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Jüdische Zeitung · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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■ ■ JSSSS .NnTIDNOL -JÜDJ5IIHE5 DREHN ggg fg Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inserateqaufaiahme: Wien, . II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _, täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskriptewerden night 'zuriickgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ■ reich-Üngarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. FwJJSfeufscl^8ph9^»iaifephr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ™ B Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. EinzelexernppKe~20-.h.' *4*ostsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. ES Nr. 39. Wien, Freitag, den 26'.September J9j3 VII. Jahrgang Zur gef. BeaAtung! Die „jüdische Zeitung“ vom 1. Oktober d. J. erscheint als Neujahrsnummer und wird eine eigene Rubrik Neujahrsgratulationen für Rosdi Hasdienoh 56» Cum Wl) enthalten. Unsere Leser und Gesinnungsgenossen werden zweifellos diese günstige Gelegenheit benützen, um auf bequeme Weise allen ihren Bekannten und Freunde ihre Glückwünsche darzubieten. Ein Inserat dieser Größe . kosten K 3.—, wovon ein Teil dem JNF zu- ’fließt. "Diese 'Nummer wird "auf Wunsch an drei ■ aufgegebene Adressen gratis versendet. Für die Versendung dieser Nummer an jede weitere Adresse sind je 10 h zu entrichten. ’ Wir ersuchen um umgehende Uebersendung der Aufträge. „Jüdische Zeitung“ Administration, Wien, II., Karmeliterpl. 1. Rumänien. Die jüdischen Optimisten, welche so eifrig und unentwegt den Niedergang des Antisemitismus konstatieren und sein endgültiges Verschwinden immer und immer wieder in allernächste Aussicht stellen, haben neuerlich eine schwere Enttäuschung erfahren. Die rumänische Regierung hat nunmehr klipp und klar erklärt, daß sie ihren jüdischen Untertanen die Gleichberechtigung nicht gibt und auch denjenigen Juden, die zufolge der Gebietsabtretungen aus bulgarischer unter rumänische Herrschaft gelangen, die bürgerlichen Rechte nicht zuerkennen wird. Der rosige Traum von der Emanzipation der rumänischen Juden hat während der Balkanwirren seinen Anfang genommen. Um bei ihrem Beutezuge gegen Bulgarien möglichst ungestört zu bleiben, hat die rumänische Regierung alles getan, um internationale Verwicklungen und Reibungen, überhaupt jedes Aufsehen zu vermeiden. Als die Frage aufgerollt wurde, was mit den in rumänische Hände fallenden bulgarischen Juden geschehen wird, ob sie, die heute im Vollbesitze der staatsbürgerlichen Rechte sind, dieser Rechte beraubt würden, da beeilten sich die Bukarester Antisemiten feierlich zu versichern, daß dies nicht der Fall sein werde. Ja, noch mehr, im Parlamente erklärte der Ministerpräsident, daß die Regierung alle Juden, welche zufolge der Mobilisierung zum Militärdienst einberufen wurden, also zwischen 30 und 40 Tausend, nach Beendigung des Feldzuges naturalisieren, d. h. zu rumänischen Voll bürgern machen werde. Dazu kam noch eine Demonstration, die ziemliches Aufsehen erregte. Der jüdische Staatsmann Luzatto, welcher in Italien eine hervorragende Rolle spielt, richtet einen energischen Brie» an die europäische Oeffentlichkeit und forderte sie auf, Rumänien endlich zur Einhaltung des Berliner Vertrages zu zwingen und solcherart die rumänischen Juden von unmenschlichen Bedrückungen zu befreien. Diese Aktion in Verbindung mit den heuchlerischen Versicherungen der Bojarenregierung erzeugte eine Atmosphäre voll kühner Hoffnungen. Man vergaß ganz plötzlich die Verlogenheit und Rohheit der rumänischen Gewalthaber, man vergaß auch, daß die schönsten Worte eines hervorragenden- Staatsmannes doch nur Worte sind. Man sah die rumänischen Juden bereits im Besitze des Bürgerrechtes. Die freiheitlichen Blätter, die von Juden gemacht werden, legten bereits Freundschaft für Rumänien an den Tag und titulierten es, als den Kulturträger auf dem Balkan. Man pries den „edeln“ König Karol und seine dichtende Gemahlin. Und wieder Waren es die Zionisten, die an den Schwindel nicht glauben wollten. Ihre pessimistische Auffassung hat sich leider zu rasch als richtig erwiesen. Kaum ist der ärgste Rummel vorbei und die Beute in Sicherheit gebracht und schon erklären die rumänischen Führer mit der ihnen eigenen zynischen Brutalität, daß es ihnen nicht einfällt, das feierliche Versprechen zu halten. Sie machen sich förmlich darüber lustig, daß diese Versprechungen ernst genommen wurden. Mit viehischem Humor erklärte kürzlich ein rumänischer Staatsmann: „Die Juden, welche am Feldzuge teilnahmen, bekommen das Bürgerrecht. Aber nicht alle, sondern nur diejenigen, welche gefallen sind, nur die Toten!“ Der Ministerpräsident J o n e s c u hat bereits verlautbart, daß er wohl den Juden ihr Recht geben wolle, daß aber kein einziger seiner politischen Freunde damit einverstanden sei. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat der rumänische Gesandte in Wien den Journalisten versichert, daß auch die Juden in den eroberten Gebieten keinerlei Staatsbürgerfechte erhalten werden. Einige tausend Juden, welche in Bulgarien die Gleichberechtigung genossen haben, kommen unter die rumänische Knute und werden die Sklaven des gemeinen, verlogenen Bojarenpöbels. Die hetoäifAe Universität in lern* saiem. Referat des Dr. Weizmann, erstattet auf dem XI. Zionistenkongreß. II. Einige Beispiele aus der Geschichte der Universitätsgründungen sollen zeigen, wie wir unä die Sache vorstellen. Die medizinische Fakultät in Beyruth wurde 1883 eröffnet mit vier Professoren und elf Studenten. Sie hatten einen Kredit von der französischen Regierung von Frs. 150.000 und eine jährliche Subvention von Frs. 30.000. 1886 wurde der Kursus zu einem vierjährigen gemacht; 1894 zählte die medizinische Schule über 100 Studenten. Heute beträgt die Studentenzahl über 400. Im Bericht der Fakultät heißt es wie folgt: „Wir hatten ein altes Gebäude, die Einrichtung war primitiv. Die Bibliothek war in einem embryonalen Zustand. Es war bescheiden. Die Skeptiker und die Feinde waren zahlreich und man machte sich auf Kosten des neuen Instituts recht lustig. Aber gleichzeitig fanden sich auch junge Leute, die sich sagten, daß jeder Organismus, wenn er einmal groß werden soll, seine Entwicklung von einer Zelle anfangen muß. Ein der Universität .gehörendes eigene« Krankenhaus gab es nicht und das Krankenhaus eines Schwesterordens wurde für Unterrichtszwecke benutzt. In 1890 wurde die Fakultät von der ägyptischen Regierung anerkannt. 1S98 hat auch die ottomanische Regierung und die französische Regierung die Diplome der Universität anerkannt.“ Dieses Beispiel genügt, um zu zeigen, wie man mit sehr kleinen Mitteln anfangen kann und ein Institut durch Fleiß und kluge Leitung auf eine bedeutende Höhe bringt. Die Universite Libre, Brüssel, die heute zu den schönsten Universitäten Europas zählt, wurde 1810 mit sechs Professoren eröffnet. Im Jahre 1834 wurde sie wieder reorganisiert mit einem Budget von Frs. 13.000 und außerdem stellte die »Munizipalität der Universität das »Museum und die Hospitäler zur Verfügung. 1884 schreibt Ernest Rousseau wie folgt. „Die Summe, welche für die Universität gezeichnet wurde, übertraf nicht Frs. 45.000. Das erste Budget hat Frs. 35.000 vorgesehen als Gehalt für 35 Professoren. Die Universität war zu arm, um ein »Mikroskop zu kaufen und der Professor stellte das seinige den Studenten zur Verfügung. Die Assistenten und Prosektoren haben selber die Sammlungen angefertigt und sehr oft geben sie einen Teil ihrer bescheidenen Gehälter her, um die nötigen Materialien einkaufen zu können.“ In Jerusalem sind schon einige Vorbedingungen Vorhanden, u mdie Schaffung einer medizinischen Fakultät nach einiger Zeit zu ermöglichen. Die Anfänge eines bakteriologischen und pathologischen Instituts sind durch die Tätigkeit des Vereines Jüdischer Aerzte gegeben. Konsoltiert man diese Institute, so ist es nicht schwer, sich vorzustellen, daß sie einen Kern bilden könnten, aus dem sich in Zukunft eine gute medizinische Schule entwickeln kann. Gesetzt aber, man hätte eine medizinische Schule von Grund aus neu aufgebaut, so dürfte sich der Kostenvoranschlag für den Anfang folgendermaßen gestalten: . 1. Aufbau und Einrichtung einer Schule samt Hospital und Bibliothek Frs. 1,500.000, Jahresetat Frs. 240.000. Ein Kostenvoranschlag über eine medizinische Fakultät liegt bereits vollkommen ausgearbeitet vor, wobei bereits bestehende Institute im Orient sowie kleinere europäische Institute sowohl bezüglich der einmaligen Ausgaben wie auch des Jahresbudgets zum Vergleich herangezogen worden sind.

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