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Jüdische Zeitung · 1913-09-05 · 36 (5.9.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 36 ^WrHrHriHrHriHr IHrlNri @* Turnen •0 und Sport am XI. Kongresse. aiuiii Sonntag, den 7. September 1913 3 Uhr nachmittags TURNFEST M auf der Hohen Warte M M Montag, den 8. September 1913 M M 2 Uhr nachmittags M 3 » auf der Hohen Warte Vormittag 8 Uhr: Vorkämpfe zum Sportfest, 10 Uhr: Fußballmatch Jüd. Team Krakau-Lemberg gegen Hakoah-Reserven. ' 5 Uhr nachmittags: Vivö Athletikai- Klub gegen Hakoah. »Vorverkauf der Karten am Schalter Im Kongreßgebäude. wandte, sondern der auch allen anfänglichen Fehlschlägen zum Trotz bei seinem Plane verblieb und dem es zu einem guten Teile zu danken ist, wenn Kolonien blühen und gedeihen. . Der entscheidende Wendepunkt in der Entwicklung der jüdischen Kolonien sei jetzt eingetreten, indem die Kolonien nicht mehr als Mittel, sondern als Selbstzweck betrachtet zu werden verlangten. Die zionistische Organisation könne auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete mit anderen Organisationen in Palästina gemeinsam arbeiten, aber auf einem Gebiete, dem der kulturellen und der Erziehungsarbeit, müsse sie sich den vorherrschenden Einfluß sichern. Die Entwicklung des Landes werde nur dämm im Sinne des Zionismus sich vollziehen, wenn das heranwachsende Geschlecht im Geiste des nationalen Judentums erzogen würde. Dr. Lewin schloß seine Rede mit der Bemerkung, daß die Zionisten eine Genugtuung über ihr Werk empfinden dürften, weil sie nun wüßten, daß sie aus dem Anfang heraus und mitten im Aufbau eines neuen Lebens in Palästina begriffen seien. Am Schlüsse der ersten Sitzung, gegen 11 Uhr abends, bereitete die vieltausendköpfige Versammlung dem Präsidenten abermals eine begeisterte Ovation. Stehend wurde die zionistische Hymne „Unsere Hoffnung“ gesungen und es dauerte über eine Stunde, bis der Saal sich langsam geleert hatte. Man darf sagen, daß diese erste Sitzung des XI. Kongresses eine der großartigsten und imposantesten zionistischen Kundgebungen war, die man jemals auf europäischem Boden erlebt hat * * Beiwöt des engeren flfifionssRomitees Referat Dr. Hantke. Geehrter Kongreß! ln dm gedruckten Bericht, der Ihnen überreicht worden ist, haben wir Ihnen eine kurze Darstellung unserer Arbeiten, gleichzeitig aber auch eine Uebersicht über den Stand der Dinge in Palästina und über die Vorgänge innerhalb unserer Landes- und Sonderverbände gegeben. Wir sind hiermit nicht nur einem stets ger folgt. Unsere Darstellung wäre nicht vollständig gewesen, wenn wir uns auf die Arbeiten der Zenfralinslanzen beschränkt hätten. Vielmehr sind die Arbeiten aller unserer organisatorischen Einheiten gegenseitig bedingt. Und das Ergebnis dieser gemeinsamen Arbeit der Organisation stellen wir jedes zweite Jahr fest, indem wir einen wahrheitsgetreuen Bericht von dem Stand der jüdisdicn Arbeit in Palästina und von den Fortschritten des jüdischen Nationalgedankens in der Diaspora geben und sowohl der" Organisation, als auch ihren repräsentativen Organen den Spiegel ihrer Taten Vorhalten. Die Arbeitsgebiete. Unsere Tätigkeit zerfällt in zwei große Arbeitsgebiete: das eine umfaßt, um die üblichen Schlagworte zu gebrauchen, die Politik, die Palästinaarbeit; die kulturelle Tätigkeit, die Arbeiten des Nationalfonds, unserer Banken und der uns nahestehenden Palästinagesellschaften. Das andere umfaßt die Organisation, die Propaganda, das Finanzwesen. Das erstere rechnet mit den vorhandenen Machtmitteln der Organisation -und strebt sie bestmöglich anzuwenden und in dauernde Schöpfungen umzusetzen. Das zweite sucht diese Machtmittel der Organisation weiter auszudehnen und will so dem ersten Tätigkeitsgebiet immer neue Möglichkeiten darbieten, indem Organisation und Propaganda neue Menschen und neue Mittel schaffen, während der Finanzdezernat für eine möglichst günstige Verwendung der vorhandenen Mittel Sorge trägt. Auch hier wieder zeigt sich der organische Zusammenhang aller unserer Arbeiten und ihre gegenseitige Bedingtheit, so daß jede einzelne Arbeit jeder anderen gleichwertig und für jede andere als Voraussetzung oder Folge gleich notwendig erscheint. Politische und Palästinaarbeit Ueber die Arbeiten des ersten unserer beiden großen Tätigkeitsgebiete kann ich mich kurz fassen. Ueber sie liegt Ihnen nicht nur die Darstellung des gedruckten Berichtes vor, Sie haben außerdem m der Eröffnungsrede des Präsidenten des Aktionskomitees Mitteilungen über unsere politische Arbeit erhalten und Sie werden über die einzelnen Zweige der Palästinaarbeit, der kulturellen Tätigkeit, der Arbeiten des Nationalfonds und der Banken Spezialberichte hören, denen ich nur insoweit vorgreifen möchte, als es die Zwecke eines Generalberichtes und einer Generaldiskussion unbedingt erfordern. Politische Arbeit in der Türkei. Unsere politische Arbeit bekam ihren Charakter durch die großen Umwälzungen in Nordafrika, auf der Balkanhalbinsel und deren Einfluß auf die Stammlande des türkischen Reiches. Sie konnten uns in der Erkenntnis nicht schwankend machen, daß die Entwicklung des jüdischen Elements in Palästina verknüpft ist mit dem Schicksal des türkischen Reiches, daß die jüdische Arbeit in Palästina für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des türkischen Reiches von hohem Wert ist. Es mußte daher unsere Aufgabe sein, der türkischen Regierung und den maßgebenden gesellschaftlichen und politischen Kreisen des Reiches diese Ucberzeugung nahe zu bringen. Wir hatten auch die türkische Judenheit in dieser Richtung zu beeinflussen, denn sie ist der gegebene Förderer jüdischer Bestrebungen in ihrem 1 Heimatlande. Nicht weniger wichtig erwies sich die Haltung der arabii sehen Bevölkerung in Palästina und Syrien, als dem in diesen Provinzen überwiegenden Be- . völkerungselement. Wir haben nach diesen Richtungen nicht ohne Resultate gearbeitet. Die Angriffe von jüdischer Seite haben aufgehört. Die Haltung der maßgebenden arabischen Kreise beginnt freundlicher izu Werden. Und bei Regierung und Gesellschaft in Konstantinopcl sind die Grundlagen für ein besseres Verständnis un-> serer Bestrebungen bereits deutlich zutage getreten. Politische Verbindungen mit anderen Mächten. Nicht weniger Aufmerksamkeit als unseren Interessen im türkischen Reiche haben wir den politischen Verbindungen mit anderen Mächten geschenkt. Denn wir müssen berücksichtigen, daß Palästina durch seine Geschichte und seine geographische Lage mit den Interessenten anderer Machtfaktoren verknüpft ist. Unsere Aufgabe war daher auch hier eine informierende, unsere Tätigkeit Aufklärungsarbeit. Auch sie war nicht vergebens, wie Sie aus unserem Bericht ersehen haben werden. Tätigkeit in Palästina. Auch die Tätigkeit unserer Zentralen in Palästina versucht Ihnen der gedruckte Bericht deutlich vor Augen zu führen. Sie erstreckte sich auf sämtliche Gebiete dieses großen Tätjgkeitskomplexes und hat naturgemäß greifbarere, deutlichere, wägbarere Ergebnisse erzielt als unsere politische Arbeit. Denn während es sich bei letzterer um die Beeinflussung von Stimmungen, also allerinnerlichster Vorgänge, um Tendenzen von Männern handelt, für die unsere Bestrebungen niemals im Zentrum ihrer Gedankenwelt stehen können, um informative Arbeit vertraulicher Natur, sind wir in Palästina <n der glücklichen Lage, ständig mit jeder neuen Anstrengung Einzelergebnisse zeigen zu können: Erwerb von Land, Gründung von Farmen und Dörfern, Anlegung neuer Stadtviertel, Eröffnung von Schulen und Seminaren, Herausgabe von Lehrbüchern und Zeitschriften, Abhaltung von Lehrkursen, Eröffnung von Bankfilialen, steigende Depositen, Ausschüttung von Dividenden, Gründung von Turnvereinen, von fachwissenschaftlichen Gruppen, Organisation von Gemeinden, Wahlen zu Stadtvertretungen, Erwerb politischer Rechte für Kolonien usw. Ich kann «mich auf die Aufzählung dieser Erfolge beschränken. Denn in diesem Zusammenhang -liegt mir nur daran, festzustellen, daß unsere Zentrale aut diesem Gebiet ihrer Tätigkeit vielseitige Arbeit geleistet hat. Gerade unsere Arbeit in Palästina erfolgt nur zum kleineren Teil unter der Firma des Aktionskomitees. Zum überwiegenden Teil tritt sie als Leistung des Nationalfonds, der Anglo Palestine Compaq', der Palestine Land Development Company, der Jüdischen Kolonialbank zu Tage. Auch von unserer Organisation unabhängige Gesellschaften, wie die Immobiliengesellschaft Palästinas, der Bezalel und andere müssen hier genannt werden. Es ist dies die Folge der Tatsache, daß es sich im wesentlichen um wirtschaftliche Aufgaben handelt. Und diese erfordern wirtschaftliche Formen. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß wir uns selbst diese Formen geschaffen haben, nicht um ihrer, selbst willen, sondern aus Zweckmäßigkeitsgründen, um unsertwillen, daß die Arbeit dieser Formen-unsere Arbeit ist, daß ihre Ergebnisse nur die Folge der ' Existenz unserer Organisation, der lebendigen Kraft des zionistischen Ideals sind. Wir geben daher unserer Organisation nur das ihr Gebührende, wenn wir die Arbeiten aller unserer palästinensischen Institutionen unter den Arbeiten der Organisation verbuchen. Anderseits übernehmen wir damit die Verantwortung für die Art der Tätigkeit dieser Institutionen. Wir tun dies gern und freudigen Herzens — selbstverständlich nur insoweit, als uns von Ihnen, geehrter Kongreß, auch die Macht gegeben worden ist, unsere Kontrollpflicht auszuüben. Die offizielle Zustimmung des palästinensischen Judentums. Es sind nun innerhalb unserer Organisation deswegen gegen unsere Institutionen in Palästina und gegen uns selbst sehr heftige Angriffe erhoben und von der antizionistischen Presse mifc Schadenfreude .aufgegriffen und weitergetragen worden. Wir konstatieren, daß diese Angriffe sachlich unbegründet sind und sind bereit, in der Diskussion auf jeden einzelnen Rede und Antwort zu stehen. In diesem uns wahrlich unangenehmen Kampfe stärkt uns vor allem eine Tatsache, die neu und vielen überraschend aut diesem Kongreß zum erstenmale in die Erscheinung tritt: Die offizielle Zustimmung des palästinensischen Judentums. Ist es doch in diesem Jahre zum erstenmale unseren näheren Freunden gelungen, eine Schekelsammlung größeren Stils in Palästina zu «veranstalten, dio- Zahl der Schekel in Palästina von einigen Hundert aut 2000 zu steigern. Ist doch das jüdische Palästina auf diesem Kongreß durch nicht weniger als 25 in Palästina dauernd ansässige. Delegierte und ebensoviele Gäste vertreten. Diese offizielle Anerkennung des Kongreßzionismus durch Palästina gerade in einem Jahre, in dem man die Palästinaarbeit des Aktionskomitees auf das schärfste angegriffen hat, mag Ihnen ein Beweis sien, daß die Männer der Tat unc^ die Fachleute diesen Angriffen nicht glauben. Die Organisation. Die Voraussetzung für alle Arbeiten auf dem bisher behandelten Tätigkeitsgebiet unserer Zentrale ist das Gedeihen unserer Organisation, als der Quelle unserer Kraft, unserer Propaganda, idie ihr ständig neue Elemente zuführt. Wir haben der Propaganda besonders große Aufmerksamkeit zugewandt und versucht, ihr allmählich die Stellung wieder zu geben, die sie in den ersten Jahren unserer Bewegung; gehabt hat und die ihr zukommt. In allen Kreisen unserer Bewegung ist der Gedanke fest verwurzelt, daß die Zukunft unseres Volkes von der Entwicklung der jüdischen Siedlung in Palästina abhängt. Mit dieser Ucberzeugung muß aber die Einsicht kommen, dab das Judentum in der Diaspora einen jährlich steigenden Kreis von Einwanderern für Palästina stellen muß. Diesen Zustrom von draußen kann aber Palästina nur aus den nationalen' Kreisen des Volkes erhalten. Allein schon der Palästinagedanke zwingt uns somit zur Intensivierung unserer Propaganda. Diese aber hat zur Voraussetzung, daß wir diese Propaganda von einem einheitlichen nationalen Geiste getragen sein lassen. Die Anforderungen, die wir an unsere Anhänger stellen müssen, sind große« Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina kann nicht .das Ergebnis einer einmaligen, wenn auch noch so kraftvollen Anstrengung der Diaspora sein. Wäre sie es, so könnte man über die Richtigkeit der Tendenz, die unsere Propaganda beseelt, zweifeln. Ein fünfzehnjähriger Kampf h'at uns aber bewiesen, daß unser Ziel nur durch eine systematische Erziehungsarbeit an der Gesamtheit unseres Volkes erreicht werden kann. Liegt doch die Hauptschwierigkeit für uns nicht in der Zerstreuung unseres Volkes, nicht in der Enge des Gesichtskreises seiner führenden Männer, nicht einmal in den kulturellen Unterschieden in seiner Mitte oder in Unbequemlichkeiten der Sprachenfrage, sondern in der krankhaften Sucht weiter Kreise, sich ihrer Umgebung anzupassen, die eigenen Interessen bis zur Selbstverleugnung hinter den Forderungen der Außenwelt hintanzusetzen. Dieser Neigung zur Aufgabe des eigenen Wesens gilt es entgegenzu-

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