Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 44 (31.10.1913)
- Date
- 1913-10-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITÜJNG Nr. 44 seien mit Rücksicht auf die Behauptung, daß das Vertreterkollegium bei Fassung seines-Beschlusses nicht richtig informiert gewesen sei, Erhebungen zu pflegen, deren Zeitpunkt das Präsidium bestimmen werde!! Durch die Maßregelung der Lehrer ist in der Oeffentlichkeit bekannt geworden, ■ daß im israelitischen Taubstummeninstitut schon durch viele Jahre beklagenswerte Mißstände geherrscht haben, welche durch das inkorrekte Vorgehen des Direktors Moritz Friedeberger verschuldet wurden. — Von den Qualitäten dieses Direktors erfuhr die Oeffentlichkeit durch zwei Urteile von Wiener Strafgerichten. Im Mai dieses Jahres wurde der Direktor Friedeberger rektors erfuhr die Oeffentlichkeit durch zwei Urteile von Wiener Strafgerichten. Im Mai 1. J. wurde der Direktor Friedeberger vom k. k. Bezirksgericht Landstraße wegen Ehrenbeleidigung und Körperverletzung des Lehrers Stern zu einer Geldstrafe von 200 Kronen beziehungsw. einer Woche Arrest’ verurteilt. Mit Urteil U 843/13/12 vom 26. Sep tember 1. Jj hatte das k. k. Bezirksgericht Josefstadt über eine Ehrenbeleidigungsklage zu urteilen, welche der Direktor Moritz Friedeberger gegen die Lehrer Eduard Brüll und David Steinbadi überreicht hatte. Friedeberger fühlte sich dadurch beleidigt, daß ihm die genannten Lehrer im Monate April 1913 der Veruntreuung geziehen (haben. Die angeklagten Lehrer wurden von der Anklage der Ehrenbeleidigung freigesprochen, weil das Gericht den Wahrscheinlichkeitsbeweis als erbracht ansah und anerkannt hat, daß die Lehrer in Wahrung ihrer Interessen nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet waren, die von ihnen wahrgenommenen Uebelstände zur Anzeige zu bringen. Das Gericht hat überdies ausdrücklich anerkannt, daß die Angeklagten mit der größten Sorgfalt und - Gewissenhaftigkeit vorgegangen sind. Moritz Friedberger ist vom Kuratorium des Taubstummeninstituts schon vor dder Verhandlung entlassen worden Es ist also auch auf das Vorgehen der gemaßregelten Lehrer zurückzuführen, daß von einer jüdischen Anstalt ein Direktor entfurnt wurde, der dieser Anstalt durchaus nicht zur Zierde gereicht hat Diese vom Gericht als verdienstlich bezeichnete Tätigkeit wurde doch vom Präsidium, beziehungsweise vom Vertreterkollegium mit der Entlassung der Lehrer belohnt. Wir fragen deshalb das Präsidium an: Wie kann es gerechtfertigt werden, daß fünf, beziehungsweise sieben Lehrer entlassen Wurden, ohne daß gegen sie ein ordentliches Verfahren eingeleitet wurde, ja ohne daß sie überhaupt gehört wurden und ohne daß die Angelegenheit auch nur dem Vertreterkollegium früher zur Beschlußfassung vorgelegt wurde? Hält es das Präsidium nicht für notwendig, die gemaßregelten Lehrer ehestens wieder zu ihren bisherigen Dienstleistungen zu berufen? Also: der Vizepräsident der Gemeinde Dr. Gustav Kohn entläßt selbstherrlich' knapp vor Beginn des Schuljahres fünf Lehrer, weil sie dafür gesorgt haben, daß ein jüdisches Institut von einem Schädling befreit werde. Das Vertreterkollegium genehmigtnachdiese Verfügung, ohne daß die Lehrer auch nur gehört worden wären. Und erst nachdem der Lehrer verband gegen diesen unerhörten Vorgang protestiert, beschließt man Erhebungen zu pflegen. Erst das Urteil und dann die Untersuchung! Die Oeffentlichkeit kann begierig sein, zu hören, welche Stellung der Kultusvorstand zu dieser unerhörten präsidialen Verfügung einnehmen wird. Herzl-Klub, Wien, II., Leopoldsg. 31. Sonntag, den 2. November 1913, präzise halb 9 Uhr abends Akademie mit Tanz im Cafö Prückl, I., Stubenring 24. Für ein gutes Programm wurde bestens gesorgt. Entree jm Von’erkauf K 1.20, an jder Kassa K15Ö. Karten sind zu haben: bei allen Mitgliedern und Freunden des „Herzl-Klub“ in den Gg. Cafes und im Zionistischen Zentralbüro, II., Karmeliterplatz 1. Die Deutidinatiönalen. Zu wiederholten Malen hatten;* wir in Wien Gelegenheit/- Vorgänge zu beobachten, die geeignet sind, auf die deutschnationale Bewegung,, wenigstens soweit ihre Wiener' Anhänger*" in1 Be-, tracht kommen, ein eigentümliches Licht' zU* werfen. Zu wiederholten Malen1 nämlich schon hüben die Deutschnatiönalen'dem! antisemitischen* l; Flügel der klerikalen Parteien' Wahlhilfe geleistet. Nun weiß-aber jeder, daß das>Schlagwört „Los von Rom“ von' niemandem eifriger ge-- ‘ braucht wird,, alsvonden- Deutschnationalen,, Wie reimt' sich das zusammen?' Der- Vorgangist leicht zu erklären, wenn man untersucht, worauf’ die deutschnationale Bewegung hinzielt: Die Bestrebungen der DeutsChriatiönalen sind sowohl in der Provinz als in der Großstadt die-- selben, doch treten gerade in Wien einzelne dieser Parteibestrebungen so stark hervor, daß sie alle anderen in den Schatten stellen. Diese eine Bestrebung nun, der in Wien alle anderen nächstdien, ist der Antisemitismus. Während’ doch“ sonst jede nationale Bewegung danach zu streben scheint/ das eigene Volk in geistiger- oder'materieller Hinsicht zu fördern, ist das bei. den Deutschnationalen, nicht der Fall. Die deutschnationale Bewegung besteht nichtfür die Deutschen, sondern gegen die Juden; Fragt man heute: „Was ist ein Deutschnationaler?“' — so muß man, darauf antworten: „Er ist ein Antisemit, — weiter nichts.“ Stellte man ihn vor die Wahl, direkt für sein Volk oder aber gegen die Juden zu arbeiten, so würde er sicherlich das Letztere wählen. Wie kommt es nun; daß gerade in Wien die Deutschnationalen, im Gegensatzzu denen* in der Provinz, den klerikalen Parteien in die Hand arbeiten, wobei sie auf' die Forderungen des-eigenen Interesses'teilweise verzichten? Warum stellen die Deutsehnatiotnalen im Wien’ alles andere der Ausübung, des Antisemitismus nach? Es ist eine bekannte Tatsache, daß die tschechische Intelligenz im Durchschnitt durchaus nicht so antisemitisch gesinnt ist Wie die deutsche. Während die Juden in den tschechischen. Provinzstädten sogar dort, wo sie, wie es ja leider nur. zu häufig vorkommt, die einzigen' „Vertre-- ter“ des Deutschtums sind, mit den Tschechen* •in verhältnismäßig gutem Einvernehmen leben,; nehmen die Juden in* den deutschen Provinzstädten, Innsbruck, Salzburg -etc. keine beneidenswerte gesellschaftliche Stellung ein. Nun dürften den Deutschen: wohl'die Augen; aufgegangen sein, - daß: ihre- Judenpolitik; wenn; man so sagen darf, wenigstens in Böh'm'en~"ünd! ' Mähren verfehlt war. Die Deutschen häbeff-sich; schweren Schaden zugefügt, indem"'sre die Juden abstießen: Wir Juden, allerdings* müssen[ ihnen recht dankbar dafür sein; Denn-dadurch* haben sie uns unser NationalbewGBtsein zurückgegeben; damals, vor etwa zwanzig Jahren hat die jüdischnationale Bewegung, die heute blüht, . zu keimen begonnen. Aber die Deutschen selbst haben sich sehr geschadet;- In den gemischtsprachigen Städten IJöhmens und. insbesondere Mährens konnten sie’ vielfach nur mit' Hilfe der deutschgesinnten-Juden die deutsche Majorität aufrecht erhalten.' Und jetzt; wo sie die Juden abgestoßen haben, gehtauch die deutsche Majorität verloren; die bösen Folgen zeiget! sich schon. Es ist bekannt, mit welcher Mühe mehr die deutsche Majorität in* zahlreichem böhmischen und mährischen Städten, behauptet wird: ln einzelnen Städten, wo den Juden diewahre Gesinnung der Deutschen klar geworden ist; haben die Deutschen ausgespielt. Ueberall ist das allerdings nicht' der jüdischnationalen Bewegung zu Gute gekommen,, denn oft sind die Juden eben aus Deutschen Tschechen geworden. Immer aber gings auf Kosten der Deutschen. Nun sind die Juden einmal abgestoßen und wo das’geschehen ist, sind'sie; für das Deutschtum wohl nicht mehr zu gewinnen: Die Deutschen haben ihnen so arg. mitgespielt; daß' wohl auch die verbissenstendeutschen- Juden davon genug haben. Und wo nun die Früchte des Antisemitismus reifen, sehen die Deutschen, was sie angerichtet haben. Von-den Juden-könnensie nun nichts mehr erhoffen, so möchten sie: sie vernichten. Und das muß sich eben in Wien potenzieren. In der Großstadt, wo das GeSdhäftsleben zum großen- Teil, in der Hand von' Judenliegt/ wo das jüdische Geistesleben“ und» der' jüdische Wohlstand blüht, da sehen die Deutschenvoll Neid auf das Volk, das sie von jeher nicht liebten und das sie jetzt, wo es^ ihnen das Bündnis, das sie contre coeur, aber lucri* faciendi' causa eingegangen waren, zum' Teil sdh'ön gekündigt hat, grimmig hassen; Jetzt sehensie, wie sehres ihnen geschadet hat, die Juden urid: mit ihnen1 das für sie Wichtigste, das jüdische- Geldvon sich gestoßen zu haben. Und hier; in der* Universitätsstadt sehen sie auch, daßsie bei der jungen Genera tion.- niemals wiedergewinnen können; wassie bei der vorigen verscherzt haben. So - streben: sie mit* allemMitteln, die Juden niederzuringen. Dazu ist ihnen keim Mittel? zu schlecht. Auch ihre Ideale, ihre freiheitliche: Gesinnung sind“ .-ihnenumdiesen Preis Feil und,- sosiidhen sie Unterstützung* im Kämpfe , gegendie Juden;, gleichviel, wo sie sie bekommen. So müssen sie* sich-in. Wien * auf die „Seite einer1 klerikalen Partei schlagen; sie glauben, auf diese Weise von zwei Uebeln, der Untätigkeit den Juden* gegenüber und dem-Aufgeben ihrer Ideale, das Kleineregewählt zu haben. Ob es-'wirklich-das Kleinere war, wird die Zukunftzeigen. Wahrscheinlich ist es nidit. Der Statthalter von nähren in nähr.-Ostrau. Gelegentlich eines vorwöchentlichen Besuches der Stadt. Mähr.-Ostrau empfing der Statthalter Frhr. v. R .e g n-e r -B 1 e y 1 e b e n Deputationen sämtlicher. Vereine der Stadt. Unter anderem wurde auch eine Deputation des Jüdischen'Volksvereines „Z i-o n“ vorgestellt, welche aus dem Obmanne S ü ß m a n d 1, Obm.-Stellv. K r a u s und: den Gesinnungsgenossen Löwy, Nacher und Reisf eld bestand. Der Stathalter, welcher durch1 einige Jahre Landespräsident der Bukowina war, zeigte sichüber die zionistische Bewegung sehr gut informiert und sprach mit der Vereinsdepütation eingehend über die Verhältnisse der Zionisten in der Bukowina, mit welchen er, wie er bemerkte, „stets sehr gut auskam“ und erinnerte auch an die unter-' seinem Regime stattgefundenen Vorgänge im* Bukowinaer Landtage. Der Statthalter ließ sichauch über die Verhältnisse des Vereines eingehend informieren. Nachdem auch je eine Deputation des Jüdischen* Handlungsgehilfenverbandes (Obmann Fiseh-e r) und'des Jüdischen Turnvereines (Obenan Weehsberg) vörgestellt wurden,, - bemerkte der Statthalter mit Erstaunen, daß auch in Mähr.-Ostrau, ebenso wie in der Bukowina, die jüdisdhen Vereine national organisiert seien. Gelegentlich dieses Empfanges aller Ostrauer Vereine fiel die Abwesenheit des Ostrauer „D ,e u t s c h e n T u rn ve r e i n e s“ auf, der bekanntlich1 zur antisemitischen Richtung gehört und schön seit vielen Jahren keine Juden _als Mitglieder aufnimmt: Seine Absentierung hätte für uns keinerlei Interesse, wenn nicht die Begründung seines Nichterscheinens besonders beachtenswert wäre. Die Vereinsleitung lehnte nämlich ein Erscheinen allein mit der Begründung ab, daß auch die jüdischen. Vereine und insbesondere der Jüdische Turnverein zudiesem- Empfange seitens des Stadtvörstandes eingeladen wurden. Es erscheint also den deutschen Turnern unmöglich, auch nur für wenige Minuten mit jüdischen Turnern die Luft eines und denselben Raumes zu, atmen. Nun, wir können auf das Beisammensein mit diesen' strammen Antisemiten schmerzlos-verzichten, wie dehn i überhaupt der- Deutsche Turnverein unser* Inter- : esse nicht irrt Mindesten in Anspruch nimmt. Die rauhen* Tage* sind in Sicht:* Versorg;en Sie sich mit ifutius Meinl' Thee neuer* Ernte, LEBENS-VERSIGHERUNGS -GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ I. Versilbertes Kapital zirba 380 Hillionen. — Prämienreseroe zlrha* 113 Millionen. — Billigste Prämien und hulanieste Bedingungen. Engagiert jederzeit IQditige, leistungsfähige Bgenten gegen hohe Bezöge. BnsbOnlte erteilt die 6eneralagentsdiaft Wien, l„ flspernplätz 1 (beiter: Daoid Hebenzahl). EBrOstgalizien rc Bukowina: Snbdlrehtion -Mbl1. Taubes, tfrmberg. Im eigenen Palais.