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Jüdische Zeitung · 1913-08-08 · 32 (8.8.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 31 gungen zu sehen und verhielt ich mich damals' audi sehr pessimistisch, den moralischen Wert dieser Idee verkannte ich keineswegs. Und nun hat ja die Idee bedeutende Fortschritte gemacht und gesund sich weiter entwickelt. Ich selbst beteilige mich ungern an Enqueten und habe damit schlechte Erfahrungen gemacht Einst wurde ich unschuldigerweise verlästert und angegriffen, als ich ehrlich niederschrieb, ich kenne' Heine zu wenig, um über die Berechtigung eines Denkmals für ihn urteilen zu können. Häufig krank, habe ich Zum Lesen wenig Zeit. Hier nun eine Ausnahme zu machen und für Sie etwas zu schreiben, nachdem ich mich' doch seither an Rundfragen nicht mehr beteiligt habe, fällt mir wahrhaftig schwer. Um die ganze Sache so recht beurteilen zu können, wäre es am besten, den Boden zu besuchen und gründlich zu prüfen, der ein Aufleben so viel Unglücklicher sehen soll. Die Armen müssen sich ja förmlich nach einer Heimat, die sie nicht quält und nicht zum Scheine bloß duldet, sehnen und nach väterlich-friedlichem Boden dürsten. Eine Frage wäre allerdings vorher zu erwägen, ob dort nur Platz genug für all’ die von Mühsal Getroffenen sein wird. Darüber habe ich oft nachgedacht und verstehe es auch heute noch nicht, wie es Juden geben kann, die Ihre Bewegung bekämpfen, eine Bewegung, die zu fördern einfach Menschenpflicht ist, nicht mehr oder minder. Man mag an der Erfüllung zweifeln — und ich selbst tue dies oft — aber damit kann man sich doch nicht dieser Pflicht entziehen. Was midi am meisten freut, ist die mutige Stellung, die der Zionismus gegen die Auswüchse der Börse und Presse einnimmt, die so heftigen Antisemitismus erregen und die von innen heraus bekämpft werden müssen.“ Ich fürchte nur das eine, daß, wenn der Ruf zur Auswanderung ertönt, diese minderwertigen Juden hier bleiben, während doch mein Wunsch der wäre, daß die Zionisten, die mir das einzig sympathische Element im Judentum darstellen, hier blieben und die anderen uns verließen. Auch dessen kann ich Sie versichern, daß Sie auch nicht im geringsten, wenn Sie offen Ihren zionistischen Standpunkt bekennen, in der Achtung Ihres christlichen Bekanntenkreises sinken, vielmehr als selbstbewußter, ehrlich ringender Jude nur neue noch gewinnen werden.“ Seinerzeit veröffentlichte Rosegger (im „Heimgarten“ eine größere Studie über den Zionismus, der wir nach der zitierten Sammlung folgendes entnehmen: „Wir sind geneigt, den Zionismus ernst zu nehmen und ihn zu unterstützen. Er rechnet ja auch auf die Unterstützung der Fürsten, Diplomaten und Publizisten. Die Judenfrage möchte wohl keine bessere Lösung finden und das jüdische Volk sich nicht leicht anders das Wohlwollen der Welt erwerben, als wenn es sich still einigen könnte und den Beweis lieferte, daß es auch als Einheitsstaat in produktiver Arbeit existieren kann. Allerdings werden die Juden sich auch in Palästina mehr dem Handel als der Produktion widmen, aber dort wären sie — wie einst die Phoenizier — gut am Platze den Verkehr zwischen Orient und Okzident zu vermitteln. Ist der Orient nur erst durch Politik und Eisenbahnen erschlossen, dann wird es für die Händler genug Arbeit geben. Der Zionismus macht recht gute Fortschritte; alljährlich findet in Basel, der freien Stadt, ein Zionistenkongreß statt, auf welchem diese Fortschritte bestätigt werden, auf welchem der Bewegung neue Freunde geworben werden* dieweil ein -großes Komitee unermüdlich tätig ist, die Idee praktisch zu gestalten und zu verwirklichen. Und wir? Abgesehen von allen gegenseitigen Vorteilen, die durch die Verwirklichung der Idee erzielt würden, müssen wir — im Zeichen des Nationalismus stehend — schon darum mittun, daß auch die - Juden ihre Nationalität wieder erringen.-Ihnen tut es noch am allermeisten not, denn sie waren die Zerstreuten, die Fremdlinge.“ Diese Aeußerungen sind wohl in vielen Punkten unstichhältig und an manchen Stellen naiv. Aber allesin allem: es ist ein freundschaftlicher Geist, der aus ihnen spricht und sie machen darum dem großen Dichter alle Ehre. Denn er versteht es, auch anderen nationalen Bewegungen gerecht zu werden. W. Namen und sind mit österreichischen Stempelmarken im Betrage von 25 Heller für die Ermäßigung 3. Klasse, 50 Heller für die Ermäßigung 2. Klasse und Kl.— für die Ermäßigung 1. Klasse zu versehen. Die Legitimationskarten werden vom Kongreßbureau zusammen mit dem Kongreßabzeichen, für welches 60 Heller im voraus zu entrichten sind, versandt. Stempelmarken können vom Kongreßbureau gegen Voreinsendung des entsprechenden Betrages bezogen werden. Die Versendung der Legitimationskarten und Kongreßabzeichen erfolgt vom 8. August ab. — Dep XI. Zionistenhongreb in Wen. Veranstaltungen: Dienstag, den 2. September, abends 8 Uhr: Eröffnungssitzung in der Katharinenhalle. Mittwoch, den 3.. September, 11 Uhr vormittags: Vortrag’im Beethovensaal; — J/28Uhr abends: Hebräische Theatervorstellung in der Neuen Wiener Bühne; — 8 Uhr abends: Meeting im -Sofiensaal; — 8 Uhr abends Lichtbildervortrag im Beethovensaal. — Zu noch zu bestimmenden Stunden Führungen durch das jüdische Museum und die Adria- Ausstellung. V : . Donnerstag, den 4. September: Dasselbe Programm wie Mittwoch. Außerdem: 3' Uhr nachmittags: i Versammlung des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina im Beethovensaal. Rednerinnen Frau Justizrat Dr. Bodenheimer (Köln), Frau Johanna Simon-Friedberg (Heidelberg) u. a. Freitag, den 5. September, 11 Uhr vormittags: Konzertmatinee des Jüdischen Gesangvereines Czernowitz im Beethovensaal; — abends: Gottesdienst > < Samstag, den 6. September, vormittags: Gottesdienst; — 8 Uhr abends: Akademischer Fest akt in der: Katharinnenhalle; — 8 Uhr abends: Meeting im Beethovensaal. Sonntag, den 7. September, 10 Uhr vormittags:. Gang zum Grabe Herzls; — 3 Uhr nachmittags: Turnfest auf dem Vienna-Sportplatz Hohe Warte; — i/»9 Uhr abends: Konzert im Musikvereinsgebäude (Mitwirkende: Frl. Margary Bentwich, Herr Leo Gollanin); — 1,49 Uhr abends: Lichtbildervortrag des Herrn Pilichowsky über „Jüdische Kunst“ im Beethovensaal;— Uhr abends: Meeting im Sofiensaal („Nationales Judentum und körperliche Regeneration“). Montag,, den 8. September, 11 Uhr vormittags: Musikalische, Matinee im Beethovensaal (Mitwirkende: Frl. Margary Bentwich, Herr Leo Gollanin); — 3 Uhr nachmittags: Sportfest auf dem Vienna-Sportplatz Hohe Warte; — 8 Uhr abends: Lichtbildervortrag für Vertrauensleute im Beethovensaal; — 8 Uhr abends: 30 Bezirksversammlungen; — 9 Uhr abends: Kommers der jüdischen Turnerschaft im Sofiensaal. Dienstag, den 9. September, 11 Uhr vormittags: Vortrag im Beethovensaal; — 8 Uhr abends: Meeting im' Sofiensaal (Vorstellung des Neuen E. A. CT); — 8 Uhr abends: Meeting im Beethovensaal (Vorstellung des Neuen E. A. C.). Zu noch zu bestimmende Stunden: Führungen durch das jüdische Museum und die Adria- Ausstellung. An sämtlichen Kongreßtagen sind ferner die Ausstellungen des Jüdischen Nationalfonds, des Bezalel und des Jüdischen Verlag,s geöffnet. Reiseermäßiguitgen: Die k. k. österreichische Staatsbahn gewährt auf allen Strecken’ mit Ausnahme der im Staatsbetriebe stehenden Lokalbahnen auf Entfemunnungen über 50 km Fahrbegünstigungen für die Fahrt nach Wien innerhalb der Zeit vom 25. August bis 7. September, für die Rückfahrt von Wien innerhalb der Zeit vom 6. bis 14. ‘ September. Die k. k. priv. Südbahngesellschaft gewährt für Fahrten von den österreichischen Südbahnstationen nach Wien-Südbahnhof und für die Rückfahrt besonders ermäßigte Fahrkarten zu den Preisen des Spezialtarifes I (etwa 20°/o vom normalen Preis), auf Entfernungen von mindestens 101 km (einfache Fahrt). Die.Ermäßigung gilt für die Fahrt nach Wien vom 27. August bis 7. September einschließlich, für die Rückfahrt vom 6. bis 14. September einschließlich. Die k. k. priv. Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft gewährt auf ihren Passagierlinien die Benützung des 1. und 2. Schiffsplatzes gegen Bezahlung der Gebühren des nächst niederen Schiffsplatzes. Die Ermäßigung gilt für die Zeit vom 19. August bis 19- September. Die königl. ungarische Fluß- und Seeschifffahrts-A.-G. in Budapest gewährt die gleiche Ermäßigung für. die Zeit vom 26. August bis 14. September 1913. Für die Ermäßigungen werden Legitimationskärten^^S^äreb^Ei.' Die'Karten - lauten -aufden Die Adria-Ausstellung gewährt geschlossenen Gruppen von Kongreßbesuchern ermäßigte Karten zum Preise von 40 Heller für die Person. Logis: Für die Unterkunft der Kongreßbesucher werden Privatzimmer und Hotelzimmer zur Verfügung gestellt. Die Preise für Privatzimmer betragen (ohne Frühstück) K 3.— bis K 5.—, für einzelne Schlafstellen K 2.— täglich. In Privatpensionen sind Zimmer mit voller Verpflegung von K 6.50 an zu haben. Die Hotelpreise schwanken zwischen K 7.— und K 2.60 für Zimmer mit einem Bett, K 12.— und K 4.60 für Zimmer mit zwei Betten. In Gasthöfen sind Zimmer mit einem Bett für K 1.60, mit zwei Betten für K 3.50 zu haben. Es ist in Wien ortsüblicher Brauch, daß bei Bestellungen auf Privatzimmer ein Angeld von K 3.— miteingesandt wird, da nur so bindende Verträge geschlossen werden können. Das Angeld, das bei der Bestellung miteinzusenden ist, wird auf den Mietpreis verrechnet. Auskunft: Die Firma Thos. Cook & Son erteilt in allen ihren Geschäftsstellen Auskunft über Reiseverbindungen zum Kongresse, Ermäßigungen usw. Die Auto-Taxameter-Unternehmung „Z.I.G.“ stellt den Kongreßbesuchern fünfsitzige Automobile für Rundfahrten durch die Stadt zum Preise von K 25.— bei einer .Benützungsdauer von fünf Stunden zur .Verfügung. Bestellungen können bis zwei Tage vor der beabsichtigten Fahrt an das Kongreß-Bureau gerichtet werden. Eine Palästinareise. Den Teilnehmern des XI. Zionistenkongresses bietet sich die Gelegenheit, unmittelbar nach dem Kongreß eine Reise nach' Palästina zu unternehmen. Gleichsam als Illustration der Kongreßberichte, als wirksame Ergänzung unserer Debatten über die Palästinaarbeit, werden sich die Delegierten und Gäste von der Wahrheit der auf dem’ Kongreß aufgestellten Behauptungen überzeugen können und es gibt keinen sicheren und zuverlässigeren Beweis als den Lokalaugenschein, bei welchem man ohne störende oder verzerrende Vermittlung direkt aus der Quelle schöpft. Delegierte und Gäste des Kongresses werden allerdings nicht als kühle Beobachter nach dem Lande der Zukunft gehen; sie kommen mit ganz bestimmten vorgefaßten Wünschen. Und so muß es auch sein, denn das jüdische Volk braucht Palästina als Heimatsstätte und darf sich nicht lediglich durch kühle Erwägungen leiten lassen. Wir müssen für das Land .unserer Väter Liebe empfinden, denn in uns lebt die Sorge um die Erhaltung unseres Volkes und zu dem Zwecke müssen wir sowohl wirtschaftlich als auch kulturell Besitz von Palästina ergreifen. Wir müssen, wie der Tourist, auf den bereits zurückgelegten Weg und auf die schon errungenen- Eroflge zurückblicken, um dann mutig vorwärtsschauen zu können. Eine solche Rückschau über das bisher Geschaffene sollen unsere Kongreßreisenden auf ihrer Palästinafahrt halten und sie werden mit erneuter Begeisterung zu der zionistischen Alltagsarbeit zurückkehren. Bei manchem von ihnen wird vielleicht die Rückkehr ins Golus zeitweilig sein. Es wird in ihnen, der Entschluß reifen, zurückzukehren, für immer zurückzukehren nach Erez Jisroel. Schon heute sind zwei Teilnehmer der von Wien aus im Jahre 1911 veranstalteten Palästinareise für immer in Palästina verblieben und keine Palästinareise wird vergehen, ohne daß nicht das Land einen oder den anderen Teilnehmer fürs ganze Leben an sich fesselt. Andere Besucher werden durch die Teilnahme an der Gesellschaftsreise ‘angeregt werden, Kapitalien in Palästina zu investieren. Alle aber werden ihr Herz in Palästina lassen und £ werden für immer im Geiste unzertrennlich mit

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