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Jüdische Zeitung · 1913-10-22 · 43 (22.10.1913) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
43 (22.10.1913)
Date
1913-10-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Literatur im Laufe eines halben Jahres anzueignen und diese Zeit in einer hebräischen Umgebung Palästinas zu verbringen. Diejenigen, die an den Kursen teilnehmen wollen und bis nun noch nicht vorgemerkt sind, mögen sich raschest anmelden. Informationen über die Reisebedingüngen nach Palästina erteilt das Palästina-Informationsbureau in Wien II., Karmeliterplatz 1. ■ In Jaffa wollen die Teilnehmer sich an den Präsidenten des Lehrerverbandes, Herrn Dr. Lurie in Tel-Awiw, wenden. Es sind erschienen: 1) Aufruf des Zentralkomitees, 2) Statuten der Histadruth 'Ibrith'. Demnächst erscheinen: 1) Arbeitsplan des Zentralkomitees, 2) Rechenschaftsbericht der Hebräischen Konferenz in Wien. (Sämtliche genannte Publikationen in hebr. Sprache.) ..!• Das Zcntralbureau hat Thrumoth-Blocks für das Jahr 5Ö74 herausgeben. Diejenigen Mitglieder, die noch’ im Besitze alter Blocks sind, . wollen dieselben an das Zentralbureau zurück-;schicken und eventuell die Rechnungen be- : gleichen. Alle Vereine und Institutionen werden ersucht, mit dem Zentralbureau in direkte Verbindung zu treten. Das Zentralkomitee wendet sich hiermit an alle Gesinnungsgenossen, insbesondere an die Teilnehmer der Hebräischen Konferenz in Wien, mit der Aufforderung, die herannahenden Feiertage zu einer energischen Agitation für die hebräische Idee und die hebräische Organisation auszunutzen. Sämtliche Zirkulare des Zentralkomitees werden auf Verlangen gratis zugesendet. Berlin, Tischri 5674. Adresse: Zentralbureau der Histadruth Ibrith, Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstr. 80/81. Die Niederlage der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. Eunf Jahre der Arbeit in Palästina. Dr. Tschlenoff, der Vorkämpfer der russischen Zionisten, hat unter dem obigen Titel eine Broschüre veröffentlicht, in welcher er das Resultat seiner Beobachtungen, die er auf seinen Reisen 1908 und 1913 in Palästina gemacht hat,-zusammenfaßt. In diese Zeit fällt die von Ruppin inaugurierte systematische Palästinaarbeit. Tschlenoff zeigt schon in der Einleitung, welchen gewaltigen Umschwung der Dinge diese paar Jahre zionistischer Arbeit in Palästina hervorgerufen haben. Diese selbst bezeichnet er als durchaus zweckmäßig und, wie er mit treffenden Worten sagt, daß sie „auf die Klarlegung der Grundlagen unseres ganzen Kolonialproblems gerichtet“ sind. Tschlenoff führt uns sodann die Fortschritte der ländlichen und städtischen Kolonisation vor, deren Resultat bekannt sind. Demjenigen aber, der die Palästinaarbeit immer nur aus Zusammenstellungen, gelegentlichen Berichten etc. kennt, und dies ist leider bei der Mehrzahl der westlichen Zionisten der Fall, da ihnen kein Mittel zu Gebote steht, sich über die Kolonisationsprobleme zu informieren, seit das Erscheinen von „Palästina“ nicht fortgesetzt werden konnte, kann der Bericht wertvolle Dienste leisten. Er gibt ein lebendiges und elastisches Bild der ganzen kolonisatorischen Entwicklung in Palästina; eine solche Darstellung hat uns bisher in deutscher Sprache vollkommen gefehlt. Allerdings vermeidet der Verfasser eine allzu prägnante Stellungnahme zu den Problemen, etwas, was man bei einem an der obersten Spitze stehenden Führer sehr ungern vermißt. Insbesondere fällt diese Neutralität bei der Kulturfrage auf. Dr. Tschlenoff sagt zwar, daß bezüglich der Gymnasialerziehung in Palästina eine Reihe wichtiger Fragen noch sehr kontrovers sind, wie z. B. die Art, ob die Bibel als religiöses Heiligtum oder als größtes historisches Dokument unterrichtet werden soll, aber er meint, die Erörterung dieser Fragen sei in der Broschüre nicht am Platze. Dies mag vielleicht richtig sein, wenn die Broschüre der Agitation dienen soll, dann aber dürfte sie nicht in dem Stile eines persönlichen Berichtes gehalten sein. Achad Haam, mit dessen politischen Anschauungen Tschlenoff ganz ausführlich in seiner Broschüre sich auseinandersetzt, hat in seinem Palästinareisebericht sehr klar und eingehend seine persönliche Meinung zu jenen Fragen ausgesprochen, Dr. Tschlenoff vermeidet aber gerade in diesen Punkten die Diskussion. Man muß fragen, wie diese Fragen denn eigentlich im Zionismus gelöst werden sollen, wenn immer nur der Misrachi und Achad Haam das Wort ergreifen, indes weder die freiderikenden Westzionisten, noch die Führer der Organisation sich dazu äußern. Diese Scheu, ein freies Wort zu sprechen, kann nur dazu führen, daß die konservativeren Kreise das Uebergewicht erhalten. Die Frage der Erziehung der Jugend in Palästina ist doch unser zentralstes Kulturproblem, es kann keinem Zionisten gleichgültig sein, wie diese geschieht, denn die ganzen „Renaissance“hoffnungen knüpfen sich an die palästinensische .Jugend. Die Frage ist auch ganz aktuell, das Gymnasium in Jaffa hat schon die ersten Abiturienten aufzuvveisen und in dem schweren Kampf, den es gegen die Angriffe der Orthodoxen führt, wird es gerade von den westlichen Zionisten gar nicht unterstützt. Der letzte Teil der Broschüre Tschlen9ffs beschäftigt sich mit dem Aufsatz „Sach hak'ol“ von Achad Haam. Tschlenoff polemisiert in sehr glücklicher Weise mit diesem in der Frage des „politischen“ Zionismus, in klarer Weise arbeitet er die Grundprinzipien heraus, von deggn die zionistische Organisation sich heute leiten läßt. Dieser Abschnitt ist außerordentlich instruktiv und für die nie^ aufhörenden theoretischen Kämpfe von großem Interesse. Tschlenoff zeigt sich da:in als ein Mann, der sich völlig klar über den Weg zum Ziel ist und dem man daher mit Vertrauen die Stelle eines Führers in allererster Reihe übergeben konnte, wie dies der letzte Kongreß getan hat. A. B. Aus dem jüöitäien beton. Antisemitischer Mißbrauch der Leipziger Jahrhundertfeier. Aus Leipzig wird geschrieben: Die Antisemiten sind doch auch schon toial „verjudet“. Wird da in dem Festtrubel dieser patriotischen Feiertage hier eine „Festzeitung“ zu 15 Pfg. verkauft, die den Kopf trägt 1813 Aufruf an mein Volk 1913 und die man natürlich kauft, im Glauben, eben eine Festzeitung zu erhalten. Was aber bringt das Blatt? Neben einem knappen Festprogramm, das die Leipziger Tageszeitungen viel ausführlicher veröffentlicht hatten, nichts als eine widerliche antisemitische Sudelei des Dr. Heinrich Pudor, die so ziemlich das Tollste enthält, was seit Pückiers Tagen gesagt und geschrieben wurde. Zu solchem groben Mißbrauch der Feststimmung Leipzigs und der Tausende von Fremden greift also ein „ehrenfester Germane“, um seine Pamphlete an den Mann zu bringen und — ein Geschäft zu machen. Heißt so etwas in antisemitischen Kreisen nicht sonst „jüdisch“? Unter anständigen Leuten nennt man es freilich anders, wenn jemand durch solche Vorspiegelungen für seine Ware Käufer anlockt. * Vorarbeiten für die Jüdische Universität in Jerusalem. Das große Aktions-Komitee wird am Ende des Monats November die erste Sitzung in dieser Kongreßperiode abhalten. In dieser Sitzung wird auch ein Programm für die näcnsten Vorarbeiten für das Projekt der Universität in Jerusalem zur Beratung gelangen. Das Große Aktions-Komitee wird auch über die Einsetzung der vom Kongreß in Aussicht genommenen Universitätskommission zu beraten und zu beschließen haben. Erst die Universitätskommission wird alle weiteren Beschlüsse fassen. Anläßlich zahlreicher an das Aktions- Komitee gerichteter Anfragen wird mitgeteilt, daß aus diesem Grund eine Veröffentlichung einzelner Spenden für die Universität vorläufig nicht erfolgt. Laut Meldung der „Jewish Cronicle“ hat Herr M. N. Schwartz, Bankier in Smolensk, für den Universitätsfond 50.000 Frcs., zahlbar in fünf Jahresraten, gezeichnet. Hebräisch an einer öffentlichen Volksschule. In der letzten Sitzung des Kultusrates in Czemowitz unter dem Vorsitze des Präsidenten Abg. Dr. Benno Straucher referierte Prof. Dr. Brenner (Zionist) über den Antrag der Schulsektion auf Abänderung des hebräischen Unterrichtes an der öffentlichen Volksschule der Kultusgemeinde. Der Referent führte aus, daß die Schule um die Mitte des vorigen Jahrhunderts errichtet wurde, damit die jüdische Jugend in die ihr bis dahin verschlossene europäische Zivilisation eingeführt werde. Die Schule hat seinerzeit diese Aufgabe erfüllt. Heute sei sie für diesen Zweck unnötig, da den Kindern die öffentlichen Schulen zugänglich seien. Sie habe nur als nationale Schule Existenzberechtigung. Die wichtigste Aufgabe der Schule sei aber dann die Heranbildung in jüdischem Geiste. Dazu sei der Unterricht im Hebräischen als lebende Sprache vorzüglich geeignet. Demgemäß beantrage die Schulsektion den hebräischen Sprachunterricht an der öffentlichen Volksschule der Kultusgemeinde nach der Methode Ibrith bebrith einzuführen. An der Debatte beteiligten sich die Landtagsabgeordneten Blum, Dr. Diamant, Sperber, Abg. Dr. Straucher. worauf der Antrag einhellig zum Beschlüsse erhoben wurde. Die Volksschule der Judengemeinde Czernowitz ist somit -die erste öffentliche Volksschule in Oesterreich, in welcher der Unterricht im Hebräischen als lebende Sprache eingeführt wurde. Der zionistische Gedanke im 16. Jahrhundert. In der Urschrift der Beschreibung einer Reise nach Konstantinopel und Kleinasien des Fuggerschen Faktors Hans Dernschwam von Hraditschin (geb. 1494 zu Brüx, gest. um 1568) findet sich ein längerer, „De Judaeis“ überschriebener Abschnitt, in dem der Verfasser ausführlich über die jüdische Bevölkerung Konstantinopels spricht. Die Zahl der Juden (15.035 im Jahre 1553), ihre Kleidung, Wonnungen, Gewerbe, Sitten, Gebräuche — alles Wissenswerte erfahren wir über den jüdischen Bestandteil der Einwohnerschaft Konstantinopels um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Leute mußten sich, wie aus der anschaulichen Schilderung des Reisenden hervorgeht, mühsam durchs Leben schlagen, die jedoch, welche zu einigem Wohlstand gelangt waren, der ihnen ein, wenn auch dürftiges Auskommen für die Zukunft sicherte, „zihen sich In das Heylig landt vnd gen Jerusalem, verhoffen noch das Sy von allen landen In Ihr landt wider zusamen werden khomen vnd ein Regiment oberkhomen.“ — Weiter heißt es in dem Bericht, daß die vermögenden Juden ihren Volksgenossen in Palästina üeldunterstüizungen zukommen lassen. Man sieht, es handelt sich um den zionistischen Gedanken, wie er in der jüdischen Volksseele seit dem Sturze des jüdischen Reiches lebte. * Die italienische Regierung und die hebräische Sprache. Die italienische Regierung war früher der Meinung, daß die tripolitanischen Juden die arabische Sprache als ihre Muttersprache betrachten und benutzte daher dieses Idiom als offizielles für alle schriftlichen Verordnungen und Meldungen betreffend die Juden. Jetzt hat sich die italienische Regierung jedoch davon überzeugt, daß Arabisch durchaus nicht die Muttersprache der tripolitanischen Juden ist und hat daher beschlossen, alle ihre offiziellen Papiere an die Juden in hebräischer Sprache abzufassen. Es ist dies der erste Fall, seit die Juden in der Diaspora sind, daß die hebräische Sprache als offizielle anerkannt wird — und noch dazu von einer europäischen Großmacht. Die jüdische Auswanderung nach Amerika. Im Monat Juni sind in den Vereinigten Staaten von Amerika 13.012 jüdische Einwanderer angekommen. Hiervon sind gelandet im New Yorker Hafen 10:585, in' Baltimore 1075, in Philadelphia 624, in Boston 542, in Galpeston 188. Alle diese jüdischen Einwanderer waren im Besitze von zusammen 271.481 Dollar baren Geldes. Im Allgemeinen wird darauf hingewiesen, daß die Einwanderung und insbesondere die Einwanderung von Juden in Amerika wieder rapid steigt und daß die Gegner der freien Einwanderung in Amerika wieüer anfangen, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um eine Einschränkung der Einwanderung in irgend einer Form herbeizuführen. Gegen diese Scharfmacher wird mit Erfolg nur dann gearbeitet werden können, wenn es endlich gelingt, die jüdischen Auswanderer davon zu überzeugen, daß der Massenzug in die ohnehin überfüllten nördlichen Zentren schließlich doch nur ihnen selbst schädlich sein muß und die Ablenkung des Einwanderungsstromes nach den westlichen Teilen Amerikas zu erwirken. Dieser Tage erschien der Bericht über die Gefängnisse des Staates New York für das Jahr 1912. Aus den statistischen Daten geht hervor, was der Verfasser des Berichtes auch besonders hervorhebt, daß die Juden, obwohl sie ein verhältnismäßig sehr großes Kontingent von Einwanderern stellen, in Bezug auf die Kriminalität weit unter dem Prozentsätze Zurückbleiben, in welchem sie zur Gesamtbevölkerung in New York stehen. Diese Konstatierung wird gerade bei der bevorstehenden Debatte über die verschiedenen Anträge betreffend eine neue Einwanderungsbill von großer Bedeutung sein. Hebräisches Schulwesen in Galizien. Es ist außerhalb Oesterreichs wenig bekannt, daß in Galizien fast jede Ortschaft, die eine größere jüdische Bewohnerzahl hat, eine moderne Volksschule mit hebräischer Unterrichtssprache aufweist — nicht zu verwechseln mit den altmodischen Chadarim und Talmud-Thoras, Herzl-Klub, Wien, II., Leopoldsg. 31. Sonntag, den 2. November 1913, präzise halb 9 Uhr abends Akademie mit Tanz im Cafe Prückl, I., Stubenring 24. Für ein gutes Programm wurde bestens gesorgt. Entree im Vorverkauf K 1.20. an der Kassa K 1.50. Karten sind zu haben: bei allen Mitgliedern und Freunden des „Herzl-Klub“ in den Gg. Cafes und im Zionistischen Zentralbüro, II., Karmeliterplatz 1.

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