Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 33 (15.8.1913)
- Date
- 1913-08-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Partei klar und deutlich ausgedrückt. Die Zionisten haben auch immer, wo die Gegenwartsarbeit Gelegenheit bot, diesen Grundsatz verfochten. Es sei nur daran erinnert, wie energisch und erfolgreich unser verstorbener Gesinnungsgenosse Reichsratsabgeordneter Dr. Gabel im Parlamente gegenalle zünftlerischen Bestrebungen aufgetreten ist. Nicht die Zionisten sind reaktionär, sondern Herr Bechert hat einfach gegen den klaren Wortlaut unseres Programmes gehandelt. Wir verwahren uns entschieden dagegen, mit seinem Vorgehen in irgend welchen Zusammenhang gebracht zu werden. Wir Zionisten sind nach wie vor gegen jede zünftlerische Beschränkung und lehnen es ab, für die Haltung des Herrn Bechert die Verantwortung zu übernehmen. Zur Banhfpage, Der in der Nummer 28 unseres Blattes erschienene Artikel unseres Gg. Adolf Böhm, welcher die derzeitige Lage unserer Parteibank', der Jüdischen Kolonialbank (J. C. T.) behandelt, hat eine lebhafte Diskussion entfesselt. In der Prager „Selbstwehr“ hat Gg. Direktor R ez e k einen Artikel erscheinen lassen, in welchem er die Leitung der Bank gegenüber der Böhmschen Kritik in Schutz nimmt. Darauf erwidert Gg. Böhm im gleichen Blatte: „Herr Resek weist meine Bilanzkritik, die ungemein eingehend gehalten war und drei Spalten füllte, einfach mit der Bemerkung ab, daß diese ein großer Fehler sei, da man ohne die nötigen Belege unmöglich eine Bilanzkritik unternehmen könne. Ich muß sagen, daß ich wirklich nicht verstehe, wie ein Fachmann zu einer solchen Aeßerung kommen kann! Ja, wozu werden dann überhaupt Bilanzen veröffentlicht, warum sind Aktiengesellschaften dazu gesetzlich verhalten, wenn nicht zu dem Zwecke, um über den Stand dieser „zur öffentlichen Rechnungslegung verpflichteten“ Unternehmungen ein Bild zu geben? Und seit wann kann man eine Bilanz nicht lesen und prüfen, ohne die nötigen, nicht bekanntgegebenen Belege? Gewiß, jede Bank demaskiert sich nicht völlig in ihrer Bilanz, aber das, was sie veröffentlicht, kann doch jeder Kaufmann verstehen und beurteilen. Wenn ich z. B. aus der Bilanz feststellte, daß der Reservefonds des J. C. T. nicht einmal U/2®/o des Aktienkapitals betrage, daß der Gewinn auf das werbende Kapital 2,So/o beträgt, daß die Bank’ ihre Konsols noch immer nicht verkauft hat etc. — sind das Dinge, die ich „ohne Belege“ nicht aus der Bilanz lesen kann? Herr Resek weiß als Fachmann sehr gut, in welcher Weise in allen ernsten Finanzzeitschriften (ich nenne z. B. den „Plutus“, Berlin oder „Die Bilanzen“, Beilage zum Oesterr. Volkswirt, Wien) Bilanzen kritisiert werden und ich frage ihn, in welchem Punkte ich in irgend einer Weise von den Gepflogenheiten einer seriösen sachlichen Kritik abgegangen bin. Meine Feststellungen sind ohne einen derartigen Nachweis nicht zu erschüttern- Diese lauteten, daß die Bank: 1. einen ungenügenden Reservefonds hat; 2. daß es ihr nicht gelang, Depositen heranzuziehen, weshalb die Basis für einen rentablen- Bankbetrieb nicht gegeben ist; 3. daß die Geschäfte, die sie, abgesehen von jenen mit den zionistischen Instituten (A. P. C., A. L. B. C.) macht, unrentabel sind und daß sie nach der Lage der Dinge keine Dividende verteilen, noch weniger aber diese erhöhen sollte; 5. daß ihr Effektenbesitz zu ihrer Liquidität nicht beiträgt, hingegen entweder (wie bei den Konsols) eine zu geringe Verzinsung und stete Kursverluste oder (wie bei den A. P. C.-Aktien) eine unnötige Festlegung ihrer Mittel bedeutet. Wer meine in diesen Punkten gipfelnde Kritik, die ihre Stütze in den veröffentlichten Ziffern der Bilanz fand, die ich einer eingehenden Prüfung unterzog, als unrichtig nachweisen will, der hätte die Aufgabe, mir die Fehler in meinen Deduktionen nachzuweisen. Wenn ich Unrecht haben soll, weil ich nicht die nötigen Belege kenne, so muß ich bitten, mir zu sagen, bei welchem Punkte meiner eingehenden Bilanzkritik irgendwelche nähere Belege nötig gewesen wären. Insolange dies nicht geschieht, werde ich mich absolut nicht für widerlegt halten können. Herr Resek zieht die Geschichte und eigenartige Lage der Bank heran, um darzulegen, daß sie nicht besser arbeiten konnte. Dies ist in derselben Weise immer wieder von den Direktoren geschehen, wenn man auf Sitzungen, Kongressen etc. kritisierte. Aber ich kann absolut weder die Geschichte noch die Lage der Bank zur Entschuldigung all ihrer Schwächen gelten lassen. Ich sehe gar nicht ein, warum man z. B. heuer bei so ungenügendem Reservefonds und der auch von Herrn Resek zugegebenen schweren Situation der Bank die Dividende trotz des Widerstandes des A. K. erhöhen mußte, warum man die Konsols, die immer nur weiteren Verlust geben, nicht verkauft, warum man die unrentablen russischen Geschäfte nicht liquidiert etc. Ich verstehe auch noch immer nicht, was das eigentlich für ein Ding ist: die „Korrespondenz mit den 140.000 Aktionären“. Seit wann korrespondieren denn die Aktionäre mit der Bank? Von den 140.000 Aktionären des j. C. T. beheben nicht einmal die Hälfte ihren Coupon, so stark ist ihr Interesse an dem Institut, geschweige denn, daß sie mit ihm korrespondieren sollten. Auch die zionistischen Vertrauensmänner werden die Bank nicht über Gebühr behelligen, in meiner 11jährigen Praxis ist mir davon nichts bekannt geworden. Uebrigens wird diese „enorme“ Korrespondenz schließlich von einem mehr aitgestellten Schreiber noch zu bewältigen sein. Und die Buchhaltung mit den 140.000 Aktionären, die so viel Geld kostet! Ja, was ist denn das für eine Buchhaltung? Es kann sich doch nur um die Buchung (Gutschrift und Abhebung) der Kupons handeln, also höchstens um zwei Ziffern im Jahre bei 140.000 Konti und einmal in 10 Jahren um einen neuen Talon. Wer will einem Kaufmann klar machen, daß dies enorme Regiesummen verschlänge! Selbst wenn wir annehmeu wollten, daß wegen der 140.000 Aktionäre e i n Schreiben mehr nötig sei, wie in jeder anderen Bank, so wird dies bei einer Gesamtregie (samt Steuern) von 8270 Pfund, d. s. ca. 200.000 Kronen, wohl nicht sehr ins Gewicht fallen! Aber auf all diese Dinge will ich gar nicht näher eingehen, denn ich sagte in meinem Artikel ausdrücklich, daß ich keine Schuldigen suche und die Vergangenheit auf sich beruhen lassen will. Mir ist es nur um die Zukunft zu tun. Und da kann nun kein Fachmann der Welt beweisen, daß nicht trotz der vielen ungünstigen Umstände, mit denen die Bank zu rechnen hat und die ich nicht leugne, wenn der Wille dazu da ist, sogar sofort eine Reihe von Maßnahmen getroffen werden könnten, würden: Liquidierung der als unrentabel nachgewiesenen Geschäfte, Verkauf der Effekten, welche die innere Situation des Instituts bessern Stärkung der Reserven dadurch, daß einige Jahre keine Dividende gezahlt wird etc. Was ich in meinem Artikel verlangte, ist nur eine Reorganisation der Leitung. Herr Resek sagt selbst, daß das E. A. K., unsere oberste Leitung, nicht die ihm gebührende Stellung im Direktorium der Bank haben soll? Ist es überhaupt ein möglicher Zustand, daß unsere Leitung unser Finanzinstitut nicht beherrscht? Herr Resek schlägt vor, neue Aktien des J. C. T. oder, was ihm leichter erscheint, der A. P. C. auszugeben. Darauf erwidere ich: Aktien des J. C. T. in großer Zahl sind heute nicht placicrbar. Was aber jene der A. P. C. betrifft, so ist diese heute ohne Aufsichtsrat und untersteht vollkommen dem J. C. T. Es ist aber ein nicht verständlicher Vorschlag, dem E. A. K. nahezulegen, seine organisatorische Kraft dazu zu gebrauchen, um dem Bankdirektorium neue Mittel zu verschaffen, während der Zustand, daß das E. A. K. auf das Direktorium gar keinen Einfluß hat, konserviert werden soll! Ich glaube nicht, daß die zionistische Organisation, die heute in überwiegender Mehrzahl hinter dem E. A. K. steht, dazu seine Hand bieten wird. Es gibt nur zwei Dinge: entweder das jetzige Direktorium beharrt auf seiner Exklusivität; dann wird, zum Schaden der Organisation, der J. C. T. auch weiterhin in seiner verfehlten Geschäftspolitik fortfahren und nach wie vor nichts für uns bedeuten; oder aber es erfolgt die von mir verlangte Reorganisation. Ein drittes gibt es nicht.“ £ Kaufet nur bei unseren O ■ Inserenten._0 llsfcp die zlonistifdien Erfolge in Palästina. Der Beiruter Korrespondent der großen Brüsseler Zeitung „Independance Beige“ schreibt in einem „Syrischen Brief“ folgendes: „Diejenigen, die die israelitischen Dörfer in Palästina besucht haben und die Dinge völlig unparteiisch beurteilen, werden sich klar sein über die enorme Bedeutung des sozialen und humanitären Werkes, das auf ökonomischem und speziell landwirtschaftlichem Gebiet unternommen und durchgeführt worden ist. Alles macht dem Fleiß, der in diesen Zentren, herrscht, der guten Organisation, die dort waltet und der absoluten Sicherheit, die man dort beobachtet, alle Ehre. Man könnte, ohne ein Dementi zu riskieren, sagen, daß, dank diesem Fleiße und dank den hundert Millionen Franken, die seit dreißig Jahren dort ausgegeben wurden, das Land ein ganz anderes Aussehen bekommen hat und auf dem besten Wege des Fortschrittes ist. Man kann heute sagen, daß das Vilajet Syrien (Palästina, Libanon, die Ebene Bekaa, die Gegend von Damaskus) eines der kultiviertesten des ganzen Reiches ist. Die Statistik kann die enormen Fortschritte beweisen, die der Hafen von Jaffa hinsichtlich des Exports gemacht hat und in allen jüdischen Dörfern erhält der Fiskus heute zehn- bis zwanzigmal so viel Steuern als früher. Die einheimische Landbevölkerung ist mit diesem Stand der Dinge zufrieden: ihre Lage hat sich, dank den jüdischen Landwirten gebessert und man kann mit Leichtigkeit konstatieren, daß die arabischen Dörfer, die sich bei den jüdischen Kolonien befinden, im ganzen Gebiet am besten prosperieren. Die Israeliten haben wichtige Neuerungen in die landwirtschaftliche Arbeit gebracht. Ihnen, ist es zu verdanken, daß nichtanbaufähige Flächen (sandige, sumpfige oder steinige), welche die Einheimischen nie verwerten konnten, der Bebauung zugänglich gemacht wurden. Die Dörfer sind nach europäischen Mustern erbaut, und mit ihren hübschen Häusern, den Dächern aus roten Ziegeln, den netten Gärten, den geraden Straßen, geben sie nicht den jämmerlichen Anblick von Dörfchen, in denen Mensch und Vieh zusammengedrängt in widrigem Schmutz und unmoralischem Durcheinander leben. Jedes Dorf hat seine Synagoge, seine Schulen für Knaben und Mädchen, seine öffentlichen Gärten, sein Gemeindeamt mit Bibliothek und seine Apotheke. Bei der Schule ist ein Versuchsfeld, um den jugendlichen Schülern die guten Prinzipien der Bodenbestellung von Jugend auf zu zeigen. Am Abend nach der Arbeit werden Konferenzen für Erwachsene veranstaltet und am Tage werden die Schüler über verschiedene Fragen der Bewirtschaftung des Landes unterrichtet. Die Juden waren die ersten, welche die ungeheure Arbeit des Urbarmachens und Umackerns des Landes vorgenommen haben und alle diese Arbeiten sind nach wissenschaftlichen Methoden durchgeführt worden.“ ErfolgreidieSiedlungsgenossenfdiafte». Bekanntlich macht der Jüdische Nationalfonds in Palästina den Versuch, eine sogenannte Siedlungsgenossenschaft zu etablieren. Bisher hat noch nirgends in der Welt eine freie Arbeitergenossenschaft als Pächter und Bewirtschafter eines Gutes funktioniert, mit Ausnahme des bekannten, vor Jahrzehnten versuchten ,,'Rahaline“, das leider aus außerwirtschaftlichen Gründen nach kurzem Blühen wieder aufgegeben wurde. Man hat die „Siedlungsgenossenschaft“ daher nirgends durchgeprobt und sie wird daher Photograf 10 Perzent E. Preiss, II., Karmeliterplatz 1 im Hause des Kongressbtiros. 6 Visit K 4.—, 6 Kabinet K 8.—, Postkarten 12 Stück 3 Kronen. fallen der zionistischen Organisation zu.