Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 48 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wmm n4 y' fr : ■’ii |: ■ i3 '■ * i, ) .1! f ii-ii ys m Urs!' filil i ' '$? Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr, 48 GRdF-Wcirfel Feinste Rindsuppe An Ausgiebigkeit und Wohlgeschmack ähnlichen Erzeugnissen weit überlegen. Graf-Würfel u. Würze Koscher jüdenfeindliche Kundgebungen in Bukarest. : (Demission des Kultusministers Dissescu.) In den letzten Tagen veranstaltete die hiesige antisemitische Studentenschaft heftige Straßendemonstrationen, die sich gegen den Kultusminister Dissescu richteten. Dieser hatte seine Zustimmung zur Aufführung eines Dramas erteilt, das den jüdischen Schriftsteller und Freiheitskämpfer Ronetti Roman zum Verfasser hat. Die freisinnige Tendenz des Stückes, die Person seines Autors und wohl auch der Titel „Manasse“ erregten das Mißfallen der reaktionären und judenfeindlichen Kreise, insbesondere der „nationalen“ Studentenverbindungen, in so hohem Maße, daß sie vom Kultusminister ein Aufföfirungsverbot erzwingen wollten. Da der Minister dem Wunsch der edlen Jünglinge nicht willfahren wollte, kam es zu ernsten Ruhestörungen, die schließlich einen derart heftigen Charakter annahmen, daß Kultusminister Dissescu sich genötigt sah, seine Demission einzureichen. HUI JAKOB PI1AS im Neubau des ntrr hotel new-york nto Wien, II., Kleine Sperigasse 5 bietet den P. T. Gästen allen Komfort. — KCcbe un Keller sind als erstklassig bekannt. Elegante un i geräumige Lokalitäten. Hochzeitsl und Festbankette werden bestens arrangiert. &&&&& aus der Fabrik L. T. Piovati Zeniral-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN I., Adlergasse 3. I., Franz Josefs-Quai 19. Versand nach dem In- und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurante gratis u. franko. •earaoGK>»CK>oQK>ocK>ocK>ocK>eaDo | Tanz - Institut! § für distinguierte Kreise § III., Taborstraße Nr. 20 a. | ® Direktion: Jacques Löw. § §Die P. T. Studierenden sowie Korporationen £ a genießen Honorarbegünstigungen. ■ cMomejro»cMamcMomcMomcMa9CM09cmo» Vereinsnatfiriditen. Wien. Die jüdisch-akademische Verbindung „Unitas“ hat am 17. November ihr 39. Semester durch einen äußerst gelungenen Festkommers im Neuen Wiener KonzerfhauS eröffnet. Außer den Vertretern befreundeter Verbindungen waren erschienen: Se. Magnifizenz der Rektor der tierärztlichen Hochschule Prof. Dr. Panzer, Primarius Universitätspröfessor Dr. S. Ehrmann, der Obmann des i.-ö. DK. Ludwig Batö, Oberst Wilhelm HusSerl, Kommerzialrat Sigmund Epler, Notar Bennann, Ad-' vokat Dr. Bermann, Kultusvorstand kais. Rat Knöpflmacher, Industrieller S. Gräber, Doktor Stiglitz, Wiener Alten 'Herren der Verbindung und ein zahlreiches distinguiertes Publikum. Die Rektoren der Universität und der technischen Hochschule Hofräte Prof. Wettstein und Prof. Sahulka hatten ihr Fernbleiben schriftlich entschuldigt und übermittelten der Verbindung in herzlicher Weise ihre Glückwünsche. Außerdem waren Begrüßungstelegramme zahlreicher gg. akad. Korporationen des In- und Auslandes und aller auswärtiger Alter Herred eingelaufenc Nadh der Begrüßung durch den Präses der Verbindung J. U. C. Kurt Epler hielt A. H. Dr. Ernst S k u t e t z k y eine beifällig aufgenommene Festrede, in welcher er die Aufgabe der Verbindung besprach. Prof. Panzer, Rektor der tierärztlichen Hochschule, beglückwünschte im Namen des Pnofessorenkollegiums die tierärztliche Hochschule die Verbindung „Unitas“, betonte, daß er das .Erwachen des nationalen Gedankens, frei von jedem Chauvinismus, getragen von den hohen Zielen 'dr Kultur, wie bei allen Nationen, so ■ auch bei den Juden begrüße. Prof. E h r m a n n führte in einer Ansprache die große Bedeutung des jüdischen Volkes für die menschliche Kultur aus, in deren Mosaikbild das jüdische .Element ein wertvolles Moment bilde. Es sprachen ferner Dr. Stern im Namen des Kartells Prager zionistischer Verbindungen, Dr. Stiglitz, exp. acad. Richard Almäsi auf die „Alten Herren“ und M. U. C. Ernst Hirsch auf die Damen. Im inoffiziellen Teil wurde ein von den Verbindungsmitgliedern verfaßtes musikalisch-humoristisches Stück „Der Bauernschreck“ aufgeführt, das lebhafte Heiterkeit und reichen Beifall erweckte. Dem Kommers schloß sich eine i Tanzunterhaltung an. Wien. (Jüdisch-akademische Verbindung „Robur“) Chargenwählen für das Winter-Semester 1913/14: med. Eugen Felix x, iur. Artur Bardach xx, Fx, ing. Robert Singer xxx. Wien. (Akad. Verein „Jüdische Kultur“;) Das Ergebnis der Ausschußwählen für das Wintersemester 1913/14 ergab folgendes Resultat: cand. med. Kaspar Blond, Präses; cand.' ing. Josef Gottlieb, Vizepräses; stud. med. Bernhard Täufer, Schriftführer. Wien. (Jüd.-akad. Verbindung „Ivria“.) Montag, den 1. Dezember 1. J., spricht hn' Rahbven der „Jüdischen Vortragsabende“ Herr Gg. Dr. Emil Stein über „Aktuelle Fragen des Jüdischen Nationalforids“. (Bude: IX., Glasergasse Nr. 4a.) Wien. (Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“, IX., Hörigasse 11.) Samstag, den 29. November, Dr. Willy Stein: Martin Buber II; Dienstag, den 2. -Dezember: Zionistisches Seminar, Leiter Herr Adolf Böhm; Referent: Herr Meiseimann: Tradition und Revolution. — Mittwoch, den 3. Dezember: Palästina- Seminar V. — Freitag, den 5. Dezember: Bibel-Abend. — Beginn der Vorträge und Seminarien präzise 8 Uhr. Gäste willkommen. Wien. (Vereinig, äbsolv. Handels- und Exportäkädemiker „Neure Jehuda“.) Am Dienstag, den 2. Dezember, findet auf der Bude, IX., Servitengasse 10, um 8 Uhr abends, ein Vortrag über den Jüd. Nationalfonds von Herrn Dr. Emil Stein statt. Gäste willkommen. Wien. Der zionistische Mäddhenverein „Moria“ veranstaltet in dieser Wintersaison einen Vortragszyklus. — Sonntag, den 30. d., Uhr nachmittags, spricht Herr Dr. Otto Abeies über Zionismus im Souterrainlokal des Cafe City, IX., Porzellangasse 1. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Jüd. Handlungsgehi’fenverband, Ortsgruppe Wien, II Taborstraße 11 b.) Samstagl den 29. d. M. findet ein Vortrag des Herrn Fachlehrers Georg Schmiedl, Präsidenten der Sozialpädagogischen Gesellschaft, statt. Thema: „Soziale Arbeit“. Gäste willkommen. Beginn 8 Uhr abends. Anmeldungen für den in Bildung begriffenen englischen Konversationskiüb des J- H.-V. werden noch entgegengenommen. Wien. (Herzl-Klüb, II., Leopoldsgasse 3.1.) Mittwoch,' den 3. Dezember, um 8 Uhr abends: Vortrag des Gg. Stein: „Heine als Nationaljude“. Sonntag, den 30. November: Vormittagausflug Wiener Wald. Zusammenkunft um i/o9 Uhr früh beim Liebenberg-Denkmal. Wien. Der Allgemeine Kranken-Unterstützungs-Verein „Menschenliebe“ veranstaltet Samstag, den 6. Dezember im Colosseum eine große Abendvorstellung mit nachfolgendem' geschlossenen Tanzkränzchen für Mitglieder und eingeführte Gäste. Die Tanzmusik besorgt die Musikkapelle des k. u. k. Infanterieregiments Nr. 67, Freiherr von Kray. Karten für diesen' Abend sind im Vereinslokale, ■ Cafe Jägerhof, IX., Porzellangasse 22, zu haben. Wien. (Jüdischer: Gesangverein.) Unter Leitung des Herrn Gesangprofessors Artur Wolf hat sich ein jüdischer Gesangverein konnstituiert, welche Idee sich bereits zahlreiche Sym>- zu wollen, und deshalb wirkte er eigentlich sehr wenig positiv befeuernd, Sondern viel mehr durch seine Kritik, seine unerbittliche Strenge gegenüber dem, was ihm als die zionistische Lebenslüge erschien, immer aber wirkte er in die Tiefe. Und dies nun auch endlich, nach mehr als zwanzig Jahren seit seinem ersten Auftreten, auch bei den westlichen Zionisten, i Es ist in jüngster Zeit besonders von unseren Prager Freunden aufs klarste ausgesprochen worden, daß Achad Haam*) auf die westlichen Zionisten nicht so sehr durch seine spezielle Auffassung des Zionismus und des Geistes des’Judentums wirkte, sondern dadurch, daß er die ihn er e Läuterung der Herzen als Vorbedingung für die äußere Befreiung verlangt. Dieser Gedanke findet sich schon im ersten Vorwort zur hebräischen Ausgabe, in der er in prachtvoller Weise ausführt, daß keinerlei „Agitation“ die Befreiung bringen wird, sondern, daß diese — und zwar von innen heraus — nur errungen werden .kann, wenn die zionistische Idee so tief in die Herzen eindringt, daß sie eine „Konzentration des Geistes“, des ganzen seelischen Inhalts um sie als Mittelpunkt bewirkt Die Verschiedenheit der Wirkung Herzls und Achad Haams ist, wie eben gesagt wurde, auch in der Eigenart ihrer Persönlichkeiten gelegen. Achad Haam ist durchaus Rationalist Trotz seiner großen Gefühlswärme, trotz seiner psy-i chologischen Tiefe und des durchaus revolutionären Charakters auch seines Programmes ist er vor allem Verstandsmensch, Analytiker, der1 alles begrifflich zu zergliedern trachtet. Herzl dagegen war der Mann der großen Intuition, sein. Zionismus entstammte der Phantasie und dem Willen und deshalb wirkte er so gewaltig auf die assimilierten Juden, deren tiefste Sehnsucht die Überwindung der ererbten Verstan- *) Hans Kohn: Einleitung zum Jahrbuch „Vom Judentum“. Robert Weltsch: Ein interessantes Dokument (Welt, 1913, Nr. 40). deshypertrophie ist und welche gerade aus dieser Sehnsucht heraus so inbrünstig die Assimilation an wurzelhafte Völker ersfrebt hatten. Herzl war Dichter, Prophet und zugleich Willens- und TatmenSch, Achad Haam ist vor allem Erzieher. Gewiß ist dieser strenge Erzieher der zionistischen Bewegung sehr von Nutzen. Insbesondere als die Organisation nach ihrem’ ersten Begeisterungsrausdi zu praktischen nüchternen Taten schritt und die Spannweite zwischen Ideal und harter Wirklichkeit der Arbeit deutlich, empfunden wurde, trat die Gestalt Adhad Haamte immer mehr in den Vordergrund. Sein unbestechlicher Wahrheitsdrang, sein scharfer Blick, seine aus tiefster Kenntnis des Judentums wie des modernen Geisteslebens geschöpfte Welt-, ansdhauung haben eminent erzieherisch auf die Zionisten gewirkt, von denen viele außerdem' auch ihre Kenntnis und Liebe des HebräisCh'en aus seiner klassischen Sprache geschöpft haben. Als die kulturelle Arbeit in Palästina begann, wurde Adhad Haam natürlich als einer der berufensten Sachverständigen betrachtet, seine Ansicht wurde mit großer Aufmerksamkeit gehört, wenn auch freilich sehr viele Zionisten seine Anschauungen bekämpften. Jedenfalls'ist er einer der Wenigen, die sich völlig klar darüber sind, was sie wollen. Aus dem vorliegenden Bande ist schon zu ersehen, wie er sich z. B. zur Frage der Religion stellt. Er gibt zu, daß sie „nicht mehr die Macht besitzt, die Volksglieder zusammenzuhalten“, er beklagt es, daß die Juden ein „Volk der Schrift“ und damit „Sklaven der Schrift“ geworden sind, daß deshalb die Wirkung jedes Vorgangs „nicht mehr unmittelbar und natürlich ist, sondern sich nadh' einem eigenen künstlichen und von vornherein festgelegten Schema abspielt.“ Immer wieder spricht Achad Haam von der „Versteinerung“ und „Erstarrung“, er sagt auch, daß es nicht angeht, einem Zionisten einen regelrechten Katechismus vorzulegen. Er ist also durchaus tolerant Und sehr weit vom orthodoxen Standpunkt entfernt. Jener Versteinerung des Judentums kann nach' seiner Anschauung nur durch „die Einführung eines Stroms neuen Lebens“ ein Ende bereitet werden, wodurch auch die Religion eine neue Entwicklung (keine verstandesmäßige Reform) erfahren wird. Die Zionsliebe hat die Aufgabe, „ohne jegliche Beziehung zur Religion“ jenen neuen Lebensstrom zu erwecken. Natürlich'kann eine solche Wiederbelebung des1 Judentums nur erfolgen, wenn das alte Schrifttum und die Traditionen nicht achtlos beiseite geworfen werden, vielmehr dürfen „die Fäden, die uns an die Vergangenheit knünfen“, nicht mit einem' Schlage zerrissen werden. Aktuell wurden die hier ruhenden Probleme bei der neujüdisdhen Erziehungsarbeit, die in Palästina zu leisten ist. Hierüber hat sich'Adhad Haam im vierten Band seiner Schriften, der leider noch' nicht übersetzt ist, näher ausgesprochen. Er scheint in diesen Fragen eine mittlere Linie einhalten zu wollen. Er teilt nicht die Meinung der Orthodoxen, daß'es ein Schweres Unrecht sei, in den Schulen das Schrifttum nicht als göttliche Offenbarung, Standern-als Erzeugnis des jüdischen Geistes mitzuteilen, andrerseits hat er sich sehr stark dagegen gewehrt, daß dieses Schrifttum mit Hilfe der historiSdh-kritischen Methode zergliedert wird. Auf diese Fragen näher einzugehen, ist hier nidht der Ort. Hier mag nur mit Rücksicht auf die Essays des ersten Bandes hervorgehoben werden, daß Adhad Haam einen ganz eigenartigen Standpunkt zur Frage des „Heiligen und Profanen“ einnimmt: Während hei dem profanen Schrifttum der Inhalt (Zweck) alles bedeute und die Form' nichts (ausgenommen die poetische Literatur), sei es bei den heiligen Schriften entgegengesetzt. „Hier heiligt der Inhalt die Schrift, so daß die Schrift zur Hauptsache und der Inhalt zur Nebensache wird. Die Schrift steht unerschütterlich da für irnm'erdar, aber ■ der Inhalt wandelt sich mit dem 'Leben und der Kul- 1-.