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Jüdische Zeitung · 1913-09-05 · 37 (5.9.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
37 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG ■Nr.'. 37 „Wir haben verlangt, daß Sie dem Großen A- C. die Machtmittel der Organisation zur Verfügung stellen.“ Dem A. C., aber nicht dem E. A.C. Sie dürfen überzeugt sein, daß auch unter den Freunden der Richtung des E. A. C. im A. C. nur Männer sind, die ihre eigene Meinung haben und das E. A. C. weiß genau daß es auch einmal in der Minorität bleiben kann, wenn die Mitglieder des A. C. sämtlich Mitglieder des Aufsichtsrates der Bank und Mitglieder des Nationalfonds sind. Es handelt sich uns nicht darum, Mamelukengehorsam zu finden für ein Kollegium von fünf Personen.. Es handelt sich nicht darum, daß wir die Machtmittel der Organisation für eine Partei haben wollen. Herr Motzkin hat die politische Bedeutung des Aufsichtsrates auseinandergesetzt. Der Aufsichtsrat ist dazu da, um den politischen Einfluß der Organisation auf die Institutionen zu wahren. Solange das Große A. C. aus sehr vielen Mitgliedern bestand, mußte natürlich ein Ausschuß desselben einen Aufsichtsrat bilden. Dieser Ausschuß war nie nach Parteien zusammengesetzt, sondern aus Männern, die im wesentlichen den Stamm des A, C. bilden. Erst auf dem vorigen Kongreß ist der Fehler begangen worden, daß man uns gezwungen hat, uns damit einverstanden zu erklären, daß der Aufsichtsrat zu einer Parteisache wird und wir verlangen, daß dieser Beschluß des vorigen Kongresses wieder aus der Organisation entfernt werde, daß der Aufsichtsrat nicht eine Parteisache ist, sondern daß die Organisation den Einfluß bekommt, der ihr zusteht Es tut mir sehr leid, daß ein Diskussionsredner von der Gefährdung der Depots der Banken gesprochen hat Ihr Weisen, seid vorsichtig mit Euren Worten! Das E. A. C. wird nie solche Ausdrücke gebrauchen. Die Depots sind sicher, ob Herr Fischer oder Herr Marmorek oder Herr JJssischkin sich im Aufsichtsrat der Bank befinden und wir werden nie unsere Hand dazu bieten, daß die Bankgelder wirklich für Zwedce, .mit denen die Bank nichts zu tun hat, genommen werden. Wir haben nicht Geld gefordert für einen Zweck, der noch nicht praktisch geworden ist Es handelte sich, einmal um einen Zweck des Nationalfonds und wir haben das Geld vom Nationalfonds gefordert und bekommen, weil. es eine sehr wichtige Aufgabe des Nationalfonds gewesen ist Es ist ein : Irrtum, daß wir das Geld von der Bank gefor- dert haben. Wir haben von der Bank mit Aus- ■ nähme einer ganz kleinen Summe von 25.000 Mark nichts ohne Garantie gefordert Die Garantien aber waren immer derart,; -daß. sie.uns: auch; .eine,; .andere Bank diskontiert - hätte. Es klingt doch merkwürdig, daß', man immer uns gegenüber sagt, wir könnten die- Banken gefährden und die Leute, die das sagen,, sind doch einmal in der Zwangslage gewesen, von der Bank Gelder für die zionistischen Zwecke zu nehmen und haben es ohne Garantie genommen und nicht wiedergegeben. (Beifall und Händeklatschen.) Die Frage, um die es sich handelt ist eine moralische. Und dieses E. A. C. trägt das Mal an der Stirne, daß es von Ihnen selbst in wirtschaftlichen Dingen nicht für zuverlässig gehalten wird. Sie wissen alle, daß es sich um wichtige Verhandlungen gehandelt hat und daß wir gewisse Erfolge erreicht haben, die für die Zukunft wichtig sind, daß wir zum erstenmale für unsere zionistischen Institutionen Kredite von außerhalb bekommen haben. Und wenn diese Geschäfte einen großen Umfang annehmen sollen, dann müssen Sie nach . außen hin auch die Situation schaffen, daß man mit uns .verhandelt und nicht mit jemandem, dem Sie offiziell selbst bestätigen, daß er in kaufmännischen Dingen imzuverlässig ist (Beifall und Händeklatschen.) Es ist von einigen Herren von einem „Ultimatum“ gesprochen worden. Herr Motzkin oder Hurr Weitzmann sagte, „wir nehmen das nicht ib-nst“, ich möchte mich nicht so ausdrücken. Ich weiß, daß es in der zionistischen Bewegung keine Ultimaten geben darf. Ein Zionist, der sich aus der Organisation zurückzieht, weil seine Ansicht nicht durchgedrungen ist, von dem wissen wir, er war kein Zionist (Beifall und Händeklatschen.) Und die Männer, um die es sich hier handelt, sind Zionisten und deswegen können sie sich hier nicht zurückziehen. Aber ich bitte, daß man im Interesse der Zukunft unserer Organisation sich scheut, solche Worte auch nur zu gebrauchen. Wir stehen noch in den Anfangsstadien unserer Bewegung, noch haben wir für alle Plätze, die wir besetzen müssen, sehr wenige Kandidaten. Wir erklären Ihnen ohne weiteres, es ist eine moralische Notwendigkeit für uns, daß Sie diesen Beschluß revidieren. Welche Form Sie finden, ist Ihre Sache. Wir sind nicht hergekommen, um jemanden zu verdrängen, wir dürfen es nicht Aber wir sind überzeugt, daß die zionistische Atmosphäre bei uns so zionistisch ist, daß jeder von uns die Möglichkeit hat, mit jedem von uns in ihr zu arbeiten. (Stürmischer Beifall, i Wolffsohn: Ich muß. mich ganz entschieden gegen den Antrag der westösterr.e.j.c;hijseJienL-Orgahisa.tio.n wenden. Sie erweist .damit weder dem E. A. C., noch dem Kongreß, noch der Organisation einen Gefallen. (Sehr richtig!) Sie machen es einem großen Teil des Kongresses — wer die Majorität hat, ' wissen wir noch nicht! — unmöglich, für die ’ Entlastung des E, A. C. zu stimmen (Sehr richtig!) weil Sie’damit Prinzipien verknüpfen, die damit garnichts zu tun haben. Es gibt nur einen Antrag, dpr annehmbar ist, das ist der Antrag der Poale Zion. Dieser Antrag ist vernünftig und parlamentarisch richtig. Wir können nur heute für' die Decharge stimmen. Für die Bank sind noch Referate zu erstatten und Sie wollen schon heute den Kongreß durch einen Trick majorisierenV (Sehr richtig! Stürmischer Beifall, heftige Protestrufe.) Vorsitzender Bodcnheimer: Ich bin in der peinlichen Lage, Herrn Wolffsohn zu bitten, den Ausdruck, den er l eben gebraucht hat, zurückzuziehen. Wolffsohn: Ich nehme ihn zurück, aber geben Sie mir ein anderes Wort dafür. (Wider- Spruch seitens der Westösterreicher.) Vorsitzender Bodcnheimer: Da Herr Wolffsohn den Ausdruck zurückgenommen hat, ist die Angelegenheit parlamentarisch erledigt (Rufe: Er soll die zweite Bemerkung zurückziehen.) Herr Wojffsolin nimmt auch diese Bemerkung zurück, i Es. kommt nun der Antrag der. Russischen Landsmannschaft zur Abstimmung, der folgendermaßen lautet: „Der XI. Zionistenkongreß drückt dem Engeren Aktionskomitee sein vollstes Vertrauen und seinen tiefsten Dank für die von ihm auf organisatorischem, politischem, kolonisatorischem lind finanziellem Gebiete geleistete fruchtbringende Arbeit aus und erteilt ihm die Decharge“. Selbsverständlkh kommt dann die Frage der Bankleitung später zur Abstimmung. (Zustimmung.) Wer dafür ist, daß die Generaldebatte mit dem Antrag auf Dechargeerteilung geschlossen ist, und daß dje Bankfrage separat behandelt wird, erhebe die. Hand. (Geschieht) Ich bitte um die Gegenprobe. (Geschieht.) Der Antrag ist mit großer Majorität angeno Hinten. W.er für; den Antrag der Russischen Landsmannschaft ist, möge die Hand erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Geschieht.) — Der Kongreß hat dem E. A. C. einstimmig Decharge erteilt. (Stürmischer, langanhaltender Beifa|l.)[' r Sitzung. Y- Freitag, am Nachmittag des 5. September. Beginn der' Sitzung 4 Uhr nachmittags. Vizepräsident Stand eröffnet die Sitzung und erteilt Herrn. DrY Nacht das Wort zu einer Begrüßungsansprache. Dr. Nacht: Im Namen der Vereinigung der zionistischen .studierenden Jugend in Rumänien erlaube ich mir, dem XI. Kongreß aufs herzlichste zu begrüßen und: folgende Erklärung abzugeben : „Die zionistische studierende Jugend in Rumänien erblickt im Zionismus das einzige Mittel zur Lösung der Jpdenfrage, der moralischen Judennot, die vom Y zionistischen Standpunkt aus viel wichtiger ist, als die materielle Judennot. Die Vereinigung ^Zionistischer. Studierender in Rumänien bittet den hohen Kongreß und besonders das A. C., cjie zionistische Propaganda in der Weise zu betreiben, daß die jüdischen Schulen überall und ganz besonders in Rumänien, in jüdisch-nationalem iSinne und im Geiste der jüdischen Tradition geleitet werden. Die Vereinigung wünscht, daß besondere Fürsorge und Aufmerksamkeit der Frage der hebräischen Lehre geschenkt werde. Fast sämtliche jüdische Schulen in Rumänien--leiden in dieser Hinsicht an einem furchtbaren, Mangel, der jeden besseren hebräischen Unterricht unmöglich macht. Die Vereinigung macht den geehrten Kongreß ferner auf eine andere sehr ernste Frage aufmerksam: Auf den Mangel an höheren jüdischen Mädchenschulen. Es ist eine bekannte Tatsache, auf die bereits Achad-Haam hingewiesen hat, daß im Rahmen .der jüdischen nationalen Erziehung die Mädchenschule der Knabenschule voranzüstellen ist Der zionistische junge Mann — das lehrt uns die Erfahrung? hört in vielen Fällen bald auf, Zionist zu sein, wenn er sich verheiratet, weil seine Frau nicht mittun will, wenn sie der sogenannten besseren Gesellschaft entstammt. Sie hat ihre Erziehung in nichtjüdischen Schulen, in Missionsschulen genossen, wo sie zu allem anderen als zu ejuner guten Jüdin herangebildet wird. Sie ist nicht die Frau, die in das jüdische Heim den jüdischen Geist hineintragen kann, das Gegenteil ist“ der Fall. Der jüdische Mann ist in seinem eigenen Heim nicht zu Hause, noch viel, weniger das jüdische Kind. Dem jüdischen Heim fehlt'die jüdische Frau, die jüdische Mutter, die zionistische," jüdische Männerfräge ist eine jüdische 'Frauenfrage. Kein zionistischer Mann ohne die zionistische Frau. Jüdischnationale, höhere Mädchenschulen sind ein conditio sine qua non für das Gelingen unseres nationalen Gedankens, für die Aufrechterhaltung unserer heiligen Tradition. Möge der Kongreß in der Kultürdebatte diesen Fragen seine Aufmerksamkeit züwenden,. auf daß der Wunsch bald in Erfüllung gehe:1' Wann eracht’ ich als gelungen Mein Bemüh’n auf dieser'Erde? Wenn aus' armen Jüdenjurtgen Stolze junge Juden werden. Vizepräsident Stand erteilt Dr..Bo denh eimer. das Wort zur Erstattung seines Referates über den jüdischen Nationalföhds, das wir nächtragen werden. Simon: Ich möchte die Herren des E. A-. Cbitten, eine einfache Erklärung zu geben, ob Sie bereit sind, dafür Sorge zu .tragen, daß in der Folge nur ganz objektive Artikel über die Verhandlungen des Kongresses in. der „Welt“ erscheinen werden. Ich stelle die Frage pur deshalb, wei! ich der Ansicht - bin,, daß das offizielle Organ unserer Bewegung nicht das .Recht hat, einen subjektiven parteiischen Artikel über die Verhandlungen . des Kongresses zu -schreiben, der dem Invcresse unserer Bewegung sehr, schadet Prärio .t Wolffsohn: Die nächste. -Sitzung morgen -ijends nach 8 Uhr. Ich wünsche Ihnen vergnügten Sabbath. Achte Sitzung. Samstag, am Abend des 6.. September. ■■ Beginn 81/4 Uhr. Präsident Wolffsohn eröffnet die Sitzung -und erteilt das Wort dem . Delegierten Greifephagcfl, dem Vorsitzenden der „Jüdischen Turnerschaft“, der dem 'Kongreß und dem E. A. C. im Aufträge des Ausschusses der jüdischen Turnerschäft die Einladung zu dem am Sonntag stattfmdenden Turnerfeste überbringt und auf die Bedeutung - dieser Veranstaltung hinweist. Hierauf erhält Df. Ruppin, Jaffa, dem der Kongreß lebhafte Ovationen darbringt, das Wort zu seinem Palästinareferat. Geehrter Kongreß! Zum ersten Male, seitdem ich ein Amt. in der,. zionistischen Organisation bekleide,, habe ich die Ehre, . vor - dem höchsten zionistischen Forum, zu stehen, und über die Arbeit des Palästinaamtes. Bericht - zu erstatten, mit; dessen Begründung..und Leitung ich im Frühjahr 19Q8 meine.;.Tätigkeit begann. Ich will .diesen Bericht; nicht: dazu benutzen, um Ihnen das .Geschaffene : im Detail. zu % schildern. Ich denken daß Sie darüber durch .die.:mehr als reichlichen; Mitteilungen:-in unserer .Presse, -durch’. deui[4hf«»iige^nifItt')^orlfffiea^v8e?l!*t des ,E- A.;;!Gsj,an:::den, Kongreßs'und-iidurqh..das Referat des H.errn Vorsitzenden; ^des-. N-: E.-®- rektoriums zur Genüge.; unterrichtet sind. Ich stelle mir deshalb in meinem Bericht, eine andere Aufgabe.. ....; Ich :will die prinzipiell;e-n Fragen erörtern, die bei der Beurteilung unserer Tätigkeit immer wieder aUftauchen; ich will ,-Ihnen die Grundzüge des Systems aufzeigen, das: uns zur Richtschnur gedient hat; und ich will ferner darlegen, weshalb. wir von : allen möglichen Wegen bei unserer Arbeit geradediesen Weg.. gegangen sind. Als ich im Jahre ,1907 noch .als einfacher Tourist Palästina mehrere Monate lang durchreiste, diprimierte mich am meisten die Energielosigkeit und Mutlosigkeit, die ich. unter den Juden, besonders in den Kolonien in Judäa, Samaria und Obergaliläa vorfand. Ich versuchte, den Zustand auf eine diagnostische Formel zubringen, und ess.chien mir, als ob man ihn am besten als Ueberul-terung bezeichne. Die- Kolonien in - Judäa,- Samaria und Obergaliläa waren -im Durchschnitt zwanzig Jahre alt: Die einstals junge Männer, sei es. aus Begeisterung, sei es aus Hoffnung auf materiellen Gewinn, die Kolonien-gegründet , hatten, waren in harter und oft vergeblicher -Arbeit mürbe und alt. geworden^ und der. Na-chw u phs -fehlte. Die Jugend hatte von den-Eltern-weder die Begeisterungnoch die-Hoffnung-auf Gewinn übernommen, und sie hatte: deshalb die Kolonien verlassen, um in den Städten oder außerhalb Palästinas ihr Glück zu versuchen. Manche Kolonien sahen geradezu .wie Greisenhäuser aus. Man. durfte: der-Jugend, darob kaum, grolleru-, Sie konnte den Eltern mit Recht - verhalten, daß Telefon: Stelle 6 von 3455. Witkowski & Nacht Nadit Julius Ws Witwe; empfiehlt sämtliche Uniformierungs- und Ausrüstungs-Sorten für das kY k. 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