Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 32 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2438141-2438432-2438464--3723-2443513- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
K$8£ nrtjdnrl -jüdischer asm 353g JÜDISCHE ZEITUNG ■ Erscheint wöchentlich. — _ Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zuröckgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Alk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ™ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. ■ Nr. 32, Wien, Freitag, den 8. August 1913 VII. Jahrgang Uahlen zum XI. Zionistenhongpeh. Bekanntmachung! des Innerösterreiduschen Distriktskomitees betreffend die Wahlen zum XI. Kongreß. Kongreßwahlen in den Wahlkreisen: I. Erster Zionistischer Frauenverein, Moria, Bar Kochba, Jordania. II. Neure Jehuda, Exportakademiker, Makkabäa, Esperanza. III. Ivria, Unitas, Zephira, Kadimah, Bar Giora, Hatchija. IV. Theodor Herzl, Wr. Zionistische Vereinigung, Herzl-Klub, Theologia. Die Vornahme der Wahl geschieht im Wege der einzelnen Vereine. Montag, den 11. August, um 8 Uhr abends, findet im Kongreßbüro, Wien, II., Karmeliterplatz 1, eine Zusammenkunft statt, bei welcher sich auch die Kandidaten für diese Wahlkreise vorstellen können. Gleichzeitig erfolgt bei dieser Gelegenheit die Uebergabe der Stimmzettel an die Obmänner der einzelnen Vereine, beziehungsweise an deren legitimierte Bevollmächtigte. Jeder Wähler der Wahlkreise I bis IV füllt den Stimmzettel mit dem Namen eines Delegierten und eines Ersatzmannes aus. Die so ausgefüllten Stimmzettel müssen spätestens bis; Freitag, den 11. August, um 11 Uhr vormittags, im Zionistischen Zentralbüro1, Wien, II., Karmeliterplatz 1, eingelangt sein, da zu dieser Stunde das öffentliche Skrutinium beginnt. Später einlangende Stimmzettel können nicht mehr berücksichtigt werden. Die Maßnahmen bezüglich der Wahlen in den restlichen Wahlkreisen werden zeitgerecht bekanntgegeben werden. Der Obmann: Dr. Leopold Meisel. Der fiepp Pinltus. In Deutschland geht’s wieder einmal hoch her und in der antisemitischen Bewegung ist Hochsaison zu verzeichnen. Die Vereinslokale und Bierkneipen erdröhnen vom Wutgeschrei gegen die frechen, vaterlandslosen Juden, die alltäglich die deutschen Ideale beschmutzen und begeifern. Insbesondere aber zetert man gegen die zynischen Judenblätter, welche die Volksseele vergiften. Man ist auch bereits zur Tat übergegangen und hat über das „Berliner Tagblatt“ strengen Boykott verhängt. Kein Lokal, in welchem eines dieser für die deutsche Nation so gefährlichen Papiere aufliegt, wird mehr von einem braven Patrioten betreten. Und nachdem die wildesten und tatkräftigsten Patrioten gewöhnlich auch den wildesten und tatkräftigsten Durst haben, so beeilten sich die Wirte, ihrem Willen nachzukommen. Die liberalen Blätter haben demgemäß einen enormen Ausfall an Inserenten und Abonnenten zu verzeichnen und ihr Jammer ist groß. Deutschtum weg und Geld weg! Das ist wirklich zu viel! Wer hat das judenfeindliche Gezeter entfesselt und wie heißt das Verbrechen, dessen sich die frechen und vaterlandslosen Juden schuldig gemacht haben? Das Verbrechen heißt: P i n k u s. Die Geschichte kam so. Besagter Herr Pinkus ist Redakteur des „Berliner Tagblatt“ und ihm ward die ehrenvolle Aufgabe zuteil, die Berichte über das große Turnfest in Leipzig zu schreiben. Genannte Zeitung tut immer sehr deutschnational, ergo hat auch Pinkus die kontraktliche Verpflichtung, germanisch zu fühlen und zu schreiben — er tut es auch'. Nur bei dem Bericht über das Turnfest passierte ihm ein kleines Malheur. Wie die meisten deutschtuenden und entjudeten israelitischen Schreibjünglinge, welche ihren Geist bei Jours und in Kabaretts von Berlin, Wien und Budapest gebildet haben, verfügt er über eine große Portion naseweiser Frechheit und die Sucht, auf anderer Leute Kosten geistreich zu sein. Beim Abfassen der Turnfestberichte siegte nun das erzogene Literaturjüngel Jiber den bezahlten Germanen und er machte sich über' gewisse provinzielle Eigenheiten der deutschen Turner lustig. Und da kam’s zum Krach. Pinkus wurde vorerst in einer Leipziger Badeanstalt gehörig verprügelt, was wir ruhig und gefaßt zur Kenntnis nehmen können. Hierauf wurde das „B. T.“ boykottiert und um einige Hundert Abonnenten und Inserenten ärmer, welchen Schicksalsschlag das Judentum auch noch überdauern wird. Sodann aber wurde eine turnerische Hetze gegen alle Juden eröffnet. Das allerdings ist zum Haarausraufen! Für die guten oder schlechten Witze des Herrn Pinkus und seiner Zeitung werden alle Juden verantwortlich gemacht. Dabei haben Pinkus und das „B. T.“ niemals jüdische Interessen vertreten, im Gegenteil, sie haben gegen das Judentum gearbeitet, Assimilation propagiert, alle Bestrebungen, das Judentum zu erhalten und zu kräftigen, vom deutschen Standpunkte aus bekämpft. Tut nichts, die Juden müssen für sie büßen. Und solche Pinkusse laufen tausendweis herum; Leute, mit denen wir schon gar nichts mehr gemein haben, für deren Tun und Lassen wir aber immer verantwortlich gemacht werden. Solche Pinkussiaden können sich tagtäglich ereignen. Wir können sie nicht verhüten. Und diejenigen, die uns daran hindern, diese Unsicherheit zu beseitigen, sind wiederum die Pinkusse. Wir wollen die Juden organisieren, eine wirkliche jüdische Repräsentanz schaffen. Dann dürfte sich der blindwütigste Antisemit auch nicht vermessen, irgend ein israelitisches Subjekt herauszugreifen und es als unseren Repräsentanten, als unseren Sprecher hinzustellen. Aber die Pinkusse wollen nicht, daß eine jüdische Organisation und Repräsentanz zustande kommt. Nach ihrer Ansicht dürfen die Juden sich nicht als Juden sammeln, sie müssen sich zerstreuen. Sie dürfen nicht jüdisch und aufrecht, sie müssen deutsch und vogelfrei sein und den anderen nachlaufen. Zu Leipzig in der Badeanstalt ist Pinkus, der Germane, gedroschen worden. Wie aber die Pinkusse schon geartet sind, hat er gewiß seine schwarz-rot-goldene Schwimmhose geschwungen und „Heil Deutschland“ geschrieen. Braun, blau und grün geprügelt singt er: „Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?“ Uebrigens wird der Fall Pinkus auch dadurch interessant, daß er sich gerade in diesen Tagen abgespielt hat. Bekanntlich arbeiten momentan die deutschen Staatsbürger mosaischen Glaubens, also auch Pinkus und die anderen Helden vom „B. T.“, mit Hochdruck gegen den Zionismus. Sie beschuldigen die Zionisten, daß sie durch ihre Bestrebungen und taktlose Agitation den „schlummernden“ Antisemitismus des deutschen Volkes reizen und stärken. Na, gereizt und gestärkt hat der Fall Pinkus, aber zu einem zionistischen Fall werden ihn die Herren Antizionisten schwerlich stempeln könneni .Sie werden auch beim besten Willen nicht nachweisen können, daß jemals das Auftreten eines taktlosen Zionisten so gewirkt hat, wie das des taktvollen und deutschnationalen Herrn Pinkus. UnfFuditbaFe Kritik. Wer geglaubt hat, die jahrelangen Gefechte zwischen den sogenannten „politischen“ und den „praktischen“ Zionisten seien mit dem Ergebnis des X. Kongresses beendigt worden, wird eines besseren belehrt, wenn er den Bericht über eine in Paris abgehaltene Herzlfeier liest die von Max Nordau und Dr. Marmorek zum Anlaß genommen wurde, um im Namen der „politischen Idee Herzls“ gegen die heutige Leitung heftigste Angriffe zu richten. So peinlich es ist, gerade gegen zwei der ältesten Zionisten polemisieren zu müssen, erfordert es doch das Interesse einer ungestörten Entwicklung unserer Bewegung, auch ihnen gegenüber keine sentimentale Schwäche zu zeigen, sondern die mit der ganzen Wucht ihrer Namen in die Wagschale geworfenen Argumente als völlig haltlos zu widerlegen. Vor aller sachlichen Kritik müssen wir aber die Art und Weise, wie gegen die heutige Leitung Stimmung gemacht wird, an einem besonders krassen Beispiel erweisen. Herr Doktor Marmorek „protestiert energisch“ dagegen, daß im Momente, „wo in Kiew mit Beilis das ganze jüdische Volk des Ritualmordes geziehen wird,“ am Wiener Kongreß „Fest auf Fest“ gefeiert werden wird. Wir können bei der größten Zurückhaltung, der wir uns befleißen wollen, als mildestes Wort, das uns zu Gebote steht, nur sagen, daß eine solche Art von Demagogie bis- Photograph Nachim Chefez II., Taborstraße 41. Erstklassiges Atelier bflnsilerisAer RiAiung. Langjähriger Lieferant der Kultusgemeinde, empfiehlt sich den Kongreßmitgliedern für sämtliche in das Fach einschlagende Arbeiten auf das Beste. Das Atelier befindet sich im Parterre. Telephon 225.91