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Jüdische Zeitung · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 stehen, unterscheidet, ist, daß diese über bloße Abwehrbewegungen nicht hinauskommen. Wir schaffen positive Worte, sie aber sind unfruchtbar. Und diese Unfruchtbarkeit macht auch ihre Abwehr erfolglos. Dep jüdische Wanöerbunö „Blau-Weib“ in Wien. Fünf Monate sind seit der Gründung verflossen. In dieser kurzen Zeit sind mehr als 200 Schüler und Schülerinnen zu strammen und disziplinierten Wanderern erzogen worden. Der erste Zug unternahm in den Ferien eine vierzehntägige Tour in den Böhmerwald, deren Verlauf den Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird. Auch die anderen Züge veranstalteten mehrtägige Wanderungen. Am 7. September feierte der Wanderbund sein erstes öffentliches Auftreten. Er wirkte am großen Turnfest auf der Hohen Warte mit und nahm die Fahnenweihe des Bundes vor. Der stürmische Beifall, der dem' Wanderbund gezollt wurde, war ein deutlicher Beweis für die Sympathien, deren er sich in der großen Oeffentlichkeit erfreut. Auch die Pflege des jüdischen Sinnes der Wanderer wurde hochgehalten. Allmonatlich fanden Kontrollversämmlungen jedes Zuges statt, in denen jüdische Lektüre etc. betrieben wird. Am Todestag Herzls besuchten sämtliche Züge das HerzIgrab, \vo der Obmann des Bundes, Dr. Skutezky, eine wirkungsvolle Ansprache hielt. Wir führten die Wanderer ins Palästina-Kino und wer dort ihren hellen Jubel gehört, hat empfunden, daß eine neue Generation stolzer und mannhafter Juden heranwächst. Begründung des Oesterreichischen Bundes „Blau- Weiß“ für jüdisches Jugendwandem. Die großen Erfolge, die der Wiener Wanderbund erzielte und die zahlreichen Anfragen, die aus den verschiedensten Provinzorten einliefen, haben den Bundesvorstand veranlaßt, an die Gründung einer Reichsorganisation zu schreiten. Die Statuten sind bereits vom Ministerium genehmigt. Der von der „Wiener Zionistischen Vereinigung“ einberufene Westösterreichische Jugendtag, der von 43 Korporationen aus 24 Städten beschickt war, gab den vertretenen Organisationen den strikten Auftrag, die sofortige Gründung von Ortsgruppen in Angriff zu nehmen. Aussig, Prag, Linz, Ungarisdi-Hradisch, Mähr.-Schönberg, Troppau, Olmütz, Iglau, Kremsier haben die Arbeit bereits begonnen. Wir richten an alle Vereine und Ortsgruppen den dringenden Appell, sich in den Dienst der Wanderidee zu stellen und die Bildung von Wanderbunden ungesäumt durchzuführen. Zur Gründung einer Ortsgruppe ist erforderlich : 1. ein Proponentenkomitee, das womöglich aus angesehenen Bürgern des Ortes bestehen soll. 2. die sofortige Anmeldung der Bildung der Ortsgruppe bei der Landesbehörde. 3. die Einberufung der konstituierenden Generalversammlung. Diese ist womöglich noch ifcn Laufe dieses Monats abzuhalten, da der Wiener Bundesvorstand anfangs November den „1. konstituierenden Bundestag“ abhalten wird und nur die Generalversammlungen zur Vornahme der Delegiertenwahlen zum Bundestage berechtigt sind. Jede Ortsgruppe gliedert Sich in zwei Teile: 1. den Elternverband, 2. die Wanderer. Dem Elternverband können nur Personen angehören, die mindestens 18 Jahre alt sind. Die Wanderer sind nicht Mitglieder des Bundes; sie werden nur in das Wanderbuch eingetragen. Am 30. Oktober begab sich eine Abordnung des Bundesvorstandes in das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht, um die Förderung seiner Bestrebungen durch das Ministerium zu verlangen. Sie erhielt die Versicherung, daß das Ministerium der Wanderbewegung sehr sympathisch gegenüberstehe und konnte mit Befriedigung konstatieren, daß die Bundesziele aufrichtigem Wohlwollen begegnen. Der Organisation stehen zwei Organe zur Verfügung. Sie gibt gemeinsam mit dem Berliner Bruderbund ein Fachorgan, die „Blau- Weiß-Blätter“ heraus, die nur den Interessen 'der Wanderbundes gewidmet sind. Der westösterreichische Jugendtag hat die „Jüdischen Monatshefte für Turnen und Sport“ als Organ der jüdischnationalen Jugend Westösterreichs erklärt, das sich mit der Wanderidee intensiv beschäftigen wird. Eine Schwierigkeit muß hier betont werden. Die Beschaffung der Materialien, wie: Zelte, Kochapparate, Apotheken, Laternen, Karten usw., die Notwendigkeit, ärmere Wanderer mit wetterfester Gewandung, Rucksäcken, Feldflaschen usw. auszurüsten, haben ergiebige Geldauellen zu ihrer Voraussetzung, die sich der Organisation bisher nicht erschlossen haben. Hoffentlich wird der Appell an die Oeffentlichkeit seine Wirkung nicht verfehlen und dieses bedeutsame Erziehungswerk großzügige Förderung finden. Der Mitgliedsbeitrag beträgt für den Reichsbund samt Ortsgruppenzuschlag 6 K, der Fördererbeitrag 10 K. Beiträge und Spenden sind an den Kassier, Herrn M. U. Dr. Alfred Czapek, Wien, L, Graben 13, zu senden. Die Aufnahme neuer Wanderer findet jeden Mittwoch von 6—7 Uhr im Vereinslokal, IX., Garnisonsgasse 22 statt. RMdiaffung des „Roten Zettels“ in Palästina. Russische jüdische Blätter veröffentlichen die Nachricht, daß der für alle ausländischen jüdischen Reisenden in Palästina bestehende besondere rote Paßzettel durch eine Verfügung des türkischen Ministeriums des Innern abgeschafft worden sei. — Die Einrichtung des sogenannten roten Zettels ist ein Ueberbleibsel der hamidischen Aera. Als nämlich im Jahre 18S2 unter den verfolgten russischen Juden eine Bewegung zu massenhafter Auswanderung nach Palästina und Syrien einsetzte, traf Sultan Abdul Hamid, der eine Ueberflutung des Landes mit mittellosen Emigranten befürchtete, die Verfügung, daß allen ausländischen Juden bei der Landung in Jaffa ihr Reisepaß abgenommen und ein roter Legitimationsschein eingehändigt werden sollte. Dieser Schein enthält u. a. den Vermerk, daß der Inhaber nur zu einem dreimonatigen Aufenthalt im Lande berechtigt sei. Praktisch war dieser „rote Zettel“ der Ausdehnung des jüdischen Kolonisationswerks in Palästina kaum hinderlich, gleichwohl empfanden weite jüdische Kreise die gegen die jüdischen Reisenden als solche gerichtete Maßregel als eine demütigende Ausnahmebestimmung. Nach der Warschauer Blättermeldung ist nun die verletzende Einrichtung, die dem Geiste der neuen türkischen Verfassung durchaus widerspricht, endlich aufgehoben worden. Wie der „N. J. K.“ hiezu von informierter zionistischer Seite mitgeteilt wird, ist es seit langem bekannt, daß eine Aktion auf Abschaffung dieses roten Zettels eingeleitet worden ist, deren Aussichten in der Tat sehr günstig stehen. Aus begreiflichen Gründen haben aber bisher die Initiatoren von Veröffentlichungen in dieser Sache abgesehen und es ist bedauerlich, daß in einer so wichtigen Sache voreilig derartige Nachrichten verbreitet werden. PapfeisNacfiFichfen. Das innerösterreichische Distriktskomifee hat an alle Vereine ein Zirkular erlassen, in welchem diese aufgefordert werden, ein genaues Programm der für die kommende Saison in Aussicht genommenen Veranstaltungen spätestens bis 15. Oktober dem DK. bekannt zu geben. Die Vereine werden ersucht, diesem Wunsche gestimmt nachzukommen. Verein für hebräische Sprache und Kultur. ♦msyn mmn^i -zz'b rm:x Einladung zu der am 13. Oktober 1. J. (12. Tischri 5674), halb 7 Uhr abends, im Souterrainlokal des Cafe Adler, I., Schottenring 12 stattfindenden konstitaierenSen Wmaimnlung. Tagesordnung: 1. Besprechung über die hebräische Kulturarbeit in Wien. 2. Wahl des Vereinsvorstandes. 3. Allfälliges. Alle Volksgenossen, die an der Verbreitung der hebräischen Sprache Interesse haben, sind willkommen. Für das vorbereitende Komitee: Ludwig Batö. Erklärung. Wie berichtet wird, bereisen zwei angeblich aus Palästina stammende Personen die österr. Städte, um für jemenitische Juden zu sammeln. Wir teilen mit, daß dieselben von keiner zion. Behörde autorisiert sind. Bus dem judifthen Beben. Die Berliner Kultusgemeinde und der Beilis- Prozeß. Aus Anlaß des Ritualmordprozesses in Kiew hat Rabbiner Dr. Ziegler (Karlsbad) angeregt, in allen jüdischen Gemeinden Protestversammlungen abzuhalten. Die Synagogengemeinde Breslau wandte sich zunächst an die jüdische Gemeinde Berlin mit der Anfrage, ob beabsichtigt werde, durch die Gemeindeverwaltung, selbständig oder in Verbindung mit Vereinen, Privatpersonen usw., eine Protestversammlung einzuberufen oder sonstige Schritte zu unternehmen. Auch die Repräsentantenversammking der Berliner Gemeinde interpellierte den Vorstand darüber, was er in der Beilis-Angelegenheit, die die Judenschaft der ganzen Welt tief bewege, bisher unternommen habe oder etwa zu tun gedenke. Namens des Gemeindevorstandes hat hierauf Sanitätsrat Dr. Wilhelm Feilchenfeld (Charlottenburg) in der Sitzung der Repräsentantenversammlung vom 14. September unter einmütiger Zustimmung der Versammlung folgende Erklärung abgegeben: „Die jüdische Gemeinde zu Berlin ist sich dessen bewußt, daß das jüdische Religionsgesetz den höchsten Forderungen der Sittlichkeit entspricht; sie hält es daher ihrer Würde als jüdischer Religionsgemeinde nicht für angemessen, eine öffentliche Versammlung zu berufen, um zu verkünden, daß die jüdische Religion von ihren Bekenncrn nicht Verbrechen verlange. Nachdem seit Jahrhunderten bis in die neueste Zeit zahlreiche jüdische und christliche Gelehrte, die die Quellen im Urtext zu lesen vermochten, immer wieder erklärt haben, daß für Bekenner des Judentums ein Ritualmord unmöglich sei, nachdem Päpste und viele kirchliche Würdenträger die Blutbeschuldigung als Verleumdung gekennzeichnet haben, kann nur krasse Unwissenheit oder böswillige Niedertracht gegen einen Juden die Anklage eines Ritualmordes erheben. Sache der jüdischen Schutzverbände wäre es, zu erwägen, ob sie trotzdem ihrerseits in der Kiewer Angelegenheit etwas tun können.“ Die hettitischen Ausgrabungen in Mesopotamien. Die Ausgrabungen des Ministerresidenten Dr. Max Freiherr v. Oppenheim auf dem Teil Halaf in Mesopotamien, haben auch in den letzten Wochen interessante Ergebnisse gebracht Im Stadtgebiet wurde ein in seiner Anlage vollständig erhaltener Gebäudekomplex bloßgelegt, der wahrscheinlich zu Kultzwecken gedient hat. Hinter einem großen, augenscheinlich freien Hofe liegt das eigentliche Heiligtum, das in. einen auf einer doppelten Treppe zugänglichen erhöhten Raum endet. Andere Gemächer reihen sich daran. Das Ganze ist mit Steinplatten gepflastert. Ueber dem äußeren Vorhof befindet sich eine Reihe von Gräbern in gemauerten Steintrögen aus der nachhettitischen Zeit. Auch ausgedehnte Badeeinrichtungen mit einem vortrefflichen Kanalisationssystem usw. wurden freigelegt. Die Stadtmauer ist bereits vollständig ausgegraben. — Der Expeditionsleiter unternahm mit einigen seiner Mitarbeiter eine Expedition zur Erforschung des im Nordwesten des Teil Halaf gelegenen Gebietes, wo er weitere Spuren des Teil Halaf-Hettiter-Reiches nachgehen wollte. Es handelte sich um das Berggebiet des Tektek und das unmittelbar östlich daran gelegene hügelige Gelände. In dem letzteren wurden alte hettitische Höhlenbauten und Teils gefunden. Das eigentliche Tektek-Gebirge erwies sich in seiner ganzen Ausdehnung als ein Höhlenland der merkwürdigsten Art. Ganze Ortschaften waren unter der felsigen Erdoberfläche gebaut. Die Haupt- und die letzte Blüte des Berggebietes fiel jedoch in die hellenistische Zeit. Aus dieser Periode wurden prächtige Ueberreste gefunden. Die alten Höhlen waren vielfach mit schönen skulptierten Bogennischen versehen worden. Große alte Ansiedlungen wurden berührt, in welchen über den unterirdischen Wohnungen palastartige Baureste KÄFFEEIMPOfiT

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