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Jüdische Zeitung · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 JÜDISCHE ZEITUNG Seit© 5; Die Sitzung vom 6. Oktober des Zentralkomitees hat einen Beschluß bezüglich der Presse gefaßt, welcher dahin geht, eine Zeitungsgesellschaft zu gründen, deren Aufgabe der weitere Ausbau der „Jüdischen Zeitung“ sein soll. Das Zentralkomitee ist jetzt gerade bemüht, diesen Beschluß zur Durchführung zu bringen und hofft bis Ende dieses Jahres diese Aktion durchzuführen. Finanzielle Leistungen. Die finanziellen Leistungen der w.-ö. Organisation sind in steter Zunahme begriffen und weisen gegenüber den früheren Jahren eine fast mehr als 30perzentige Steigerung auf. insbesondere sind die Eingänge für Schekel und Zentralfond nicht nur gestiegen, sondern zeigen auch eine gewisse Regelmäßigkeit in den Zunahmen. Für 1913 sind bis 31. Oktober an Schkolim 9850 K, die fast zu g’sieben Teilen auf die einzelnen Distrikte entfallen, für Zentralfonds 10.200 K, zusammen über 20.500 K eingegangen, (ln diesem Betrage sind nicht eingerechnet die in den letzten Wochen in Westösterreich aufgebrachten Mittel für.den Zentralfonds im Betrage von ca. 9000 K.) Wenn man diese Leistungen z. B. mit den Leistungen Deutschlands verleicht, die im laufenden Jahre für Schekel und entralfonds _ etwa über 21.000 K aufgebracht haben, so ist die Opferwilligkeit der w.-ö. Zionisten besonnen hoch anzuschlagen. Deutschland hat 600.000 Juden, die eine wirtschaftlich bessere Position haben ais die österreichischen Juden, deren Zahl nur ca. 400.000 beträgt. Dazu kommt noch, daß in Oesterreich die letzte Krise sich besonders schwer fühlbar macht. Wie die in den letzten1 Wochen für den Zentralfonds eingeleiteten Sammlungen beweisen, ist für die Zukunft seitens unserer w.-ö. Gesinnungsgenossen eine .erhöhte Leistungsfähigkeit zu erwarten. Für NF. und sonstige Palästinazwecke sind im laufenden Jahre bis Ende Oktober 90.000 K, für Parteisteuer ca. K 6000 eingeflossen. Somit betragen die in den ersten zehn Monaten 1913 in Westösterreich für zionistische Zwecke aufgebrachten Mittel rund K 120.000. Der jüdische Handlungsgehilfenverband. Eine erfreuliche Tatsache ist das immer stärkere Uebergreifen des nationalen Gedankens auf Kreise, die bisher dem Judentum fast entfremdet_ galten, ln den letzten Jahren hat unter den jüdischen Handels- und Privatangestellten der Gedanke der nationalen Gewerkschaft, also der wirtschaftlichen und sozia'en Hebung dieser Berufsschichte durch Selbsthilfe, verbunden mit nationalem Bewußtsein, immer mehr Anhänger gefunden. Im „Jüdischen Handlungsgehilfe n v e r b a n d“ fand dieser Gedanke seinen praktischen Ausdruck. Von Wien ausgehend, zog diese Organisation ein Netz von Ortsgrupnen über Mähren uni Schlesien. Gegenwärtig zählt der I. H. V. Gruppen in Wien, Mähr -Ostrau, Proßnitz, Göding, Ung.-Hradisch, Bielitz, Freistadt, Dombrau, Oriau, Graz, ferner eine Anzahl Zahlstellen, wie Oderberg. Boskowitz, Ung.- Brod, Teschen u. a. und hat eine Anzahl Gehi’fenvertretungen erobert. Der Verband gibt ein eigenes Organ, ,.,Der Jüdische Handlungsangestellte“ allmonatlich in einer Auflage von 2000 Exemplaren heraus. Anläßlich des XI. Zionistenkongresses berief der Verband eine Weltkonferenz der jüdischen Angestellten nach Wie" ein. Bei derselben erschien eine größere Anzahl russischer, deutscher und österreichischer Angestellter und wurde nach einem Referat über die wirtschaftliche Lage der jüdischen Angestellten beschlossen. in Wien ein Sekretariat zu errichten, daß sich mit der Gründung von jüdischen Gewerkschaften von Handelsangestellten auch in außerösterreichischen Ländern zu beschäftigen hat, die sich snäter zu einer We'+o’-ganisa+ion zusammenschließen sollten. Tatsächlich ist gegenwärtig eine solche Bewegung in Deutschland und Kroatien im Zuge. Der Verband fördert auch die jüdische Turnbewegung, indem er überall dort, wo keine jüdischen Turnvereine bestehen, Angestellten-Turnverein gründet; so in Wien II. in Dombrau und in den letzten Tagen in Göding. Das Zentralkomitee und das mähr.-schlesische Distriktskomitee ließen den Bestrebungen dieses Verbandes weitgehendste Unterstützung, und Förderung angedeihen. Palästinaarbeit. Die Prinzipien der Palästinatätigkeit, die von der w.-ö. Organisation vor Jahren aufgestellt wurden, sind Gemeingut der gesamten zionistischen Organisation geworden. Die Propaganda für Palästina hat immer weitere Kreise selbst über den Rahmen der Organisation hinausgezogen. Als Beweis dafür gelten die Zuwendungen für palästinensische Institutionen nicht zionistischer Organisationen. Die Propaganda des Zentralkomitees wurde wesentlich unterstützt durch das von der „Jüdischen Zeitung“ herausgegebene Werk „Palästina im Bild“ und die Palästinalichtbilder. Lichtbi’dervorträge fanden in ca. 60 Städten unseres Verbandes statt, außerdem auch in Ungarn, Kroatien usw. Es fanden ferner in einer Reihe von Städten Bezalelausstellungen statt, die den Erzeugnissen des Bezalel immer größere Popularität brachten. Ueber Veranlassung des Geschäftsleiters des Bezalel, Herrn Estermann, hat sich1 ein Komitee gebildet, welches die Gründung einer Bezalelvertriebsgeseilschaft für Westösterreich betreibt. Das Komitee ist eben daran, die finanziellen Grundlagen zu beschaffen. Die von den Mittelschülern eingeleiteten Sammlungen für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem haben ca. 1800 K ergeben. Für das Hebräische Gymnasium in Jaffa ist in den letzten Tagen von einem Wiener Gg. 500 K gespendet worden. Die Zeitscnrift „Palästina“ wurde bis Ende 1912 von unserem früheren Präsidenten herausgegeben. Das Aktionskomitee vertrat den Standpunkt, daß ein weiteres Erscheinen dieser Zeitschrift nicht notwendig ist, da die Palästinarubrik der „Welt“ genügend Ersatz hiefür bietet. Da auch trotz des am letzten Parteitag gefaßten Beschlusses, welcher den Vereinen für einen Teil ihrer Mitglieder das Abonnement der Zeitschrift zur Pflicht machte, nicht durchgeführt wurde, sah sich der Herausgeber veranlaßt, das Weitererscheinen einzustellen. Palästinainformationsbureau. Das Palästinainformationsbureau, welches vom ZK. gegründet wurde, hat auch in der abgelaufenen Berichtsperiode den Anforderungen, welche an dieses gestellt wurde, entsprochen. Der Vertrag mit dem „Oesterr. Lloyd“ ist Ende Juli abgelaufen und Gg. Böhm und der Leiter des Informationsbureaus Gg. Menazeach begaben sich nach Triest, um.’ den Vertrag zu erneuern. Da sich die Notwendigkeit herausstellte, nicht nur in Wien, sondern auch in anderen Städten Informationsbureaus zu errichten, wurde der Vertrag nunmehr zwischen dem Aktionskomitee und dem1 Lloyd perfektioniert. Das Informationsbureau hat das Hauptgewicht auf die Veranstaltung von Gesellschaftsreisen gelegt, doch konnten dieselben infolge Teilnahmslosigkeit unserer Gesinnungsgenossen nur in beschränktem Umfange durchgeführt werden. Kultusgemeindeaktion. Im letzten Jahre hat sich ein Ereignis vollzogen, dem eine über lokale Interessen hinausgehende Bedeutung zukommt. In die Wiener Kultusgemeinde sind zwei Gesinnungsgenossen, die Mitglieder des ZK. Dr. Jakob Ehrlich und Ing. Robert Stricker eingezogen. In der kurzen Zeit ihrer Tätigkeit haben siebereits eine Reihe von Forderungen unseres Kultusgemeindeprogramms wiederholt zur Sprache gebracht und teilweise durchgesetzt. Unter anderem ist hervorzuheben, daß über ihre Veranlassung auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen des Wiener Kultusgemeindevorstandes die Errichtung einer Palästinakommission gesetzt wurde. Nach dem! Parteitag wird ein Bericht über die Tätigkeit der Knltusvorsteher erstattet werden. Auch in den anderen Gemeinden haben sich unsere Gesinnungsgenossen an den Wahlen beteiligt und es ist ihnen an Einigen Orten gelungen, in die Kultusgemeindevorstände einzudringen. Gegenwärtig sitzen zionistische Vertreter in den Kultusgemeinden Mähr.-Ostrau, Bielitz, Olmütz, Troppau, Proßnitz (in Igiau haben fünf Gesinnungsgenossen ihre Mandate wegen eines Konfliktes mit den Gegnern niedergelegt), Gablonz, Horazdowitz, Komotau und T eplitz-Schönau. Hebräische Sprache. Das Zentralkomitee hat mit Nachdruck die Propaganda für die Verbreitung der hebräischen Sprache betrieben. In Wien wurde ein hebräischer Sprachverein gegründet, welchem die Einrichtung von hebräischen Kursen obliegt, die Tätigkeit von bestehenden Kursen überwacht und was besonders wichtig ist, eine genaue Auswahl befähigter Lehrer trifft. Der letzte Distriktstag in Böhmen hat sich zum überwiegenden Teile mit der Kulturfrage beschäftigt und eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, welche die Förderung der hebräischen Sprache bezwecken. Auch geht man in Prag daran, die Gründung eines hebräischen Kindergartens vorzubereiten. Im allgemeinen kann man erfreulicherweise konstatieren, daß die Erlernung der hebräischen Sprache von immer weiteren Kreisen unserer Parteigenossen, selbst älteren, als ein integrierender Bestandteil zionistischer Betätigung empfunden wird. Vertretung nach außen. Der Verkehr des Zentralkomitees sowohl mit den überals untergeordneten Behörden ist ein besonders intensiver gewesen. Das Zentral komitee stand im ständigen Kontakt mit dem Zentralbureau Berlin und dem Aktionskomitee, mit dem nicht allein administrative, sondern die Ausführung aller zionistischen Fragen beraten ■wurde. Bei den meisten Sitzungen des A. C_ ist unser früherer Präsident ' Gg. Adolf: BÖhran-er* schienen und hat an den Beratiir^en'^ irfSböWnP dere der Palästinaarbeit, wesentlichen Anteil gie* nommen. Bei der Sitzung: des Zentrhlattssemis**~ ses in Berlin imr Jahre 1912 warunser« Orga-~ nisation durch die Gg. Dr. Egon Zweig, Ob.- Ing. Stricker, Ehr. Isidor Margulies, Gustav*" Finzi und Leo Krieger vertreten. Die w.-ö*3 Landsmannschaft zählte auf dem XI. Zionisten-« kongresse 33 Delegierte und entsendetein'! dert« Permanenzausschuß 3 Mitglieder des- G. A* DrC- Emil Margulies, E)r; Isidori Margulie*'URÄ<JOfcfr Ing. Robert Stricker*■•Id3 date" größer Afeticin#* komitee wurde Gg. Robert Stricker' gewählt^ da das bisherige Mitglied Adolf Böhm trotz wiederholten Vorstellungen seitens des A. G. und auch insbesondere seitens der w.-ö. Landsmannschaft und des Zentralkomitees eine Wiederwahl nicht annehmen wollte. Sekretariat und Bureau. Das Sekretariat wurde ha Jahre 1912 von* einem Gesinnungsgenossen im- Nebenamte geleitet. Ueber Vorschlag des A.-K. im Jahre 191$ ’ wurde das Sekretariat ausgebaut und führte auch gleichzeitig die Geschäfte des - L-ö: Dis?«- triktskomitees und deszionistischen Zentralvereines in Wien. Budget. Für das Budget des Zentralkomitees solltendie Distriktskomitees vereinbarungsgemäß " je" 1000 K, zusammen 3000 K leisten. Außerdem hat das A.-C. für das Jahr 1913 ausschließlich für das Sekretariat und’ Bureau eine monatliche- Subvention von 200 Mark geleistet;' Die Distriktskomitees kamen ihren Verpflichtungensehr’ unregelmäßig und nur teilweise nach. Im Ganzen wurden an 1500f K statt 3000' K zur Verfügung gestellt Es mußtendaher eine- Reihevon Arbeiten zurückgesteltt werden, insbesondereder Ausbau der Broschürenpropaganda uhd die Anlegung eines Katasters. Der Parteitag wird in dieser Hinsicht Wandel schaffen müssen. Schlußbemerkungen. Der Bericht des Zentral-Komitees konnte nur in großen Umrissen ein Bild von den Ereignissen und Fortschritten unserer Bewegung-- in den letzten zwei Jahren geben. Auf die Details einzugehen hielten wir es nicht für nptwendig, da die einzelnen Distriktskoimteesühre Tätigkeitsberichte an den Distriktstag - stetspublizierten. PavteisHacbiiclitcc Makkabäerfeier. Die diesjährige gemeinsame Makkabäerfeier der Wiener zionistischen Korporationen findet am 27. Dezember 1913 im Großen Musikvereinssaale statt Ein engeres Komitee; an -dessen- Spitze der Präsident des ZK., Herr Dr. Karl Pollak steht, ist seit einigen Wochen mit den-1 Vorarbeiten beschäftigt und es beginnt nunmehrdie Versendung der Einladungen und' der Verkauf der Karten. , Wir bitten1 dringendst ' alle Gg* Gg:, stefiT für den Besuch dieser Feier, die einen besonderswürdigen Verlauf zu nehmen verspricht täte kräftigst einzusetzen und für den Kartenverkauf persönlich tätig zu sein. Ein eventuelles! Reinerträgnis soll dem Agitationsfond, zufließen und ist es schon mit Rücksicht auf. die großen- Aufgaben, die in Bezug auf die Propaganda' im Laufe der nächsten Zeit durchzuführen sind; dringend nötig, hinreichende Mittet verfügbar zu haben. Gesinnungsgenossen, die Karten-für den Ver-- kauf zu übernehmen wünschen, mögen" steh an Gg. Ing. Köppl wenden, der jeden Sonntag von 10—12 Uhr sowie Mittwoch und! Samstag; von < i/»7—ys8 Uhr im Zionistischen Bureau; II., Karmeliterplatz 1 zu treffen" ist Eventneffe" Auskünfte werden durch das Bureau bereitwilligst erteilt. (Telephonnummer 220551) Dtörtselbst werden auch einebeschränkte“ An?ahl Sitzplätze - ä 1 K an organisierte Gg. ausgegebett. Adressen von Personen, denen EBifadungete gesandt werden sollen; können telephonisch oder schriftlich angegeben werden. *• Große Jwgendmakkabäerfeter. Die „Wiener Zionistische Verengung“ und. der Jüdische Wanderbund „Blau-Weiß“ veranstalteten Sonntag, den 21. Dezember, ine großen- Festsaal des Hotel Continental eine Jung^Jüdische Makkabäerfeier: Karten ä-K 1.20 und 60 Helles sind bei den Mitgliedern der jjeideir Korporationen wird an der Kassa des Cafe Marienbrücke erhältlich.

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