Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 32 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Ist es nicht der Gedanke Herzls, den Kongreß zu so einem Kraftzentrum zu machen, bei dem alles zusammengefaßt wird, was an Lebensfähigem im Judentum vorhanden ist! Wenn Beilis unschuldig im Kerker sitzt, dann mag Dr. Marmorek die grandiose Schau der Kraft und Gesundheit unserer Jugend meiden, welche das hauptsächlichste „Fest“ anläßlich des Kongresses ist Wir andern aber wollen uns daran erfreuen, daß da eine jüdische Generation heranwächst, die Mut und Kraft hat, gegen eine Welt von Feinden zu bestehen. Und welch böswillige Entstellung ist es, wenn Dr. Marmorek von „Fest auf Fest“ in einer Weise spricht, als ob in Wien eine Tanzunterhaltung die andere jagte, ein frivoler Brettelabend den anderen. Vorgesehen sind: Uebungen der jüdischen Turner der ganzen Welt und ernste hebräischliterarische Darbietungen, “darunter eine Aufführung von Herzls „Das neue Ghetto“ und ein Konvent der jüdischen Studentenschaft. Eine Revue der jüdischen Renaissance. Aber Dr. Marmorek erzählt von frivolem Schabernack, gegen den er in heiliger Entrüstung protestiert Ein ebenso guter Kritiker ist Dr. Marmorek, wenn er sagt, der Nationalfonds hätte thesauriert werden sollen. Er scheint wirklich zu glauben, daß das Volk ruhig weiter Mittel gegeben hätte, wenn der Nationalfonds einfach aufgespeichert worden wäre! Weiß er denn nicht, daß die wirklich großen Eingänge erst von dem Moment an flössen, als der Fonds seine Tätigkeit in Palästina auf nahm? (Davon ganz zu sdnveigen, daß ja viele Zweige des Nationalfonds, die einen großen Teil der Einnahmen repräsentieren, direkte Palästinaunternehmungen sind, wie Oelbäume, Jemenitenhäuser etc) Vom 1. August 1903 bis 1. Juli 1905^, in fast zwei Jahren der ersten Begeisterung, ist das Vermögen des Nationälfonds im ganzen um 467.000 Mk. gewachsen, in den weiteren zweieinhalb Jahren bis 31. Dezember 1907 sogar nur mehr um zirka 345.000 Mk., indes, nachdem 1908 die Palästinaarbeit aufgenommen wurde, die Einnahmen derart in die Höhe schnellten, daß sie schon 1909 427.750 Mk. betrugen und 1912 fast 600.000 Mk.! Wäre die Palästinaarbeit nicht aufgenommen wrorden, so könnten, nach der oben angeführten Degression heute nicht einmal die Spesen der Sammlung hereingebracht, geschweige denn Geld aufgespeichert werden! Wieso die heutige Leitung aber verantwortlich dafür gemacht werden soll, daß das Prinzip der Thesaurierung des Jüdischen Nationalfonds verlassen wurde, ist uns gänzlich unverständlich. Dies geschah mit einstimmigem Beschluß des Großen Aktions-Comites anfangs 1908, als die Leitung noch in den Händen der politischen Freunde von Nordau und Marmorek, nämlich der Gg. Wolffsohn und Kann lag. Die Ankläger scheinen auch vollkommen zu vergessen, daß unsere Organisation eine demokratische ist und dader die Beschlüsse der Kongresse sowie des Aktions-Comites für sie richtunggebend sind. Mögen uns doch Nordau und Marmorek nachweisen, wann seit 1908 jemals ein Kongreß die Palästinaarbeit des Nationalfonds mißbilligt hätte? Wenn die Herren mit ihrer Ansicht niemals durchdringen konnten, so mögen sie, von ihrem Standpunkte aus, dies immerhin als ein Unglück betrachten, in der Bewegung und für die Leitung wird immer der Wille der Majcr i t ä t maßgebend sein. Eine .sachliche Polemik gegen den sogenannten „politischen“ Standpunkt von Nordau und Marmorek erübrigt sich, nachdem die Kämpfe darum 6 Jahre getobt haben und durch den zehnten Kongreß zum Abschluß gebracht wurden. Wir beschäftigen uns daher hier nur mit den Angriffen, die beide gegen die Leitung richteten, um sie auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen. Nordau sagte allerdings bei jeder vorgebrachten Anklage „ich will die Leitung nicht verantwortlich machen“, aber dies klingt verzweifelt ähnlich, wie im berühmten Muster der Forumrede Marc Antons das: „Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann“. Er weist darauf hin, daß Dr. Jacobsohn die Abschaffung des „roten Zettels“ flicht erreicht hat, ebenso die Aenderung der türkischen Agrar-Gesetzgebung nicht bewirken konnte. Also habe die politische Arbeit der Leitung ein Fiasco aufzuweisen! Es ist (merkwürdig, (wie!sich Nordau die zionistischen Erfolge in Konstantinopel vorstellt. Er glaubt, diese hingen einzig und allein von der politischen Befähigung des zionistischen Vertreters ab. Ja, wenn dem so ist, warum hat denn Herzl gelbst, den auch Nordau wie wir als unser größtes politisches Genie ansehen, in Konstantinopel nichts erreicht? Tatsächlich sind wir heute in einem viel freundschaftlicheren Kontakt mit dem türkischen Reiche, dessen Wohl mit dem des Zionismus aufs engste verknüpft ist, als je zuvor, als selbst zur Zeit Herzls. Der Vorwurf Nordaus ist daher völlig ungerecht. Er bemängelt ferner, daß bei den Versuchen in Palästina — die, es sei nochmals konstatiert, nur nach Beschlüssen von Kongressen und Aktionskomitees ausgeführt werden — Verluste zu verzeichnen sind, die vom Aktionskomitee verheimlicht werden. Möchte Nordau nicht deutlicher werden und sagen, w a s eigentlich verheimlicht wird? Daß die P. L. D. C. seinerzeit bei Kinereth Verluste erlitt, gegen die aber die von ihr nicht in Anschlag gebrachte Wertsteigerung des Bodens steht, war nicht nur ihrer Bilanz, sondern auch in ihrem Bericht zu lesen. Daß der Bezalel am Mangel von Betriebskapital leidet, ist in unzähligen Kundmachungen der Leitung bekanntgemacht worden und deshalb sammelt sie jetzt für den Betriebsfonds. Daß die Siedlungsgenossenschaft im ersten Jahre einen Gewinn abwerfen werde, hat niemand in der Organisation envartet usf. Auch dieser Vorwurf ist daher vollkommen hinfällig. Die Quintessenz der Nordauschen Rede ist die, daß unser Ansiedlungszweck für die sechs Millionen jüdische Proletarier nichts bedeute, wohl aber zur Propaganda gut sei. „Dazu genügt das Vorhandene, vermehren wrir es nicht, da unsere Mittel nicht zureichen.“ Also das ist der Weisheit letzter Schluß! Die Palästinaarbeit unterbrechen, gehen lassen und . . . Ja was? „Arbeiten wir für das ganze Volk! Laßt uns treu bleiben der Idee Herzls, eine Idee kann nicht Schiffbruch leiden.“ Wir glauben, Herr Dr. Nordau, jede Idee leidet Schiffbruch, wenn sie sich nicht in Tat umsetzt und keine „Arbeit für das ganze Volk“ ist von solcher zentralen Bedeutung und Wichtigkeit wie die zionistische Palästinaarbeit! Dr. Nordau bleibt dem Wiener Kongreß fern, weil er für seine Ansichten keine Majorität finden kann. Und doch wäre es seine Pflicht, gerade am Kongreß seine mahnende Stimme zu erheben und dort zu sagen, was er in Paris gesagt hat: „Die Leitung projektiert gefährliche Dinge“ — (Welche? fragen wir; etwa die Universität in Jerusalem, die Jemenitensiedlungen, die Agrarbank) — „sie bewegt sich auf einer schiefen Ebene, indem sie immer neue Unternehmungen beginnt, ohne die Mittel zu deren Durchführung zu haben.“ „Sie nennt sich praktisch, hat aber dem Vorgefundenen nichts zugefügt“ etc. Es ist ein trauriges Schauspiel, wenn man sieht, wie sich Nordau und Marmorek in fixe Ideen verrennen. Aus all ihren Reden geht nicht klar hervor, was sie eigentlich wollen. Und das wenige Positive, das sie Vorschlägen, z. B. die zionistische Organisation solle keine Palästinaarbeit mehr leisten, ist so widersinnig, daß man vergebens begreift, wie solche Männer derartiges im Ernste vortragen können. Die zionistische Organisation ist an Talenten nicht reich. Sehr schmerzlich muß es sie daher berühren, wenn sie solche, die ihr angehören, einen total verfehlten, ungangbaren Weg einschlagen sieht. Aber auch dieser Schmerz wird überwunden werden. In einer politischen Organisation ist kein Raum für Sentimentalität, zu der so viele, namentlich die russischen Zionisten neigen. Wenn Max Nordau und Dr. Marmorek unsere Leitung, unsere Arbeit, unsere Auffassungen mit völlig unhaltbaren Argumenten befehden, wenn sie dies fortwährend in einer geradezu aufreizenden Form tun, dabei selbst nichts Positives entgegensetzen können, es sei denn zu Tode gerittene, nichtssagende Formeln, wie den „echten politischen Zionismus“, das „wahre Erbe Herzls“ usw. Wenn sie sich zu Vorschlägen versteigen, die — wie das Verlangen nach Abbruch der Palästinaarbeit und Thesaurierung des Nationalfonds — dann dürfen sich diese Männer nicht wundern, wenn sie in der zionistischen Oeffentlichkeit Ansehen und Autorität verlieren und ihre Kritik als übelwollend und schädlich empfunden wird. Rundschau. Der Sportklub „Hakoah“. Vor zwei Wochen veröffentlichten wir den Bericht der diesjährigen Generalversammlung des Sportklubs „Hakoah“. Aus dem Berichte konnte man ersehen, was für gute sportliche Leistungen aufzuweisen und welch nützliche nationale Tätigkeit der Sportklub entfaltet hat. Es gibt verschiedene Arten seinem Volke zu dienen. Die vom Sportklub „Hakoah“ geleisteten Dienste sind unschätzbar, weil den Juden vielleicht am dringendsten körperliche Kräftigung nottut. Leicht hat es „die Hakoah“, wie sie in allen Sportkreisen ehrenvoll genannt wird, nicht gehabt. Als Sportklub jung, als jüdischer Klub mehr oder minder angefeindet, mußte „die Hakoah“ alle Kräfte anspannen, um sich durchzusetzen. Galt es doch zu beweisen, daß der jüdische Wille und der Ernst der Jungjuden allen Schwierigkeiten gewachsen sind. Und der Beweis wurde glänzend erbracht. Der Sportklub „Hakoah“ ist der Stolz der jüdisch-nationalen Gemeinde. Die hervorragenden Leistungen der „Hakoah“ sind in zäher, opferbereiter Arbeit erewährfestiliMluliil PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: HENRI NESTLE,WIEN,I.BIBERSTRflSSE' m IS: 1 fj NIEDERLÄNDISCHE LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLSCHAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais.—UersiAertes Kapital zirka 380 Millionen. — Prämienreserue zirka113 Millionen. — Billigste Prämien uni) kulanteste Bedingungen. Engagiert jederzeit tüditige, leistungsfähige Agenten gegen hohe Bezöge. Auskünfte erteilt Oie 6eneralagentsdiaft Uien, 1., Hspernplatz 1 (Beiter: DauIO Nebenzahl). EQr Ostgalizien u. Bukowina: Suböirektion Gobi Taubes, Gemberg. ad