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Jüdische Zeitung · 1913-10-22 · 43 (22.10.1913) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
43 (22.10.1913)
Date
1913-10-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Säte 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 43 Der wahre Grand des Beilis-Prozesses. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht das zionistische Zentralorgan „Die Welt“ in seiner jüngsten Nummer einen Artikel von besonderer Seite, der die Vorgeschichte und den eigentlichen Charakter des Kiewer Ritualmordprozesses in sehr aufschlußreicher Weise beleuchtet. In dem Aufsatze wird zunächst auf die in der Prozeßgeschichte wohl einzig dastehende Tatsache aufmerksam gemacht, daß von den 46 Folioseiten der Anklageschrift sich insgesamt nur drei Seiten mit dem Nachweise der Schuld des Angeklagten beschäftigen. Daraus folgert der offenbar sehr gut informierte Autor, daß mit dem Prozesse gegen den Ziegeleiarbeiter ßeilis ganz andere Zwecke verfolgt wurden. Vor knapp zweieinhalb Jahren bestand nämlich nach der parlamentarischen Situation in der Duma die „Gefahr“, daß ein Gesetzentwurf auf Aufhebung des jüdischen Ansiedlungsrayons — die Juden entbehren in Rußland bekanntlich der Freizügigkeit — eingebracht und angenommen würde. „Da tauchte — natürlich ganz zufällig! — die Beilis-Affäre auf. Und plötzlich war die Stimmung in der Duma umgeschlagen.“ Die Reaktion hatte infolge der Judenhetzereien wieder Oberwasser und von der Aufhebung des Ansiedlungsrayons, die den Anfang vom Ende der russischen Judengesetze bedeuten würde, war keine Rede mehr! Als dieser Zweck erreicht war, hatte die regierende Reaktion kein Interesse mehr an dem Prozeß Beilis; ja „maßgebende Mitglieder des russischen Ministeriums drängten auf baldige Beendigung“ des Verfahrens und. man erinnert sich, daß schon von der Freilassung des Beilis gesprochen wurde. Aber da hatte man die Rechnung ohne die noch maßgebenderen Faktoren gemacht, die bei dieser Gelegenheit an den Juden Rache nehmen wollten für die revolutionäre Erhebung des russischen Volkes, die nach der Meinung dieser Kreise natürlich von den Juden angezettelt war. Und „deshalb mußte Beilis im Gefängnis bleiben! Das ist der Kern der sich jetzt abspielenden Tragikomödie in Kiew.“ Daraus erklärt der Verfasser des überaus interessanten Artikels auch leicht die auffallende Tatsache, daß streng reaktionäre und an*isemitische Blätter wie der „Kiewljanin“ und der „Grashdanin“ des Fürsten Meschtscherski so schroff gegen den ganzen Prozeß Stellung nehmen, von dem der als Judenfresser bekannte Fürst Meschtscherski sogar sagte, er gehöre in die Annalen eines Tollhauses . . . Tatsächlich gehört er in die Geheimgeschichte der russischen Politik — aber das macht keinen wesentlichen Unterschied. * * * Sechs jüdische Protestversamm’ungen in Berlin gegen den Kiewer Ritualmordproßeß. Der von den Zionisten Deutschlands ins Leben gerufene Reichs verein deutscher Juden hatte für den 20. Oktober zwei Protestversammlungen in den Saal des Tiergartenhofs und in die Sophiensäle einberufen. Beide Säle waren lange vor der angesetzten Zeit überfüllt, so daß im letzten Momente noch weitere vier Versammlungen in einem zweiten Saale der Sophiensäle, in dem Motivhaus, der Brauerei Königstadt und dem Restaurant Hütte in der Bachstraße abgehalten wurden, die alle von zusammen über 6000 Personen besucht waren. In den Versammlungen sprachen insgesamt zwölf Redner, die alle gespannte Aufmerksamkeit und lauten Widerhall bei den Zuhörern fanden. Es war eine mächtige Demonstration der Judenschaft Berlins, die ihre Solidarität mit dem Gesamtjudentum in feierlicher Weise bekundete. In der Hauptversammlung im Tiergartenhof sprachen Dr. Franz Oppenheimer, Doktor Gustav Witkowsky, Dr. Heinrich Loewe, Hermann Struck, Dr. Schmarja Levin und Dr. Alfred Klee. Am Schlüsse der Versammlung schlug der Vorsitzende Herr Direktor Lichtenstein eine -Protestresolution vor, die einstimmig angenommen wurde. Gründung des iüdifMademifdien tedinüter-Vcrbanöes. Die Vorgänge, welche sich am 20. Oktober anläßlich der Konstituierung abspielten, haben neuerlich erhärtet, wie notwendig ein Zusammenschluß der jüdischen Technikerschaft ist. Der Rektor der Wiener Technischen Hochschule hätte den Proponenten für die Abhaltung der Gründungsversammlung einen Hörsaal eingeräumt. Als die Geladenen erschienen, fanden sie die Zugänge zu dem Saale von Deutschnationalen b 1 o k i e r t. Der Rektor, welcher die Störer aufforderte sich zu entfernen, wurde ausgepfiffen und verlacht. Er fügte sich und fertigte die in ihrem Rechte gekränkten jüdischen Techniker mit ein paar geschraubten Fräsen ab. Es hat sidi ein in letzter Zeit an den Wiener Hochschulen so oft beobachteter Vorgang wiederholt. Die Hochschulbehörden treten widerspruchslos ihr Regime auf akademischem Boden der antisemitischen deutsch nationalen Horde ab. Die jüdischen Studenten müssen zur Selbsthilfe greifen, wenn sie zu ihrem Rechte kommen wollen. Sie werden es im vorliegenden Falle auch gewiß tun. Angesichts der zehnfachen Übermacht blieb dem Proponentenkomitee nichts anderes übrig, als die Versammlung an einen anderen Ort zu verlegen. Die Konstituierung fand im Cafe Prückl statt und war trotz der Störung von über 200 Technikern besucht. Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde Oberingenieur Robert Stricker gewählt. In Anbetracht der vorgerückten Stunde beschränkten sich die Referenten auf kurze Ausführungen. Zum Präsidenten des Verbandes wurde techn. S o b e 1soli'n gewählt. In einer Vollversammlung, welche in nächster Zeit einberufen wird, wird sich der Ausschuß endgültig konstituieren und das Arbeitsprogramm festgelegt werden. Die überaus lebhafte Beteiligung aller jüdischen Techniker bürgt dafür, daß die neue Organisation in kürzester Zeit einen wichtigen Faktor im technischen und jüdischen Leben bilden wird. ParteisNachFicfiten. Mitteilungen des i.-ö. D.-K. Außerordentlicher innerösterr. Distriktstag. Im Sinne des § 7 unseres Organisationsstatutes berufen wir für Sonnta r, den 9. November 1913, pünktlich 2 Uhr nachmittags, einen außerordentlichen Distriktstag nach Wien ein. Ort der Tagung: Lokalitäten des I. Wiener jüd. Turnvereines, IX., Liechtensteinstraße 20. Tagesordnung. 1. Eröffnung. 2. Der XL Zionistenkongreß. Referat des Gg. Dr. Isidor Margulies. 3. Propaganda und Organisation. Referat des Gg. Ing. Rudolf Köppl. 4. Bericht des Sekretariates und des N.-F.- Kommissärs. 5. Generaldebatte. 6. Präsentation für die Mitglieder,- bezw. Ersatzmänner des westösterreichischen Zentralkomitees. Nach den Bestimmungen unseres Statutes entsenden Vereine mit 15—25 Mitgliedern' 1 Delegierten, mit 26—50 Mitgliedern 2 Delegierte, mit 51—100 Mitgliedern 3 Delegierte und für jedes weitere angefangene Hundert Mitglieder einen Delegierten. Außer den Delegierten nehmen am Distriktstag mit Sitz und Stimme teil: drei Mitglieder des D. K., der Präsident des Z. K. für Westösterreich oder dessen Stellvertreter, die westösterreichischen 'A. C.-Mitglieder und die Mitglieder des E. A. C.. Das Ergebnis der vorgenommenen Delegiertenwahlen ist spätestens bis Dienstag, den 4. November 1. J. dem D. K. bekänntzUgeb'en. Zionistisches Distriktskomitee für Innerösterrei'dr. Ludwig Bato. N. B. Wir machen ausdrücklich aufmerksam’, daß im Sinne des § S des Statutes nur die Delegierten jener Vereine zum D.-T. zugelassen werden, die die Parteisteuer für das laufende Jahr voll entrichtet haben. Es werden hiemit all die, die an hebräischen Spradikursen teilzunehmen oder als Lehrkräfte an solchen zu wirken wünschen., ersucht, sich beim Verein für hebräische Sprache und Kultur (II., Karmeliterplatz 1) schriftlich oder beim’ Ausschußmitglied Herrn Naphtali Menazeach (dortselbst, täglich' zwischen 3 und 4 Uhr) schriftlich zu melden. — Die erste Auss'chußsitzung des Spradivereines findet unmittelbar nach den Feiertagen statt. * Erster Verbandstag der zionistischen akademischen Korporationen Galiziens. Die erste Hauptversammlung des Verbandes der zionistischen akademischen Korporationen in Galizien findet in der Zeit vom 31. Oktober bis inklusive 2. November in. P r z e m y s 1 statt. Das Präsidium: Dr. Lauterbach. * Mitteilungen des Zentralbureaus der Organisation fiir hebräische Sprache und Kultur. (Histadruth Ibrith.) Herr Izchak Epstein aus Saloniki reist im Aufträge des Zentralkomitees als’ Instruktor für Erziehungsangelegenheiten in Galizien. Herr Epstein besucht die hebräischen . Schulen und Lehranstalten aller Art, weist auf die notwendigen Reformen hin, entfaltet ferner eine rege Agitation für das Hebräische durch Vorträge und Besprechungen in den verschiedenen Kreisen und gründet überall zweckentsprechende Ko- | mitces und Vereine. Zuschriften an das Zentralbureau aus mehreren Städten Galiziens drücken ihre Zufriedenheit über den günstigen Eindruck dieser Tour aus und geben hoffnungSvo'le Aussichten äuf die weitere Arbeit in diesem Lande. Die Ergebnisse seiner Reise wird Herr Epstein in einer Broschüre zusammenfassen, die durch das Zentralbureau erscheinen wird. _ Die hebräischen Sprachkurse in Jaffa werden anfangs Marcheschwan (November) eröffnet. Bekanntlich sind diese Kurse bestimmt für die intelligentere, besonders akademische fugend, die den Wunsch hat, sich die Elementarkenntnisse der hebräischen Sprache u"d ' - - Die rauhen Tage sind Versorgen Sie sich mit Julius Meinl's Thee neuer Ernte, w NIEDERLÄNDISCHE LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais.—Versilbertes Kapital zirka 380 Millionen. — Prämienreseroe zirha 113 Millionen.— Billigste Prämien und kulanteste Bedingungen. Engagiert jederzeit töditige, leistungsfähige Agenten gegen hohe Bezöge. finshünfte erteilt die 6eneralagentsihaft Dien, I., Bspernpiatz 1 (heiter: David Hebenzahl). EOr Ostgalizien u. Bukowina: Subdirektion höbt Taubes, Oemberg.

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