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Jüdische Zeitung · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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u Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. .38 klären wir in Vertretung der Zionistischen Organisation Westösterreichs: Wir sprechen Herrn Dr.Gaster das Recht ab, vom Präsidententisch des Kongresses aus in vollständiger Mißachtung aller Regeln einer objektiven Verhandlung sl ei tung seine private abfällige Meinung über ein Mitglied unserer Organisation auszusprechen, das er überdies als Delegierten und als Mitglied des A. C. zu respektieren hatte unddieseseineprivate Meinung als Anschauung der Partei hinzustellen. Wir protestieren gegen diesen groben Uebergriff des Herrn Dr. Gaster. Wir sa gen uns von Herrn Adolf Böhm nicht nur nicht los, sondern Schätzen ihn nach wie vor als Verdienten und bewährten Parteigenossen und Mitarbeiter. Um allen Ausstreuungen entgegenzutreten, stellen wir schließlich fest, daß Gg. Adolf Böhm schon mehrere Monate vor dem Kongresse dem Aktionskomitee die Mitteilung m'achte, daß er aus sachlichen Gründen eine Wiederwahl ins Aktionskomitee nicht annehme, daß er diese Erklärung während des Kongresses vor dem1 Zwischenfall Gaster schriftlich wiederholte und daß der Verzicht Böhms auf eine Wiederwahl mit dieser Angelegenheit in keinem Zusammenhänge steht. Der geschäftsführende Ausschuß des Westösterreichischen Zentralkomitees: Dr. Jakob Ehrlich, Cr. Fritz Eckstein, Dr. Leopold Meisel, Dr. Emil Stein, Obering. Rob. Stricker, Dr. Egon Zweig. Ein ZwifiMall Böfim-Gaster beim Zionistenhongrefc. In der Universitätsdebatte des Zionistenkongresses ließ sich Herr Hermann Struck nach Schluß der Debatte als Generalredner wählen. Da die Zahl der zu wählenden Generalredner eine kleine war, konnte man annehmen, daß Herr Struck zu diesem bedeutsamen Verhandlungsgegenstand als Vertreter der M i s s a c h i - Föderation in prinzipieller Weise Stellung nehmen wird. Herr Struck hat aber seinen Platz als Generalredner einfach mißbraucht. Vor dem Kongreß hat der Prager zionistische Studentenverein „Bar Kochba“ das verdienstliche Sammelwerk „Vom J u d en t u m“ herausgegeben und in diesem Werk hat Herr Adolf Böhm einen Aufsatz veröffentlicht, welcher der zionistischen Propaganda die vorzüglichsten Dienste zu leisten geeignet ist. Ueber dieses Sammelwerk und insbesondere über den Aufsatz Böhms ist nun Herr Struck mit einer Gehässigkeit hergefallen, die uns eines so frommen Mannes, wie es Herr Struck ist, nicht würdig zu sein scheint. Den Verein Bar Kochba macht er flugs zu einem' Bar K o s i b a, und aus dem Aufsatz Böhm reißt er zusammenhanglos einige Sätze heraus, um dann vor einem Forum, dem der Inhalt' der Böhms eben Schrift unbekannt ist, einen der angesehensten und opferwilligsten österreichischen Gesinnungsgenossen vor der ganzen zionistischen Oeffentüchkeit zu beschimpfen. Ob sich eine derartige, gelinde gesagt, illoyale und höchst u n v o r n e h m e Kampfesweise mit den Grundsätzen des „gesetzestreuen Judentums“, das Herr Struck zu repräsentieren vorgibt, in Einklang bringen läßt, vermögen Wir nicht zu entscheiden. Da aber die weltlicheMacht des Herrn Struck glücklicherweise seinem k i r c h 1 i c h e n Uebereifer nicht nahe kommt, können wir über seinen zelotisclien Redeexzeß mit Gleichmut hinweggehen. Zu einer „Affäre“ wurde diese Angelegenheit erst durch die Erklärung des Kongreß-Vizepräsidenten Dr. Gaster, welche wir an einer anderen Stelle dieses Blattes veröffentlichen. Diese Erklärung geht allerdings1 die ganze Organisation an. Daß sich der amtierende Vorsitzende des Kongresses von dem Präsidentenstuhl ausf, der jeder Parteileidenschaft entrückt sein soll', eines derartigen Uebergriff es schuldig macht, ist eine solche Ungeheuerlichkeit, daß sie die schärfste Zurückweisung seitens der zionistischen leitenden Stellen erfahren muß. Herr Dr. G aster mag sich persönlich lossagen, von wem er will; doch wer hat ihn ermächtigt, - in einem Augenblick, in welchem er ausgestattet mit der Autorität des Präsidenten, geradezu im Namen des Kongresses spricht, einen Parteigenossen, der noch überdies Kongreßdelegierter und Mitglied des Aktionskomitees ist, kurzer Hand aus der Partei auszusdiließen? Die zionistische Öffentlichkeit wird es für überflüssig halten, daß wir einen Mann von der bewährten Gesinnungstreue Böhms vor der;‘Polemik des Herrn Struck und Gaster in Schutz nehmen. Aber im’ Interesse der Wür,de des Kongresses muß gegen einen leichtfertigen Mißbrauch des Präsidentenstuhles entschiedenst Verwahrung eingelegt werden. Einzelne anti zionistische Blätter, welche seit Jahren bei jeder Gelegenheit die zionistische Organisation gegen deren Angehörige auszuspielen pflegten, haben mit Vergnügen die Märe in die Welt gesetzt, daß die Wiener Zionisten Herrn B;ö h m infolge des Angriffs; Strucks fallen gelassen haben und daß seine Wiederwahl ins"' Aktionskomitee unmöglich wurde. Tatsache ist, daß Herr B ö h m schön lange vor, dem besprochenen Zwischenfall wiederholt' erklärt Chatte, - eine Wiederwahl ins Aktionskomitee aus prinzipiellen Gründen nicht annehmen zu können und daß es den westösterreichischen Delegierten, welche durch den Uebergriff Gasters in erster Linie betroffen durch die Geschäftsordnung unmöglich war, die gegen das Mitglied ihrer Delegation gefallenen Angriffe auf dem Kongresse selbst zurückzuweisen. Die hetoäifdie Universität in Jerusalem. Referat des Dr. W e i z m a n n, erstattet auf dem XI. Zionistenkongresse. I. Auf der Sitzung des Großen A. C. im März wurde nach eingehender Diskussion der Beschluß gefaßt, die Frage der Schaffung einer Universität in Jerusalem zu erwägen, die Notwendigkeit sowie die Möglichkeit der Durchführung eines solchen Unternehmens gründlich zu studieren. Schon Prof. Hermann Scliapira hat sich bekanntlich lebhaft für die Gründung einer Universität ausgesprochen. Der Tod hat ihn aber ereilt, noch ehe er imstande war, seinem Gedanken die weitere Formulierung zu geben. Im Jahre 1901 wurde dem V. Zionistenkongreß der Antrag unterbreitet, „der Kongreß möge das A. C. beauftragen, die Frage der Gründung einer jüdischen Hochschule einem gründlichen Studium zu unterziehen“. Dieser Antrag wurde auch zum .Beschüß erhöhen. Theodor Herzl brachte dem Projekt ein sehr warmes Interesse entgegen und unternahm einleitende Schritte, um’ von der türkischer Regierung eine Konzession zu bekommen. In den Jahren 1902 bis 1904 suchten wir, eile kleine Gruppe von jungen Zionisten, eine größere Agitation für die Idee zu entwerfen. Herzl Verfolgte diese Arbeiten mit Wohlwollen. Am 20. Juli 1902 schreibt er u. a.: i„Die Universitätsangelegenh'eit hat mein andauerndes und unvermindertes Interesse* Lassen Sie mich dies nicht noch einmal wiederholen. Ich möchte es unserer näciisteri Zusammenkunft Vorbehalten, Ihnen mündlich zu sagen, wie ich mir die Sache vorstelle.“ Aber trotz gewisser Sympathien im jüdischen Publikum war die Zeit vielleicht noch nicht reif und das Interesse für Palästinafrägeii Und speziell für kulturelle Fragen noch nicht tief genug, um eine erfolgreiche Tätigkeit zil ermöglichen. Es kommt noch hinzu, daß. die jüdische öffentliche Meinung zu jener Zeit durch den Kischinewer Pogrom und die darauf folgende Pogromperiode zu tief aufgewühlt und aüf ganz andere Bahnen geleitet wurde. Auch im' zionistischen Lager selbst entstand durch die Uganda-Frage ein tiefer Riß, auf den eihfe langjährige Krise folgte, welche die Energie Und Aufmerksamkeit der Zionisten völlig in Anspruch nahm. Im Februar 1908 veröffentlidite der Cithbridger Professor Israel Abrahams einen kurzen Artikel im „Jewish Chronicle“ über die Notwendigkeit einer jüdischen Hochschule. In den letzten zwei Jahren hat die Idee der Gründling einer medizinischen Hochschule einen gewissen Anklang gefunden. Soviel zur ges'chichtlicheh Uebersicht. Um nun auf die Sache selbst .überzugehen, möchte ich die Betrachtung der Frage in zwei Hauptabschnitte einteilen: 1. Wir wollen zunächst die Notwendigkeit einer Hochschule erörtern und dann 2. die Frage der Durchführbarkeit besprechen. Es erübrigt sich, vor einem Zionisteriköngresse lange über die nationale Notwendigkeit und Bedeutung einer jüdischen Universität zti sprechen. Wir alle fühlen, welch ungeheuren Wert ein intellektuelles Zentrum hätte, wo Juden lernen, fchren und forschen könnten, in eitier günstigen Atmosphäre ungehemmt durch Beschränkungen, in jüdischer Gemeinschaft, frei vom Drucke fremder Kulturen, von dem Bestreben beseelt, neue jüdische Werte zu schaffen, unsere großen Traditionen mit dem modernen zu verknüpfen. Aus dieser Synthese würde eine wahrhaft jüdische Bildung entstehen, die vor allen Dingen der jüdischen Nation zugute käme. Die Diaspora würde von einem solchen Zentrüih in eminenter Weise beeinflußt werden, es würde die Selbstachtung der jüdischen Intellektuellen •in hohem Maße steigern. Wenn man bedenkt, welchen Einfluß schon das jüdische Gymnasium auf den Golus gewinnt, welche .Wirkung selbst eine heute noch so schwache und junge Organisation, .wie „der „Merkas Hamorim“...ausübt,., so ist der nationale Wert einer jüdischen Universität überhaupt nicht abzusehen. Vor allem aber wird die Hochschule eine Hüterin jener Güter der Nation werden, die für ihre Zukunft am teuersten sind: die Hochschule wird eine Pflegestätte für die lebendige jüdische Nationalsprache, der Vereinigungspunkt alles jüdischen Schaffens auf literarischem, künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiete, mit einem Worte „Das kulturelle'Zentrum“ sein. (Beifall.) Die Idee der nationalen Selbstbefreiung, der heute soviel junge Elemente durch den Mangel der Konzentration und durch den schädigenden Einfluß des fremden Milieus verloren gehen, hätte ihre beste und stärkste Garde in dieser Jugend, die den nationaljüdischen Geist in der edelsten Weise betätigen und ins Volk hinaustragen würde. Es würde uns den neuen, aufrechten, schaffenden Juden geben. Das jüdische Volk aber würde eine große Kraft und neuen Aufschwung aus diesem nationalen Werke schöpfen. Es wäre ihm ein stolzer Beweis seiner lebendigen, schöpferischen Kraft, der ihm Mut und Zutrauen zur höchsten nationalen Leistung geben würde. Für unsere Stellung in Palästina würde die Universität von ganz hervorragender Bedeutung sein. Im Prozesse unserer friedlichen Entwicklung im Lande dürfte die Universität unser bestes Hilfsmittel sein. Sie würde uns neue Kräfte ins. Land bringen; sie würde zur Erschließung und Erforschung des Landes beitragen; sie würde unser Anseben in den Augen der autochthonen Bevölkerung heben. NESTLE" HINDEnMEHL f airbewährfes] PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: HENRI NESTLE,WIEN,I.BIBERSTRASSE 1 NIEDERLÄNDISCHE LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais.—Uerciäertes Kapital zirka 380 Hilliuien. — Prämienreseroe zirka 113 Hillionen. — Billigste Prämien und kulanteste Bedingungen. Engagiert Jederze! tüditige, leistungsfähige Hgenten gegen hohe Bezöge. 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