Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 39 (26.9.1913)
- Date
- 1913-09-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 39 Freilich liegen die Verhältnisse bei den humanistischen Fächern viel einfacher.. Wir haben als Typus einen Kostenvoranschlag für eine juristisch-staatswissenschaftliche Fakultät ausgestellt. Die Kosten hiefür sind: 2. Juristisch-staatswissenschaftliche Fakultät, Bibliothek und Wohnungseinrichtung Frs. 150.000, Jahresatat Frs. 75.000. Es kann sich auch aus einer näheren Untersuchung ergeben, daß es besser wäre, einzelne Fakultäten nidit auf einmal hinzustellen, sondern einzelne Institute aufzubauen. So ist zum Beispiel die Begründung eines chemischen Instituts als notwendige Ergänzung des jetzt vom Verein jüdischer Aerzte eingerichteten zerologischen Instituts, wie auch als Ergänzung der bestehenden Versuchsstation bereits von anderen Seiten angeregt worden. Es wäre verfrüht, bereits jetzt definitive Vorschläge zu machen. Hat einmal der Kongreß die große prinzipielle Frage entschieden, so wird es Sache seiner ausführenden Organe sein, die Einzelfragen auszuarbeiten. Eine der wichtigsten prinzipiellen Fragen, welche sdion jetzt zur Diskussion gestellt werden, ist die Sprache, in welcher der Unterricht erteilt werden soll. Es unterliegt heute keinem1 Zweifel mehr, daß man die jüdische Wissenschaft^ sowie die meisten humanistischen Fächer in hebräischer Sprache unterrichten kann. (Beifall.) Wenn Bedenken aufkommen, so beziehen sie sich auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Gegenstände. Zwar werden am Gymnasium in Jaffa die Naturwissenschaften in hebräischer Sprache gelehrt, dodi ist es noch zweifelhaft, ob man für den höheren Unterricht bereits eine genügende Terminologie besitzt und ob nicht die wissenschaftliche Seite des Unterrichts sdiwer leiden würde, wrenn man die hebräische Sprache schon jetzt einführt. Aber ich glaube nicht, daß hier eine unüberwindliche Schwierigkeit vorliegt, es gibt Beispiele genug in der Geschichte junger Völker, die bei Gründung von Universitäten sich erst Lehrbücher und technische Termini beschaffen mußten, um den Unterridit in' der nationalen Sprache führen zu können. Wir haben ein prägnantes Beispiel aus neuester Zeit Die Deutschen richten gegenwärtig in China eine Hochschule ein und führen es durch, daß sämtliche Fächer allmählich in chinesischer Sprache gelehrt werden, w'as natürlich unvergleichlich schwieriger ist als in unserem Falle. Das Hebräische ist in seiner Biegsamkeit sehr geeignet zur Bezeichnung von wissenschaftlichen Begriffen und wenn den Dozenten genügende Zrit zur Vorbereitung gegeben wird, so könnten sie sich allmählich in die schwierige Aufgabe hineinarbeiteri. Es wäre möglich, daß in den ersten Jahren der Unterricht in sprachlicher Beziehung gemischt bleibt, daß aber eine Hebräisierung des Unterrichts angestrebt wird. Außer den nationalen Gründen dürften schon die rein technischen Gründe auf eine möglichst schnelle Hebräisierung drängen, denn man muß mit einer internationalen Studentenschaft rechnen, die aus Mittelschulen mit den verschiedensten Unterrichtssprachen kommt. Als gemeinsames Band für diese, in sprachlicher Beziehung heterogene Studentenschaft dürfte sich das Hebräische in Palästina in ganz natürlicher Weise ergeben. Aus dem soeben Gesagten folgt mit zwingender Notwendigkeit eine sehr wichtige praktische Forderung, und zwrar der Ausbau und die Entwicklung unserer Nationalbibliothek in Jerusalem. Wie bescheiden unsere Hochschule am Anfänge sein mag, so wird sie für ihr Bestehen und für ihre gedeihliche Entwicklung und ganz besonders für die Beschaffung von Lehrbüchern in der hebräischen Sprache einer guten Bibliothek bedürfen. Unsere Nationalbibliothek würde deshalb ein wichtiger Grundstein im Bau der Hochschule werden. Bei den humanistischen Fakultäten ist die Bibliothek der wichtigste und auch teuerste Punkt. In dem Bereiche der vorbereitenden Arbeiten wird auch eine intensive Agitation für die Unterstützung der Nationalbibliothek fallen müssen. Während sich die Universität zu einer wirklichen Lehranstalt noch entwickelt, wird ihr bereits eine bedeutsame Aufgabe im Lande zufallen. Sie wird nach dem Muster moderner europäischer Hochschulen der Volkserziehung durch die Einrichtung von Volkshochschulkursen, Ferienkursen dienen. So würde eine medizinische Fakultät in der Lage sein, für die Verbreitung der Kenntnisse von den Elementen der Naturwissenschaft, der Gesundheitspflege, der Krankheitsbekämpfung usw. zu sorgen. Die Vorschläge, welche ich dem Kongresse zu unterbreiten habe, sind ihrer Natur nach einfach. Wir alle sind uns der schweren Aufgabe bewußt und wir wollen uns hüten, Projekte einfach in die Welt zu setzen, ohne materielle Grundlage, ohne Mittel zur Realisierung. Wir glauben aber, daß es an der Zeit ist, ernste Vorbereitungen zu treffen. Ist das Problem in seinen Grundlagen geklärt, so kann man mit der Agitation beginnen und auch die Mittel dafür sammeln. Ich bin am Ende meiner Ausführungen und ich hoffe, daß es mir gelungen ist, die Grundlinien unseres Planes' festzulegen und den Weg vorzuzeichnen, auf welchem man zur Realisierung kommen kann. Natürlich erfordert diese Realisierung eine große Kraftanstrengung, aber ich glaube, daß der Erfolg dieser Anstrengung sich rechtfertigen wird. Gelingt es uns, die Idee in weite jüdische Kreise hineinzutragen, so dürfen wir auch hoffen1, daß wir ein Verständnis für die hohe Aufgabe finden werden und eine kräftige Unterstützung!. Die jüdische studierende Jugend wird vor allem ihre Pflicht tun und sich tatkräftig an der Propagierung der Idee beteiligen. Die studierende Jugend ward nicht vergessen, daß, während sie das Glück hat, an den Quellen der Wissenschaft zu schöpfen, Tausende ihrer Mifbrüder vor Wissensdurst vergehen und durch eine barbarische Gesetzgebung die Türen der Universitäten ihres Geburtslandes gesperrt finden. Es ist deswegen eine doppelte Pflicht der jetzt Studierenden, alles zu tun, um auch die anderen jungen Juden der Wissenschaft zuzuführen und die einzige würdige Antwort auf die jetzige Universitätssperre ist die Gründung einer eigenen Universität. i (Beifall.) Ich werde am besten mit den Worten Fichtes schließen: „Welcher Edeldenkende wäll nicht durch Tun oder Denken ein Samenkorn streuen zu unendlicher immer fortgehender Vervollkommnung seines Geschlechtes, etwras Neues und vorher nie Dagewesenes hineinwerfen in die Zeit, daß es in ihr bleibe und eine nie versiegende Quelle neuer Schöpfungen w'erde.“ Erklärung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die in der Nummer vom 19. September 1913 veröffentlichte, Erklärung des geschäftsführenden Ausschusses des w’.-ö. Zentralkomitees in der Affäre Böhm—Gaster mache ich voll- ) inhaltlich zu meiner eigenen. Darüber hinaus muß ich aber noclj folgendes bemerken. Ich «rar. auf .dem Kongreß Vorsitzender der w*.T’ö. Landsmannschaft und trage, dafür, daß die w.-ö. Landsmannschaft zu dem Vorfälle nicht schon auf dem Kongresse Stellung genommen hat, in erster Reihe die Verantwortung. Diese Unterlassung hatte folgende Ursache: Ich war während der Rede des Hr. Struck nicht im Saal anwesend. Ich erfuhr nachher davon; jedoch nur von den Angriffen des Hr. Struck. Niemand, auch Herr Böhm selbst nicht, mit dem idh von der Sache sprach, hat mir gegenüber von der Bemerkung des Hr. Dr. Gaster irgend etwas erwähnt. Offenbar hat sie überhaupt niemand verstanden. Es ist selbstverständlich, daß ich, wenn ich während des Kongresses davon Kenntnis gehabt hätte, die Angelegenheit in unserer Landsmannschaft zur Sprache gebracht hätte. Und ich darf mit Bestimmtheit behaupten, die Stellungnahme unserer Landsmannschaft wäre keine andere gewesen als die des G.-A. in seiner Erklärung.. Nur der Umstand, daß wir alle von den Worten des Dr. Gaster überhaupt keine Ahnung hatten, hat es verhindern können, daß wir diesen Uebergriff von der Kongreßtribüne aus mit der nötigen Entschiedenheit zur Sprache brachten. Diejenigen aber, welche schadenfroh glauben, wir hätten Hr.‘ Böhm pfäffischen Anfeindungen zu Liebe -„fallen gelassen", haben sich etwas zu früh gefreut. Was uns Herr Böhm ist, darüber wird der nächste Parteitag seine und unsere Feinde belehren. Leitmeritz, den 19. Sept. 1913. Mit Zionistengruß Dr. Emil Margulies I. Vizepräs. des w.-ö. Z.-K. Bethaus-Anzeige! An den hohen Feiertagen -nso d*) rwn wird. II./Rote Sterngasse Nr. 23 ein feierlicher abgehalten. Sitzkarten gelangen täglich von 7—8 Uhr morgens und 4—8 Uhr abends zur Ausgabe. Briefe und Auskünfte: J. Barber, Vorstand, II., Vereinsgasse 2 und beim Portier des Bethauses. Da die Anzahl der Bethaus-Sitzplätze eine Beschränkte ist, werden die P. T. Gesinnungsgenossen ersucht, sich wegen der Karten sofort vormerken zu lassen. Vom Betakomitee des „Jüd. Volksraein" Die ludildie Rpbeiterfrage und Dp. Epanz Oppenheimer. Von Robert Stricker. Der Nationalökonom Dr. Franz Oppenheimer hat in unserem Zentralorgan „Die Welt“ die Betrachtungen besprochen, welche er auf seiner Reise durch die jüdischen Kolonien Palästinas gemacht hat. Er hat hiebei zu verschiedenen Problemen der Kolonisation Stellung genommen und auch die Arbeiterfrag e behandelt. Nachdem Dr. Oppenheimer —~ vielleicht ohne sein Zutun — als Parteizionist gilt, ist es notwendig, seinen Ausführungen energisch entgegenzutreten. Wir Zionisten stehen heute fast ausnahmslos auf dem Standpunkte, daß in den jüdischen Kolonien nur jüdische Arbeiter verwendet werden sollen, vornehmlich aber in allen Niederlassungen, deren Gründung durch die zionistische Organisation veranlaßt wurden. Insbesondere unsere Arbeiter in Palästina trachten in -der-'entschiedensten Weise diesem Grundsätze Geltung zu verschaffen. Das Argument von der viel billigeren, daher unentbehrlichen arabischen Arbeitskraft bringt sie von diesem Streben nicht ab. Sie wollen auch dort, wo die Ausbeutung arabischer Arbeitskräfte sich profitreicher gestaltet, die jüdischen Arbeitskräfte bevorzugt sehen. Man kann ruhig behaupten, daß auch in dieser Hinsicht fast alle Zionisten mit ihnen übereinstimmen. Die Besetzung jüdischer Siedlungen mit jüdischen Arbeitern wird eben höher gewertet, als die momentane Steigerung der Rentabilität durch Verwendung der billigeren, aber volksfremden arabischen Arbeitskraft. Dr. Oppenheimer teilte diese Auffassung nicht und tritt ihr sehr resolut entgegen. Er ner^it sie „einen törichten Versuch, in einem begrenzten Wirtschaftsgebiet eine Sondergruppe völlig von den wirtschaftlichen Beziehungen zu den anderen Gruppen zu isolieren/' Auch die „chauvinistischen Fanatiker“ werden sich bald von seiner Aussichtslosigkeit überzeugen. Doktor Oppenheimer fragt, warum man denn arabische Arbeiter nicht beschäftigen solle und läßt die fanatischen Zionisfen antworten: „Damit das jüdische Geld an Juden komme!“ Er NESTLE” KIHDERMEHl lalfoewohrtesl PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: HENRI NESTLE,WIEN,LBIBERSTRflSSE l NIEDERLÄNDISCHE LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, L, ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais. — Persifliertes Kapital zirka 380 Niilionen. — Prämienreseroe zirka 113 Millionen. — Billigste Prämien und kulanteste Bedingungen. Engagiert jederzeit iüditige, leistungsfähige Renten gegen hohe Bezöge. BnshBnlte erteilt die 6eneralagentstfiaft Bien, 1„ flspernplatz 1 (heiter: David Hebenzahl). Für Ostgalizien u. Buhouina: Subdirehtion höbt Taubes, Hemberg. 001445