Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 49 (5.12.1913)
- Date
- 1913-12-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 49 aSefieht des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich an /den .IV. westösterr. Zionistentag in Prag, 7. u. 8. Dezember 1913. Personalia. Der- III. Zionistentag in Brünn im Dezember 1911' hat in das w.-ö. Zentralkomitee folgende Gesinnungsgenossen gewählt: zum Präsidenten sAdolfnBolun,' ferner Dr. Jakob Ehrlidh, Dr. Emil ■;Stein, Ob.TIng. Robert Stricker, Dr. Egon Zweig, JDr. ,/Fritz Eckstein (Wien), Josef Süßmandel JMähr.-Ostrau), Rabb. Dr. Julius Reach (Gaya), -Dr.-Schönhof (Brünh), Rabb.'Dr. Simon Fried- ■anaim .(Troppau), "Ernst Bechert (Teplitz-Sdiönap), 'Max Sapdek (Kolin), Dr. Emil Margulies (Ledmeritz), Frau Elisabeth Perutz (Teplitz- Sdiönau),Dr. Ludwig Singer (Prag). Da Gg. Bechert das -Mandat nicht annahm, trat "Gg. -’Dr. Hermann Hirsch als Ersatzmann in r> das.jZentrnikomitee. Das ,Z. K. konstituierte sich - .wie folgt. Zum I. Vizepräsidenten wurde Dr. Emil /Margulies, zum II. Dr. Egon Zweig gewählt. -Den geschäftsführenden Ausschuß bildeten die in ''«Wien -/domizilierenden <3g. Adolf Böhm, Dr. fFritz / Eckstein, Dr. Jakob Ehrlich, Dr. Emil .Stein, Ob(-Ing. -Robert Stricker, Dr. Egon Zweig. Infolge, prinzipieller Differenzen über gewisse ‘ Fragen hn'Zionismus mit einem Teile der Gg. hat ■Herr Böhm«eineDemisSjon als Präsident und Mitglied ■ desZ. c K. gegeben, trotzdem das Z. K. in . sdner ■ -Sitzung. .vom 6. Jänner 1913 Herrn in seiner Sitzung ,vom 6. Jänner 1913 ihn seines uneingeschränkten Vertrauens versicherte. Da dieser -Entschloß unabänderlich' war, sah1 sich (das Z. :;JC .veranlaßt1 Gg. Dr. Karl Poliak in ..Wien -fcum Mitgliedrdes Z. K.und provisorischen 'Präsidenten zu wählen. Außerdem wurde noch 'der "damalige ' Obmann des i. ö. Distriktskomi- --tees, Dr. Leopold Meisel kooptiert. Aufgabende* Zentralkomitees. -Dje, dem Zentralkomitee zugewiesenen Aufgaben sind durch das ’ Organisationsstatut bestimmt-lnfolge der - eigentümlichen organisatorischen Verhältnisse . in /Unserem. Verbände wurde ..das -Z. JC--nicht-mit.-Jener Machtbefugnis ausgestattet .und. ihm nicht.jene Arbeitsmöglichkeiten ."eingeräumt, wie sie die oberste Leitung anderer Landesverbände: besitzen. Dies ist aus der historischen /Entstehung :unserer Organisationsform zu verklären. Der-Prager Parteitag im Jahre 1904 b^ründ.ete die Autonomie der Distrikte, die . schließlich dazu führte, daß die österr. Orga- ■ nisation -in' 7'-'Einzelorganisationen zerfiel, die /•eine -'Zeitlang/: ohne gem^idspme Leitung neben- -önander bestaadeh. Zwei Jahre später folgte 4ie .vollständige Loslösung der galizischen Di- '.striJctskomitees .und.;deren. Zusammenfassung zu „der .galizischen Landesorganisation. Die drei -t'Wes^sterr.i.TDistriktsk'Omitees standen somit vor tder.’Notwendigkeit mch/gleichfalls zu einem eigenen -iVierhaiale »zusaaunenzusdiließen. Der Zusammenschluß erfolgte auf dem I. (Brünner) »(/westösterr. rZiouistentage zu Pfingsten 1908, weither -.-jedochängstlich - darauf bedacht war, die Autonomie der Distrikts nicht zu schmälern. Das Zentralkomitee wurde lediglich als eine -^repräsentative und die Tätigkeit der Distrikts- —k/aniitees ,-und .der -zionistischen Presse überwachende Oberbehörde" eingesetzt Darüber hinaus vging.'iseine' Machtbefugnisnidht. Diese Beschrän- /-kcmg der- Kompetenz /des Zentralkomitees hatte "•ihre Ursache -in - den verschiedenen gearteten! /'Verhältnissen.ein den einzelnen Distrikten. Wesentlicher hiefür - waren jedoch die differenten Ansphammgen - über die Taktik und über die -.SteUung -zu den landespolitischen Fragen, die isnm/(diese- Zeit - besondere Aktualität besaßen. An:«diesem Zustande .änderte der II. Zionistentag rin -Wien -nichts. Erstder HI. Tagung in Brünn -hlieb-„es Vorbehalten, unserer Organisation ein -ifleues Statut zu geben. Dieses’Statut stellt ein Komproinls zwischen „den -Anhängern unbedingter Zentralisation und .'den Verfechtern der .Distriktsautonomie dar. Der Wirkungskreis. .des Zentralkomitees wurde er- .-.weitert, >ohne die Selbstständige Stellung der . -Distriktskomitees einzuschränken. Die inneren // A^ogelegenheiten der Distriktsorganisationen wer- ,.,i!eni auch. weiterhin autonom durch die Distrikts- /’komitees erledigt. - Zu einer einheitlichen, von / .'.einer . 'Zentralstelle aus geleiteten Oiganisation . ..ist unser Verband somit nicht gediehen. Der ' fetzte Zionisteatag hat dem Z. K. auch das Recht Tauf' den unmittelbaren Verkehr mit den Einzel- Organisationen eingeräumt, wodurch ihm die . Möglichkeit geboten werden sollte, direkten Ein- •fhifr auf -die Tätigkeit der Vereine zu üben. Von;.diesem »Recht hat das Z. K. in keinem Falle .Gebränchgeniacht,:da die Distriktskomitees insbesondere .in administrativer Hinsicht klaglos .funktionieren. Das erste Jahr der Berichtsperiode ••war diesbezüglich als Uebergansstadium gedacht, im ^zweiten/Jahre ließen es zwei Umstände ratsam .erscheinen, nur " im Wege der D. K. an die •/Organisation heranzutreten.' Die Krise im Prä- .siätum, ./die -uns nicht nur des Führers beraubte. . sondern uns auch einer ungemein schaffensfreudige Arbeitskraft entbehren ließ und die Kongreßvorbereitungen, die alle Arbeitskräfte banden. So konnte sich die Tätigkeit des Zentralkomitees nur innerhalb eng gezogener Grenzen bewegen. Propaganda. Die -Propagandatätigkeit hat sich nach ihrer prinzipiellen Seite in jenen Richtlinien bewegt, die vom früheren Z. K. festgelegt wurden. Sie sollte nicht nur ein Mittel sein, um unserer Bewegung neue Massen zuzuführen, sondern — und darauf wurde das Hauptgewicht gelegt — eine Vertiefung des zionistischen Gedankens bei unseren Anhängern zu ermöglichen. Diesem Bestreben kam zustatten, daß Gg. Blumenfeld Sekretär der E. A. C. über Veranlassung des Z. K., es auf sich nahm, einen großen Teil der Versammlungspropaganda zu bestreiten. Herr Blumenfeld absolvierte mehrere Tournees, die ihn in fast alle größeren Städte Westösterreichs führten. Die Wirkung seiner Reden, die das Niveau üblicher Versammlungsreden weit überragten und eine systematische Propaganda darstellten, äußerten sich nicht allein in einer erhöhten organisatorischen Tätigkeit und Leistungsfähigkeit der einzelnen Gruppen, sondern wesentlich in einer Verinnerlichung des nationalen Geistes unserer Parteigenossen. Es darf hier ruhig behauptet werden, daß es zum großen Teil der Tätigkeit Blumenfelds zu danken ist, wenn die Auffassung vom Wesen des Zionismus — insbesondere von seinem nationalen Gehalte — von wenigen Ausnahmen abgesehen — in unserer westösterr. Organisation eine einheitliche geworden ist und jene Konfliktsstoffe, die eine ruhige Entwicklung hinderten, geschwunden sind. Auch das Mitglied des E. A. C. Herr Dr, Schemarja Levin sprach in einer Reihe von Städten und erzielte durch seine gehaltvolle Reden bedeutsame Erfolge. Außerdem wurde eine sehr rege Versammlungstätigkeit von Parteigenossen, insbesondere Mitgliedern des Z. K., aus unserem Verbände betrieben, die hier namentlich aufzuzählen zu weit führen würde. Die Zahl der in den letzten zwei Jahren abgehaltenen Versammlungen anzugeben, ist unmöglich, da eine Statistik darüber nicht existiert. Diese zu führen wird aber für die Zukunft unerläßlich sein, da die Ueberwachung der Tätigkeit der Ortsgruppen rigoroser werden muß. Neben der Förderung der Versammlüngstätigkeit, die mangels geeigneter Redner noch immer nicht in wünschenswertem Ausmaße durchgeführt werden konnte, hat das Zentralkomitee in diesem Jahre zum erstenmal eine planmäßige Broschürenpropaganda in Angriff genommen. Vor dem Kongresse gab das Z. K. die von Gg. Böbm geschriebene Broschüre „Der XI. Zionistenkongreß“ in Wien“, in 10.000 Exemplaren heraus, die nach dem Kongresse inngearbeitet und in weiteren 10.000 Exemplaren aufgelegt wurde. Das Z. K. hat auch ein ' Flugblatt seines Mitgliedes Doktor E. Stein in 10.000 Exemplaren ediert, das Tn Anknüpfung an ein aktuelles Ereignis (Beilisprozeß) das zionistische Programm1 behandelt. Die Versendung und Verteilung dieser Broschüren erfolgte in Innerösterreich — hier vornehmlich in Wien — in Mähren-Schlesien und in einem Teile Böhmens. Nachrichten über den Erfolg dieses Propagandamittels liegen bisher nur aus Wien vor. Hier äußerte er sich in einer verhältnismäßig stattlichen Zahl von Neuanmeldungen zur bürgerlichen Organisation. Die Tätigkeit der Einzelorganisationen blieb natürlich nicht auf diese beiden Propagandamöglichkeiten beschränkt Es fanden eine Anzahl von internen Vereinsveranstaltungen statt, von denen insbesondere die voh einigen Studentenvereinen eingerichteten Seminarien zur wissenschaftlichen Behandlung zionistischer Probleme erwähnenswert sind. Der XL Kongreß in Wien. Als im September 1912 auf der Sitzung des Zentralausschusses in Berlin über besonderen Wunsch der westösterreichischen Organisation der Beschluß gefaßt wurde, den XI. Kongreß in Wien abzuhalten, haben vor allem unsere Gegner ein vollständiges Fiasko vorausgesagt Aber auch aus der Mitte unserer Organisation wurden Stimmen laut, die der Befürchtung Ausdruck gaben, der Kongreß werde im antisemitischen Wien nicht nur auf Hindernisse stoßen, sondern insbesondere mit Rücksicht auf die bisher wenig freundliche Haltung der liberalen Presse in der Bevölkerung keine Resonanz finden. Der grandiose Verlauf und das laute Echo, den die Kongreßverhandlungen überall, namentlich in der Presse fanden, haben all die Unglückspropheten Lügen gestraft Noch keiner derbisherio'.en Kongresse wurde von der umgebenden Welt.mit so reger und wohlwollender Anteilnahme begleitet Insbesondere die Wiener Presse hat während der Kongreßzeit täglich sehr ausführlich und sympathisch über den Verlauf berichtet. Wenn dies ermöglicht wurde, so ist es zum großen Teil ein Verdienst des Z. K., insbesondere des G. A. und des Sekretariats. Schon im Jänner d. J. hat unser Sekretariat über Auftrag des A. C. mit den Vorbereitungen für den Kongreß begonnen. Dieselben erstreckten sich zum größten Teil auf Verhandlungen mit den amtlichen Organen und Behörden. Diese Arbeit war eine äußerst schwierige und langwierige, und wurde lerst 'durch das vom A. C. am 1. Juni eingesetzte selbständig funktionierende Kongreßbüro abgelöst. Bei den Verhandlungen mit den Behörden hatten wir Gelegenheit festzustellen, daß unseren Bestrebungen überall reges Interesse entgegengebracht wird. Dies veranlaßte uns', bei den maßgebenden Regierungsstellen über die Ziele unserer Bewegung AuHclärungen zu erteilen. Der Kongreß hat auch die österr. insbesondere die Wiener Jugend für unsere Bestrebungen empfänglicher gemacht. Das Wiener D. K. ist über Weisung des Zentralkomitees jetzt dabei durch die nadi einem bestimmten Plan festgesetzte Propagandatätigkeit diese für uns günstige Stimmung auszunützen. Nationalfonds. Die Leitung der Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Oesterreich ist das letzte Ueberbleibsel der in Brüche gegangenen gesamtösterr. Organisation. Gegenwärtig sind seitens des Lemberger Zentralkomitees Bestrebungen im Zuge, die auf eine selbständige galizische Sammelstelle hinzielen. Die Entscheidung darüber wird im Januar 1914 auf der galizischen Landeskonferenz fallen. In der Berichtsperiode ist der langjährige Vorsitzende der Sammelstelle Gg. Dr. Egon Zweig infolge beruflicher Ueberlastung und anderweitiger zionistischer Inanspruchnahme zurückgetreten. Gg. Dr. Zweig stand seit Gründung der österreichischen Sammeistelle vor 6 Jahren an deren Spitze und es ist ausschließlich ihm zu danken, wenn diese Organisation nicht nur ausgezeichnet funktioniert, sondern auch beispielgebend für die Sammelstellen in anderen Ländern ist. Ueber die Tätigkeit der Sammelstelle wird ein eigener Bericht erstattet werden. Zusammenfassend sei hier nur erwähnt, daß in den letzten Jahren wohl eine absolute Steigerung der Einnahmen, doch gegenüber der Zunahme von Spenden in den anderen Ländern Oesterreichs relativ zurückblieb. Tum- und Sportbewegung. Als ein besonders erfreu'iches Moment kann das stetige Fortschreiten der jüdischen Turn- und Sportbewegung in Westösterreich hervorgehoben werden. Die Zahl dieser Organisationen ist in fortwährender Steigerung begriffen und hat immer weitere Kreise unserer Jugend in ihren Bann gezogen. Die w.-ö. Turnvereine haben sich zu einem eigenen Kreise zusammengeschlossen. Die Zahl derselben beträgt außer den Gruppen des Blau-Weiß-Bundes 18 und sind auch in einzelne Städte weitere Turnvereine in Gründung begriffen. Das ZK. stand mit den Leitern des Kreises in Verbindung und in der letzten Zeit wurde seitens des i.-ö. Distriktskomitees ein Vertreter der Wiener Lokalorganisationen in dasselbe kooptiert, um den Kontakt noch inniger zu gestalten. In die Berichtsperiode fällt auch die Gründung des Blau-Weiß-Bundes, durch dessen anerkennenswerte Bemünungen der Wanderbewegung in den Kreisen unserer Jugend Eingang verschafft wurde. Hier ist auch der Sportklub „Hakoah“ zu erwähnen, dem es dank seiner eisernen Energie gelang, in der österreichischen Sportwelt im Fußballspiel eine hervorragende Stellung zu erringen. Der Klub ist, obwohl er erst nicht viel länger als 3 Jahre besteht, bereits in die 2 A- Klasse aufgerückt lund hat, infolge seiner in den letzten Tagen errungenen Siege begründete Aussicht, im nächsten Jahre in die 1. Klasse zu gelangen. Auch in Prag ist ein Sportklub, „Hagibur“ ins Leben gerufen worden, der gleichfalls schöne Resultate aufzuweisen hat. Das Zentralkomitee hat auf die Tagesordnung dieses Parteitages ein Referat über die geistige und körperliche Erziehung unserer Jugend gesetzt, da es die eminente Wichtigkeit dieser Frage vollauf würdigt. Der Parteitag wird die Grundlage für eine systhematische Jugendarbeit zu legen haben. Presse. Im1 Stande der zionistischen Presse ist keine wesentliche Aenderung eingetreten. Die in Wien und Prag erscheinenden Blätter „Jüdische Zeitung“ und-„Selbstwehr“ unterstehen von der Organisation eingesetzten Preßkomitees. Die „Jüdische Zeitung“ hat in der abgelaufenen Periode dank der Opfenvilligkeit einiger Gesinnungsgenossen eine (günstige . Entwicklung genommen.