Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 36 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 36 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 9 tholisdien. Vater und .331 eine katholische Mutter, ferner 98 eine Mutter sonstigen oder unbestimmten Bekenntnisses. Im Haushalte der jüdischen Mischehen befanden sich 7785 Kinder. Von. ihnen waren 4686 evangelisch, 1802 jüdisch, 845 katholisch,. 1. sonst christlich Hnd 451 sonstigen oder unbestimmten Bekenntnisses. Auf einen evangelischen Elternteil kommen 1,50 evangelische Kinder, auf einen katholischen 1,31, aut einen. jüdischen etwa 0,45. Sehr zahlreich sind auch die Kinder sonstigen und unbestimmten Bekenntnisses (Dissidenten, Religionslose usw.), deren Zahlenverhältnis zu den Ehen mit Kindern sich nicht genau feststellen läßt, da, wie bemerkt, die Zahl der Ehen von jüdischen Frauen mit Männern sonstigen usw. Bekenntnisses, soweit in ihnen Kinder sind, nicht bekannt jst. Es läßt sidh' aber schätzen, daß auf jeden solchen Elternteil etwa 1,50 Kinder, also so viel wie . bei dem evangelischen Elternteil, kommen. Das Bürgerrecht für — Tote. .Der Bukarester Korrespondent der „Frkf.. ZtgV“ äußert sich wie folgt über die Judenfrage in Rumänien-: „Mehr als 300.000 Juden sind . recht- und heimatlos und verlangen, was ihnen von rechtswegen gebührt, nachdem ihnen die gleichen Lasten aufgebürdet worden sind wie den, Rumänen. Die jeder modernen Anschauung . von Recht und Billigkeit hohnsprechenden Vergewaltigungen von Juden sind zur Genüge bekannt und einmal muß die unhaltbare- Lage -geändert werden. Zu diesem Ende müssen aber, auch die Juden ihre Taktik wech-• sein. Sie glaubten durch Anpassung an die Usancen der Regierung, durch Dienstfer- ■tigke.it und Liebedienerei, durch Patriotismus ujid Opfermut eine Sinne s ä nderung bei den Rümänen herbeizuführen und dadurch die politischen Rechte zu erhalten. Eine besonders hohe Karte setzten sie auf ihre Mit-, Wirkung an der Mobilisation. Es scheint, daß die Regierung ihr Mittun durch Versprechungen erkaufte, die sich aber offenbar schon heute als Schall und Rauch erweisen. Erst hieß es, daß alle Militärdienst verrichtenden Juden zu Bürgern gemacht werden sollen; später schwächte man das Versprechen ab und behauptete, nur den im Felde stehenden 30.000 dieses Geschenk zukommen lassen zu können. Jetzt gar heißt es, daß nur die im Kamp-fe tür. das Vaterland Gefallenen des rumänischen Bürgerrechtes würdig s e i e n. Das letztere mag ein schlechter und roher. Witz sein, allein er liegt durchaus im Gedankenkreis der herrschenden Klasse. Die erbittertsten Antisemiten sind übrigens nicht ejm mal an der obersten Stelle zu suchen, sondern sie finden sich mehr noch bei der kteinen Bourgeoisie, aus der die -Beamtenoligarchie ihre Elemente holt. Die Beamten aber fürchten durch eine Zulassung der Juden zu den Aemtern eine vernichtende Konkurrenz. Die Juden müssen sich ihre Rechte selber holen und dies kann nur durch die. .Unterstützung . einer demokratischen Kampfbewegung erreicht werden.“ Zum Kiewer ’ „Ritualmord “jjrozeß. i Die „N. J. K.“ berichtet aus Kiew: Wie bereits gemeldet, ist -dfe Verhandlung gegen' den des „Ritualmördes“ an dem Knaben Justsdhinsky angeklagten Mendel Beilis endgültig aüt den 8. Oktober d. J. anberaumt worden. Es sollen 231 Zeugen vernommen werden. Als'- Verteidiger des Angeklagten Beilis werden die bekannten russischen Rechtsanwälte Grusenberg, Karabtschewsky und Zarudny fungieren, von denen der erstgenannte Jude 'ist. Die wichtigsten Zeugen sind bereits für den ersten Ver- „ handlungstag geladen. Der frühere Verteidiger Beilis’, Rechtsanwalt Margolin, ist diesmal alsj Zeuge geladen.' Unter den Zeugen befinden sich ferner die früheren Leiter der Untersuchung, Oberst Iwanow, der Richter Feneitko, Staatsanwalt Ladikarew,' der die erste Anklageschrift verfaßt hatte, ferner der ' Journalist Brasul- Bruschkowsky und der Detektiv Krassowsky, die aut Grund eingehender Forschungen, zu der Ueberzeugung gelangt sind, daß die, Mordtat von einer Diebesbande, an ‘deren Spitze die berüchtigte Vera Tschebyriak steht, verübtworden' ist. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Wipper aus Petersburg. ‘ Das Kiewer Gericht hat fast alle von der. Verteidigung vorgeschlagenen Gutachten, meist unter den nichtigsten Vorwänden abgelehnt. So •z. B. wurde der Antrag, den Berliner Theologieprofessor Hermann L. Strack, einen der hervorragendsten christlichen Kenner des- Talmuds- und der rabbinischen Literatur, vorzuladen, mit der Begründung abgewiesen, die Entfernung zwischen Berlin und Kiew sei zu groß!. Dabei beherrscht Strack auch die russische Sprache, so daß seiner Vernehmung wirklich nichts im1 Wege jsteht. Wie haltlos . der ge- . richtliche Hinweis auf de „Entfernung“ Bery lins ist, geht schon daraus hervor, daß der. katholische Geistliche Justin Pranatjtjs, dessen .. Gutachten die Hauptgrundlage für die „Ritualmord“-Beschuldigung bildet, in Taschkent wohnt, also zur Reise nach Kiew mehr als eine Woche brauchen wird. . i .. .... - * . Ernennung eines Juden zum amerikanischen Botschafter in Konstantinopel. New York. Zum ^Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopel ist Mr. Henry Morganthau ernannt worden. Damit ist die diplo- . matische Vertretung Amerikas bei der Pforte zum zweitenmal einein Juden anvertraut worden. Bekanntlich gehört auch Mr. Oscar Straus, der vor einigen Jahren das gleiche Amt bekleidete. dem Judentum an,"' Mr. Morganthau ist 1S57 in Deutschland geboren und wanderte in seiner Kindheit nach Am'erika aus, wo er später an der City and' Columbia University zum Dr. jur. promovierte. Nach Beendigung seiner Studien wandte er sich dem kaufmännischen Berufe zu. Er war zuerst Mitinhaber der bekannten Firma Lachmähn, Morganthau and Goldsmid, sodann Direktor eines großen Bankinstituts in New: York. ' Mr. Morganthau, der auf verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens hervorragend tätig ist, bekundete auch für jüdische Dinge stets warmherziges Interesse. Er ist Präsident1 der New Yorker Free Svnagogue und gehört idem Direktorium des jüdischen Mount Sinai-Höspitals an. Der Zionismus in Indien. . t; ’ Rangoon (Bri.tisch-rjjirma).. Auch hier hat die zionistische Bewegung siegreich ihren; Einzug gehalten. Vor: kurzem wurde leine zionistische Vereinigung ins Leben gerufen, die über eine, stattliche Mitgliederzahl verfügt uad eine lebhafte Tätigkeit (entfaltet. Es gibt in Rangoon einezur Hälfte aus englisch sprechenden Juden bestehende -jüdische Gemeinde von mehreren huhdert (Personen. Der Gründer der zionistischen Vereinigung von Rangoon, Herr J. Sternberg, weilt gegenwärtig in Calcutta, wo er gleichfalls mit gutem Erfolg für die zionistische Sache tätig ist. Auch jn änderen Städten Indiens wird die Gründung zionistischer Ortsgruppen' tbrbereitet, die späterhin zu einem zioniStisCbon Landesverband zusammengefaßt werden sollen. Jüdische Landarbeiter m Untergaliläa. Jaffa. Eine statistische Aufnahme ergibt, daß in den ersten Sommermonaten 313 jüdische Landarbeiter in Untergaütäa beschäftigt waren, und zwar: in Merchawja,, Siedlungsgenossenschaft und Kolonie, 90, ' in jmgdal 81, in Jibnael 49, in Poriah 4S, in Däganjd 31 und in Sejera 14. Darunter Wären 164 männliche und 31 weibliche Aschkenasim, 47 mämajiche und 4 weibljche Sephardim, 23 'niän'iilidie und’'43 weibliche Jemeniten’ (anßerdefn-1 22^JftfSTiifehTfinäer), 6.Männer aus Kurdistan find G'Gerim- (Proselyten) aus Rußland. < i Die Niederlage der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. ParteisNadiPiditen. Vöslauer Zuckerltag. Wir haben bereits kurz über den günstigen Verlauf des von Wiener Gg. in Vöslau veranstalteten Zuckerltages berichtet. Es sei nachträglich noch allen - jenen der Dank ausgesprochen, die sich um; das Zustandekommen des Zuckerltages besonders bemüht haben. In erster Linie ist dies der Bürgermeister von Vöslau, Herr Architekt s Rudolf Reiter, der gemeinsam mit dem Gemeinderat Dr. Bernhard S e i 1 e r die Erlaubnisbei der Bezirkshauptmannschaft ■ durchsetzte. Gleicher Dahk gebührt auch Herrn. Vizebürgermeister -Watzel, der unseren Gg. .mit Rat und Tat an die Hand ging. Von den Mitgliedern des Komitees, an dessen Spitze Gg; Ing. K ö p p 1 stand, sei die eifrige Tätigkeit des Gg. Klug, sowie der Mitglieder der „Ferialis“, Gg. Kohn, Weis, Goldberg, Messer und K a r o 1 y rühnjlich hervorgehoben; Den anstrengenden Dienst im Zelte versah Frau Walltuch, die von den Damen Frl. Köppl und Türk! wirksam unterstützt wurde. Das Reinerträgnis von 845.— K wird folgendermaßen verwendet: Vöslauer Spital 211.— K, Jemeniten-Aktion (J. N.-F.J 200.— K, Volkslesehalle des Z. Z.-V. 200— K, Wanderbund? Blau-Weiß“ 100.— K, Mensa judaica academicä 100.— K, Verein Bikur chaulim 34.— K. Nach dem Feste wurden jenen Damen, die sich um den Verkauf - Jam eifrigsten bemüht haben, Blumenspenden überreicht. Es sind dies Frl. Rosa K a r o 1 y (Begleiter Gg. Ernst W e i ß), -FrL Kitty Insel (Gg. Ignaz Messer), Frl. Emilia. Galotti (Gg. Spitzer) und Frl. Ehr.enberg (Gg. Ing. Weiß). Von den übrigen Damen sind namentlich Frl. Grete Pick, Yella Messer und Ljlli: S ch ö n f e l d zu erwähnen, die gleichfalls njit großem Erfolg beim Verkauf tätig waren. Zum Schlüsse sei auch dem Ghef der Firma G. und W. Heller für sein besonderes Entgegenkommen be ider Lieferung der Bonbons unser Dank ausgesprochen. BW JAKOB PIUS im Neubau des -it’r HOTEL NEW-YORK “irr Wien, II., Kleine Sperlgasse b bietet den P. T. Gästen allen Komfort. — Küche und Keller sind als erstklassig bekannt. Elegante un-1 geräumige Lokalitäten. Hochzeits¬ und Festbankette werden bestens arrangiert. aus der Fabrik L. T. Piovati Central-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN I., Adlergasse 3. I., Franz Josefs-Quai 19. Versandt nach dem In- und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurante gratis u. franko. •caraacK) •c»a»e»>*c*gocMa*e*oc*o» | Tanz - Institut | 5 für distinguierte Kreise I | II., Taborstraße Nr. 20 a. | Direktion: Jacques Löw. § SDie P. T. Studierenden sowie Korporationen a genießen Honorarbegünstigungen. g ücpgiBsnadipiditen. Holleschau. Am 10. d. M. veranstaltete die jüd.-akad. Ferialverbindung „Zephyra“ die Grütrdungsversammlung des Mädchenvereines „Sulamith“ auf jüd.-nat. Basis. Der Senior ing. Siegfried Beer eröffnete die Versammlung, begrüßte die erschienenen Damen auf das herzlichste und übergab jur. Julius Huth das Wort zu seinem Referate, in welchem er die Tendenz des neuen Vereines ktarlegte. Die Versammlung nahm einen glänzenden Verlauf und meldeten sich 40 Mitglieder. Wir hoffen, daß der neue Verein unsere Hoffnungen nicht täuschen wird. Czernowitz. (Jüdischer Gesangverein.) Die Bukowinaer Juden haben eine Ursprünglichkeit in ihrem Wesen, aus dem liebevolle Aufmerksamkeit eine Fülle edler Eigenheiten entwickeln kann. Sie waren nämlich bis auf einige Gene* rationen der Mehrzahl nach Ackerbauer und einige Kolonien gibt es noch heute im Lande. Im Munde dieser Leute klingt das „Jüdische Lied“ seit jeher. Aus diesem Boden wuchs der „Czernowitzer Jüdische Gesangverein“. Liehe zum jüdischen Gesänge — Enthusiasmus für die Belebung jüdischer Kulturwerte — Oute Stimmen — das sind die Materialien, mit denen man zu bauen begonnen. Wohin der „lüdischc Gesangverein“ bis jetzt gekommen, hat er eine Gemeinde enthusiastischer Verehrer des jüdischen Liedes geschaffen. Er pflegt alle Spielarten jüdischen Gesanges. Am interessantesten sind wohl seine Psalmenvorträge. Die synagogalen Psalmen hören sich, vom Chore des Gesangvereines vorgetragen, ganz anders an, als im Bethausc. Ehörne Kraft, enthusiastische Gottesverehrung und tausendfältiger Jubel tönt aus den Akkorden. Wenn man die vertrauten Weisen so hört, werden alte bekannte Gedichte stärker empfunden. Der „Jffdische Gesangverein“ will durch sein Auftreten vor dem Kongreßpuhlikum beispielgebend wirken, damit die jüdische Musik aufmerksamere Pflege finde als bisher. Fiir die jüdische Musik kann man auch Kreise, die dem jüdischen Leben schon ziemlich ferne stehen, leichter interessieren. Auf diesem Wege hat schon mancher, der sich von unserem Volkstume entfernt, den Rückweg gefunden. Grafenberg. Anläßlich des 9. Ab fand in Gräfenberg eine Trailerfeier statt, der nahezu 200 Personen von dem hier zur Kur weilenden jüdischen Publikum aus aller Herren Länder beiwohnter. Als erster Redner schilderte Gg. Otto Schmidek (Wien, Herzlklub) die Leiden der Juden seit der Zerstörung ihres letzten nationalen Bollwerkes. Er sprach sodann von den modernen Bestrebungen zur Wiederaufrichtung eines jüdischen Staatswesens und forderte zum Kampfe für diese Idee auf. Dann betrat Herr Gg. Singer (Jägerndorf) die Tribüne und schilderte unter brausendem Beifall die Erfolge des Zionismus in der Kolonisierung Palästinas. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen hatten, wurde die Versammlung geschlossen. T?;—'-TT -ysjg