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Jüdische Zeitung · 1913-08-23 · 34 (23.8.1913) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
34 (23.8.1913)
Date
1913-08-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Herr Dr. Viktor Altar und Herr Julius Neumarin bestimmt, so daß sie Aussicht haben, die Majorität der Stimmen des Wahlkreises auf sich zu vereinigen. Auch war der Kongreßtag zu einer kleinen Feier bestimmt. Die Prossnitzer Zionisten haben den verdienstvollen Obmann des Parteirates der jüdischnationalen Vereine von •Prossnitz, Herrn Dr. Gustav Zweig ins Goldene Buch des J. N. F. eintragen lassen und "wurde das Diplom dem Geehrten vor der Versammlung durch unseren Gg. Herrn Rabbiner Dr. GoMschmidt in feierlicher Weise überreicht. Ueb'er Antrag des einen Mandatwerbers, H. Dr., Viktor Altar wurde nachfolgende Resolution an das E. A. C. einstimmig angenommen: „Die am 9. August zum ersten Kongreßtage im jüd. Kasino versammelten Schekelzahler von Prossnitz sprechen dem E. A. C. für die bisherige- Leitung der zionistischen Organisaton •Dank und Anerkennung aus und geben der Hoffnung Ausdruck, daß der XI. Zionistenkongreß die Führung der Geschäfte der jetzigen Leitung übertragen und ihr die nötigen Machtmittel zur Verfügung stellen wird“. Der nächste Kongreßtag findet in Form eines Schauturnens am 24. August statt, bei welchem die Turner und Turnerinnen, die zum Kongreßschauturnen nach Wien fahren, die einstudierten Uebungen dem Prossnitzer Publikum vorführen werden. Für die Kongreßspende wurden größere Beträge gesammelt. Der Beilis-Prozcn. . Wie es nun endgiltilg feststeht, wird der Prozeß gegen Beilis am 8. Oktober stattfinden. Die Anklage lautet auf Mord, begangen aus religiösem Fanatismus. Die jüdische Presse und die jüdische Oeffentlichkeit bringen begreiflicherweise dem Beilis-Prozeß angstvolles Interesse entgegen. Viele namhafte Persönlichkeiten haben sich wohl solennen Protestkundgebungen angeschlossen. Auch der internationa'e Aerztekongreß in London hat in seiner Schlußsitzung gegen das Blutmärchen und gegen die Beilis-Hetze demonstriert. Aber der russische Absolutismus hört nicht auf die Stimme Europas, das im tiefsten Grunde ebenso judenfeindlich ist wie Rußland und dessen Gewissen und Gerechtigkeitsgefühl anläßlich des Balkankrieges vollständig-äusgesdialtet war. > Iri ihrer letzten Nummer vom 15, August beschäftigt sich die „Jüdische Presse“ (Berlin) mit der Frage, was wir für Beilis tun können. Nachstehend geben wir die Ausführungen des genannten Organs im Auszuge wieder und betonen, .daß wir, uns . den darin ausgesprochenen Ansichten des Verfassers, Dr. Arthur Kohn, vollauf anschließen. Der Artikel lautet: „Was können wir für Beilis-tun? Von einem angesehenen Frankfurter jüdischen Bürger erhielt ich folgenden Brief, dem ich deshalb eine weitere Verbreitung wünsche, weil die Befürchtungen, die der Sdhreiber für die russischen Juden hegt, auch von nichtjüdischen Russen geteilt werden, wenn der Beilis-Prozeß zu Ungunsten des Angeklagten ausfällt. Daß dies in das in .den Besitz der Pennsylvania-Universität in den Vereinigten Staaten gelangte. Dieses Täfelchen ist jetzt von Dr. Arno Poebel entziffert worden. - Danach enthält es die älteste bisher bekannte Erzählung von der Schöpfung *aer Welt. Nach, einem Bericht aus New York stammt das Täfelchen aus der Regierungszeit HammuraSs, die etwa-um 7000 v. Chr. anzusetzen ist. Der Bericht klingt wie eine neue Fassung der ■biblischen; Schilderung, aocn mit dem wichtigen Unterschiede, daß als Weltschöpfer eine Göttin: und nicht ein Gott erscheint. Dr. Pöbel hebt dies ausdrücklich hervor und betont, daß in -dieser ersten Erzählung von der Weltschöpfung ganz deutlich eine Göttin im Vordergrund stehe, während zwei männliche Gottheiteri, von denen auch die Rede ist, als verhältnismäßig unwichtig erscheinen. Diese Uebersetzung, die Dr. Poebel noch im einzelnen aufs genaueste nachprüfen will, ist bereits von den Autoritäten der Pennsylvania-Universität in ihren Resultaten anerkannt worden. Sie bestätigt vollkommen das, was seinerzeit zur Widerlegung der Delitzsch’schen Behauptungen dargelegt worden ist: daß die Gottesanschauung und in engster Verbindung damit die Ethik eines Hammurabi .noch wesentlich verschieden sei von der eines Mose urid daß der reine monotheistische Gottesgedanke mit der daraus resultierenden tiefgreifenden Ethik sich erst im Volke Israel dem Menschengehim entrungen habe. „Babel“ geht wohl zeitlich der „Bibel“ voran — in gedanklicher und sittlicher Hinsicht aber, dürfte dieses einzigartige monumentale Werk des israelitischen Volkes seinen Platz in der Welt behaupten. O O JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 einem .Barbarenstaat wie dieses heilige Rußland höchst wahrscheinlich ist, muß angenommen werden. Und weil meiner Ueberzeugung nach nicht nur der eine Jude Beilis, sondern die Millionen Juden Rußlands in Lebensgefahr schweben, so müssen wir heute schon an die unabsehbaren blutigen Folgen denken, die der ungünstige Prozeßausgang nach sich ziehen wird. Hier die Kopie des Frankfurter Schreibens: Sehr geehrter Herr! Wenn das Judentum bezw. die Judenheit öffentlich angeklagt wird, wie beim Beilis-Prozeß beabsichtigt ist, so hejßt es: „Alle Mann auf Deck!“ Die Gerichtskamffler ,in Kiew hatte die Kühnheit den Beschluß zu fassen, daß die Anklage auf „Ritualmord“ zu erheben sei und in dieser Behörde kommt folgerichtig das offizielle Rußland zum Ausdruck. Wäre es der russischen Regierung ehrlich darum zu tun, Klarheit zu erlangen, so vermöchte sie zu verhindern, daß das Kiewer Gericht die von der Verteidügeng vorgeschlagenen Sachverständigen teilweise ablehnt. Ebenso müßte dann das betreffende Gericht etwas mehr Gerechtigkeit beweisen und der Forderung der Verteidigung, daß der Lügenzeuge Pranatis die Bücher anzugeben habe, worauf er seine Behauptungen stützt, stattgeben. Die Willkür des Gerichtes . wird aber geduldet! Wir außerhalb Rußlands domizilierten Juden dürfen diesem Gebahren nicht teilnahmslos zuschauen! Es genügt nicht, wenn jüdische Zeitungen über den Beilis-Skandal schreiben! Wir müssen eine Tat ins Auge fassen, die ihre Wirkung auf ganz Europa ausüben wird. Es ist dies die Veranstaltung einer imposanten Kundgebung in den tonangebenden Zeitungen von Deutschland, Oesterreich, Frankreich, England, Holland, Italien, Schweiz, Belgien etc. und soll die Erklärung von Rabbinern unterzeichnet sein. Nichtjüdischen Theologen und Orientalisten soll ebenfalls die Möglichkeit gegeben werden, die Erklärung zu unterzeichenen. Ein etwaiger Einwand, daß eine solche Erklärung früher schon erlassen wurde und daher nicht nötig, sei, ist haltlos, da in dem Moment, wo ein Land wie Rußland mit starker jüdischer Bevölkerung eine so furchtbar verleumderische Anklage gegen die Juden möglich macht, die bösen Leidenschaften des Pöbels mit allen ihren schlimmen Folgen erweckt werden. Bei dem Blute deines Nächsten sollst du nicht stille steh’n!“ Warten wir nicht erst, bis Blut fließt und tun wir vorher unsere Pflicht. Im Vorbeugen liegt der beste Schutz. Wird durch die Erklärung in den Zeitungen die Welt aufgeklärt, daß es einen Ritualmora nicht gibt, dann muß die öffentliche Stimmung einen 'Druck auf Rußland ausüben und’ wird ihn ausüben.“ Der Vorschlag des Briefschreibers ist gut gemeint. Daß er jedoch die russische Regierung russische Staatsanwälte und russische Richter in ihrem Gewissen trifft und sie zur unerbittlichsten Unparteilichkeit und Gerechtigkeit bestimmen wird, erscheint mir völlig aussichtslos. Völlig wirkungslos wären auch sogenannte Protestversammlungen. Wir haben es ja nach Hormel erlebt und ist noch in vieler Erinnerung, wie wenig, ’resp. wie nichts dabei herauskam und das gesamte gesittete christliche Europa diese Protestversammlungen kühl, oft ironisch hinnahm. Mit solchen nichtsbedeutenden Protestversammlungen geraten wir nur in Gefahr uns lächerlich zu machen. Wohl gäbe es ein Mittel, die ungeheuren Gefahren, mit denen der Beilisprozeß unsere ' russischen Brüder bedroht, zu beseitigen. Die Juden Europas und Amerikas müßten alle ihre russischen Wertpapiere, welche Namen und Tirel sie' auch haben, so hohe Dividenden und Zinsen sie auch bringen, veräußern. Ferner müßten alle an der Börse arbeitenden ungetauften Juden in Berlin,’ Paris, London, Frankfurt, Neu York, Wien, Amsterdam etc. keinerlei russischen Werte mehr handeln. Das wäre ein Generalboykott, mit dem die russische Regierung denn doch” rechnen nttißte. Das wäre ein Prüfstein darauf, wie viel Ehr- und Menschengefühl noch jene an der Börse arbeitenden und mit den Börsengeschäften in Berührung stehenden Juden sich bewahrt haben, die zur Zeit der Kischinewer Pogroms das Geld für Pulver, Blei, Sensen, Messer und Beile hergaben, mit denen Tausende von Juden zusammengeschossen, gestochen und wie Hammel geschlachtet wurden. Einer der angesehensten deutschen Journalisten, Georg Korn — kein Jude, sondern ein Christ — schrieb nach dem Kischinewer Blutbad, daß die jüdischen Börsenjobber in Berlin, Wien und Frankfurt ebenso schuldig an dem in Strömen vergossenen Blut seien, wie jene zweibeinigen Bestien, die damals über und über mit Blut besudelt, von Haus zu Haus gingen, um jüdischen Männern die Hälse zu durchschneiden, jüdischen Frauen den Leib bis zum Hals herauf aufzuschlitzen, Knaben und Mädchen das Genick durchstachen und Säuglinge zertrampelten. „Dazu haben jüdische Börsenleute das Geld h e r g e g e b e b e n.“ Warum hat nur ein einziger Mann — aber dafür ein ganzer Mann — warum hat nur Georg Korn, der christliche Journalist und Schriftsteller damals den Mut gehabt, den Namen des (gottlob längst nicht mehr jüdischen) Hauses Mendelssohn zu nennen? Er allein hatte auch damals den Mut, das noble Verhalten der„Vossischen Zeitung“ festzunageln. „Also, wer gab das Mordgeld? wer sind dieUrheber jener tausendfachen Morde? Sie haben nicht nur in den russischen Regierungsgebduden gewohnt, sondern sie wohnten und wohnen noch in den eleganten Stadtvierteln von Berlin und anderen Börsenstädten.“ Doch auch für diese vom russischen Blutgewinn lebenden und schlemmenden „Juden“ wird noch die Stunde der Vergeltung schlagen. „Denn alle Schuld rächt sich auf Erden.“ Wer kommendem Unheil Vorbeugen will, der sorge dafür, daß das heilige Rußland da getroffen wird, wo es allein noch empfindlich ist: an seinen Finanzwerten, vulgo „Papieren!“ Meinem verehrten Frankfurter Glaubensgenossen, der sich so vertrauensvoll an mich gewandt, kann ich nur den einen Rat geben: er möge sich mit den maßgebenden Börsenkreisen in Verbindung setzen. Deren Verhalten und Mitarbeit kann mehr Unheil verhindern, als alle Zeitungen auf dem ganzen Erdball, als sämtliche jüdischen und christlichen Protestversammlungen der ganzen Kulturwelt zusammen. Ich, für meine Person, verspreche mir von anderen als den hier proponierten Mitteln nichts, gar nichts. Wien, II., Taborstr. 17 {Hirschenhaus] Zum Kongreß für Unfallverhütung und erste Hilfe, 5—7. September. — Reiche Auswahl von Schriften und Tafeln für die Samariter aller Berufe in jeder Preislage. Antiquariat. Provinzversand. JBOisdie RBnstleF-PoslEtarten Farbige Reproduktionen nach Bildern der Maler: Epstein, Krestin, Kaufmann, Schattenstein, Wachtel, Herschel, David Kohn, Eichhorn. Postkartenverlag Brüder Kohn Wien, I., Kärntnerstr. 29, Teinfaltstr. 15, Mariahilferstraße 15. Permanent« Ansichtskarten-Ausstellung. Jopäanentag in Raöautz. Am 2. August d. J. fand hier der wie alljährlich von der buk. Landsmannschaft „Jora dania“ veranstaltete Jordanentag statt. Anschließend an den um 2 Uhr nachmittags auf der festlich geschmückten Bude der h. o. jüd.-akad. Ferialverbindung „Barissia“ stattgefundenen internen Konvent der „Jordania“ fand ein Festkonvent statt, an dem die Vertreter aller erschienenen Korporationen teilnahmen. An die Festrede des Ing. Michael Schindler schloß sich eine lebhafte Diskussion, in der eine Resolution zur Schaffung eines Arbeitsausschusses der buk. FerialVerbindungen nach mährisch - schlesischem Muster zum Zwecke gedeihlicher zionistischer Arbeit angenommen wurde. Zu Ehren ihrer Gäste aus der „Jordania“ veranstaltete die jüd.-akad. Ferialverbindung „Barissia“ einen Kommers im Festsaale des Hotel Bristol. Nach Eröffnung] durch das Präsidium Wilhelm Schimmet, dz. Präses der „Barissia“, ergriff Herr M. U. C. Phö-| bus Tuttnauer das Wort zur Festrede, welche die Begeisterung der ganzen Korona auslöst’e. Nach einigen schönen studentischen Gesängen schlob sich eine glänzende Rede des Ing. Dawid Krässel an. ln kurzen, zu Herzen gehenden! Worten sprach der Redner über die Entwicklung der „Jordania“ und die Pflichten und Aufgaben des zionistischen Couleurstudenten. Den Toast auf die A. H. hielt Herr med. Brettschneidei’ („Barissia“). Es sprachen hierauf Herr Dr. Harth („Barissia“), Herr iur. Hilferding als Vertreter der jüd.-akad. Verbindung „Hasmonäa“, Czemowitz, Herr iur. Alfons Krämer, Vertreter des Vereines „Tikwah“, Suczawa, Herr iur. Klier, Vertreter der „Kultur“, Czernowitz. Nach den brausenden Klängen der Hatikwah wurde der offizielle Teil des Kommerses geschlossen. Am nächstfolgenden Tage fand unter hervorragender Beteiligung der Radautzer Gesellschaft das von der jüd.-akad. Ferialverbindung „Barissia“ veranstaltete Dahlien-Fest statt. Das schöne Wetter lockte zu zahlreichem Besuche und die anstrengende vorbereitende Tätigkeit, die die Mitglieder der „Barissia“ entwickelten, wurde reichlich belohnt durch den Massenbesuch der durch die ungewohnten Darbietungen und Belustigungen herbeigelockten Besucher. Nicht zu vergessen sind die heißen Kämpfe, die sich um den Schönheitspreis des Tages und um die hohe Ehre der Dahlienkönigin entspannen. Die ziemlich wertvollen- Spenden, die mit der Erringung der Preise verknüpft waren, eiferten zu besonderen Anstrengungen, die Preise zu erlange» .an. Den ersten Preis erhielt Frl. Do_a ScK. tieh depi zweiten Frl. Anna Baumgarten und d 'n dritten Frl. Else Frucht (Czernowitz). Zur Dahlien-, königin wurde Frl. Dora Rainer gewählt, die ■» Jfw ■-'■Ul*«-’-». -V*-; - -re..

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