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Jüdische Zeitung · 1913-09-05 · 36 (5.9.1913) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG ^^ngj&öwe^ Einer der ältesten Wiener Gesinnungsgenossen, unser lieber und bewährter Freund Ing. Löwenbein verschied nach längein qualvollen Leiden vor der Eröffnung des XI. Kongresses, dem beizuwohnen der letzte heiße Wunsch' des Verstorbenen war. Ing. Löwenbein hinterläßt eine trauernde Witwe und in echt jüdischem zionistischen Geiste erzogene Kinder. Dienstag, am Tage der Kongreßeröffnung folgte die tief betrübte Familie dem Sarge des Oberhauptes. Mögen die so schwer betroffenen Angehörigen unseres verewigten Gesinnungsgenossen, dem alle Freunde ein ehrendes Andenken bewahren werden, im Mitgefühle der zahlreichen Gesinnungsfreunde einen, wenn auch schwächen Trost finden! Rund um den Kongreß. Die Eröffnungssitzung! Die Auffahrt durch die Schönbrunnerstraße ist ein Schauspiel, das selbst in der Großstadt Wien selten zu sehen ist. Hunderte Wagen und Automobile stauen "sich. Die Gehwege längs der Straße blockiert von zohllosen Zuschauern. Der lange Zug der Wagen will kein Ende nehmen. Immer neue Gäste und Delegierte! Alles festlich gekleidet, in gehobener Stimmung. Vor der Katharinenhälle! Tausende Teil-i nehmer befinden sich schon im Saale und noch stürmt eine vieltausendköpfige Menge zum Eingang. Tine solch machtvolle Versammlung hat das Diasporajudentum noch nicht miterlebt. Diese Judenversammlung hatte ihresgleichen noch in der Urväterzeit, da anläßlich des Laubhüttenfestes die Juden in Jerusalem' zusammen,- kamen. Als das Aktionskomitee die Estrade betrat, wurde es von einem minutenlangen Beifallsrauschen empfangen. Die versammelten Vertreter des zionistischen Volkes ehren ihre freigewählten Führer. Das Musikvereinsgebäude und die umliegenden Gassen bieten ein buntbewegfes Bild. _ Die blauweißen Fahnen am' Hauptportal, die vielen Tausende Menschen mit dem Kongreßabzeichen auf der Brust, fesseln die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden. Jeder bleibt stehen, erkundigt sich, erhält freundliche Auskunft und ein. Ausdruck von Erstaunen, aber auch Achtung malt sich auf den Gesichtern der Unbeteiligten. Die Assimilanten und andere Gegner des Zionismus durchleben peinliche Tage. Ueberall ist vom Zionistenkongreß die Rede. Niemand kann sich dem Eindruck, den der Kongreß hervorruft, entziehen. Die große Wiener Presse bringt spaltenlange Berichte. Einige große Tagesblätter wollten ursprünglich die Sache mit wenigen Zeilen abtun. Bald aber besannen sie sich eines besseren. Und Hun erscheinen täglich spaltenlange Referate. Einige Blätter nahmen in Leitartikeln zum Zionismus Stellung. Natürlich wird vieles verzerrt. Aus manchem Artikel spricht Aerger über die Zionisten, welche das Judenproblem auf die Tagesordnung brachten. Am wildesten und dümmsten geberdet sich — wie könnt’ es anders sein? — die „Arbeiterzeitung“. Das Nest der rotassimilierten Schmödke ist durch den Zionistenkongreß unsanft aufgewühlt. Andere Zeitungen suchen Sensationellen und da wenig zu finden ist, erfinden sie, daß am’ Zionistenkongreß niemand hebräisch verstand, daß Vorwürfe wegen der Gebahrung erhoben wurden! Man erkennt: die offenen und heimlichen Gegner des Zionismus winden sich vor Wut Die „Blochsche Wochenschrift“ schreibt über den Zionistenkongreß an — dritter Stelle. „Der Jahrmarkt des Leben“ (so stilvoll lautet eine Rubrik bei Bloch) ifet anscheinend wichtiger. Freilich: auf dem Jahrmarkt kann man Geschäfte maehen. Und für Bloch ist Zionismus kein Geschäft, denn, um im Zionismus etwas eu gelten, muß man vor allem Rückgrat haben, auch gegenüber kaiserlichen und Kultusräten aus Krähwinkel. Der Besudi des Herzlgrabes. Sonntag, den 7. September, pünktlich um 10 Uhr vormittags. Der weiten Entfernung und des zu erwartenden Andranges wegen, empfiehlt es sich dringend, früher aufzubrechen. (Va9 Uhr.) Sammelpunkt für die Teilnehmer'nahe der Hochschule für Bodenkultur.; ZürnSammelpunkt führen fol- I gende Straßenbahnlinien: A: 1. Linie 40, End- I Station Türkenschanzpark. — Einsteigstelle: Schottenring, Ecke Börsengasse. — Ferner die Linien: E, EK. — Haltestelle Türkenschanz-' Straße. — Einsteigstellen: Ring und Kai. —■ Fußwqg zum Sammelpunkt fünf Minuten. — 2. Linien 40 und 41 a. — Einsteigstelle: Schottenring. — Haltestelle: Gersthof. — Fußweg zum' Sammelpunkt fünf Minuten. B: Stadtbahn- Haltestelle Gersthof. — Umsteigen Heiligenstadt. — Fußweg vom Haltepunkt fünf Minuten. — An den Haltestellen und an den Sammelpunkten werden Ordner die Teilnehmer erwarten. — Am' Sammelpunkt werden sich die Teilnehmer , in folgenden Gruppen sammeln: Turnerschaft. Zentralkomitee. — Studenten. — Deutsche Landsmannschaft. — Galizische Landsmannschaft. — Russische Landsmannschaft. — Sonstiges Ausland. — Westösterreich außer Wien. — Wien. — Der Zug wird sich in Reihen zu drei Personen formieren. Die Teilnehmer werden dringend ersucht, allen zur Ordnung gegebenen Instruktionen bereitwilligst Folge zu leisten. — Für die Rückfahrt empfehlen sich die Linien: E, EK und 41 a, sowite die Stadtbahnhaltestellen Gersthof (sämtliche zu erreichen durch die Felix-Dahnstraße und Gersthofer Hauptstraße). — Ferner die Linie 41, Haltestelle Gersthofer Hauptstraße, Ecke Höhnegasse. — Schließlich die Linie 40, von der Endstation Türkenschanzpark. — Die Teilnehmer werden . darauf aufmerksam gemacht, daß der Sportplatz Hohe Warte, an welchem nachmittags das Turnfest stattfindet, nicht weit vom Friedhof entfernt ist, es dürfte sich daher empfehlen, vom Besuch des Herzl-Grabes in die Stadt nicht zurückzukehren, sondern draußen über Mittag zu 'verbleiben. Tagesordnung des XI. Zionisten- Kongresses in Wien. Montag, den 8. September: Vormittagsitzung. Jüdische Kulturarbeit in Palästina: M. Ussischkin -Odessa. Die Frage der Gründung einer jüdischen Universität in Palästina: Prof. Dr. Ch. Welzin a n n - Manchester. Debatte. —Nachmittagsitzung. Fortsetzung und Schluß der Debatte. ■ Dienstag, den 9. September: , Vormittag^tzung. Die Tätigkeit der zionist. Bankinstitute seit dem X. Kongreß: Dr. N. Kotzeneisohn -Libau. Debatte. — Nachmittagsitzung. Etat für das Verwaltungsjahr .1913/14. Wahlen. * Die Ausgabevon Stehplätzen erfolgt bei den Schaltern. * Veranstaltungen während der Kongreßzeit: Samstag, den 6. September, vormittags: Gottesdienst;-— 8 Uhr abends: Akademischer Festakt in der Katharinnenhalle; — 8 Uhr abends: Meeting im Beethovensaal. Sonntag, den 7. September, 10 Uhr vormittags: Gang zum Grabe Herzls; — 3 Uhr nachmittags: Turnfest auf dem Vienna-Sportplatz Hohe Warte; — Vs9 Uhr abends: Konzert im Musikvereinsgebäude (Mitwirkende: Frl. Margary Bentwich, Herr Leo Gollanin); — Vs9 Uhr abends: Lichtbildervortrag des Herrn Pilichowsky über „Jüdische Kunst“ im Beethovensaal; — i/29 Uhr abends: Meeting im Sofiensaal (;,Nationales Judentum und körperliche Regeneration“). Montag, den 8. September, 11 Uhr vormittags: Musikalische: Matinee im Beethovensaal (Mitwirkende: Frl. Margary Bentwich, Herr Leo Gollanin); — 3 Uhr nachmittags: Sportfest auf dem Vienna-Sportplatz Hohe Warte; — 8 Uhr abends: Lichtbildervortrag für Vertrauensleute' im Beethovensaal; — 8 Uhr abends: 30 Bezirksversammlungen; — 9 Uhr abends: Kommers der jüdischen Turnerschaft im Sofiensaal. Dienstag, den 9. September, 11 Uhr vormittags: Vortrag im Beethovensaal; — 8 Uhr abends: Meeting im'Sofiensaal (Vorstellung des Neuen E. A. C.); — 8 Uhr abends: Meeting im Beethovensaal (Vorstellung des Neuen E. A. C.). Zu noch zu bestimmende Stunden: Führungen durch das jüdische Museum und die Adria- Ausstellung. An sämtlichen Kongreßtagen sind ferner die Ausstellungen des Jüdischen Nationalfonds, des Bezalel und des Jüdischen Verlags geöffnet. Ab 28. August täglich im Sofiensaal, III.. ‘Märxergasse, kinematographische Vorstellungen der Gesellschaft „Misrach“ aus Odessa: „Das jüdische Leben in Palästina,“ * Nr. 36 ■ Die jüdische Turnerschaft veranstaltet eine Besprechung der an der Jugendpflege — insbesondere durch Turnen und Sport— interessierten Kongreßbesucher. Die Besprechung, welche für alle Kongreßbesucher zugänglich ist, findet am 8. September, pünktlich 8 Uhr .abends,, im Sophiensaal statt. * Sondertagungen. Der Jüdische Handlungsgehilfenverband veranstaltet eine Besprechung über die Lage der jüdischen Handels- und Privatangestellten, sowie über die Schaffung einer Weltorganisation. Ort und Zeit der Versammlung: Montag, den 8. September, 9 Uhr vormittags, I., Kursalon Stadtpark. ., Das Kartell -zionistischer Studierender „Hechower“ veranstaltet eine Konferenz. Ort und Zeit wird noch bekänntgegeben. Verpflegung.- Um den Teilnehmern des XI. Zionistenkongresses die Möglichkeit zu geben, gegen geringes Entgelt Mahlzeiten zu bekommen, hat das Kongreßbureau mit zwei Speiseanstalten folgende Vereinbarung getroffen: ■ 1. Speiseanstalt „Einheit“, streng rituell,, II., Malzgasse 12 (Tel. 22930), täglich für 500 Personen. Mittagmahl, bestehend aus Suppe, Fleisch, Gemüse, Mehlspeise, Brot ä 64 Heller. Nachtmahlessen, bestehend aus Suppe, Fleisch, Gemüse, Brot ä 44 Heller. 2. Mensa academica Judaica, IX., Pramergasse 31 (Tel. 23458). Mittagmahl, bestehend aus Suppe, Fleisch, 2 Gemüse oder Kompott, Brot ä 90 Heller. Nachtm ah 1 ess en, bestehend aus Suppe, Fleisch, Gemüse, Brot ä 65 Heller. Die ‘ Ausspeisung geschieht in für Kongreßteilnehmer reservierten Räumen. Adressen. Musikvereinssäle: Wien, I., Giselagfraße 12. Katharinnenhalle: Wien, XII., Schönbrunn (Dreherpark). . . Beethovensäle: Wien, I., Strauchgasse 4. Sofiensäle: Wien, III., Marxergasse. Kursalon: Wien, I., Stadtpark. Kongreßbureau und Zentralbureau: Wien, I., Giselastraße 12 (Musikvereinssäle). Telephon 3088. I" •' K r- * jiv *• '■ .• ri 1 e J 1 > i HO Die Bureaux der „Jüdischen Zeitung“ sowie des „Jüdischen Nationalfonds“ befinden' sich im Kongreßgebäude I., Giselastraße 12 (Kleiner Musikvereinssaal). Wien, II., Taborstr. 17 [Hirschenhaus] Schulbücher für alle Anstalten, neu und antiquarisch. Wörterbücher und Hilfsbücher Zur Vermeidung des großen Andranges beim Schulbeginn wird um rechtzeitige Bestellung gebeten. . Antiquariat. Provinzversand. diiöisdie Künstler-Marten Farbige Reproduktionen nach Bildern der Maler: Epstein, Krestin, Kaufmann, Schattenstein, Wachtel, Herschel, David Kohn, Eichhorn. Postkartenverlag Brüder Kohn Wien, I., Kärntnerstr. 29, Teinfaltstr. 15, Mariahilf erstraße 15. Permanente Ansichtskarten •Ausstellung. Aus dem jüöüdien Reden. Mischehen in Preußen. . Bei der letzten Volkszählung am 1,- Dezember 1910 bestanden in Preußen/p516. Mischehen, bei denen Juden beteiligt warün. . In. 3712 Ehen war der Mann; in 2476 die Frau jüdisch. 3000 jüdische Männer hatten evangelische Frauen, 564 katholische und 168 Frauen sonstigen .oder unbestimmten Bekenntnisses; 1997 evangelische Männer, 478 katholische, 1 sonst christlicher und 328 sonstiger oder unbestimmten Bekenntnisses hätten jüdische Frauen. Unter den jüdischen Misdielien waren nach der , ,Voss. Ztg.“.. 3758 mit Kindern im Haushalt, wobei die/"amtliche Statistik allerdings die Ehen von Vätern ■ unbestimmten oder sonstigen Bekenntnisses -mit Jüdinnen außer Betracht läßt, deren Zahl man aut etwa 200 schätzen kann. Von; diesen jüdischen Mischehen mit Kindern im Haushalt hatten 1264 einen. evangelischen .Vater und 1752 eine evangelische Mutter, sowie 313 einen; ..ka-

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