Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 33 (15.8.1913)
- Date
- 1913-08-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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jjatör. & JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 ParteisNatfiriditen. 11. Schekeiausvveis, 5673 (limerösterreich). Löw 1.20, Seinfeld 1.20, Reisz 3.60, Hammer 8.40, Zentralverein 3.60, Herzl-Klub 7.20, Kafka, Linz 14.40, Herzl-Klub 16.40, Kadimah 12.—, Ing. Kramer 4.80, Dr. Horner 18.—, Ness Zionah 48.—, Zion. Zentralverein 10.80, Wr. Zion. Vereinigung 4.80, Ing. Deutsch 18.—, Dr. Plaschkes 3.60, Rabb. Dr. Sagherr 4.80, Ornstein durch Baumeister Kaufmann 50.40, Neure Jehuda 5.40, Bar-Giora 12.—, Wr. Zion. Vereinigung 2.40, Ing. Beck 19.20, Löw 4.80, Ing. Kramer 2.40, Glogau 2.—, Appel 3.—, Graz 8.40, zusammen 288.80, bisher ausgewiesen 2540.—; in Summa 2828.80. * Prolongierung des Schekelablieferungstermins. Wir haben beschlossen, den Endtermin der Sdiekelablieferung (IS. August) hinauszuschieben und werden die Mandate aller Wahlkreise anerkennen, für welche die entsprechende Zahl von Schekeln und die Wa’dprotokoüe bis zum. 29 ..August, dem Tage des Zusammentritts des: Legitimations-Ausschusses, beim Zionistischen Zentralbureau, Wien, L, Giselastraße 12, eingegangen sind. Wir haben diesen Beschluß auf dringende Vorstellungen einiger Verbände gefaßt, um allen Ortsgruppen und Vereinen noch Gelegenheit zu geben, die Scheckelsammlung bis unmittelbar vor dem Kongreß fortzusetzen und eventuell die Zahl ihrer Mandate zu vermehren. Die Landes¬ und Sonderverbände werden also aüfgefordert, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um die Schekelzahl bis zum 29. August noch wesentlich zu erhöhen. Alle Zionisten wissen, von welchem Eiinfluß die Zahl unserer organisierten Anhänger auf die Bedeutung des Kongresses ist; wir erwarten also von allen Gesinnungsgenossen, daß sie bis zum letzten Augenblick ihre Pflicht erfüllen und alle noch Abseitsstehenden, die mit! dem zionistischen Programm und mit der Arbeit unserer Bewegung einverstanden sind, zum Anschluß an unsere Organisation veranlassen werden. Das Engere Aktions-Komitee. Die Niederlage der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. PalästinasGesellsdiaftspeise anläßlich des XI. Zionisten-Kongpesses. Um den Teilnehmern des XL Zionistenkongresses in Wien Gelegenheit zu geben, eine Reise nach Palästina zu unternehmen, wird im Anschluß an denselben mit dem Eildampfer des stieß. Gerade deshalb hat sie vielleicht in der Jugend treue Anhänger und Schüler gefunden. In diesen Bahnen bewegt sich mm das jüdische Leben in der Kleinstadt, nur zeitweise unterbrochen durch einzelne Episoden, die verschiedenartig auf deren Einwohner wirkten. Erwähnt sei nur das Jahr 1863. Der damals ausgebrochene polnische Aufstand hatte auf die Juderiheit einen großen Einfluß ausgeübt. Denn trotz der allzugroßen Versprechungen seitens der Aufständischen, daß die Juden „ihre' Brüder“ seien, scheuten sie sich keineswegs, „ihre Brüder“ — die Juden zu töten und zu plündern. Aber hie und da finden sich auch unter den Juden einzelne, die dies auf verschiedene Umstände zuruckführen und begeisterte Anhänger des polnischen Aufstandes sind — keineswegs aufgeklärte, sich emanzipierende Juden, im Gegenteil, schlichte Chassidim sind es gewesen. Kotik führt vor unsere Augen einen solchen chassidischen Polenfreund. Isruel, der aus Begeisterung für die Polensache drei Lieder komponierte, gewidmet den -Heroen des Aufstandes. Viel eindrucksvoller wirken die Jahre 1864 bis 1865. Jn Lyck gab damals David Gordon die hebräische Wochenschrift „Hamagid“ heraus. Dort schrieb er seine glänzenden Artikel über die Notwendigkeit der Wiederbelebung unserer Nationalsprache und -heimat. Es waren dies Zeiten der ersten zionistischen Bewegung mit stark ausgeprägter Romantik. Gordons Weckruf blieb keineswegs ohne Wirkung. Er drang selbst in das kleine Judenstädtchen Kamieniec. Simche Leiser war der einzige Abonnent des „Hamagid“, um den sich aber eine recht große Anzahl von Lesern konzentrierte, Zustände, denen wir noch heute in Rußland und Galizien begegnen. Die Idee, in Palästina Oesterr. Lloyd eine große Gesellschaftsreise veranstaltet. Da man auf eine große Teilnehmerzahl rechnen kann, werden die Fahrpreise außerordentlich ermäßigt sein. Das Programm sieht eine Reise durch ganz Palästina vor und es ist deshalb den Teilnehmern Gelegenheit gegeben, fast alle jüdischen Kolonien und Städte von jüdisch-historischer Bedeutung aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Die Landung erfolgt in Beyreuth, von hier gehen Wagentouren über die alte Stadt Zidon nach der herrlich gelegenen Kolonie Metullah, wo über Samstag Ruhe gehalten wird. Von Metulah geht es weiter über Mischmar- Hajarden und jessod-Hamäalah nach Roschpina und Tiberias, von wo aus über die Tiberiasseegegend der Weg nach Haifa fortgesetzt wird. Von Haifa geht die Route über Sichron- Jakob durch schöne Orangengärten nach Pethach Tikwa. Nachdem die jüdischen Kolonien Rischon le Zion und Rechowoth besucht werden, führt der Weg über das hochinteressante judäische Hochland zur alten Davidstadt Jerusalem. Hier ist ein Aufenthalt von vier Tagen vorgesehen, während deren alle historischen Denkmäler und sehenswürdige jüdische Institute besichtigt werden. Von Jerusalem geht der Weg über den Herzlwald nach Jaffa, wo der nach Triest abgehende Dampfer bestiegen wird. Reisekosten pro Person: Wien—Triest und retour Schnellzug 1. Kl. Frcs. 130.—; II. Kl. Frcs. 90.—; UI. Kl. Frcs. 30.—; Personenzug I. Kl. Frcs. 100.—; II. Kl. Frcs. 70.—; 111. Kl. Frcs. 22.—. Triest—Palästina und retour (bei mindestens 20 Teilnehmer) 1. KI. Frcs. 660.—; II. Kl. Frcsi. 420.—; III. Kl. Frcs. 322.—. Kosten des 19tägigen Aufenthaltes in Palästina für Teilnehmer 1. und II. KI. Frcs. 400.—, HI. Kl. Frcs. 320.—; für rituelle Verpflegung an Bord wird Sorge getragen. Das Reiseprogramm für Palästina wird vom Reisebureau Emanuei Sachs in Jaffa unternommen und durchgeführt. Teilnehmer müssen sich spätestens bis zum 20. August d. J. beim Palästina-Informationsbüro in Wien, II., Karmeliterplatz 1, anmelden, wo ausführliche Prospekte zu erhalten sind. * The Jewi&h Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die sechzehnte, ordentliche Generalversammlung der Aktionäre des Jewish Colonial Trust (Jüdische Cölönialbank) Limited am Dienstag, den 9. September 1913, um 3 Uhr nachmittags, im Musikvereinssaal in Wien, 1., Lothringerstraße 11, mit nachstehender Tagesordnung stattfindet: T agesordnung: 1. Entgegennahme des Berichtes des Direktoriums und der Bücherrevisoren und Rechnungsablegung für das Jahr 1912. 2. Wahl eines Direktors und der Bücherrevisoren. 3. Beschlußfassung über Verwendung des Reingewinns pro 1912. 4. Durchführung der gewöhnlichen Tagesordnung und Eventualia. statutengemäß bleiben die Zessionsbücher und das Mitgliederregister der Gesellschaft vom 27. bis 9. September a. c. (beide Tage inklusive) geschlossen. Judenkolonien zu gründen, machte auf Kamieniec einen starken Eindruck. Ja, man begann sich zu organisieren, um nötigenfalls alles zu verkaufen, nach der alten Heimat zu ziehen und ein neues jüdisches Leben zu beginnen. Einen Volkstypus führt uns da Kotik vor unsere Augen, der mit großer Begeisterung sich dieser Idee anschließt, denn ihm, dem armen Holzhauer ist Palästina — Alles und für sein Erez- Israel ist er bereit, selbst das größte Opfer zu bringen. Nun wandte sich dieseGruppe an Gordon mit dem Ersuchen, ihnen mitzuteilen, ob sie schon nach Palästina gehen können. Aber Gordon antwortete nicht — es wären ja nur Anregungen seinerseits und so löste sich ditese Gruppe unter großem Schmerz auf, doch in der Hoffnung, daß ihr Ideal einstmal verwirklicht werde. Diese charakteristische Episode ist ein interessanter Beitrag zur Geschichte der palästinensischen Bewegung unter den jüdischen Volksmassen des Ostens. Um diese Einzelpersonen, wie Kotiks Vater, der Chussid Isruel etc. bewegen sich verschiedene Typen der jüdischen Gesellschaft, die uns Kotik meisterhaft wiedergegeben hat. Aus diesen Memoiren können wir die verschiedensten sozialen Schichten, von den niedrigsten Individuen der Denunzianten, Chapers**) bis zu den Führern der Judengemeinde, dem Parnas, Rabbiner oder gar dem „Rebbi“, kennen lernen. Trotz der kleinlichen Verhältnisse, die in einer solchen Gemeinde zu herrschen pflegen, finden sich auch ideelle Naturen, die zu etwas Höherem streben. So überragt beispielsweise alle, die Großmutter Kotiks, Beile-Rasche. Ein **) Die zur Zeit Nikolaus I. jüdische Kinder fürs Militär stahlen. In Gemäßheit der Statuten müssen Vollmachten wenigstens einen vollen Tag vor dem für die Abhaltung dieser Versammlung festgesetzten Termine somit vor dem 5. September a. c. im temporären Gesellschaftsbureau in Wien, I., Lothringerstraße 11 (Musikvereinssaal), niedergelegt werden. In Gemäßheit der Statuten und der vom Direktorium diesbezüglich getroffenen Bestimmungen müssen Besitzer von Inhaberaktien, welche an der Generalversammlung teilnehmen und ihr Stimmrecht ausüben wollen, ihre Aktienzertifikate vor dem 5. September a. c. im temporären Gesellschaftsbureau, Wien, I., Lothringerstraße 11, (Musikvereinssaal), deponieren, um dagegen die zum Einlaß und zur Abstimmung berechtigenden Depotscheine in Empfang zu nehmen. Im Aufträge des Direktoriums: H. Neumann, Sekretär. London E. C., den 28. August 1913. Wien, II., Taborstr. 17 [Hirschenhaus] ladet ein zum Bezug der neuen Jahrgänge von Westermanns Monatsheften und von VoDiagen und Klasings Monatsheften. Gediegen Familienblätter mit Beiträgen der besten Schriftsteller und vielen farbigen Kunstblättern. Jährlich 12 Hefte zu je K 1.80. Antiquariat. Provinzversanct. Bus dem jüötfdien befielt. Neuerliches Debacls der deutsch-liberalen Israeliten in Znaim. An den vollständigen Sieg der Oppositionellen im 2. Wahlkörper schloß sich ein nicht weniger bedeutender Erfolg im 1. Wahlkörper der Znaimer Kultusgemeinde an, indem es den Jüdischnationalen gelang, Herrn Dr. Rosenfeld im engeren Ausschuß und Herrn Sanit.-Insp. Dr. Wolfenstein und Herrn Dr. Benesch im erweiterten Ausschuß durchzudrücken. Alle Mittelchen versuchte die Kahalclique, um ihrer Liste zum Siege zu verhelfen; die mißliebigsten Personen ließ sie nach bewährtem Muster sofort fallen, die Akademiker brüskierte man, Wahllokal und Wahlstunde „vergaß“ man anzuzeigen und der Wählerschaft machte man eine Stellungnahme unmöglich, indem sie die offizielle Kandidatenliste erst 36 Stunden vor der Wahl in die Hände bekam. Die Wahl aber zeigte, wie vielleicht keine andere, die Unzufriedenheit der Wählerschaft mit der bisherigen Leitung und wie berechtigt der Kampf der Oppositionellen war. Die Kahalclique hätte sich kein überzeugenderes Mißtrauensvotum holen können. Aber noch nicht genug daran. Ihre Niederlage sollte noch vollständiger werden. In der Vorstandswahl, die Sonntag, den 10. August 1913 stattfand, wahrer Typus einer jüdischen Frau, die in ihrem Wesen und Naturell ganz der Glückei von Hammeln ähnelt, auch bei ihr das Bestreben, die Familienzusammengehörigkeit zu stärken, die Liebe zum Judentum zu fördern, mit einem Worte, sie ist die Seele des Hauses. Und wie bewunderungswürdig ist der ideelle Rabbiner, der nur der heiligen Thora lebt und außer ihr existiert für ihn nichts in der Welt. Kotik entrollt vor unseren Augen das innere Leben, der sich jetzt schon im Absterben befindlichen jüdischen Kleinstadt. Das interessante daran ist, daß er, obwohl ein Zögling der Haskala, im Gegensätze zu seinen Zeitgenossen, die ja bekanntlich dieses, ihrer Meinung nach, philisterhafte jüdische Kleinstadtleben geißelten, im selben nur schönes vorfindet. Seine Lebenserinnerungen sind eine reiche Quelle zur Erforschung einer der interessantesten Zeitepochen jüdischer Geschichte in der Neuzeit, dessen Charakteristikum, das Dahinsiechen des alten Judentums und dessen Europäisierungsprozeß bildet. Ein jeder Jude sollte diese wertvollen Aufzeichnungen eines russischen Juden durchlesen, er wird sicherlich daraus viel lernen. Speziell aber sollten dieselben die „großen jüdischen Historiker“ (in Deutschland), die „gerne“ die Geschichte der Ostjuden, ohne jedwede genauere Kenntnis zu besitzen, schreiben oder selbst schreiben wollen, eifrig studieren! Doch ich habe das Wichtigste vergessen, man müßte erst das Buch für diese Herren übersetzen, diese Memoiren sind ja jüdisch geschrieben. ooo