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Jüdische Zeitung · 1913-09-05 · 37 (5.9.1913) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
37 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Nr. 37 haben die Herren nicht gezeigt. Ich war derjenige, der verantwortlich -war für das Wort yoip synthetischen Zionismus, den wir haben wollen, und ich bin nicht mit Herrn Lichtheim einverstanden, daß die Synthese vollzogen ist. Aber sie ist bereits im Prozesse des Werdens. Ich habe gar nicht die Ambition, in Bankfragen hineinzureden, aber es gibt doch gewisse Begriffe, die nicht so ungeheuer schwer sind,;'daß sie nur von Bankiers verstanden werden ‘können. Man hat die P. L. D. G. gegründet, die ^politisch, vom Standpunkte der Herren dazu da war, Bedingungen zu schaffen für die Erwerbung von-Landi in Palästina, für die Vorbereitung des Landes; kurz, eigentlich soll diese kleine P. L. D. C. das ausführen, was ein Staat ausführt. Die P.‘ L. D. C. war nun unglücklich, so und soviel Pfund verloren zu haben, weil sie diese vorbereitende Arbeit geleistet hat, weil sie Ländereien gekauft hat, in die sie gewisse Summen hineinstecken und diese Summen natürlich von ihrem Konto schreiben mußte, und das, obgleich das Land in seinem Werte gestiegen ist, das heißt die P. L. D. C. hat das gemacht, was ein Staat macht, der Wege, Eisenbahnen baut und wüstes Land bewässert und dadurch den Wert des Landes steigert, dadurch vielleicht bares Geld verliert, aber politisch einen ungeheuren Wert erzielt. (Sehr richtig! Beifall.) Nun hat man eine Buchung vorgenommen, man hat das investierte Geld abgeschrieben und urbi et orbi erklärt: Die P. L. D. C. ist bankerott, sie ist ein bankerottes, faules Unternehmen, wollen Sie nun ein arideres Unternehmen schaffen? Bedingungen kbkten Geld,-das sollten Sie als Bankiers wissen; wenn man Bedingungen gratis bekommen könnte, wären alle Juden Zionisten. Bedingungen‘ - kosten Geld, und ein Staat muß Geld verbrauchen, um in der Zukunft wieder das herariszuschlagen, was er augenblicklich geopfert hat. Und wie . haben die Herren der Politik gegen die P. L. D. C. gekämpft; fortwährendwurde gegen die kleine, miserable Organisation, die eigentlich nicht imstande war, etwas zu niachen, ein Feldzug inszeniert! Wenn die-P. L. D. C. noch gichts getan hat, so sind uns Herr Kann und seine Freunde in erster Linie dafür verantwortlich. Man hat den Beza lei gegründet. Diese Gründung selbst ist natürlich vom Standpunkt des Schulwesens auch nicht sehr viel, für uns aber war der Bezalel eine Zelle, aus der sich ein weiterer , Zionismus entwickeln und der gewisse Bedingungen in Palästina schaffen wird, das heißt eine Hausindustrie schaffen, Familien, die jetzt von der Chaluka demoralisiert werden, einen Erwerb geben wird. Gesetzt, eine solche Sache würde Millionen kosten, welcher Staat-und welche Organisation, die für die Regeneration des Volkes arbeitet — und hauptsächlich doch für die Regeneration der Palästina-Juden arbeitet, die doch in erster Linie in Betracht kommen — hätte nicht gesagt, ich setze Millionen auf diese Sache und wenn es auch Millionen kostet, die Sache muß. sein. Die Hausindustrie muß geschaffen werden! (Lebhafter Beifall. — Unruhe.) Nun, es ist wahr, daß der Bezalel vielleicht ein schlechtes Geschäft ist,, aber alle solche Unternehmungen werden schlechte Geschäfte bleiben, sie müssen mehr kosten, man kann nicht das sogenannte kaufmännische System anwenden, mit dem kaufmännischen System werden Sie Palästina nicht erobern. (Beifall und Händeklatschen.) Schlußwort Dr. Hantkes. Der Vorsitzende des E. A. C., Herr Prof. Warburg, hatte die Absicht, jetzt hier namens des E. A. C. das Schlußwort zu sprechen, um dadurch auch nach außen zu dokumentieren, daß sich das E. A. C. in seinem Berichte und seinen Ansichten vollkommen solidarisch fühlt. Nur weil Herr Prof. Warburg infolge der Ihnen bekannten Umstände gezwungen ist,' auf zwei Tage zu verreisen, bin ich wieder ausersehen worden, auch das Schlußwort namens meiner. Kollegen zu sprechen. Unsere Generaldebatte hat einen ganz merkwürdigen Charakter angenommen. Ich will nicht davon sprechen, daß einige Redner wieder die alte Frage' „Politisch oder praktisch?“ angeregt haben. Diese Frage ist schon so oft behandelt worden, daß Sie es .verstehen, werden, daß ich über diese theoretische Frage hinweggehe. Merkwürdig ist meines Erachtens in der Debatte, daß die wichtigsten Ergebnisse der letzten Periode im Grunde genommen gar nicht berührt worden sind. Nur so konnte es kommen, daß man den Eindruck gewann, wir brauchen noch einen Friedenskongreß. Wenn es je die Möglichkeit des Friedenskongresses in dem Sinne gegeben hat, daß man auf einer weitgehend gemeinsamen Grundlage zur Beratung zusammengetreten ist, so ist es jetzt der Fall, denn die wichtigsten Fragen der früheren Kongresse sind ja aus der Diskussion entschwunden. Sprachen Sie ‘mit einem Worte darüber, wo das Aktionskomitee sitzen soll, wer seine Mitglieder sein sollen, und nach welchen Prinzipien sie ausgewählt werden sollen? Nein, darüber sprachen Sie gar nichts! Das ist doch ein sehr großer Fortschritt gegen früher und wir haben diesen Fortschritt doch; nicht erreicht, weil wir persönlich etwa die und die Verdienste uns erworben haben, sondern weil es uns gelungen ist, diese Frage auf dem vorigen Kongreß aus dem persönlichen Kampfe auf den festen Untergrund von Prinzipien zu bringen. Und das bitte ich Sie festzuhalten. Es steht für die Zukunft fest, daß das E, A. C. in einem jüdischen Zentrum sein muß, daß es kollegial arbeiten muß. Es steht ferner fast außerhalb jeder Debatte, daß im Großen A. C. alle Richtungen vertreten sein müssen, und man hätte nach der vorangegangenen Debatte vielleicht den Eindruck haben können, als ob wir hergekommen sind, um die Grundlage unserer Organisation anzugreifen. Ich muß es nochmals erklären, wir kämpfen gegen keine Personen, wir kämpfen gegen keine einzige Person, die Opposition gemacht hat. Wir kämpfen überhaupt nicht gegen Personen, sondern wir kämpfen für ein System, und dieses System ist dasjenige, auf das Sie sich auf dem vorigen Kongreß geeinigt haben und wodurch die Arbeit der letzten zwei Jahre als richtig erwiesen worden ist. Ich greife mit Vergnügen das Wort der Opposition auf, daß wir eine „merkantilistische“ Note in den Zionismus gebracht haben. Wie das Wort gemeint war, ist es falsch. Ich glaube, sagen zu können, daß wir als Gesamtkollegium mehr für die ideale Seite unserer Bewegung getan haben, als Sie es vielleicht erwartet haben. Ich glaube, sagen zu können, daß, wenn wir in dieser unangenehmen Debatte irgendeine Befriedigung empfinden, dann ist es die, daß die geistigen Potenzen der jüdisch-nationalen Bewegung den intimen Zusammenhang mit der Organisation wiedergefunden haben. (Beifall und Händeklatschen.) Und wenn es einen zweiten Punkt gibt, dann ist es die Tatsache, daß wir zum erstenmal wieder seit den ersten Jahren unserer großen Begeisterung auf diesem Kongreß eine neue Generation vertreten sehen von jungen Zionisten, welche wieder, wie in den früheren Jahren, her eit ist, alles für die Idee. zu. opfern. Da soll mir niemand kommen mit „merkantilistischen Noten“, weil wir das Verbrechen begangen haben, mit keinem Defizit vor Sie hinzutreten. (Beifall, Händeklatschen.) Sie wissen, wie schwer es ist, bei den herrschenden unangenehmen Verhältnissen den Osten zu organisieren und Sie wissen andererseits, von welcher Bedeutung die kleine Organisation russischer Studenten in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gewesen ist. Sehen Sie sich die Männer aus Rußland an, die heute an der Spitze unserer Bewegung sind, sie sind das Produkt dieser kleinen Vereinigung, und wenn wir heute sagen können, daß es uns gelungen ist, wieder ^solche kleine Zentren zu schaffen, so wollen 'Sie das anerkennen, daß wir dieuarantien geschaffen haben, daß wir in 20 Jahren auch wieder Führer des Zionismus haben werden. Und da kommen Sie nicht mit den kleinlichen Fragen und suchen Sie nicht unsere Arbeit zurückzuführen auf das Geschäftsprinzip. Das Wort „merkantilistiSch“ habe ich aufgegriffen. Wir sollen einsehen, daß wir zwar Institutionen haben, daß diese Institutionen geschäftliche Einrichtungen sind, daß wir aber nicht zu vergleichen sind mit Privatleuten, die Geschäfte machen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir sind vielmehr mit öffentlichen Korporationen zu vergleichen, welche das Recht haben, alle Gelder, die sie einnehmen können, für die Zukunftsarbeit auszugeben. (Beifall und Händeklatschen.) Ehe ich weitergehe, muß ich eine Kleinigkeit aus der Debatte ausschalten. Es ist ein Angriff auf die Zuverlässigkeit unserer Zahlen im Berichte erfolgt. Dieser Angriff beruht auf einem Irrtume. Die Zahlen des Berichtes sind absolut richtig, mit einer einzigen Ausnahme. Sie sind nämlich durch die Wirklichkeit noch günstiger geworden. Richtig ist, daß die Summe der abgelieferten Schekel gegen früher von zirka Mark 55.000 auf 85.000-gestiegen ist. Das macht eine Steigerung von mehr als 50% aus. Richtig ist, daß die Zahl der gasammelten Schekel von 104.000 auf 127.000 gestiegen ist. Dies ist eine Steigerung von über 20%; mehr haben wir nicht behauptet. Was Sie von uns verlangten, ist, daß wir uns im Rahmen desjenigen halten, was Sie uns bewilligen wollten, und das ist ungefähr geschehen (Rufe: Was ist mit der Presse?) Die Ausgaben, welche wir für die Presse gehabt haben, stimmen ganz genau mit den Zahlen des Etats überein. Nicht ein Pfennig mehr ist ausgegeben worden und diejenigen von Ihnen, welche mit unseren Arbeiten näher vertraut sind, wissen, wie schwer es ist, in solchen Dingen einen Etat einzuhalten. Handlungsunkosten ist ein Ausdruck, den ich Ihnen preisgebe. Das sind die Materialien fürs Bureau,, der Fernsprecher, die Postgebühren, vielleicht hätten wir das Bureauuteaisilien nennen sollen. Aber haben müssen wir das doch jedenfalls. Nun gestatten Sie mir, von diesen Punkten, auf die ich nur ungern eingegangen bin, auf die Hauptsache zu kommen. Was die Abschreibung der „Welt“ anlangt, — da ich. dazu gezwungen werde, es zu sagen — so hat sich leider herausgestellt, daß die von uns übernommene Grundlage der Führung der Administration der „Welt“ sich tatsächlich als auf Unrichtigkeiten beruhend, herausgestellt hat (Rufe: Hört!) Wir sind bereit, einem von Ihnen gewählten Finanzausschüsse die Sache genau darzulegen, ebenso wie wir es den Revisoren gegenüber getan haben. Wir glauben nicht, daß es angebracht ist, vor dem Kongresse eine solche Frage zu behandeln, die mit unseren Ideen nichts zu tun hat Unsere Schuld ist es nicht, das erkläre ich hier, wenn die „Welt“ auch in diesen zwei Jahren soviel gekostet hat wie früher. Und wenn sie uns dasselbe gekostet hat, wie in den früheren Jahren, dann dürfen Sie doch nicht den Männern der Kultur und den Männern der Ideen dafür Vorwürfe machen. Nun halten Sie das eine fest, billigen Sie die Richtung der Arbeit, die Richtung unserer Arbeit, verlangen Sie von uns die Fortsetzung, verlangen Sie Aendertmg, das ist Ihr Recht, aber ich glaube, Sie verlangen es nicht. Und was wir sagen, ist, die Arbeit soll fortgesetzt werden, wie sie bisher geführt wurde, deswegen, weil wir alle es für richtig halten, nicht deswegen, weil wir zufrieden sind. Es ist sehr liebenswürdig von Herrn Dr. Tschjenow zu sagen, er ist zufrieden. Wir als Ihre Leitung, wir dürfen sagen, wir sind nicht zufrieden und wir haben es selbst in unseren Berichten, gesagt. Eine Bewegung, die auf dem Standpunkt angelangt ist, daß sie zufrieden ist, hat die Selbstkritik verloren. Wir können nie zufried.en sein. Der ganze Zionismus ist eine einzige Uttznfrüecfenheit. (Beifall und Händeklatschen.) Wer ein Ziel hat, wie es uns Dr. HerzI gezeigt hat, kann nicht zufrieden sein. Wir haben Fehler gemacht^ wie in jeder Verwaltung Fehler gemacht werden. Und wir haben vor allem viele Dinge nicht getan, weil wir keine Möglichkeit hatten, sie zu tim. Nur das können wir sagen, daß wir uns Mühe gegeben haben und daß Sie den Eindruck bekommen haben werden, daß wir einen Schritt vorwärts gekommen sind. Nun sagen Sie mir: „Warum begnügen Sie sich nicht mit der Anerkennung der Arbeit, warum bringen Sie Fragen auf den Kongreß, über die es Streitigkeiten geben kann?“ Gestatten Sie, daß ich einen einzigen Satz aus dem Berichte vorlese: FÜR KLEINE LEUTE JULIUS MEINL** FrPSl MALTIN- KAKAO E. Preiss, II., Karmeliterplatz 1 im Hause des Kongressbüros. 6 Visit K 4.—, 6 Kabinet K 8.—, Postkarten 12 Stfiek 8 Kronen. 10 Perzent fallen der zionistischen Organisation zu.

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