Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 32 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 rungen worden. Man kann gar nicht genug anerkennende Worte für die Arbeitsfreudigkeit und die Anstrengungen der Leiter der „Hakoah“ finden. Da ist zunächst das Präsidium: Dr. Löhner und Dr. Körner zu erwähnen. Was namentlich Dr. Körner, der innere Organisationsarbeit leistete, für den Sportklub „Hakoah“ bedeutet, läßt sich nur durch die Worte kennzeichnen, daß er die Seele des Sportklubs ist. Nicht zu vergessen sind auch die Herren Baar und Eisler. Sie haben einen großen Teil am Verdienste, daß die „Hakoah“ zur gegenwärtigen Bedeutung gelangt ist. Aber auch die Mitglieder taten ihr Bestes. Wir rufen „der Hakoah“ ein herzliches und aneiferndes „Hedad“ zu! #' Die gescheiterte Vereinigungsbestrebung in Ungarn. Was wir in diesen Spalten bereits vor einem Jahre vorausgesagt haben, ist nunmehr zur Tatsache geworden. Die Bestrebung, die orthodoxen und neologen Juden Ungarns zu vereinigen, hat kläglich Schiffbruch erlitten .Klipp und klar ist es in der letzten Nummer des offiziösen Blattes der ungarischen Neologie zu lesen, daß an dem Zustandekommen der Unifikation gar nicht zu denken ist. Das Blat schämt sich nicht, hinzuzufügen: „Bei der jetzt herrschenden politi- und gar unangebracht, Sonderbestrebungen zu sehen und wirtschaftlichen Krise ist es ganz dienen.“ Also, eine Vereinigung und Stärkung des arg zerklüfteten und vom Parteihader zerfleischten Judentums in Ungarn ist unschicklich. Hingegen ist es für das ungarische Vaterland in hohem Maße förderlich, wenn sich' die Juden in den Haaren liegen, wenn sie sich in unwürdiger Weise jahrein, jahraus befehden. Und es .Jreißt selbstverständlich keinen Sonderbestrebungen dienen, wenn man eine magyarische 1TO propagiert. Allein, sowohl die Zerklüftung der ungarischen Judenheit, wie der Itoschwindel sind ein gutes Geschäft, daß selbst „bei der herrschenden politischen und wirtschaftlichen Krise“ immer noch ganz einträglich ist. Wir haben in diese dunkle Affäre längst hineingeleuchtet und die Geschehnisse geben uns recht: die Vereinigungsbestrebungen sind und bleiben eine Farce, insolange nicht eine gemeinsame Plattform gefunden wird. Und diese gemeinsame Plattform kann nur die nationale Idee Juden noch unreif sind. Die vom Nationalen darstellen, eine Idee, für die die ungarischen losgelöste religiöse Idee vermag die zersplitterten Teile der ungarischen Judenheit nicht zusammenschmieden. Es fehlt ihr an innerer Kraft. Es muß die nationale Idee kommen, um das Werk der Vereinigung zur Tat werden zu lassen. * Zum Tode Stanislaw Mendelsohns. Vor wenigen Tagen ist der bekannte polnische Schriftsteller Stanislaw Mendelsohn in Warschau gestorben. Der Verblichene, der aus einer alten, angesehenen jüdischen Familie stammte, nahm bereits in seiner Jugend lebhaften Anteil an der polnischen Politik und wird bis auf den heutigen Tag als der eigentliche Schöpfer und Begründer der polnischen sozialistischen Partei angesehen. Nach längerer Kerkerhaft in Rußland, entfloh er ins Ausland, wo er in Preußen, Galizien und England als Gelehrter und Schriftsteller lebte. Dann kehrte er nach Warschau zurück, wo er den Kampf gegen die jüdische Rechtlosigkeit in der von ihm redigierten polnischen Tageszeitung „Przeglqd codzienny“ mit großer Schärfe geführt hat. Der Verstorbene war mit der bekannten hebräischen Schriftstellerin Dr. Marie Mendelsohn-Sokolow, Tochter unseres Gg. Nahum Sokolow vermählt. — Der Beerdigung wohnten große jüdische Massen bei und es ist allgemein aufgefallen, daß die polnische Bevölkerung, für die Stanislaw Mendelsohn sein ganzes Leben lang gekämpft und gelitten hat, es nicht für nötig gefunden hat, dem Verstorbenen nach seinem Tode auch nur den geringsten Beweis von Dankbarkeit zu bezeugen. So ereilte denn auch Mendelsohn das Schicksal aller Assimilationsjuden. Sein Lebtag opferte er sich für Fremde und starb verlassen von denjenigen, denen er seine besten Kräfte gewidmet. Antisemitisches aus dem freien Amerika. Die antisemitische Hetze im Lande der „goldenen Freiheit“ nimmt erschreckend überhand. Sie ist so arg geworden, daß sich bereits die Regierung zum Einschreiten genötigt sieht. Ein besonders krasser Unfug macht sich in gewissen Hotels, Restaurants etc. breit. Durch antisemitische Plakate beschimpfenden Inhalts werden jüdische Bürger von dem Betreten abgehalten. Wie die „New Yorker Revue“ meldet, hat nunmehr der Generalanwalt der Vereinigten Staaten, Carmody, folgenden Erlaß herausgegeben : „Gleiche .Behandlung für alle. Die letzte Legislatur hat zu dem Gesetze über die bürgerlichen Rechte einen Zusatz beschlossen, der am 1. September in Kraft tritt. Er bestimmt, daß alle Personen in der Jurisdiction des Staates in allen öffentlichen Vergnügungsplätzen oder an Orten öffentlicher Verpflegung die volle und gleiche Behandlung sowie alle Vorteile und Vorrechte genießen sollen. Niemand, der solche Plätze besitzt oder gemietet hat oder in irgend einer Eigenschaft leitet, darf jemandem auf Grund von Rasse, Glaube oder Farbe den Zutritt zu den Plätzen direkt oder indirekt verweigern oder ihn in irgend einem, allen andern zustehenden Genüsse oder Rechte verkümmern. Er darf auch nicht durch irgendwelche Ankündigung bekannt machen, daß an jenen Plätzen Angehörige irgend einer Rasse oder Religion nicht geduldet oder nicht willkommen seien. Eine derartige Ankündigung, mag sie nun geschehen sein in welcher Weise sie will, kann vor Gericht in einem Zivil- oder Kriminalprozeß als Beweis dafür vorgebracht werden, daß der Eigentümer, Mieter oder Leiter des Platzes die Absicht gehabt hat, das Gesetz zu verletzen. Die öffentlichen Plätze, die dieses Gesetz meint, sind: Wirschaften irgendwelcher Art, Hotels, mögen sie nun für durchreisende Gäste berechnet sein oder für solche, die Gesundheit, Erholung oder Ruhe suchen, Restaurants, Speisehäuser, öffentliche Beförderungsmittel zu Wasser oder zu Lande, Bade-Anstalten, Barbierläden, Theater und Musikhallen. Für jeden Fall der Verletzung dieses Gesetzes soll der Schuldige nicht weniger als 100 Dollar und nicht mehr als 500 Dollar zahlen.“ Peter Rosegger. Der größte lebende deutsch-österreichische Dichter, Peter Rosegger, beging vor einigen Tagen die Feier seines siebzigsten Geburtsltages. Rosegger ist weit über die Grenzen seines Vaterlandes und seines Volkes als einer der feinsinnigsten Poeten und als einer der menschlichsten und edelsten Künstler bekannt. Seine Popularität und seinen weitreichenden Einfluß verdankt er nicht zuletzt seiner treuen nationalen Gesinnung, die ihn zum tätigen Vorkämpfer der deutschen Kulturund1 Bildungsbestrebungen werden ließ. Dabei ist jedoch Rosegger vom nationalen Chauvinismus weit entfernt. Allerdings ergab sich vor einigen Jahren anläßlich der Zwei- Millionenspende für den deutschen Schulverein zwischen ihm und den nationalen Juden, welche ihre Stammesgenossen davor warnten, für den leider nicht im Geiste Roseggers, sondern im Geiste K. H. Wolfs geleiteten Schulverein zu spenden, ein Gegensatz, der jedoch in unserer Beurteilung des großen Dichters ruhig vernachlässigt werden kann. Was uns namentlich interessiert, ist Roseggers Stellung zum Judentum und zum Zionismus. Es sei gestattet, folgende Aeußerungen Roseggers über Juden und Judentum und im Anschluß daran Aeußerungen über den Zionismus wiederzugeben. Im Jahre 1893 schrieb Rosegger an den Verein zur Abwehr des Antisemitismus folgendermaßen : „Im übrigen aber verbieten es mir Geschichte, Philosophie und Christentum, zwischen Menschen und Menschen einen Unterschied grundsätzlich zu machen, und glühend hasse ich die heute besonders in großen Städten so gewissenlos und abscheulich betriebene Judenhetze.“ An den Hamburger Kritiker Dr. Arnold Weiße, der in einer Besprechung von Roseggers Drama „Am Tage des Gerichts“ eine Seitenbemerkung über die Novelle „Die Christvesper“ gemacht hatte, schrieb der Dichter (Dezember 1890): „Das macht mir das Herz warm, wie Sie über meinen dramatischen Versuch geschrieben! Aber erschrocken bin ich darüber, wie Sie meine „Christvesper“ mißverstanden haben. Ich behandelte in derselben eine steirische Sage (vom Städtchen Judenburg) und wollte die Bestialität der Judenverfolgung zeigen. Bin dieser Novelle wegen auch von den Antisemiten angefeindet worden . . . Das wäre auch ein schlechter Dichter, der Vorurteile gegen einzelne Völker und Stämme schürte. Ich mache zwischen Menschen und Menschen keinen Unterschied als den, ob sie gut oder schlecht sind! Täglich bete ich zu Gott, daß es mir gelinge, der Menschenliebe und Gerechtigkeit ein würdiger Apostel zu sein.“ Wie aus diesen Aeußerungen ersichtlich’, lehnte Rosegger den Antisemitismus anfangs der neunziger Jahre aus religiösen und allgemein menschlichen Motiven ab, wobei er sich immer auf ein Prinzip berief, ohne jedoch etwas über seine persönlichste Stellungnahme gegenüber den Juden verlauten zu lassen. Das sind Nachklänge aus der Aera des Liberalismus, der sich aus Prinzip gegen jede Unterdrückung und Anfeindung aussprechen mußte. Achtung vor den Juden gewann Rosegger erst, als er den Zionismus kennen lernte. Da schrieb er anläßlich einer Enquete über den Zionismus: „Wer sich einen Deutschen nennt, Und die Heimatsehnsucht kennt, Und der Völker Freiheit preist, Ja, der muß doch fördern, segnen Euren Zionistengeist.“ In einem Interview*), das allerdings noch Ende der neunziger Jahre stattfand, sagte Rosegger folgendes: „Der Zionismus ist mir gut bekannt. Als Dr. Theodor Herzls ,Judenstaat' erschien, schrieb ich darüber im ,Heimgarten', daß ich mich freue, im einzigen, kosmopolitischen Volke ebenfalls nationale Re- *) „Peter Rosegger, Interview von Emil Kronberger“ in der Sammlung „Zionisten und Christen“ von Emil Kronberger, Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig. Zu beziehen durch die „Jüdische Zeitung“. _____- Photograf E. Preiss, II., Karmeliterplatz 1 im Hause des Kongressbüros. 6 Visit K 4.—, 6 Kabinet K 8.—, Postkarten 12 Stück 3 Kronen. 10 Perzent fallen der zionistischen Organisation zu. IZ3Zm