Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 39 (26.9.1913)
- Date
- 1913-09-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 39 Zusehen, nachdem wir durch amtliche Erhebungen von diesem Elend unserer Glaubensbrüder in Kenntnis gesetzt sind. Jüdische Männer, Frauen, Mädchen und Jünglinge! Meldet euch zum Beitritt, zum Gründungskomitee zur Errichtung eines jüdischen Obdachlosenheims, agitiert für unsere gute Sache. Noch niemals hat der Appell an das jüdische Herz versagt. Kein Zweifel, daß wir auch diesmal auf Verständnis, ja auf Begeisterung für unser edles Streben stoßen werden. Die kommende rauhe Jahreszeit mit ihren tausendfältigen Gefahren für die Gesundheit, darf unsere armen obdachlosen jüdischen Mitbürger nicht hilflos antreffen. Anmeldungen nimmt entgegen: Bezirksrat Alexander Pollik, Wien, 11/3, Im Werd 3. Die Niederlage der Karmelwsine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. Wien, II., Taborstr. 17 [Hirschenhaus] ladet ein zum Bezug des neuen Jahrganges der „Wiener Mode“. Jährlich 24 Hefte mit Schnittmustern und vielen tausend Abbildungen. Preis jährlich K 14.—, halbjährlich K 7.—, vierteljährlich K 3.50. Probehefte und Prospekte frei. Reiches Lager der besten Modezeitungen. Antiquariat. Provinzversand. Eine Konferenz der sephardisdien Juden in Oien. Anläßlich des XI. Zionistenkongresses veranstaltete der akad. Verein „Esperanza“ eine Konferenz aller seph. Juden, die sich gelegentlich des Kongresses in Wien befanden. An der Konferenz nahmen über 90 aus der Türkei, Bulgarien, Serbien, Bosnien, Griechenland, Palästina, Wien und New York stammende Sephardim teil, unter diesen auch sämtliche spaniolischen Kongreßdelegierten. Die Konferenz im Beethovensaal eröffnete das Mitglied der „Esperanza“ Dr. Joseph Salom (Wien) und beantragte zum Vorsitzenden Herrn Leon Haim (Ehrenpräs. der „Eszer“), zu Vizepräsidenten die Herren Dri. Marko Romano (Philippoppel) und Ing. Is. Sumbul (Sarajevo). — Herr Leon Haim hielt eine Ansprache und hob hervor, daß es sich um die Klärung einiger Probleme der seph. Juden handelt, vor allem um die Frage des Spaniolischen und der Dezentralisation der Sephardim. Das Engere Aktionskomitee war durch die Herren Nah. Sokolow und Dr. V. Jacobsohn vertreten. Herr Sokolow begrüßte die Konferenz mit einer herrlichen, gefühlvollen Ansprache an die sepliardischen Brüder. Dr. phil. M. Levy (Sarajevo) erstattete ein Referat über die gegenwärtige Lage der seph. Juden. Nach einem historischen Rückblicke über die einstige Produktivität und geistige Tätigkeit der Sephardim schilderte er mit ergreifenden Worten den Verfall dieses einst so lebendigen, schöpferischen Teiles des jüdischen Volkes und wies insbesondere auf den geistigen Rückgang der Sephardim hin. Die Ursache dieses Verfalls glaubt er im Osmanismus zu fin-* den, dessen Natur jede geistige Regsamkeit hemmt. Es ist aber der entscheidende Moment gekommen, führte Dr. Levy aus, daß wir uns aufraffen und von diesem osmanischen Geiste befreien, und wir können es, denn in uns leben noch die alten Sephardim, die großen Juden. Zum Schluß beantragte er die Schaffung einer Union der spaniolisdi sprechenden Juden. Dr. Gaster (London) hebt den ethischen und nationalen Wert der jüd. Tradition, die wir Sephardim in der spaniolischen Sprache behalten naben, hervor und tritt für die Beibehaltung dieser Sprache ein. Dr. Benzion (Jerusalem) befürwortet die Verbreitung der hebräischen Sprache unter den Sephardim und beantragt die Schaffung einer Organisation mit kulturellen und nationalen Zwecken. Schließlich beantragt er die Schaffung eines speziellen Fondes. >. Dr.- Nathan Birnbaum (Mathias Ach er) tritt mit viel Geist und Temperament für das spaniolische Jüdisch ein, dessen nationalen Wert und Bedeutung er betont Er sei nicht gegen das Hebräische, glaubt aber nicht, daß es in der- Diaspora die gesprochene Sprache des Juden werden kann; das sei eine soziale Unmöglichkeit Die Probleme der Sephardim seien analog denen der Ostjuden. In der Nachmittagssitzung gelangen zwei Begrüßungsschreiben des Grandrabin Jacob M e i r (Salonique) und des Belgrader Oberrabbiner Dr. Isaac A I c a 1 a y zur Verlesung. Dann ergreift Herr David Florentin, Redakteur des „Avenir“ (Salonichi) das Wort, der den Mangel einer gebildeten sephard. Jugend konstatiert und ebenfalls die Schaffung einer allgemeinen Organisation der Sephardim verlangt. Der Oberrabb. der seph. Gemeinden in Rumänien, Herr Dr. J. Niemirower betonte die Wichtigkeit der Pflege des Hebräischen als lebendige Sprache für die Sephardim, wandte sich gegen die Einseitigkeit der Betonung des Spaniolischen seitens des auch von ihm hochgeschätzten Dr. U. Birnbaum. Ing. Is. S u m b u 1 weist auf die Schwierigkeiten, mit denen die Weiterexistenz des Spaniolischen zu kämpfen hat und zählt viele Gründe auf, die die Schaffung einer kulturellen Organisation der Balkanjuden dringend fordern. Herr Dr. Marko Romano führt die Motive zur Einberufung dieser Konferenz an, vor allem die Balkankämpfe und die Zerstückelung eines starken, kompakten, einheitlichen jüd. Volksteils. Er ist für die Beibehaltung des Spaniolischen, erwähnt aber die ungünstigen Bedingungen für diese Beibehaltung und noch. vieles, was zum Denken Anlaß gibt: Die allmähliche Verdrängung durch die Landessprachen, das Verschwinden der jüdisch-spaniolischen Schrift und die Ersetzung durch die lateinische und die cyrillische, den Mangel an Kultur und Werken, an dem diese Sprache leidet usw. Trotz allem dem ist er für diese Sprache solange, als sie nicht durch das Hebräische ersetzt wird. An diese Möglichkeit glaubt er; die Erfahrung, die er als Mitglied des jüd. Schulkomitees in Bulgarien durchgemacht hat, berechtigt ihn zu diesem Glauben. Zum Zentralorgan der Organisation schlägt er den Verein „Esperanza“ vor. Herr Luden Scinto, Redakteur der „L’Aurore“ (Konstantinopel), will, daß die Organisation auch die Propaganda der hebräischen Sprache bezwecken soll. Cand. jur. Vita Kajon stellt den Antrag, die Konferenz möge dem EAC eine Deputation entsenden, die ihm den Dank aller Teilnehmer für die beehrende Begrüßung und Vertretung des EAC durch Dr. V. Jacobsohn und Herrn N. Sokolow sagen soll, wie die Versicherung der Konferenz geben, daß die zu gründende Organisation keine Separierung beabsichtige, vielmehr in engster Berührung mit der zion. Organisation bleiben wolle. Als Letzter spricht Herr Nissim B e li a r (New York), der der Organisation auch den Kampf gegen die kathol. Missionsschulen im Orient empfiehlt. Zum Schlüsse wurde eine Resolution angenommen, die Dozent Herr A. S. E. Yahuda (Berlin) und D. Florentin formuliert haben. Die Konferenz beschloß die Begründung einer allgemeinen Sephardim-Organisation zu kulturellen Zwecken mit der speziellen Aufgabe, für die Spaniolen der Balkanstaaten und der Türkei zu wirken. Einweihung des „Kaiser Franz Josef 1.* fiulöigungstempel. Der Tempel des Bethausvereines „Am Volkert“ ist nunmehr gemäß den Plänen des Architekten Ignaz Reiser in stattlicher Pracht fertiggestellt. Er stellt eine ganz originelle, bis nun noch nie zur Ausführung gelangte Anlage dar. Ueber ein helles, breites Stiegenhaus gelangt man zu einer schön angelegten Terasse, die rings um den Tempel führt. Eine seltene, sehenswürdige Anlage im Gotteshause, die an den Feiertagen den Besuchern einen Erholungsort bietet, zumal dieselbe mit Blumen und Rasen bepflanzt werden wird. Die innere Ausstattung, was die Malerei, die Beleuchtungskörper und die gesamte Gruppierung betrifft, wurde ebenfalls ganz nach dem Entwürfe des Architekten Ignaz Reiser ausgeführt und wird die Altaranlage, die einen selbständigen freistehenden Teil bildet, von allen Besuchern allgemein angestaunt. Der Bethaüsverein hat sich mit diesem Bau das größte Verdienst um die Wiener Gemeinde erworben. Im Mai 1875 wurde ein äußerst kleiner Minjanverein ins Leben gerufen. Schon im fünften Jahre seines Bestandes wurde der derzeitige, in verdienstvoller Weise wirkende Präsident, Herr Adolf Schrame k, zum ersten Obmanne des Vereines gewählt. Durch seine zielbewußte, umsichtige Leitung und seine unermüdliche Tätigkeit hat er den Verein zu einer achtunggebietenden Körperschaft ln der Wiener Kultusgemeinde gemacht. Die feierliche Schlußsteinlegung und Einweihung findet am 28. September 1913, vormittags 11 Uhr statt.. Programm: 1. Präludium Ma Towu durch Oberkantor Josef Giblichmann; 2. Ansprache des Obmannes des Bethausvereines Adolf Schramek; 3.Verlesung der Schlußsteinurkunde, sodann Hammerschläge und Ansprache des Architekten Ignaz Reiser; 4. Anzünden des „Ewigen Lichtes“ durch Ehrwürden Oberrabiner Dr. Atoriz Güdemann; 5. Einholung der Thorarollen; 6. Er-' Öffnung der Bundeslade und Einstellung der Thorarollen mit Uwenuche jauman; 7. Weihepredigt durch Ehrwürden Vereinsrabbiner J. L. Abeies; 8. Ansprache des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern; 9. Psalm 24 Seu scheorim roschechem; .10. Gebet für Seine Majestät durch Ehrwürden Oberrabiner Dr. Moriz Güdemann; 11. Volkshymne. EarteisNachPichten. Sauerbrunn. (3. Zionistischer Blumentag und.,, Gartenfest.) Seit fünf Jahren wurde in dieser , fast nur von Juden besuchten Sommerfrische" zionistische Propagandaarbeit geleistet. Es ge- 1 bührt den dort tätigen Gesinnungsgenossen das Verdienst, das wichtige, leider noch immer sehr vernachlässigte Agitationsfeld der Sommerfrischen als erste gezeigt zu haben. Dem Beispiele folgen jetzt allmählich andere westösterreichischen Gesinnungsgenossen mit ähnlichen überraschenden Erfolgen. Der 3. Blumentag brachte dem Nationalfonds K 300.—, die zur Eintragung des XI. Kongresses überwiesen wurden. Die verantwortungsvolle Mühewaltung r\vurde durch den vollen moralischen und in Anbetracht der hohen Regien günstigen materiellen Erfolgs von K 305.— belohnt. Insgei samt wurden verteilt K 605.— wie folgt K 300.— Nationalfonds (III. Zahlung, insgesamt K 1150), K 120.— Wiener Zionistische Vereinigung zur Errichtung ihrer Hebräischkurse, K 100.— Jüdisches Studentenheim (III. Ratef, insgesamt K 300.—) zu Händen des innerösterreichischen DK., K 50.— Misrachi (Gartenbaukolonie), K 35.— Sauerbrunner Arme, in Summa K 605.—. JAKDfl PINKAS im Neubau des -103 HOTEL NEW-YORK 103 Wien, II., Kleine Sperlgasse b bietet den P. T. Gästen allen Komfort. — KQche und Keller sind als erstklassig bekannt. Elegante un i geräumige Lokalitäten. Hochzeits¬ und Festbankette werden bestens arrangiert. Central-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN aus der Fabrik L. T. Piovati I., Adlergasse 3. I., Franz Josefs-Quai 49. Versandt nach dem In-'und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurante gratis u.franko. •carD«cxo*cjr)«cara»cjK>«ojK)*CK>cJvoa ■■■ - * i i B ■ i für distinguierte Kreise II., Taborstraße Nr. 20 a | Direktion: Jacques Löw. §Die P. T. Studierenden sowie Korporationen 2 genießen Honorarbegünstigungen. g cK>*cK>oeaD*eK>qcMa«GK>«eK>qeaa» Vereinsnadiriditen. Wien, (Verein jüd. Export- und HandelSakad- „Neure Jehuda“.) Ausschußwahlen: Präses Rudolf L ö w y, Vize-Präses Gustav Rosenbaum, Nationalfonds-Kommissär Oskar R i e s e n f e 1 d, I. Schriftführer Max Brady, II. Schriftführer Alfred Deutsch, Kassier Arnold Deutsch, Bibliothekar Leo Popper. Wien. (Jüd. Handlungsgehilfen-Verband, Ortsgruppe Wien, II., Taborstraße 11 b.) Dienstag, den 30. September, 8 Uhr abends, Diskussionsabend. Tagesordnung: DerElfteZiö niste nk o n g r e ß. Referent Herr Ober-Ingenjeur Rob. Stricker. Gäste willkommen. Wien. (Verein zur Ausspeisung armer israel. Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk!.) Der Verein hat es unternommen, mit seinen bescheidenen Mitteln ein eigenes Heim zu erbauen uns seine Beharrlichkeit hat auch zum Ziele geführt. Die feierliche Einweihung findet am Sonntag, den 28. September .1913, präzise 9 Uhr vormittags, XVL, Wurlitzergasse 11 statt. Gäste lierzlichst willkommen! Göding. („Gamala“) Chargenwahlen: cand. phil. Ludwig Weiner x, cand. ing. Fritz P o c h e r xxFx, iur. Ludwig S o f f i r xxx. Lemberg. (Verein „Judea“.) Wahlen: Senior: cand. adv. Heinrich Fast; Konsenior: cand. iur. Julius Konstantin; Sekretär: cand. iur. Heinrich Menkes. Tobitschäu. Am1 24. August veranstaltete ein rühriges Komitee der Tobitschauer Zionisten einen sehr gelungenen Vortragsabend. Nach einer Begrüßung der Anwesenden durch Kultusvorsteher Herrn Rudolf J e 11 i n e k sprach Herr 7817