., Herr Rosenwald in Chicago 20000 M., Herr Karpas in Jekaterinoslaw 10000 M., zusammen also 880000 Mark. Dieser Summe steht die Spende des Herrn Dr. James Simon von 100000 M. gegenüber, ferner Erträgnisse von etwa 13000 M. aus der Cohn-Oppenheimschen Stiftung. An Stipendien wurden gestiftet: 10 ä 1000 M. für zehn Jahre von Herrn Rosenwald in Chicago, 15 ä 1000 M. von den amerikanischen B’nei Berith-Logen; einzelne Organisationen und Privat- leute in Amerika haben zusammen 17 Stipendien gestiftet. Ein Stipendium auf den Namen Achad Haams : hat Wissotzky errichtet, 12 Stipendien sind in Deutschland gesammelt worden. Alle aus Amerika stammenden Geldspenden und Stiftungen sind ausschließlich der Propaganda des früheren Duma-Abgeordneten, des Dr. Schemarja Levin, zu verdanken, der in verschiedenen Städten Amerikas ca. 50 Vorträge über die Notwendigkeit eines hebräischen Technikums in Palästina gehalten hat. Die Herren Wilensky und Feiwel hüben in Rußland ca. 80000 Mark für das Technikum gesammelt und der Leitung des Hilfsvereins übergeben. (Daß diese; Summe einstweilen anderen Zwecken zugeführt worden ist, kann weder den Spendern noch den Sammlern .zürn Vorwurf gereichen.) Der jüdische Nationalfonds hat das Areal, auf dem die Gebäude des Technikums sich erheben, im Werte von 100000 Fr. zur Verfügung gestellt. — Man sieht, der Hilfsverein und seine leitenden Männer haben sich pekuniär nicht allzusehr angestrengt, um die Mittel für das geplante Technikum herbeizuschaffen. Aber wir betonen nachdrücklich, daß dies nur Nebensache ist. Denn „gäbe einer auch alle Schatze seines Hauses hin, spotten würde man seiner“, wenn er sich deswegen anmaßen würde, ein Volk zu tyrannisieren. Völker sind nicht feil für Geldsummen. Wer sie lenken und regieren will, muß ihr Vertrauen und ihre Liebe gewinnen, und um dies zu erreichen, muß er mit dem Herzen und der Seele bei ihnen sein. Vor allen Dingen muß er ihnen tiefstes Verständnis entgegenbringen. Das Vertrauen und die Liebe, welche der Hilfsverein im Herzen der palästinensischen Judenheit gesäet hat, scheint aber. nicht sonderlich groß zu sein, da er jetzt gezwungen ist, die Hilfe der Polizei und des deutschen Konsuls gegen die Lehrer und Schüler seiner „eigenen“ Schulen anzurufen. Und von vielem Verständnis für die Volkspsyche zeigt es auch nicht, wenn man nach zehnjähriger Wirksamkeit mitten in einer Bevölkerung plötzlich in einen so schweren Konflikt mit ihr gerät und als Gegner ihrer tiefsten Herzenswünsche und seligsten Hoffnungen auftritt. * * Zum Sprachenstreit in Palästina. Protest des zionistischen Verbandes ehemaliger Hochschüler in Wien. An den Hilfsverein deutscher Juden in Berlin. Der Unterzeichnete zionistische Verband ehemaliger Hochschüler Oesterreichs protestiert auf das schärfste gegen das Vorgehen des Hilfsvereines der deutschen Juden in der Sprachenfrage am jüdischen Technikum in Haifa. Die zionistischen ehemaligen Hochschüler | Aktienkapital K 25 OOP OOP. | ZEmmBMi Ceskych Sporitelen der bohm. Sparkassen Filiale In Wien: I., Schottenring Nr. 1 — Schottengasse Nr. 10 Expositur: I., Wipplingerstraß e Nr. 22. GIROKONTI kulantest last Vereinbarung. — Vadien, Kantionen. Versicherung von Losen. | Reserven über K 2 QUO OOP. | 474 7o 12 IO auf Kassenscheine o ’4 auf Sparbücher Rückzahlungen bis K 5000 ohne Kündigung. Rentensteuer trägt die Bank aus Eigenem. Posterlagscheine gratis. mit 90 tägiger Kündigung. | Kassastunden von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends ununterbrochen. | Safe Deposits Größe Jährlich 1 K 6.- II „ 10.- III „20.- IV „30.- V „40.- VI „50.-

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