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Jüdische Zeitung · 1913-11-21 · 47 (21.11.1913) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
47 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Norden Jaffas „unter Aufsicht des Kaiserlichen Vizekonsulats durch einen deutschen Reichsangehörigen repariert wurde, mittelst einer Summe, die die Bewohner eines jüdischen Stadtviertels, die Bauern des Dorfes Sarona und die Stadtverwaltung Jaffas zusammengeschossen haben“. Dann heißt es von den Bewässerungsanlagen : „Kürzlich hat sich ein jüdisches Syndikat, die in Charlottenburg eingetragene Bewässerungsgesellschaft Palästina m. b. H., die mit einem Kapital von 100.000 M. arbeitet, der Sache insofern angenommen, als sie am Oberlaufe des Flusses, unweit der Quelle eine Pumpanlage aufgestellt hat, die die zu dem 2500 Einwohner zählenden jüdischen Dorfe Pethach Tikwah gehörigen Gärten, soweit sie nicht eigene Brunnenan'agen haben, bewässern soll. Sie hat bisher 3 km Röhren gelegt und weitere Anschlüsse sind zu erwarten . '. . Die Gesellschaft bezog für ihre Installationsarbeiten im Jahre 1912 aus Deutschland Waren im Betrage von mehr als 60.000 M.“ Auf die Schädigung des Handelsverkehrs durch die politischen Wirren des Vorjahrs eingehend, sagt der Bericht: „Der Ausfall wäre noch bedeutend größer gewesen, wenn nicht an. der wirtschaftlichen Durchdringung Palästinas ein ideeller Faktor mitarbeitete in Gestalt des Zionismus. Es ist dies bekanntlich die nationaljüdische Bewegung, welche um 1870 unter der Einwirkung politischer Verfolgung in Rußland zunächst theoretisch entstanden ist und von dem 1904 verstorbenen Wiener Theodor Herzl durch Einberufung des 1. Baseler Kongresses im Jahre 1897 in die Praxis umgesetzt wurde. Es wurde ein Programm angenommen, wonach dem jüdischen Volk eine öffentlich-recht'ich gesicherte Heimstätte in Palästina geschaffen werden sollte und alsbald mit der Bereitstellung von Geldern begonnen. Die Bewegung, die im September 1913 in Wien ihren XI. Kongreß abgehalten hat, fand in allen Kreisen der Welt begeisterte Anhänger und Mittel flössen ihr in reichlichen Mengen zu. Unter dem Namen Anglo-Palestine Co. wurde in London eine jüdische Bank gegründet, die an den wichtigen Plätzen Palästinas Niederlassungen enthält; ein im Jahre 1901 auf dem V. Zionistenkongresse zu dem Zwecke, ,in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben* gestifteter jüdischer Nationalfonds hat bereits eine Höhe von 3,500.000 Mark erreicht, daneben bestehen noch zahlreiche andere Stiftungen zur Förderung kultureller und wirtschaftlicher Aufgaben und von Jahr zu Jahr wachsend ist die Beteiligung privaten Kapitals. Als Zentralstelle für die zionistische Tätigkeit in Palästina wirkt das in Jaffa eingerichtete Palästina-Amt, an dessen Spitze ein deutscher Rechtsanwalt steht. Die jüdischen Einwanderer sind zum großen Teil Landwirte und betreiben als solche in ihren über ganz Palästina verstreuten Kolonien hauptsächlich Orangenku’tur und Feigenbau,*) daneben in letzter Zeit in steigendem Maße Mandel- und Olivenzucht; auch dem Körnerbau und der Vieh Wirtschaft widmen sie sich an einzelnen Plätzen, doch scheint es, daß ihrer Begabung und Neigung mehr der Betrieb der das kaufmännische und industrielle Gebiet streifenden Kulturen (als Weinbau und Orangenzucht) liegt. Der Aufschwung, den unter zionistischer Propaganda die Landwirtschaft nimmt, befruchtet das gesamte Wirtschaftsleben, indem der Bedarf an .landwirtschaft- . liehen Geräten, an Düngemitteln, Baumaterialien und anderen Artikeln die Einfuhrziffern erhöht und verschiedene Handel- und Gewerbetreibende beschäftigt werden. So nimmt auch die jüdische Bevölkerung in den Städten zu und Jaffa besitzt ein ganz neues jüdisches Viertel namens Tel Awiw, dessen saubere Anlage der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der jüdischen Einwanderer alle Ehre macht.“ Mit Bezug auf den Orangenexport heißt es: „ . . . . Zwei jüdische Gesellschaften haben je 150.000 bis 200.000 Kisten abgesetzt und eine dritte jüdische Gesellschaft ist im Entstehen. Die arabischen Orangenzüchter haben sich bisher nicht zusammengescK'össen. Bei den Versuchen, das Orangengeschäft zu fördern, hat das jüdische Kapital insofern die Initiative ergriffen, als die Jewish Colonisation Association Anfang 1912 einen Experten nach Kalifornien entsandt-:, der von dort allerhand Anregungen mitb-achte, die sich namentlich auf die Veroackung und schnelle Expedition der Früchte beziehen, aber in diesem letzten PuHc*? F~- Jaffa mit seinen kümmerlichen V^rkenrsverhältnissen nicht in die Praxis umgesetzt werden können. Später haben die jüdische Ang’o-Palestine Co. und die Deutsche Pa'ästina-Bank gemeinsam einen Sachverständigen nach Liverpool, Hamburg *) Söll heißen Weinbau. und den Niederlanden gesandt, um die Lage der dortigen Märkte zu studieren.“ Von vereinzelten Bemerkungen usw. noch folgendes: „Die Hauptkellerei befindet sich in der jüdischen Kolonie Rischon le Zion; erheblich kleiner, aber gleichfalls bedeutend, ist die Keilerei des Deutschen Weinbau-Vereins in Sarona. . . . Die jüdischen Produzenten haben ihren Handel durch Schaffung von Verkaufsstellen an den größeren Plätzen Europas und Amerikas sehr gut organisiert .... Für die Olivenkultur, die seit alters in Palästina heimisch ist, wird von jüdischer Seite durch eine besondere Oelbaumspende Propaganda gemacht, aus deren Mitteln der jüdische Nationalfonds auf den Gütern Chulda und Ben Schemen neue Waldungen anlegt . . . Während die Eingeborenen ihre Feldwirtschaft noch gänzlich roh betreiben, bedienen sich die eingewanderten Ko’onisten in ausgedehntem Maße moderner Mittel; auf dem Mustergute Ben Schemen des Jüdischen Nationalfonds befand sich ein ganzes Warenlager landwirtschaftlicher. Maschinen und Geräte teilweiser neuester Konstruktion . . . Die deutsche Industrie hat hier ein lohnendes Absatzfeld . . . Neuerdings hat der Zionismus die industrielle Tätigkeit der jüdischen Bevölkerung mit einigem Erfolge zu heben gesucht. Die jüdische Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem fördert die Teppichweberei. Steinhauerei und Möbelschnitzerei. In Ben Schemen bei Jaffa werden aus dem Jemen eingewanderte Juden mit Silberfiligranarbeiten beschäftigt, in Jaffa selbst ist eine jüdische Spitzenklöppelei, in der einige 30 Mädchen beschäftigt werden.**) Die Arbeiten sind sehr geschmackvoll . . .“ Gegen Schluß des Berichtes heißt es: „Die jüdische Einwanderung, der die Regierung jetzt anscheinend mit weniger Mißtrauen als bisher gegenübersteht, führt dem Lande von Jahr zu Jahr neue wirtschaftliche Kräfte zu. Der deutschen Ausfuhrindustrie kann nur empfohlen werden, der zionistischen Bewegung ihre dauernde Aufmerksamkeit zu schenken. Sind die Zionisten auch in erster Linie national gesinnte Juden, so haben doch viele von ihnen rege Beziehungen zu Deutschland. PapteisNachrlchten. Westösterreichischer Zionistentag. Wir bringen hiemit zur-Kfenntnis, daß die am 26. Oktober stattgefundene Sitzung des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich beschlossen hat, den diesjährigen Zionistentag des Landesverbandes für Westösterreich für Sonntag, den 7. und Montag, den 8. Dezember nach Prag einzuberufen mit folgender Tagesordnung : 1. Eröffnungsansprache 2. Bericht des Zentralkomitees 3. Bericht über den XI. Zionistenkongreß 4. Palästina und Nationaffonds 5. Körperliche und geistige Erziehung unserer Jugend 6. Neuwahlen 7. Budget. Für die Wahlen zum Zionistentag sind folgende Paragraphen des Organisationsstatutes bestimmend: § 9. Das aktive und passive Wahlrecht der Schekelzahler Für den Zionistentag ist abhängig von der Zahlung der Landesparteisteuer samt eventuellen Distriktionszuschlägen und von der Zugehörigkeit zu einem Verein, das aktive Wahlrecht überdies von der Vollendung des 18. Lebensjahres das passive von der Vollendung des 20. Lebensjahres. § 10. Hiebei entsenden je 15— 25 Wähler 1 Delegierten 26- 50 „ 2- „ 51-100 „ 3 101—200 „ 4 u. s. f., wobei jedem angefangenen Hundert ein weiterer Delegierter entspricht. Vereine und Schekelzah'ergruppen, die weniger als 15 Wähler zählen, sind unter Rücksichtnahme auf die örtlichen Bedingungen mit anderen zu Wahlgruppen zusammenzulegen. Diese Maßnahmen sind durch die Distriktsbehörden vorzunehmen, bedürfen aber der Genehmigung des ZK. Außer diesen Fäflen sind Zusammenlegungen von Vereinen zu Wahlzwecken unzulässig. § 12. Die Wahl der Delegierten ist geheim und direkt. Die Durchführung der Wahlen erfo’gt nach den vom ZK. zu erlassenden Weisungen durch die von diesem damit betrauten Organe. Zionistisches Zentra'komitee Für Westösterreich: ■Dr. Karl P o 11 a k, Präsident. **) In Jaffa ist nur die Zentrale. Im ganzen Lande arbeiten über 400 Jüdinnen an diesen - kunstvollen Nadel- (nicht Klöppel-Jspitzen. GRflF-Wiirfel Feinste Rindsuppe An Ausgiebigkeit und Wohlgeschmack ähnlichen Erzeugnissen weit überlegen. Graf Würfel u. Würze Koscher. Böhmischer Distriktstag. Am 9. November fand in Prag der Distriktstag der böhmischen Zionisten statt. Es waren 66 Delegierte anwesend. Nach Begrüßung durch den bisherigen Obmann des D.-K., Herrn Dr. Singer, erörterte Dr. Schemarja Lev in die großen Aufgaben der Bewegung in der neuen Kongreßperiode; es sei notwendig, der Leitung weit erhöhte Mittel zur Verfügung zu stellen. Mit dem üblichen Einkommen aus dem Schekel reiche man nicht aus; den Schekel aber könne man nicht erhöhen. Daher sei der Zentralfonds zu stärken. Hierauf wurde die Debatte über den im Druck vorliegenden Bericht des D.-K. abgeführt, die sich wie die Verhandlungen im ganzen auf einer bemerkenswerten Höhe hielt. Von einigen Rednern wurde angeführt, daß bei Uebereinstimmung mit den im Bericht niedergelegten Richtlinien doch die Tätigkeit des D.-K. ihnen insbesondere der Intensität nach, nicht entspreche. Mit 44 gegen S Stimmen wurde dem D.-K. das Absolutorium erteilt. In der Nachmittagssitzung erstattete Doktor Hugo Bergmann ein ausgezeichnetes Kulturreferat, das etwa in folgenden Gedanken seinen Gipfel fand: Die Kulturarbeit ist die wichtigste, weil sie der Ausdruck dafür ist, daß wir keine Partei, sondern ein Volk sind. Zwischen Partei und Volk besteht die gleiche Relation wie zwischen Automat und Organismus. Durch den Automaten werden gewisse, durch den Organismus alle Bedürfnisse befriedigt. Das ganze geistige Leben muß jüdisch werden, der Zionismus nicht nur Bekenntnis sein, sondern den Lebensinhalt bestimmen. Die Entscheidung über Wohl und Wehe des Volkes wird getroffen in der kleinen Zelle, in der Familie. Das Familienleben muß zionisiert werden. Der Referent beantragt die Schaffung eines Kulturrates, dem die Förderung und Aufsicht über die Kulturarbeit in den zionistischen Vereinen obliegt. Aus den übrigen, nach Antrag des Referenten angenommenen Resolutionen hebe ich jene hervor, nach der die Studentenverbindungen verpflichtet werden sollen, hebräische Kurse für ihre Mitglieder obligat einzuführen. Die Neuwahl des D.-K. ergab folgendes Resultat: Brandeis, Feig, Freud, Dr. Gütig, Meißner, Dr. Singer, Thein. Am Vorabend des Distriktstages fand eine von 2500 Personen besuchte Volksversammlung statt, in der Lev in über „Die Tragödie des Judentums“ sprach. Wahrhaft, gedankentief, geistreich; alle diese Vorzüge erhoben Levins Rede zu einem Meisterstück. Die leidenschaftliche Mimik und der etwas ungewohnte Akzent gaben eine ungemein anziehende Note. Der tosende Beifall der entzückten Versammlung galt ebenso sehr dem trefflichen Redner als demausgezeichneten Menschen. Hierauf sprach Dr. Emil M a r g u 1 i e s über den XL Zionistenkongreß in Wien. Er sprach von der Wirkung des Kongresses auf die juden Oesterreichs und auf die antisemitische Bevölkerung Wiens, welcher das mutige Bekenntnis zur jüdischen Nation die größte Achtung abgerungen hatte, von seinen bedeutsamen Beschlüssen, vor allem dem der Gründung einer hebräischen Universität in Jerusalem, von den vielen hervorragenden Veranstaltungen rings um den Kongreß. Sitzung des Großen Aktionskomitees. Das Große Aktionskomitee der zionistischen Organisation wird am 23. und 24. d. M. zu einer Sitzung in Berlin versammelt sein. Gleichzeitig finden auch Sitzungen des Direktoriums und des Aufsichtsrates der Jüdischen Kolonialbank, des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds und der Leitung des Jüdischen Kulturfonds „Kedem“ statt. Das Aktionskomitee wird sich u. a. auch mit Vorschlägen befassen, die zur Verwirklichung des Universitätsprojektes erforderlich sind. Dem Vernehmen nach wird eine Kommission zu diesem Zwecke eingesetzt werden. * * * Parteikataster. Der XI. Kongreß hat der zionistischen Organisation Oesterreichs verantwortungsvolle Aufgaben gestellt. Es ist an uns, einerseits die durch die große Tagung für unsere Idee empfänglicher gemachten Stammesgenossen dauernd unseren Reihen zuzuführen, andererseits die be-

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