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Jüdische Zeitung · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG gjg NRTJQNßL -JÜDI5CHE5 DREjM ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12'Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ™ reiCh-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzj'ähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, vierteljähr. ■ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. ■ , Nr. 38. Wien, Freitag, den 19. September 1913 VII. Jahrgang Zn; gef. Beaditung Die „Jüdische Zeitung“ vom 26. September d. J. erscheint als Neujahrsnummer und wird eine eigene Rubrik Neujahrsgratulationen für Rosdi Hasdionoh 5674 (rWH Wl) enthalten., ■: Unsere Leser und Gesinnungsgenossen werden zweifellos diese günstige Gelegenheit benützen, um auf bequeme Weise allen ihren Bekannten und Freunde ihre Glückwünsche darzubieten. Ein Inserat dieser Größe kosten K 3.—, wovon ein Teil dem JNF zuftieflt. Diese Nummer wird auf Wunsch an drei aufgegebene Adressen gratis versendet. Für die Versendung dieser Nummer an jede weitere Adresse sind je 10 h zu entrichten. Wir ersuchen um umgehende Uebersendung der Aufträge. „Jüdische Zeitung“ Administration, Wien, 11., Kartneliterpl. 1. JÜDISCHER VOLKSVEREIN FÜR DIE LEOPOLDSTADT. Voranzeige! Tagesordnung: Der XI. Kongreß. Ort und Datum der Versammlung wird noch bekannt gegeben. Der Obmann: Ob.-Ing. Robert Stricker. Kongrefftetraditungen. Die Haltung der Wiener Bevölkerung. Wien hat sich in der Kongreßzeit als gastfreundliche Stadt gezeigt. Viele ausländische Delegierte sind nicht allzu gerne nach Wien gekommen. Die Stadt genießt in der Fremde kernen1 Sonderlichen Ruf. Der Ausländer verbindet :mit dem Begriffe „Wien“ lediglich die Vorstellung von kotzengroben, gewalttätigen Kutschern, Trinkgeldhyänen, unsauberen Straßen und wahnwitzigen Hotelrechnungen. Dazu kommt noch, der Umstand, daß Wien von einer antisemitischen Gruppe beherrscht wird, die als Symbol der Bildungsfeindlichkeit und rohen Demagogie gilt. Unsere Gäste und Delegierten waren wohltuend überrascht. Sie haben eine an Kulturschätzen und erlesener Schönheit reiche Stadt und eine liebenswürdige Bevölkerung vorgefunden. Das Wiener Publikum hat sich, sofern es mit den Kongreßteilnehmern in Berührung kam, wirklich taktvoll und zuvorkommend benommen und großes, ungeheuchelfes Interesse an den Tag gelegt. Es hat sich wieder einmal gezeigt, daß die Gefährten besser sind als die Führer und daß Wien eine bessere Repräsentanz verdient als die Herren Vergani, Schneider und Konsorten. Die Wiener liberalen Juden können aus dem Verhalten der Wiener eine gute Lehre ziehen. Während die liberalen Juden alles Jüdische ängstlich verstecken, damit die Herrn Antisemiten um Gotteswillen nicht provoziert werden, während ihre Parole lautet: „Mit dem Judentum darf man kein Aufsehen machen,“ trägt der Zionist seelenruhig sein Judentum ins hellste Sonnenlicht, in die breiten Massen hinein. Und er begegnet überall der Achtung. Es ist eben ein Unterschied, wie man sein Judentum trägt. Die mit Brillanten iibersäte Protzenjüdin, der jüdische Streber, der in der christlichen Gesellschaft verschwinden möchte, :diese Leute müssen aufreizend wirken. Der zionistische Jude, welcher würdig sein Volkstum zur Schau trägt und energisch sein Menschenrecht fordert, muß sich Respekt erzwingen, auch ti'enn.. er im. Kaftan einhergeht. * » » Die Presse. Die Besprechung, welche dem Kongreß seitens der Presse zuteil wurde, war im allgemeinen eine würdige. Mehrere hundert Berichterstatter haben den Verhandlungen beigewohnt und die größten Blätter haben ihren Berichten einen Raum gewährt, welcher der Größe der Tagung durchaus entsprach. Fast alle Zeitungen, darunter auch solche von universeller Bedeutung, haben sich an leitender Stelle mit dem Problem des Zionismus befaßt und soweit die Kritik gegnerischen Charakter trug, war sie ernst und ruhig. Zum erstenmale hat die freisinnige Tagespresse mit dem System, den Zionismus einfach totzuschweigen, gründlich gebrochen. Der Kongreß hat diese heimtückische Kampfraethode erschüttert. Der Erfolg in dieser Richtung wird vielleicht andauernd sein. Auch die antisemitische Presse hat sich anläßlich des Kongresses einer Form befleissigt, die zur gebräuchlichen in wohltuendem Gegensatz steht Auch sie hat sich bemüht, sachlich zu sein. Von den rüden und blutrünstigen Schimpfereien, mit welchen sonst die Juden in der deutsehnationalen und christlich-antisemitischen Presse bedacht werden, war eigentlich nichts zu merken. Soweit Wiener Verhältnisse in Betracht kommen, müssen nur zwei unrühmliche Ausnahmsfälle hervorgehoben und gebrandmarkt werden. Zwei Wiener Tagesblätter 'haben eine schimpfliche und unsäglich gemeine Stellung eingenomme p.< Es handelt sich keineswegs um antisemitische,1 sondern um sogenannte freiheitliche Bluter, um .die „Arbeiter-Zeitung“, das Zejtralorgan der deutschen Sozialdemokratie und dfc liberale „M ittags-Zeitun g“. Die „Arbeiter-Zeitung“ hat vom Anfang bis zum Ende; die Kongreßberichte teils tendenziös entstellt, feils direkt gefälscht. Schließlich hat sie die anfsemitische Bevölkerung nach Art der russischen|Schwarzen Hundert gegen die Zionisten zu hetzen versucht. In einem Artikel der „Arbeiter-Zeitang“ stand wortwörtlich geschrieben, daß der Zionishtus i! Trachom, Cholera und andere Seuchen in der Welt verbreite. In derselben Weise arbeitete die „Mittags-Zeitung“. Sie forderte die antisemitischen Lokalbehörden und die Regierung auf, den Zionistenkongreß aufzulösen, weil die Zionisten die Cholera nach Wien bringen. Sie stützte sich hiebei auf einen Zwischenfall, auf die leichte Erkrankung eines Delegierten, der sich nach wenigen Tagen als vollkommen harmlos erwies. Es erübrigt sich, weitere Worte über dieses Vorgehen zu verlieren: Es sei nur erwähnt, daß die Chefredakteure der beiden Blätter jüdische Renegaten sind. Der Leiter der „Arbeiter-Zeitung“ ist der ehemalige Jude Austerlitz, der Chefredakteur der „Mittags-Zeitung“ der geiaufte Jude Kornitzer. Vielleicht erklärt dieser Umstand die sonst unbegreifliche Tatsache, daß zwei Wiener Blätter sich im Kampfe gegen den Zionismus der Waffen der mittelalterlichen Judenmörder bedient haben. ' » * * Die Behörden. Die. Haftung, welche die lokalen und politischen Behörden den Kongreßveranstaltern gegenüber eingenommen hat, muß auch lobend erwähnt werden. Alle Dienststellen waren sichtlich bestrebt, Kleinlichkeiten zu vermeiden. Wenn es galt, Schwierigkeiten zu überwinden, sind die Veranstalter immer wohlwollender Bereitwilligkeit begegnet, bei der Post, der Bahn und den politischen Behörden. Auch den fremden Delegierten und Gästen ist dieses Entgegenkommen angenehm aufgefallen. Die Meinung, welche bezüglich der österreichischen Verwaltung im Auslande vielfach geläufig ist, ließ sie ganz andere Dinge erwarten. Unsere Behörden haben sich solcherart viele Freunde im Ausland erworben. Für das Ansehen Oesterreichs bedeutet das keinen geringen Gewinn. Gar manche der ganz absonderlichen Anschauungen, welche über österreichische Verhältnisse im Auslande kursieren, wird durch die Heimkehrenden zerstreut werden. Und Oesterreich kann damit zufrieden sein. Epftlärung des gesdräftsfütoendeit Rossdiosses des uestosterreidiifi&eii Zentralkomitees. Am letzten Sitzungstag des Zionistenkongresses hat der Vizepräsident des Kongresses Dr. Qaster als Vorsitzender im' Laufe der Universitätsdebatte im Anschluß an eine Polemik des Delegierten Hermann Struck gegen den Delegierten Adolf Böhm folgendes enunziert: Ich muß Herrn Struck erinnern, daß wir hier einen Generalredner zur Frage der Universität in Jerusalem vor uns haben und nicht zur Frage der persönlichen und irreführenden falschen Anschauungen irgend eines Mitgliedes des A. C., von dem wir uns absolut lossagen und dessen Anschauungen wir absolut nicht teilen. Da die Geschäftsordnung des Kongresses infolge Abbruches der Debatte es unmöglich machte, gegen diese Kundgebung des Vorsitzenden auf der Kongreßtribüne, Stellung zu nehmen, er-

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