Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 37 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 37 Ich habe die Ehre Ihnen im Namen der westösterreichischen Landsmannschaft, welche sich mit sämtlichen Stimmen gegen zwei auf den nachfolgenden Antrag geeinigt hat, folgende Resolution vorzuschlagen: Der Kongreß spricht dem E. A. C. in Billigung der von ihm geleisteten erfolgreichen Arbeit seinen Dank und sein uneingeschränktes Vertrauen aus. (Beifall.) Der Kongreß hält es in Uebereinstimmung mit den Forderungen des E. A. C. für eine unerläßliche Voraussetzung der Fortentwicklung der zionistischen Arbeit, daß dem Großen A. C. über die Finanzinstitute und den Jüdischen Nationalfonds der entscheidende Einfluß eingeräumt werde. (Bravo! Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Stand erteilt das Wort dem nächsten Generalredner. £ Motzkin: Unsere zionistische Arbeit ist jetzt besser als vor zwei Jahren, obwohl auch die in der Vergangenheit Erfolge gehabt hat. Möglich ist, daß die Leitung unter den gegebenen Verhältnissen nicht mehr in der Lage war, die politische Arbeit weiterzuführen, aber klar ist es, daß die Beziehungen, welche angeknüpft worden sind, daß die Fäden nach jeder Richtung hin mit einer gewissen Geschicklichkeit geknüpft worden sind und daß wir das erreicht haben, was wir unter den gegenwärtigen Umständen im Zionismus erreichen konnten. Gewiß, wir haben heute keinen Herzl und auch keinen ähnlichen Mann unter uns. Aber deswegen uns darauf zu versteifen, daß jede Arbeit und jede positive Leistung nur im Vergleiche zu dem, was Herzl heute etwa hätte leisten können, zu werten ist, das verstehe ich nicht. Was die Arbeit anbetrifft, so muß mich Herr Fischer erst von zwei Dingen überzeugen, .indem er nämlich positive Tatsachen gibt, die die Grundlage für eine andere Politik und für andere Personen bilden. Wenn ich mich hievon überzeugt haben werde, so werde ich der Erste sein, der das Gegenteil von dem heute Gesagten sagt Aber im Laufe von zwei Jahren hat er mich nicht davon überzeugen können. In einer Beziehung stimme ich mit Herrn Fischer überein: wir müssen sämtliche Kräfte, die für unsere Lage in Betracht kommen, heranziehen und ich bedauere es außerordentlich — aber das bezieht sich nicht bloß auf die Jetztzeit, sondern auch auf die früheren Jahre — daß Kräfte wie Dr. N o r d a u für die wuchtigste Arbeit eigentlich niemals herangezogen worden sind. Es genügt nicht, daß man sich mit Dr. Nord au hin und wieder beraten hat Heute ist der Zionismus viel entwickelter und verzweigter, heute muß man die Sachen genauer kennen. Wir wissen sehr wohl, daß Dr. Nordau oft ganz verschiedene Ansichten in Bezug auf die Politik geäußert hat, aber es ist bedauerlich, daß man ihn und andere nicht in der Weise ausgenützt hat, daß sie voll und ganz in unserer Arbeit stehen. Wollen wir uns nicht täuschen: Nordau hat in der letzten Zeit manchen Fehler begangen, aber alle diese Fehler resultieren aus einer einzigen Tatsache, aus der nicht genügenden Information, aus der unrichtigen Information, die er erhalten hat Würde ein Mann wie Nordau die richtigen Informationen erhalten, dann bin ich überzeugt, daß er. selbst sehen würde, welche Voraussetzungen für die politische Arbeit vorhanden sind und daß er unter diesen Voraussetzungen nur diejenige Arbeit für möglich halten würde, die ich Ihnen empfohlen habe und die die gegenwärtige Politik des E. A. C. nach außen hin bildet Es ist eben eine Frage der Geschicklichkeit der Leitung, solche Männer richtig zu informieren. Es gibt noch etwas, was ich dem E. A. C. auf das positive Konto schreibe, das ist seine Arbeit in den verschiedenen Landsmannschaften und in den verschiedenen Organisationen. Das E. A. C. hat es verstanden, sich mit den Angelegenheiten der Landmannschaften zu befassen und auf die Landmannschaften einen Einfluß auszuüben, alle Organisationen nach Möglichkeit zu stützen und eine Gesundung der Arbeitsverhältnisse herbeizuführen. Es hat nach demokratischen Grundsätzen gehandelt, es stand nicht in der Feme, sondern es ging hinein in die Massen, die für uns vorhanden sind. Das ist ein Vorteil und ein Vorzug. Hätte sie ihn nur nach einer Richtung hin ausgeübt, nur um Fragen zu beraten, die dem Zionismus angehen, nicht aber die Parteipolitik, dann würde idi sagen: es ist eine Glanzleistung, es ist Eure beste Tat. Geben wir doch zu, daß alle diese Reisen an und für sich eine der gewaltigsten zionistischen Propagandataten waren. Wo wir von unseren Mitgliedern Arbeit für die Propaganda verlangen, da müssen wir es in erster Reihe von unseren Führern erwarten. Die Leitung hat hierin als Muster und Beispiel zu dienen. Sie muß dort sein, wo sie den Gegner des Zionismus vor sich hat und diese Arbeit ist in großzügiger Weise in der letzten Zeit geleistet worden. Und darum sage ich: Zieht man das Fazit auf der positiven und negativen Seite, so müssen wir sagen: Das E. A. C. hat an Positivem unvergleichlich mehr geleistet, als Negatives verschuldet. (Stürmischer Beifall.) Nur über einen Punkt möchte ich mich hier nur ganz reserviert äußern: Ich stehe auch nach den Ausführungen des Herrn Fischer und nach den Ausführungen des Herrn Kann, die er hier Vorbringen wird — ich kenne sie nämlich schon — noch immer voll und ganz für die Palästinaarbeit ein und verstehe gar nicht, wie man anders verfahren kann. Nun wird Herr "Kann sagen: Habe ich denn jemals gegen die Palästinaarbeit gesprochen? Ich bin doch immer nur für praktische Palästinaarbeit eingetreten! Darauf möchte ich Herrn Kann fragen: Ist das praktische Arbeit, wie er gegen die Palästinaarbeit handelt? Ist das nicht höchst unpraktisch, wie er gegen die Palästinaarbeit kämpft? Wenn Herr Kann zu uns gekommen wäre und gesagt hätte: dies gellt nicht, dies muß geändert werden, da werden sich Schäden ergeben, dann wäre dem gewiß Folge gegeben worden. Wir sind doch alle verantwortlich, wir wollen doch alle, daß die Palästinaarbeit gedeiht, weil ja der Zusammenbruch dieser Arbeit für unsere Sache eine der ungeheuerlichsten Enttäuschungen sein würde. Herr Kann kam immer zu uns wie zu Feinden, als ob wir die Absicht hätten, eine bankerotte Sache in Palästina zu unternehmen und e r eine nicht bankerotte Sache. Da fragte ich mich: wäre es nicht eine der wunderbarsten Aufgaben für diejenigen, die uns so bekämpfen, aus Privatinitiative, die von ihnen so sehr empfohlen wird, eine mächtige Gesellschaft zu gründen, die uns ein Muster und Beispiel sein soll? (Bravo, stürmischer Beifall.) Heute stehen wir wiederum vor der Tatsache, daß wir einen Kampf haben und er äußert sich auf einem ganz bestimmten Gebiete. Das ist die Bank. Seit 14 Jahren stehe ich auf demselben Standpunkte. Man macht mir auch oft den Vorwurf, daß ich etwas starr bin. Ich stehe auf dem Standpunkte, daß die Bank eine zionistische ist. Keine andere. Und ich protestiere auf das energischeste dagegen, daß iman die Behauptung verbreitet, die Bank wäre eine Bank von Fremden. Eine derartige Behauptung entspricht erstens einmal nicht den Tatsachen. Die zionistische Bank, die sich Jüdische Kolonialbank nennt, ist von Zionisten nidit nur gegründet worden, sondern auch die meisten Aktien sind damals von Zionisten gezeichnet worden. Und wenn es der Fall sein sollte, daß selbst ein großer Teil der Aktien von Nichtzionisten gezeichnet wurde, so müssen Sie bedenken, daß dann die Aktien den Zionisten gegeben wurden und daß man ihnen mit Rücksicht auf das Vertrauen zum Zionismus diese gegeben hat. Die Personen, die Juden, welche damals für die Jüdische Kolonialbank unter einem ungeheuren Anstürme gezeichnet haben, so daß im Verlaufe von zwei Jahren Millionen gesammelt wurden; die Juden haben damals nicht einen Augenblick gezweifelt, wem sie das Geld geben und sie haben die Personen auch nicht gekannt und nicht um Personen halber gegeben, sondern einer bestimmten Idee halber. Ich habe noch niemals außerhalb der zionistischen Reihen einen Vorwurf gegen die Kolonialbank gehört, weil sie etwa Palästinainstitute unterstützt hat. Man sollte nur ein Referendum vornehmen, dann werden Sie hören, was das Resultat ist. Und da die Bank eine zionistische ist, so vertrete ich auch heute den Standpunkt wie bereits vor 14 Jahren, daß sich die zionistische Bank in den Händen der Vertretung der zionistischen Bewegung befinden soll. Voll und ganz ohne Konzessionen. Ich: stehe nicht auf dem Standpunkte des Kompromisses. Wie ist denn der gegenwärtige Zustand? Ein Teil des A. C., der , die Bezeichnung Aufsichtsrat trägt, soll gewissermaßen dem Direktorium untergeordnet sein. So schaffen wir ein Institut außerhalb uns, denn wir wählen nicht den Aufsichtsrat, denn er wird "gewählt vom Direktorium. Würden Sie kommen und sagen, wir haben ein E. A. C. undwollen noch eine andere Leitung haben, das würde ich verstehen. Ist das, was Sie wollen, denn überhaupt ein Prinzip? „Schützet die Bank!“ Was heißt es denn: Schützet die Bank? Soviel Vertrauen habe ich zum A. C., daß es die Gelder nicht für sich mit Beschlag belegen wird. Handelt es sich denn um Bankgeschäfte, um Details? Die Fragen, in denen es Konflikte gibt, sind derartig, daß sie jeder von uns versteht. Und da dürfen Sie niemandem von uns die Hände binden. Die Bank befindet sich heute in absoluter Stagnation. Ich weiß nicht, ob das ein Erfolg des Schutzes ist, den man ihr hat angedeihen lassen. Wieso kommt es, daß für den Nationalfonds Hunderttausende gesammelt werden und für die Jüdische Kolonialbank so wenig zusammenkommt. Vielleicht ist gerade das Prinzip des Schutzes ein sehr schädliches gewesen. Nun, meine Damen und Herren, weiter: Was für eine Wahl wird Zustandekommen, wenn Sie den Beschluß fassen sollten, daß das A. C. mit dem Aufsichtsrate nicht identisch sein sollte. Es heißt, da wird verhandelt werden zwischen einzelnen Personen, ob die Liste so oder so sein soll. Und da wird über jeden verhandelt werden und gefragt werden: Ist es mein Mann oder nicht? Das ist für uns demoralisierend. Das ist ein Zustand, den wir nicht aufrecht erhalten können. Wir können nicht eine derartige Wahl zustande kommen lassen. Und wenn Sie es darauf hinauslaufen lassen sollten, ich für meine Person würde es nicht für eine hohe Ehre betrachten, in so ein A. C. hinein zu gehören. Prof. Dr. Weizmann: (Stürmisch begrüßt.) Mein Freund Motzkin hat mich der leidlichen Aufgabe enthoben, weiter die Bankfrage hier von dieser Tribüne aus zu erörtern. Ich bedauere es, daß man den Eindruck gewinnen könnte, daß der ganze Zionismus und alle zionistischen Fragen nur auf eine Bankfrage zusammengeschrumpft sind. Wir haben noch andere Fragen hier zu erörtern. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich in der überaus glücklichen Lage, mit der Leitung der zionistischen Bewegung einverstanden zu sein. Ich will den Grund hiefür auseinandersetzen und in dieser Erklärung auch das Programm unserer Leitung festlegen, um die Zukunft der zionistischen Tätigkeit festzustellen und schließlich zu sehen, wo Parteipolitik getrieben wird, auf der einen oder anderen Seite. Herr Fischer sagte gestern, als die „Praktischen“ ans Ruder kamen, nannten sie sich „Politische“. Damit wird gemeint, daß wir eigentlich nur ans Ruder wollten, es kam uns nicht darauf an, genau festzustellen, was praktisch und was politisch ist. Dem, Herr Fischer ist nicht so; weder Sie noch Dr. Nordau, noch Dr. Marmorek, noch irgend ein anderer Doktor kann für sich die Politik monopolisieren. An der Politik der zionistischen Bewegung haben wir alle mit unserem Blute gearbeitet und wir haben die Politik auch gelernt. Ich bin mit der Definition der" Politik vollständig einverstanden, wie sie Herr Syrkin gegeben hat, aber nicht einverstanden mit den weiteren Folgerungen aus dieser Definition. Es ist wahr, daß die Politik einer nationalpolitischen Bewegung die Zusammenfassung des ökonomischen, nationalen und kulturellen Ideenkomplexes des Volkes ist, eine Ansammlung dieser nationalen, kulturellen und politischen Energien zur Aktivität, um ein gewisses Ziel zu erreichen. Das wäre eine nationalpolitische Bewegung. Und nun frage ich: In welcher Weise hat die gegenwärtige Leitung diese nationale Politik durchgeführt. Sie hat für die Durchführung des Programmes einen ganz klaren Standpunkt eingenommen. Wenn ich aber Herrn Fischer oder Herrn Syrkin oder Herrn Marmorek und alle anderen frage, wie soll man diese Politik durchführen, darauf antworten Sie uns: Ja, Ihr wollt es hier wissen, das läßt sich nicht so sagen. Herr Fischer sagt, ich kann Ihnen sagen, wie man es nicht tut, aber nicht, wie man es tut. (Beifall.) Wenn man eine führende Stellung in einer Bewegung hat und wenn man zu einem Kongresse kommt, der die Arbeit der nächsten Jahre diktieren soll, genügt es nicht, das zu sagen, sonst verschwimmen wir und gehen auseinander, ohne zu wissen, was wir dem Volke sagen wollen. Klar und deutlich muß das Programm festgelegt werden. Aber sich hinter einer Phraseologie zu verschanzen, das ist kein zionistisches Programm und das ist keine politische Arbeit. Politik ist nicht politische Phrase, Politik ist Tat und diese Tat altbewährtes IM PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: | HENRI NESTLE,WIEN,I.BlBERSTRflSSE l NIEDERLÄNDISCHE WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. 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