Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ttr. 31 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 «Tf Ungarische Regierungsantisemiten. Ein Fall, der an russische und rumänische Zustände erinnert, wird einem ungarischen Tagblatte aus Bank füred gemeldet. In diesem! Badeort, der unter der Verwaltung des Ackerbau ministeriums steht, hat der Badeinspektor Graf Paul Haller den strengsten Befehl erteilt, keinem Juden ein Zimmer zu vermieten. Der Graf stützt sich auf einen Vertrag, den er mit dem dortigen Gastwirte, einem Nichtjuden geschlossen. Wer nicht bei diesem Restaurateur speist, dem ist der Aufenthalt in dem Badeorte verboten. — Die ungarische Regierung verbietet also ihren jüdischen Untertanen, welche die Speisegesetze einhalten und sich selbst verköstigen wollen, den Aufenthalt in einein Badeorte, welcher Staatseigentum ist. Man sieht, wie es um die vielgcrühmte Toleranz der magyarischen Staatslenker bestellt ist. Die Vorbereitungen zum XI. Zionistenkongreß in Galizien. Die Vorbereitungen zum XI. Zionislenkongrell sind in vollem Zuge. Es steht bereits fest, daß die Scheketzahl in Galizien in diesem Jahre um mehr als 50 Prozent wachsen wird. Die galizische Organisation dürfte auf dem Kongresse durch etwa 50 Mitglieder vertreten sein. Bis nun wurden in 25 Bezirken die Wahlen durchgeführt. Die restlichen Wahlen finden am 3. August statt. Der jüdische Gesangverein Czernowitz. Der .Jüdische Gesangverein“ in Czernowitz wird anfangs September eine Sängerfahrt nach Wien unternehmen, um in der Reihe der Kongrellveranstaltungen eine Konzert-Matinee zu absolvieren. Dieselbe ist für den 5. September 1. J. um 11 Uhr vormittags im Beethovensaale angesetzt. An dieser Sängerfahrt beteiligen sieh f>0 der besten Sänger des Vereins. Der Gesangverein trifft für diese Fahrt die umfassendsten Vorbereitungen und wird bei diesem Konzerte Gelegenheit haben, den anläßlich des Kongresses aus allen Ländern zusammenströmenden Brüdern jüdische Musik und insbesondere das jüdische Volkslied in künstlerischer Weise vorzuführen. Anschließend an das Konzert in Wien wird der Gesangverein eine Tournee in Galizien absolvieren. * Ein zionistischer Kulturfonds. Nach dem Muster des Jüdischen Nationalfonds, der bekanntlich von der zionistischen Organisation zur Förderung des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina geschaffen wurde und bereits die Höhe von etwa vier Millionen mit seinem frevlen Glückshochmut führt wieder in die Regionen der „Göttersühne“, gefallener Engel, die mit den Menschentöchtern, vor allemt aus dem Kainszweige der Menschheit, sich vermischten. Die Pflanzung des Weines betrifft die bekannte Legende von dem Satan, der unter dem Weinstock ein Lamm, einen Löwen, einen Affen und ein Schwein schlachtet, die Wirkungen des Rausches damit bezeichnend. Uebrigens sind die bösen Urwesen nicht bloß männlichen Geschlechts, auch Lilith „Adams erste Frau“, die den Säuglingen Verderben bringt, Machlath und Naoma, welch letztere eigentlich ihrer Abkunft nach eigentlich ganz meschlich legitimiert ist, gehören dazu. Die Legende hält sich nicht immer an die dogmatische Auffassung der einzelnen Gestalten. Selbst der fromme Noach muß es sich gefallen lassen, gelegentlich herzlos gescholten zu werden, weil er nicht wie die Söhne späterer Zeiten (z. B. Abraham) für sein Geschlecht Gnade erfleht hat. Der Quellenschatz dieser agadischen Stoffe erscheint reichlich genützt. Zumeist sind die Stoffe unverarbeitet wiedergegeben, in getrennten Versionen, wie sie sich an "verschiedenen Quellen finden. Dadurch wird der Charakter des Fliessenden und immer Wirkenden aufrecht erhalten. Wir sehen den Volksgeist am Werke, wie er aus uralten Ueberlieferungen und dogmatisch unbeengten Deutungen, aus tieferen Geistesquellen und aus der Volkseinfalt heraus, aus den Urgestalten der Bibel und einer ganz eigenen Zauberwelt das Seine webt. E. M. Mark erreicht hat, ist vor kurzem ein jüdischer Kulturfonds ins Leben gerufen worden, der sich die großzügige Förderung hebräischer Schulanstahen und Kulturinstitute in Palästina zur Aufgabe macht. Den Grundstock des neuen Kulturfonds bildet eine Stiftung des Warschauer Bankiers M. Feldstein im Betrage von -10.000 Mark. Der Fonds, der den hehräischen Namen „Kedern“ („Morgenland“( erhalten hat, ist dieser Tage in das Londoner Gesellschaftsregister eingetragen worden. Dem Direktorium gehören u. a. die Herren M. Feldstein-Warschau, Rechtsanwalt Dr. Arthur Hautke-Berlin, Schriftsteller N. Sokolow-Berlin und Universitätsprofessor A. Weizmann-Manchester an. Die erste Generalversammlung der Gesellschaft wird Anfang September d. J. im Anschluß an den XL Zionistenkongreß in Wien stattfinden. * Judenfeindliche Boykotthetze in Galizien. Krak a u. Die Antisemiten in Galizien setzen alle Hebel in Bewegung, um in diesem österreichischen Kronlande einen allgemeinen wirtschaftlichen Boykott gegen die jüdische Bevölkerung nach russisch-polnischem Muster zu organisieren. Ein Teil des niederen katholischen Klerus unterstützt die galizischen Judenfeinde in diesen edlen Bemühungen und hetzt die Landbevölkerung andauernd gegen die Juden auf. Dieser Tage erschien eine polnische Broschüra in der die Boykottpropaganda unverhüllt betrieben wird. Es wird darin u. a. ausgeführt, die Teilung Polens sei von vier Mächten vollzogen worden: von Rußland, Preußen, Oesterreich und — dem Judentum. Die Juden werden als die historischen Erbfeinde des polnischen Volkstums bezeichnet und das polnische Volkstum wird aufgefordert, sich dieser inneren Feinde in der Weise zu entledigen, daß es alle geschäftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den Juden abbricht und diese dadurch zur Massenauswanderung zwingt. Dieses „Schutzmittel“ sei durchaus gerechtfertigt und legal. — Die Broschüre wurde in einer Massenauflage hergestellt und durch antisemitische Agitatoren im ganzen Lande verbreitet. Wien, II., Taborstr. 17 [Hirschenhaus] empfiehlt sich zur Einrichtung von Vereins- und Schulbibliotheken, sowie Lieferung von Büchern jeder Art. Antiquariat. Provinzversand. Die Niederlage der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. ParteisNadiNditen. 9. Schekelausvveis 5673 (Innerösterreich). A. Taussig 12.—; Zion. Frauenverein 54.20; Verein „Theodor Herzl“ 21.60; Dr. Kraus 10.80; Brandstätter 13.40; Geller 4.S0; J. Barber 2.40; Kessler 6.—; Feldstein 1.20; Rosmarin 6.—; Dr. Weiner 7.20; „Ivria“ (III. Rate) 24.—; „Ness Zionah“ IS.—; „Kadimah“ (1. Rate) 24.—;„Neure Jehuda“ 45.60; Wiener Zionistische Vereinigung 3.60; zus. 269.20; Kassmann 2.40; Diverse S.40; bisher ausgewiesen 1564.40; in Summa K 1833.60. * Diejenigen Gesinnugsgenossen, welche sich im Besitze von Schekelblocks befinden, werden aufgefordert, dieselben bis spätestens am 4. August im Büro des i.-ö. D.-K. abzuliefern, da) später abgeführte Schekelgelder nicht mehr für das Kongreßjahr 5673 zur Verrechnung gelangen, wodurch die betreffenden Schekelzahler ihres Wahlrechtes für den XL Kongreß verlustig gehen. Das i.-ö. D.-K. * Zionistische Veranstaltungen in Kurorten: 2. August: Palästinaabend in Vöslau; 14. August: Großes Gartenfest in Sauerbrunn. * Palästinaabend in Vöslau. Samstag, den 2. August 1913, halb 9 Uhr abends, findet im Vöslauer Kursalon ein Lichtbildervortrag über „Jüdische Volksarbcit in Palästina“ statt. Referent: Herr Kultusvorsteher Oberingenieur Robert Stricker aus Wien. Preise der Plätze im Vorverkauf: Reservierter Platz 1 Krone, Sitzplatz 70 Heller, Studentenkarte 50 Heller, an der Abendkassa 1 K. Karten sind zu haben: Bei sämtlichen Komiteemitgliedern, ferner in Vöslau beim Markör im Kursalon, an der Kassa beim oberen Bad und bei Benjamin Kohn, Hochstraße 5. ln Baden bei „Artenus“, Kaiser Franz Josefsring 51. Das Komitee zionistischer Kurgäste in Vöslau Die Landessammeistelle des Jüd. Naiionai- Lfondes, II., Karmeliterplatz 1, verschickt folgenden Aufruf : „Immer näher rückt der Tag, da das jüdische Volksparlament, der XI. Kongreß seine Beratungen aufnehmen wird. Zu Tausenden werden sich die Zionisten aller Länder in Wien einfinden, teils um werktätig als Delegierte an den Beschlüssen mitzuwirken, teils um mit gespannter Aufmerksamkeit den für unser Volk so wichtigen Beratungen beizuwohnen; sie alle aber, sie werden durch ihre Anwesenheit demonstrieren für unsere Bewegung, Zeugnis ablegen von deren Größe. Aber auch diejenigen, denen es nicht vergönnt ist, nach Wien zu kommen, sie werden nicht minder Interesse hegen für den Kongreß, sie werden vor allem ihn ehren wollen durch Begrüßungsschreiben und Telegramme. Diese Begrüßungen von nah und fern, sie sollen nicht nur unsere Delegierten in ihrer Arbeit bestärken und erfreuen, sie sollen, sicherlich im Sinne des Kongresses, auch unseren Volksschaiz, dem jüdischen Nationalfonds zugute kommen. Jeder Zionist begrüße den Kongreß unbedingt mit unseren NF-Telegrammen. Zu Tausenden werden sicherlich die Begrüßungen zählen und hiermit könnten unserer schönsten, populärsten Institution Tausende von Kronen zugeführt werden. Niemand stehe zurück! Ein Bild unserer Größe, aber auch unser steten Bereitwilligkeit für den Nationalfonds zu wirken, sei diese Begrüßung.“ The Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die sechzehnte, ordentliche Generalversammlung der Aktionäre des Jewish Colonial Trust (Juedische Colonialbank) Limited am Dienstag, den 9. September 1913, um 3 Uhr nachmittags, im Musikvereinssaal in Wien, L, Lothringerstraße 11, mit nachstehender Tagesordnung stattfindet: T agesordnung: 1. Entgegennahme des Berichtes des Direktoriums und der Bücherrevisoren und Rechnungsablegung für das Jahr 1912. 2. Wahl eines Direktors und der Bücherrevisoren. 3. Beschlußfassung über Verwendungdes Reingewinns pro 1912. 4. Durchführung der gewöhnlichen Tagesordnung und Eventualia. Statutengemäß bleiben die Zessionsbücher und 'das Mitgliederregister der. Gesellschaft vom 27. bis 9. September a. c. (beide Tage inklusive) geschlossen. In Gemäßheit der Statuten müssen Vollmachten wenigstens einen vollen Tag vor dem für die Abhaltung dieser Versammlung festgesetzten Termine somit vor dem 5. September a. c. im temporären Gesellschaftsbureau in Wien, I., Lothringerstraße 11 (Musikvereinssaal), niedergelegt werden. In Gemäßheit der Statuten und der vom Direktorium diesbezüglich getroffenen Bestimmungen müssen Besitzer von Inhaberaktien, welche an der Generalversammlung teilnehmen und ihr Stimmrecht ausüben wollen, ihre Aktienzertifikate vor dem 5. September a. c. im temporären Gesellschaftsbureau, Wien, L, Lothringerstraße 11, (Musikvereinssaal), deponieren, um dagegen die zum Einlaß und zur Abstimmung berechtigenden Depotscheine in Empfang zu nehmen. 1 London E. C., den 28. August 1913.