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Jüdische Zeitung · 1913-09-05 · 36 (5.9.1913) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 unseren jährlichen Zuschuß stade herabsetzen und bald ganz beseitigen zu können. Tatsächlich aber hat derselbe auch in den beiden letzten Jahren die frühere Höhe erreicht. Wir haben daher vor ieihigen Monaten, als die Sachlage ganz geklärt war, die Grundsätze der Administration, wie wir sie bei der Uebemahme der Geschäfte von Köln vorgefunden hatten, einer Revision unterzogen und werden das Ergebnis des neuen Bilanzjahres ab warten. Wegen aller anderen Einzelheiten verweise ich auf die Ihnen übergebene Aufstellung. Von den uns von der Jüdischen Kolonialbank gewährten Vorschüssen haben wir die beiden ersten von M. 70.000 und M. 30.000 samt 4®/o Zinsen zurückgezahlt. Der noch laufende Kredit von M. 100.000, der für das Jahr 1912/13 bestimmt war, wird am Fälligkeitstage, d. h. am 1. Oktober 1913 ebenfalls abgedeckt werden. Wir verdanken dieses Ergebnis den Fortschritten unseres Zentralfonds, der es uns ermöglicht hat, politische und kulturelle Ausgaben zu decken. Das nächste Budget; Immerhin kann jrnser Finanzwesen noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Ohne jedes eigene Vermögen ist das Aktionskomitee alljährlich auf Vorschüsse angewiesen. Eine Organisation, die über 10 Millionen Mk. verfügt, zwingt ihre Exekutive, sich durch Garantien von' Privatleuten Kredit zu schaffen, bis am Ende des Jahres und noch' später die Einnahmen bei der Zentrale emlaufen. Hier muß bald Wandel geschaffen werden. Denn dieser Zustand ist nicht nur ungesund, er ist auch unmoralisch. Es darf nicht dahin kommen, daß in unserer demokratisch aufgebauten Organisation der Geldbeutel Einfluß gewinnt. Audi der Höhe nach können die jetzigen Einnahmen für die Dauer nicht ausreidien, wenn Sie. wünschen,- daß die politischen und kulturellen Arbeiten fortgesetzt, daßdie Propaganda ausgebaut wird. Und so werden wir Ihnen schon für die nächste Kongreßperiode einen Etat vorlegen, der-eine Jahresausgabe von ’’226.000 M. vorsieht Geehrter Kongreß! Wir sind uns bewußt, der ideellen Seite der Bewegung die ihr ztikommende Rolle zugewiesen zu haben. Wir dürfen sagen, daß unsere Tätigkeit nicht im Sammeln allein bestanden hat, daß unsere Korrespondenzen sich nicht in Mahnungen wegen Schekel und. Zentralfonds erschöpft hat Wir dürfen aber nicht übersehen, daß zu jeder fruchtbringenden Tätigkeit Geld gehört, ja" daß mit; der doch von Ihnen allen gewünschten Verdoppelung und Verdreifachung der.. Arbeit 'auch, die-Ausgaben steigenmüssen. Und so müssen Sie sich dar--- über ganz klar sein, daßauch unsere Ausgaben rapid steigen müssen, wenn Sie Erfolge erwarten und daß auch unser 'Unternehmen, .wie jedes andere in der Welt, eine kapitalistische Grundlage erfordert, die' unserer Organisation bisher fehlt Die Kapitalien unseres Natitcmalfonds und unserer Bank sollen für die palästinensische Kolonisation unverkürzt bleiben. Und wir halten es für gänzlich ausgeschlossen, daß wieder einmal Gelder der Bank für Zwecke der Organisation verwendet werden müßten, wie dies vor uns geschehen ist Dieser Gefahr können wir nur entgehen, wenn Sie dem Zentralfonds neue Jahresbeiträge zuführen und das Aktions'-' komitee dauernd und ausreichend unterstützen. Unsere Arbeiten sind zu wichtig und zu unaufschiebbar, als daß wir uns gestatten sollten, sie einzuschränken, weil die wenigen Tausend, Mark angeblich nicht aüfzutreiben sind. Resümee. Geehrter Kongreß! Ich habe versucht, Ihnen ein übersichtliches Bild unserer Arbeiten ünd deren systematischer Grundlage zu geben. Wir Mitglieder des Engeren Aktionskomitees sind uns dabei vollkommen bewußt, daß diese Arbeit, so sehr wir und die Beamten des Aktionskomi- tees ihr unsere Kräfte gewidmet und so viel Unterstützung wir auch gefunden haben, nach den verschiedenen Richtungen kritisiert werden kann. Den positiven Leistungen stehen genug Arbeiten gegenüber, die wir nicht durchzuführen vermochten. Die Information der politisch maßgebenden Elemente müßte noch weit ausgedehnt werden. In der kulturellen Tätigkeit befinden wir uns noch in den ersten Anfarigsstadien. Die' Gegenwartsarbeit ist noch vollständig den Landesverbänden überlassen, obwohl auch hier eine Betätigung der Zentrale erforderlich wäre. Die wirtschaftliche Arbeit in Palästina zeigt noch starke Lücken. Hat doch das jüdische Element in Palästina noch nicht einmal den seiner Zahl entsprechenden politischen und kulturellen Einfluß im Lande. Die Versuche, die öffentliche Stimmung der zivilisierten Welt, die Parlamente, die Vertreter der Wissenschaft, die Presse für uns zu interessieren, sind über tastende Versuche noch nicht hmansgekommen und in der Propaganda beginnen wir erst die Kinderschuhe auszuziehen. Trotzdem glauben wir, nicht mit leeren Händen vor Sie zu treten. Was berechtigt, mit dem Schluß des X. Kongresses, den Beginn, einer neuen Periode im Leiben unserer JÜDISCHE ZEITUNG Nr, 36 . .... Organisation zu setzen, ist die Tatsache, daß i .unsere Organisation die Zeit des- Stillstandes, I die Zeit der inneren Kämpfe überwunden hat, daß im Innern Friede, im Gesamtleben eine Teni denz des Fortschrittes zum Durchbruch gelangt i ist Nach einem kräftigen Anlauf, den wir der Neuheit der Idee, der radikalen, jedem Idee-Kompromiß abgeneigten Methode der ersten Jahre und der überragenden Persönlichkeit Dr. Herzls verdankten, brauchtedie Organisation über ein Jahrzehnt, um sich in dem einmal gewonnenen Rahmen einzurichten, ihn mit nationalem Leben zu erfüllen. Hand in. Hand mit der Notwendigkeit, im Inneren der Organisation ausgleichend zu wirken, verfiel man vielfach auch in der Propaganda einem opportunistischen System, verlor sogar das unbedingte Selbstvertrauen, in der Vertretung unserer Ideen selbst, ohne das ein Erfolg nicht möglich: ist. Diese Zeit liegt hinter uns. Innerhalb?; der Organisation herrscht Frieden. Nicht daß .alle Differenzen in der Auffassung vom Zionismus, von seinen Arbeitsmethoden geschwunden sind. Das ist in einem 1 da endigen Organismus unmöglich, der ständig neue Ideen, neue Tendenzen -aus sich gebiert und. deshalb auch nicht wünschenswert. Aber die ' organisatorischen Differenzen, die die Arbeit in den Landes- und Sonderverbänden gestört hatten, sind mit einer einzigen Ausnahme gelöst.. Die Ehrenhändel, die wir übernommen haben, sind geschlichtet. Neue sind nicht entstanden. ■ Die Arbeit der Gruppen hat sich auf die Propa-. -ganda, auf den Kampf nach außen konzentriert. .Und so sind wir.. denn, wenn wir von der 'mystischen und unzweifelhaft falschen Zahl des Jahres 1903 absehen, zum erstenmal über den so lange festgehaltenen Stand von rund 100.000 Schekelzahlern weiti; hinaus'gekommen und ha- - ben trotz gesteigerter Ausgaben dieselben aus- . schließlich durch eigene Einnahmen gedeckt. Auch die unseren Institutionen zufließenden Einnahmen, sowie die Investition von Gesinnungsgenossen in Palästina sind erheblich gestiegen. Die Einheitlichkeit der Organisation wjrd immer ' merklicher, die Straffheit ihres Auftretens nach außen, die geistige Höhe der Propaganda und ihr sittlicher Ernst auch dem verbissensten Gegner .immer deutlicher. Diese Tendenz zum Fortschritt und die Ergebnisse, die sie noch für die Zukunft erwarten läßt, — das ist der wahre : Beweis dafür, daß die Berliner Periode sich nicht nur''äußerlich von der früheren Zeit unterscheidet. . i ' Kontinuität in der Arbeitsmethode. Für die neue Kpiigreßperipde wird es un- > seres1' Erachtens inV 'Intefesse unserer Arbeit lie- ' gen, wenn sie' auf Grund' der Tendenzen der letzten z#ei Jahre fortgesetzt' wird.- Nur eine Aenderung erscheint uns notwendig. Wenn das Große . Aktionskomitee in die' Lage kommen soll, bei : wichtigen Ereignissen namens der Organisation eingreifen zu können1 — und solche Ereignisse werden nicht ausbWiben —, so müssen dem Großen Aktionskomitee die Machtmittel der Organisation zur Verfügung stehen. Wenn Sie vom Großen Aktionskomitee 1 Verantwortungsüber- nähme fordern, so' müssen' Sie ihm auch die ■ Möglichkeit geben, in verantwortungsvollen Momenten zu handeln;"'Dies ist heute nicht der Fall, wo eine der Majorität des Großen Aktionskomitees entgegengesetzte Richtung unumschränkt über‘den Jüdischen Nationalförids, die Jüdische Kolöniälbank und die Anglo' Palestine Company verfügt Ich will 'nicht davon sprechen, wie. unwürdig es war, Männern, denen man die höchsten Interessen nicht hur der Organisation, son- . dern der zionistischen Idee selbst, überantwor- - tete, nicht auch da^ Vermögen und den weitaus''größten -Teil der; Einnahmen der Organisation /anzuvertrauen. Auch sachlich' sind durch den jetzigen 'Zustand 'Schwierigkeiten entstanden, . denen die Leitung'der Organisation nicht dau- ' ertid'äusgesetzt'werden darf. Wir müssen daher' fordern,'- daß diese1 "Anomalie wieder beseitigt .-wird. Wenn Sie dieser Forderung', die uns als -eine unumgängliche Notwendigkeit erscheint, Rechnung tragen, so werden Sie nichts weiter "getpn .haben, als dem Systemdes X. Kongresses zu folgen, das eine Rückkehr Zu den .'organisatorischen Grundsätzen bedeutete, auf denen Herzl 'die Organisation aufgebaut hat. Geehrter Kongreß! Wir haben Ihnen das -System unserer Arbeit unterbreitet. Sie ist‘Ihnen nicht fremd. Denn es ist nicht weniger Ihre Arbeit wie unsere,' es ist die Arbeit unseres Gesamtorganismus, dessen Organe wir alle sind. Deswegen ist auch Ihre Kritik wie die unserige 'Selbstkritik. Und so wird sie nicht zur Verbitterung', sondern; zur Besserung führen, nicht als ein Tadel der "persönlichen Ansichten des Gegners, sondern als ein Beitrag zur Erhöhung -der zionistischen Gesinnung, zur Verfeinerung der zionistischen' Methoden erscheinen und da- ‘mit auch ihrerseits' ein positives Element unserer Arbeit sein. ' 'Unser Ehrgeiz ist es nur, dieser Kritik eine sachliche Unterlage geliefert (zu 'haben. (Rauschender Beifall.) . * : * I! Zweite Sitzung. ja Mittwoch, den 3. September, vormittags 10 Uhr..;■ Die Vormittagssitzung, die erste Arbeite- " Sitzung des XI. Zionistenkongresses, fand in dem großen,- schönen Saale des: Musikvereinshauses; statt und obwohl der Platz hier -weit beschränk- *; ter ist als - in der Kathprinenhalle, dürftet! — außer den 550 Delegierten — im Saale ündp/ auf den Galerien mindestens -2500 Gäste denr/j ■ Verhandlungen beiwohnen. Die-Presse der gan-/!? zen Welt ist durch über 150 KorrespondentenN!'- vertreten, zu denen namentlich die Berichterstatter der großen jüdischen Zeitungen Galiziens, Rußlands und Amerikas ein großes Kontingent stellen.- Zu Beginn der Mittwoch-Sitzung wählte der Kongreß den früheren Vorsitzenden des'Aktions,- komitees, David Wolffsohn, Köln, zum Präsidenten des XI. Kongresses. Zu Vizepräsidenten wurden Adolf ‘ Stand, Lemberg, Oberrabbiner. Dr. Gaster, London, Julius Simon, ‘ Märinheihrij' . Justizrat' Dr.' Bodenheimer, Köln, ünd DF! Ehrt ' lieh, Wien, gewählt. Zu Beisitzern und' Schrift/ j führern wurden u. a. Friedensrichter -Jakob' Mp/ ,, ser, Bradfort, Oberrabbiner Reines, Liaä, Pfti- .. fessor Schechter, New York, Dr! Velliri)' Jerii- ,, Salem, und Oberingenieur Stricker, Wien, wählt. Der Präsident gedachte' sodann' dtr' seit dem X. Kongreß verstorbenen ' Mitglieder' a£cj Organisation und erwähnte besonders; die/jiirt/ lästinensischen Toten ünd.'eih'en Vorkämpfer Ufer Bewegung, Herrn Prof. Mandel?tämm,' ’Kiey^'. Dr. Hantke erstattete den Bericht .des' Ak-v tionskomitees über die' Tätigkeit der 1911 neu-,; gewählten Berliner. Leitung in den letzten zwei; Jahren. . ”"' / . Nachdem dann der Kongreß dem Ingenieur' Ussischkin, einem Führer der russischen 'ZiÖ-.' nisten, zu seinem fünfzigsten Geburtstage eine ■ begeisterte Huldigung dargebracht' hatte!^!3r-. klärte als erster Diskussionsredner ’ Julius Simon . (Mannheim) seine volle Zustimmung, zu. dpin . vom Aktionskomitee erstatteten Bericht, fvuf.- seine Arbeit gebühre dem Aktionskomitee.,der, '. Dank . der Organisation.. Wenn'man , aber’mit, : seinen Arbeitsmethoden übereinstimme, so ha^e man auch,die Verpflichtüngj dafür" zu sorgen, daß der Leitung diese Arbeit, dadurch möglich/ gemacht, wird, daß die finanziellen Äigchjjnittel, der Bewegung in einen, engeren Zusammenhang . mit ihr gebracht ’ würden,*-- ’ './;/■ Adolf Böhm. (Wien) sprach dann .ebenfalls, seine freudige Zustimmung zu der von der:Lei- •-! , tung geleisteten Arbeit aus und . betonte ibesönf ders, daß das Aktionskomitee die ’ Mitärbeit' aller Anhänger zu gewinnen - verstanden habe., j Wenn ernoch Wünsche habe, .so-.-seien es.^ur.- •solche für die Hebräisierung idef. Institutionen.! der Bewegung und dip Forderung nach Schaffung einer Revue, die nach dem Zentraiorgän ,vD’ie Welt“ der Propaganda der Idee dient. •Redner beantragte, sodann, dem Aktionskomitee' .das Vertrauen auszusprechen. Wir werden, die Rede; des Gg! Böhm ausführlicher nachtragend!-:•'• *■ * Dritte Sitzung. . Mittwoch, den 3. September, nachmittags yhjv, Zu Beginn der Nach'mittpgssitzung erstattetet, der LegitimationsaussChtiß Bericht über/, djpRru-ji. fung der Mandate, die. mit wenigen Ausnahmen.) anerkannt werden. Insgesamt/sind! 550;' ÖgJrtV; gierte aus 23 Ländern , erschienen.'-ln dpr, Fjprt-' Führung der Debatte., bestreitet, der Vprs(tzerttlet. des Direktoriums .der jüdischen 'Kploniajbankji.. Dr. Katzelsohn, Libau, die Nbtwendigkeit/ftie(|, vom: Aktionskomitee, geforderten engen Vert; einigung der Finanzinstitute dpr. Bewegung-, mj£' der Parteileitung. Die Annahme; eines.; SoljSved, Beschlusses wäre das größte. iJngiuCk .für. .die Bank und für, die .Leitung. Es habe, niemals. : prinzipielle Meinungsyerschied.pnhei.ten; zwischen; dem Aufsichtsrat und dem Aktionskomitee ge- : geben. Differenzen, sind „nur bei Geldfprderungpri. entstanden. Man brauche, dieser Leitung .-hiebt.. . mehr zu geben, als man seinerzeit Hprzl-anyerf traut habe. . ' Ingenieur Ussischkin betont, dgß - manzum erstenmal nicht einen Leiter,‘sondern .eine Lei-1' tung habe, die ein ganz bestimmtes'Programm vertrete; Als' diese Leitung 'vor Zwei Jah'ren' -ihr Amt angetreten/habe, habe'er das 'Verspre-' chen abgegeben, ihre Arbeit’ mit allen Kräften Telefon: Stelle 6. vor.34$$. Witkowski ft Nacht NiAt. Julius Ml': tUm. •■/•"•/ empfiehlt sämtliche. Uniformiefungs-; und: Ausrüstungs-Sorten für das k. k. Militär-, Staats- und Eisenbähnjbeamte, sowie für.' Einjährig-FreiwUHge..aller!;Bfimphen^ •Große Auswahl in Couleurbandera, Neuanschaf? Jungen werden in ' kürzester;-Zelt effektniert:

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