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Jüdische Zeitung · 1914-01-02 · 1 (2.1.1914) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 jüdische zeitung Seite 3 1 schulen ausgebrochen3war und zu heftigen Kämpfen in ganz Palästina geführt hatte, hat mit einer Niederlage des Hilfsvereins geendet. Die sämtlichen Lehrer der Mittelschule in Haifa, der Knabenschule in Jaffa, der Mädchenschule in Jerusalem, sowie die überwiegende Mehrzahl der Lehrer des Lehrerseminars und der Knabenschule in Jerusalem haben ihre Aemter niedergelegt und neue Schulen mit ausschließlich hebräischer Unterrichtssprache begründet. Das neue Lehrerseminar in Jerusalem unter der Leitung des früheren Hilfsvereins-Direktors David J eil in zählt bereits 80 von den 95 Zöglingen des Hilfsvereinsseminars. Von den 150 Schülern der Hilfsvereinsschule in Jaffa sind 110 zur neuen hebräischen Knabenschule übergegangen, ähnlich bei den anderen Schulen. Dr. Paul Nathan, der Geschäftsführer des Hilfsvereins, und dessen Generalsekretär Dr. Kohn, die seit mehreren Wochen zur Schlichtung des Schulstreits in Palästina weilten, sind am 23. Dezember unverrichteter Dinge wieder abgereist Oie Wiener Kultusgemeinde and der Sciralstreit in Palästina. Am 29. Dezember 1913 fand in einer öffentlichen Sitzung des Kultusvorstandes die Budgetberatung statt. Dr. Leopold Kohn fungierte als Finanzreferent und erläuterte in einer einstündigen Rede die Bilanz, die ein Etat von über 3,500,000 K aufweist. Als erster Redner der darauffolgenden Debatte ergriff Kultusvorsteher Dr. Jakob Ehrlich das Wort, der den Standpunkt der zionistischen Vertreter darlegte. Der Wiener Kultusvorstand, sagte er unter anderem, biete nicht das Bild eines Vertretungskörpers, wie man es von einem Gemeinwesen, dem nahezu 200,000 Seelen angehören, wohl erwarten könnte. Vermöge ihrer Einrichtungen, Schulen, Anstalten usw. könnte die Wiener jüdische Gemeinde in der Judenheit unserer Reichshälfte die führende Rolle spielen. Was sehen wir dagegen, die Kultusgemeinde ist völlig untätig, sie ist einflußlos. Dies hat sich auch bei den Beratungen über die Schaffung einer gesetzlichen Vertretungder österreichischen Kultusgemeinde gezeigt. Aber nicht nur die Kultusgemeinde, auch der Kultusvorstand entbehrt jeglichen Einflusses auf das jüdische Leben und jeglichen Ansehens. Von den 36 Kultusvorstehern gehören 11 dem Vertreterkollegium an, wo alles beschlossen wird und von wo aus die Anträge an das Plenum geleitet werden. Infolgedessen sind die nicht im Vertreterkollegium sitzenden Kultusvorsteher völlig einflußlos. Dr. Ehrlich verweist hierauf in längeren Ausführungen, daß unter anderem der Antrag der zionistischen Kultusvorsteher auf Oeffentlich-Erklärung der Sitzungen und Einsetzung einer Palästinakommission, obwohl er bereits vor acht Monaten eingebracht wurde, immer noch nicht zur Beratung gelangt ist. Er befaßt sich weiter mit dem rückschrittlichen Wahlsystem der Kultusgemeinde und wendet sich insbesondere gegen die Kurie der Höherbesteuerten. Er bespricht weiter auf die einzelnen Posten der Bilanz eingehend, wendet er sich dagegen, daß die Gebühren für Ehescheidungen usw. nicht an die Gemeindekasse, sondern unmittelbar und ohne jede Kontrolle an einen Rabbiner abgeführt werden. Zum Steil- Größte Auswahl und Eecfifrequisiten. Mitglieder von Verbind ungen, SporN.Tourisien- und Turnvereinen erhalten auf die auf jedem - Stück ersichtlichen Preise einen lOgigen RabaH. Schlüsse seinerRede, die im Kultusvorstand mit | großer Aufmerksamkeit angehört wurde, verj langt er die Herabsetzung desSteuerminimums, j! und zwar nicht nur vom finanziellen Stand- \ punkte, sondern vielmehr zur Hebung des Anj sehens der Kultusgemeinde. Unmittelbar nach ihm meldet sich Ob.- j Ing. Robert Stricker zum Wort. Anknüpfend an die Worte des Finanzreferenten, der in seinen Ausführungen sich über die künftigen Bauten der Kultusgemeinde ausbreitete und zur Sparsamkeit mahnte, legt er auf Grund von Daten dar, daß sich bei den vorhandenen Mitteln der Kultusgemeinde die Ausführung von Bauten unmöglich erweisen werde, insolange der jetzige unfähige Leiter des technischen Amtes der Kultusgemeinde in seiner Stellung belassen werde. (Allgem. Zustimmung.) Nach einigen Details kommt er auf die letzten Vorgänge in Palästina zu sprechen. An der Hand von authentischen Berichten schildert er die letzten Gewaltstrciche des Hilfsvereins der deutschen Juden in Palästina und die Erregung der dortigen Bevölkerung. Er verlangt mit Rücksicht auf die jüngsten Vorgänge in der von einer Jüdin als österr. Anstalt gegründeten und von der Kultusgemeinde unterstützten Lämmelschule in Jerusalem, die Streichung der in der Bilanz angeführten Subvention. Er macht auch der Kultusgemeinde zum Vorwurf, daß sie diese Schule durch Abtretung der Verwaltung an den Hilfsverein zu einem Machtmittel der deutschen Expansionspolitik werden ließ. Der Kultusvorstand hat auch dem Direktor Efraim Kohn j den Franz-Josefsorden verschafft. 1 Nach einer längeren Debatte, in der sich fast alle Redner zu der Frage der Lämmelschule äußerten und in der Herr Salomon Cohn auf Grund der ihm in Berlin gemachten Aeußerungen erklärte, daß der Hilfsverein der . größte Feind der Zionisten ^sei, ergriff kais. , Rat Jonas Weil das Wort. Er benutzt die Gelegenheit, um daran zu erinnern, daß er, obzwar kein Zionist, doch immer dafür eingetreten sei, den Zionisten die ihnen gebührenden Mandate im Kultusvorstande einzuräumen. Nunmehr, da zwei zionistische Vertreter ein Jahr im Vorstände wirken, konstatiert er mit Genugtuung, daß diese beiden Herren das Niveau der Verhandlungen bedeutend gehoben haben. Er spricht für die Sistierung der Auszahlung von Geldern an die Lämmelschule insolange, als die jetzigen unhaltbaren Verhältnisse nicht geklärt sind. Unter dem Eindrücke der Rede des Ob.-Ing. Robert Stricker wurde der von den zionistischen Vertretern gestellte Antrag auf Sistierung der Zahlungen an die Lämmelschule einstimmig zum Beschluß erhoben. Alle Redner, auch die nichtzionistischen, erklärten sich gegen die Einschränkung der hebräischen Sprache in Palästina. Dem Hilfsverein möge dies als Lehre dienen. RCSTAIIAHT IAH» PIIRAS im Neubau des -er HOTEL NEW-YORK -== Wien, II., Kleine Sperlgasse 5 bietet den P. T. Gästen allen Komfort. - Küche und Keller sind als erstklassig bekannt. Eleeante u geräumige Lokalitäten Hochzeits¬ und Festbankette werden bestens arrangiert. aus der Fabrik L. T. Piovatl Zentral-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN I., Adlergasse 3, L, Franz Josefs-Qual 19. Versand nach dem ln- und Auslande. Solideste Bedienung. 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