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Jüdische Zeitung · 1913-08-23 · 34 (23.8.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
34 (23.8.1913)
Date
1913-08-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 34 Konsolidierung des österreichischen Gesamtrei- * * dies auf Basis der Völkerautonomie. Diese Umgestaltung wird die weitgehendsten Konsequenzen auch für den Balkan und für Rußland haben, das dortige System zertrümmern und allen unterdrückten russischen Völkern, also auch den russischen Juden Befreiung bringen. * Große Probleme stehen also auf der Tagesordnung, in Palästina und in den Däasporaländern. Die Lebensinteressen des jüdischen Volkes werden durch dieselben tangiert Von der Erfassung derselben und von der richtigen Stellungnahme zu denselben hängt unsere ganze Zukunft ab, die Zukunft des von mir vertretenen organisierten Zionismus und diese ruht vorwiegend auch auf unserer jüdischen Jugend. Die Jugenderziehung ist daher eines der wichtigsten zionistischen Probleme, über welches auch der 11. Zionistische Kongreß nicht zur Tagesordnung hinweggehen sollte. Wir braudien eine Jugenderziehung mit dem Ziele harmonischer Menschen, erfüllt von der Liebe zu ihrem alten jüdischen Kulturvolke, von dem die großen Ideen der sozialen Gerechtigkeit, der Völkerverbrüderung und jüdischen Ethik ausgegangen sind, deren Bannerträger auch unsere jungjüdische Jugend sein möge. fius dem jüdlfdien Leben. Zionistische Veranstaltungen in Kurorten. Wie uns aus V ö s 1 a u berichtet wird, ist der am Sonntag, den 17. ds. abgehaltene zionistische Zuckerltag glänzend verlaufen. Der Erfolg war demnach ein über alle Erwartungen günstiger. Das rührige Komitee, dem viele Damen und Herren aus dem Kurpublikum zur Seite standen, kann mit stolzer Befriedigung auf die Veranstaltung zurückblicken, die auch auf die nichtjüdisclien Kurgäste den besten Eindruck machte. Der Reingewinn stellt sich auf zirka 845 K und hätte noch viel höher sein können, wenn nicht schon in den ersten Vormittagsstunden der gesamte Vorrat an Zuckerln ausverkauft gewesen wäre. Auch das am 14. ds. von Wiener Gesinnungsgenossen in Sauerbrunn bei Wiener- Neustadt veranstaltete Sommerfest hatte einen vollen Erfolg zu verzeichnen und schloß mit einem namhaften Reingewinn ab. Das Gesamterträgnis der Sauerbrunner Veranstaltung und des kürzlich abgehaltenen Blumentages stellt sich auf zirka 700 K. Unsere dortigen Gg. verdienen für ihre aufopfernde Arbeit vollste Anerkennung. Wir kommen auf beide Veranstaltungen noch eingehend zurück. * Kleines Eeuilleton. Unverschämte Heuchelei. Der Friedensvertrag unter den ,,christlichen“ Balkanstaaten ist geschlossen. Vorher hat sich indes eine Episode abgesoielt, die historisch festgehalten zu werden verdient. In der Sitzung der Friedenskonferenz vom 5. August 1913 verlas Ministerpräsident Majorescu eine Verbalnote der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, in welcher der Wunsch ausgedrückt wurde, man möge in den Bukarester Vertrag eine Bestimmung aufnehmen über die volle Freiheit der bürgerlichen und religiösen Rechte der Teile der Bevölkerung, die nun von einem Lande getrennt und einem anderen , einverleibt werden. Der Präsident bemerkte, das sei schon Staatsrecht in jedem der beteiligten Länder. Die Chefs aller Missionen stimmten dem zu, „daß es überflüssig sei, eine besondere Klausel darüber im zukünftigen Vertrage in Erwägung zu ziehen“. Diese erbärmliche Heuchelei braucht gewiß keiner weiteren Charakterisierung. Die Herren Diplomaten in Bukarest wußten ganz genau, daß der Antrag der amerikanischen Regierung den Schutz der Juden beabsichtigt, welche Rumänien entgegen den ausdrücklichen Bestimmungen des Berliner Vertrages, für rechtlos und vogelfrei erklärt An diese Tatsadie hat die amerikanische Regierung erinnert und die Bukarester Staatsmänner taten, als ob sie es nicht ver-i stünden. — Aufrichtigen Dank und Anerkennung eines jeden Freiheitsfreundes verdient die Energie der amerikanischen Regierung. Die Staatsmänner »^Washington wußten ganz genau, welche Antwort sie in Bukarest erhalten werden; sie.-schemennicht, sich ein Refus zu holen, Ehrung Theodor Herzls durch eine österreichische Stadtvertretung. Die Vertretung der Stadtgemeinde Suczawa hat in der Sitzung vom 4. August auf Antrag der jüdischnationalen akademischen Verbindung „Tikwali“ einstimmig beschlossen, die bisherige Kreuzgasse, eine der verkehrreichsten Straßen der Stadt, in Theodor Herzlstraße umzubenennen. Gleichzeitig wurde ein Antrag des Gemeinderates Sternlieb angenommen, wonach die neu anzubringenden Straßenschilder in dieser Straße die Aufschrift in deutscher, rumänischer und hebräischer Sprache tragen sollen. — In Czernowitz gibt es seit einigen Jahren einen Theodor Herzl-Platz. In mehreren galizischen Städchen, in deren Gemeindevertretungen die Zionisten Einfluß haben, gibt es auch nach Theodor Herzl benannte Gassen. Nunmehr ist auch der Suczawaer Gemeinderat den angeführten Beispielen gefolgt. * Ein gemaßregelter antisemitischer Kommandant. Wie seinerzeit berichtet wurde, ist der jüdische Unteroffizier Samuel Littmann in New- York nicht zur Offiziersprüfung zugelassen worden, weil er Jude ist. Littmann quittierte, aber hervorragende jüdische Persönlichkeiten haben die Anzeige erstattet, worauf Gouverneur Sulzer eine Untersuchung gegen den Kommandanten Bartmann, auf dessen Befehl Littmann abgewiesen wurde, anordnete. Die Untersuchung ergab, daß die Abweisung tatsächlich aus judenfeindlichen Motiven erfolgt , ist. Gouverneur Sulzer ordnete die Veröffentlichung des Untersuchungsprotokolls an, verfügte eine entsprechende Maßregelung des Kommandanten Bartmann und die Wiederzulassung Littmanns zur Offiziersprüfung. Gouverneur Sulzer schließt diese Verfügung mit folgenden Worten: „Als ich Gouverneur wurde, erklärte ich, daß es in der Nationalgarde keine Unterscheidung nach Rasse, Konfession oder ähnliche Bedingungen geben dürfe. Ich habe dieses Versprechen ernst gemeint. Mögen alle, die es angeht, dies zur Kenntnis nehmen und sich danach richten. * - Die Juden in der Türkei. Dem Berichte der Delegation der Saloniker jüdischen Gemeinde über die Lage der jüdischen Gemeinde in Serres entnehmen wir folgendes: Von den 200 jüdischen Familien, die diese Stadt bewohnen, haben 131 große Verluste erlitten. 112 Familien haben ihre Möbel beim Brand völlig eingebüßt. 61 Häuser, deren Besitzer Juden sind, wurden durch den Brand beschädigt. Der Gesamtschäden der jüdischen Bewohner beläuft sich auf ungefähr 100.000 Mark. Die Gemeinde selbst hat ihre Synagoge, ihr Schulhaus und nodi zwei Häuser verloren. Oberrabbiner Jakob Mair-Saloniki, will sich nach Berlin begeben, um mit dem Zentralkomitee des Hilfsvvereins über die Mittel der Wiederaufrichtung der jüdischen Gemeinde von Serres zu unterhandeln. Er will vom Hilfsverein eine Anleihe erbitten, die zur Wiedererrichtung der zerstörten Wohnungen und Läden dienen und mehrere Jahre ausgezahlt werden soll. Die Saloniker Zeitungen veröffentlichen eine Liste griechischer Notablen von Serres, die in den jüdischeLn Häusern Zuflucht vor den wiles lag ihnen vor allem daran, für Recht und Gerechtigkeit offen und freimütig Zeugnis abzulegen, sie haben dadurch den europäischen Staatsmännern, auch der sogenannten fortschrittlichsten Völker, eine scharfe Lektion erteilt. * Die Sabbatharier in Ungarn. Eine der interessantesten Sekten in Ungarn sind die Sabbatharier. Sie wurde, im Zusammenhänge miüd er Reformation, in Siebenbürgen von dem wohlhabenden Szekler Adeligen Andreas Eössi von Szenterszebet in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts (der übl. Zeitr.) gegründet. Die Anhänger der Sekte feierten statt des Sonntags den Samstag und richteten ihr religiöses Leben überhaupt nach den Satzungen des Alten Testaments ein. sodaß man sie „Judenzer“, Halbjuden und Christen-Juden nannte. Einer ihrer Hauptgönner war der Kanzler des Fürsten Gabriel Bethlen, Simon Pechi, der deswegen wiederholt in den Kerker geriet. Die Sekte erhielt sich trotz aller Verfolgungen bis auf die neueste Zeit, schrumpfte dann immer mehr zusammen und existierte schließlich nur noch in Bözsöd-Uffalu, dessen Bevölkerung im Jahre 1868 gänzlich zum Judentum übertrat. Der genannte Simon Pechi hat auch eine umfassende literarische Tätigkeit entfaltet und u. a. den größten Teil der Bibel ins Ungarische übersetzt. Seine durch Gründlichkeit und kernige Sprache sich auszeichnenden Arbeiten sind im Manuskript erhalten geblieben. Jetzt hat im Aufträge der literar-historischen Kommission der ungarischen Akademie der Wissenschaften Aron Szilädy unter dem Titel „Pechi Simon psalteriuma“ die Pechische Uebertragung der Psalmen herausgegeben. In der Einleitung zu dieser auch' vom' den Bulgaren fanden. Werden die Griechen dankbar sein? Interessant ist es, daß vor ungefähr vier Jahren dieselben Griechen von Serres, die heute durch die Juden gerettet wurden» gegen die Juden den schärfsten Boykott erklärten und wären damals die Türken und ihre Saloniker Brüder den Juden von Serres nicht zu Hilfe gekommen, so wären sie allmählich gezwungen worden, nach' Saloniki auszuwandern. Die „Aurore“ erfährt, daß gewisse jüdische Fragen (roter Zettel und Landankauf in Paj lästina), die wegen der verwickelten Lage der Türkei noch unerledigt sind, in Kürze nach Wunsch der Judenheit gelöst werden. * Die Judenverfolgungen in Rußrancf. In der jüngsten Zeit macht sich in Rußland wieder ein stärkeres Aufflammen der Pogrombewegung bemerkbar. Zeitungsmeldungen berichten, daß in Vola bei Lodz drei Häuser jüdischer Besitzer in Brand gesteckt wurden, wobei ein siebenjähriges Kind verbrannte; im Bezirk von Kiew sind vom dortigen Gouverneur erwiesenermaßen Judenverfolgungen inszeniert worden, wahrscheinlich, um die richtige Temperatur für den dortigen Beilis-Prozeß herbeizuführen, für welchen nunmehr auch die Sachverständigen bestellt wurden. In Odessa mußten zwei private Mädchengymnasien sowie die Stadtgymnasien die Aufnahme jüdischer Schülerinnen einstellen. In Kalisch wurde ein Pogrom befürchtet, well das Gerücht verbreitet wurde, daß ein Diebstahl in einer Kirche von Juden verübt worden sei. Die Diebe sind aber rechtzeitig erwischt und als rechtgläubige Russen agnosziert worden. Das sind gewiß Einzelfälle, die wahrscheinlich bloß Glieder einer langen Kette von Elend und Ungemach sein dürften, denen die russischen Juden wieder einmal ausgesetzt sind. Die Verhältnisse in Rußland scheinen danach eine sehr trübselige Richtung zu nehmen. Schließlich krümmt sich auch der Wurm, wenn er getreten wird. Es wäre nicht zu verwundern, daß diese so tief erniedrigten, in ihren äußersten Lebensmöglichkeiten gehinderten Menschen zu irgendeiner verzweifelten Gegenwehr aufgereizt würden; aber es mag ja leider sein, daß gerade dieses Ziel der hinterhältigen russischen Politik vor Augen schwebt. * Kongreßtag in Proßnitz. Der erste Proßnitzer Kongreßtag fand am' 9 .August d. J. im jüd. Kasino statt. Der Abend hatte zum Zwecke, einen Ueberblick zu geben und wurden demgemäß 4 verschiedene Referate gehalten. Die Beteiligung der Proßnitzer Bevölkerung war eine überaus gute. Es waren sämtliche Schekelzahler zugegen und auch viele der Organisation noch Fernstehende hatten sich eingefunden. Die Reihe der Referate eröffnete Herr Dr. Viktor Altar, welcher über die Bedeutung des XI. Zionistenkongresses Sprach. Hierauf referierte Herr Hans Löw über „Die Geschichte der Zionistenkongresse“. Herr Julius Neumann sprach über das Thema „16 Jahre zionistische Palästinaarbeit“. Als letzter Redner trat Herr4 cand. ing. Erich Altar auf, welcher ein sehr interessantes Referat über: „Die Bedeutung des Zionismus für die jüdische Jugend“ hielt. Nach den Referaten wurden die Delegiertenwahlen zum „XL Kongreß statt und wurden als Kandidaten sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkte bedeutsamen Arbeit teilt Szilädy mit, daß Pechi ein hervorragender Kenner des Hebräischen war und zu seiner Uebersetzung auch' hebräische und) aramäische Bibelkommentare, ja selbst den Talmud benützt hat. Den Wert dieses Werkes erhöhen die zahlreichen Anerkennungen, i.n welchen Pechi nicht selten Anspielungen auf seine eigenen Leiden und Fährnisse macht und einzelne Verse der Psalme durch seine eigenen Erlebnisse exemplifiziert. Die spanische Regierung hat kürzlich den Plan gefaßt, an der Universität Madrid einen Lehrstuhl für rabbinische Literatur zu errichten. Die von dem Ministerium eingesetzte Kommission, der die namhaftesten Orientalisten angehörten, hat der Regierung vorgeschlagen, ein etatsmäßiges Ordinariat für jüdische und hebräische Literatur in größerem Umfange zu errichten und auf diesen Lehrstuhl den Berliner Orientalisten Dr. A. S. E. Yahuda, Dozent an der Lehranstelt für die Wissenschaft des Judentums, zu berufen. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß dieser Plan Ider (Iniative der spanischen Regierung, bezw. der Madrider Universität entsprungen ist. Außer der Universität Cambridge in England dürfte vorläufig die Madrider‘Univertät die einzige sein, die ein Ordinariat für jüdjsche Literatur in Aussicht genommen hat. Seit einigen Jahren ist auch auf der Leipziger Universität das Fach der rabbinischen Literatur in Form eines Lektorats vertreten. Vor einigen Jahren war bei den Ausgrabungen in Nippur ein Täfelchen gefunden worden, t nwiaawM ..-'>1'1 - - i ■ - v,

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