Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438432-2438462--3704-2443492- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 . .. . .... ,jODISCHE Z,EITÜNG „ Nr. 30 Palästinaabend in Vöslau. Samstag, den 2. August 1913, halb 9 Uhr abends, findet im Vöslauer Kursalon ein Lichtbildervortrag über „Jüdische Volksarbeit in Palästina“ statt. Referent: Herr Kultusvorsteher Oberingenieur : Robert Stricker aus Wien. - Preise der. Plätze im Vorverkauf: Reservierter Platz 1 Krone, Sitzplatz 70 Heller, Studentenkarte 50 Heller, an der Abendkassa 1 K. Karten sind zu haben: Bei sämtlichen Komiteemitgliedern, ferner in Vöslau beim Markör im Kursalon, an der Kassa beim oberen Bad und bei Benjamin Konn, Hochstraße 5. ln B a d e n bei „Artenus", Kaiser Franz Josefsring 51. Das Komitee zionistischer Zionistische Konzipienten Niens! Ein Provinzkonzipient, der seine Studien und auch seine Anfangspraxis in Wien absolviert hat, will mit Euch Aussprache halten und hauptsächlich unsere Stellung in der zionistischen Bewegung berücksichtigten. Die traurige materielle Lage der Wiener Konzipienten ist eine allgemein bekannte Tatsache. Die Ursache dieser Erscheinung liegt darin, daß sich die Mehrzahl der Konzipienten darauf versteift, unbedingt in Wien zu bleiben, wodurch die Konkurrenz erhöht und die finanzielle Lage des Standes gedrückt wird, während diejenigen Konzipienten, die in der Provinz tätig sind, infolge der besseren Bezahlung so ziemlich standesgemäß leben können, ganz abgesehen davon,- daß die juristische Schulung in der Provinz eine viel tiefere und umfassendere ist. Dies ist jedoch eine Frage, die jeder von uns mit sich auszutragen hat und kann die Besprechung derselben unterbleiben. Erörtern wir aber einmal die Frage, ob wir zionistischen Konzipienten, die wir ja meistens als Studenten eine gediegene zionistische Ausbildung erhalten haben, die” Hoffnungen, die unsere „Aelteren“ auf uns gesetzt haben und die Pflichten, die wir uns selbst auferlegt haben, erfüllen. Sehen wir uns doch unter den Kollegen, die mit uns studiert und auch zionistisch zusammengearbeitet haben, um. Wie wenige sind es, die das halten, was sie als Studenten unserer Partei begeistert gelobt haben! Die Uebrigen sind vergessen und verschollen. Es fällt mir nicht ein, zu behaupten, daß diese Gesinnungsgenossen, wenn sie ins Erwerbsleben getreten sind, unserer Bewegung untreu geworden sind. Schuld an der Untätigkeit dieser Kollegen ist weder die Erziehung, die ihnen in ihren Korporationen zuteil worden ist, noch Gesinnungssdnväche der Einzelnen, sondern vielmehr die unumstößliche Tatsache, daß sich uns in Wien,'wie überhaupt in jeder Großstadt, kein geeignetes Betätigungsfeld bietet. Einige Wenige leisten ja auch in Wien tüchtige Arbeit in unseren Vereinen, im Distriktskomite etc. und füllen ihren Platz auch voll und ganz aus. Was ist aber aus den Anderen geworden? Sie, die berufen wären, an der Spitze unserer Bewegung zu marschieren, sind für die Oeffentlichkeit unsichtbar und führen entweder ein zionistisch indifferentes Leben oder begnügen sich bestenfalls damit, sich wöchentlich einmal durch Lektüre unsrer Parteiblätter über die Ereignisse im Zionismus zu informieren. Ist dies das Resultat unserer zionistischen Erziehung, hat unsere Organisation nicht das Recht, aktive Betätigung von uns zu fordern? Die Bejahung dieser Frage sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Daran knüpft sich aber die weitere Frage, ob uns in Wien, Prag, Lemberg etc. überhaupt die Möglichkeit geboten ist, uns zionistisch so zu betätigen, wie es unser Pflichtbewußtsein uns vorschreibt. Meiner Ansicht nach muß dies entschieden verneint werden. Der ernste zionistische Akademiker empfindet, wenn er ins Erwerbsleben tritt, ein erhöhtes Verantwortlichkcits- und Selbstgefühl, er fühlt sich auch politisch reif und wünscht, unserer Idee nach besten j Kränen zu dienen, freilich nicht als gewöhnlicher Soldat, sondern als „Führer“. Nur Wenige können aber in unserer Organisation Führerposten erlangen, die. große Mehrzahl zieht sich daher resigniert und in der Ueberztugung. verkannt worden zu sein, verdrossen zurück, betrachtet ihre zionistische Arbeit für abgeschlossen und dokumentiert ihre Gesinnung lediglich intern durch unfruchtbare, theoretische Debatten am S.ainmtische ihres Kaffehauses. Dcr Außenwelt gegenüber aber hat ein solcher Gesinnungsgenosse jede Stoßkraft verloren, versuch* gar nicht mehr, neue Kräfte für die Bewegung heranzuziehen, versumpft und spricht sich schließlich selbst die Fähigkeit ab, Positives zu schaffen, weil er eben nie vor eine Aufgabe gestellt wurde, wo er zeigen konnte, was er zu leisten vermag. Wit ganz anders sind die Verhältnisse in der Provinz! Ein Akademiker spielt bekanntlich im gesellschaftlichen Leben einer Provinzstadt eine führende Rolle und ist meist auch in politicis das Muster. Daraus ergibt sich, wieviel wir Akademiker und sneziell wir Konzipienten, die wir ja mit allen Bevölkerungskreisen in Berührung kommen, in der Provinz leisten und auch — lernen können. Hier gibt es keine „Höheren“, von denen wir uns Rat und Hilfe holen können, liier sind wir ganz auf unsere eigene Kraft und Energie angewiesen und müssen selbst Führer sein. Die Arbeit in der .Provinz ist schwer, denn das Vorurteil gegen unsere Bestrebungen sitzt tiefer, die Furcht, wegen des Bekenntnisses zum Zionismus als gesellschaftlich minderwertig boykottiert zu werden, besteht noch und der Einfluß unserer antizionistischen Kultusgemeindegröist noch stark. Alle diese Hindernisse müssen überwunden werden und fallen auch, wenn sich ein Mann von sdJdaler Stellung und eine solche genießen wir in der Provinz noch, an die Spitze stellt, der konsequent das Ziel verfolgt, die Judenschaft seiner Stadt in der zionistischen Organisation zu vereinigen. Während wir es in der Großstadt doch meistens .mit Leuten zu tun haben, die wenigstens; wissen, was der Zionismus will, ist den Juden der Provinz der Zionismus ein Buch mit sieben Siegeln. Die Einen sehen in uns, Slaatsverräter, die Änderen Keczer, die die Religion abschlaffen wollen, kurz, wir haben nach mehreren Fronten zu kämpfen. An der Spitze der Gegner sehen wir zumeist den Ortsrabbiner (der seihe Gegnerschaft damit begründet, daß der Herri Kultusgemeindepräsident auch dagegen ist), ihm treu zur Seite der deutsch-freisinnige Schulvereinsjude, der die Rockschöße der Deutschen trotz aller Fußtritte nicht losläßt, mit einem Worte, einander würdige Kampfgenossen. Zionistische Konzipienten! In solchen Provinzstädten ist Euer Platz, hier gibt es für Euch Arbeit in Hülle und Fülle, hier könnt Ihr Euch entfalten und könnt zeigen, ob Ihr Kraft genug besitzet, um all das Unkraut, das unsere Arbeit überwuchern will, niederzutreten. Als unermüdliche Lehrer mußt Ihr beharrlich dem gesetzten Ziele zustreben,?aber Ihr seht auch die Erfolge Eurer Arbeit und mit Stolz- und neuem Selbstvertrauen wird es Euch erfüllen, wenn Ihr nach schwerem Ringep die Besten der Stadt für unsere Idee gewonnen und aus Zweiflern überzeugte Zionisten gemacht habt, die dann, selbst zu Agitatoren geworden, unsere Idee bisi ins kleinste Dorf, wo, Juden wohnen, tragen. Darum fordere ich von Euch, verlasset die Großstadt, wo ihr nichts ‘feisten könnt und kommt zu uns in die Provinzstädte, wo wir Euch als Arbeiter, Lehrer und Führer dringend brauchen. Dr. W. W. Wien, II., Taborstr. 17 [Hirschenhaus] empfiehlt sich zur Einrichtung von Vereins- und Schulbibliotheken, sowie Lieferung von Büchern jeder Art. Antiquariat. Provinzversand. IIESIMil JAKflS PINKAS im Neubau'des -rr HOTEL NEW-YORK, 1VZ Wien, II., Kleine Sperlgasse b bietet den P. T. Gästen allen Komfort. — Küche und Keller sind als erstklassig bekannt. Elegante und geräumige Lokalitäten. HochzeitSr und Festbankette werden bestens arrangiert. Central-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN aus der Fabrik L. T. Piovati L, Adlergasse 3. I., Franz Josefs-Quai 19. Versandt nach dem In- und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurante gratis u. franko. Vereinsnadipiififen. Zionistischer Verband ehemaliger Hochschüler. Freie Stellen. In zwei Industriestädten Schlesiens bietet sich für Advokaten eine Gelegenheit, sich unter günstigen Bedingungen zu etablieren. Anfragen sind während der Ferien an die „Jüd. Zeitung“ zw richten. * Blumentag und Gartenfest in Sauerbrunn. Wie bereits berichtet, veranstalten unsere Gg. in Sauerbrunn auch heuer ein Sommerfest, sowie einen Blumentag. Der . Blumentag findet am Sonntag, den 27. d. M. statt,- .während das Gartenfest am Abend des 14. August abgehalten werden wird. Es ist zu erwarten, daß neben dem moralischen Erfolge, den diese Veranstaltungen bringen, auch der materielle hinter jenem der früheren Jahre nicht- Zurückbleiben wird. Das-Komitee' hat sich den großen Garten, die Terasse, sowie .-die gesamten, sehr geräumigen Lokalitäten des Hotel Bank gesichert. Eine Musikkapelle, die bis 4 Uhr früh konzertieren wird, besorgt den musikalischen Teil. Der Park wird festlich befeuchtet sein und dem Publikum werden allerlei Unterhaltungen geboten werden; Es seien alle Gg., die an der Südbahnstrecke Sommeraufenthalt genommen haben, auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht. Aus Mattersdorf, Eisenstadt, Osdenburg und anderen ungarischen- Orten sind Teilnehmer ängemeldet. Nähere Auskünfte durch' das Büro des i.-ö. Distriktskomitees, II., Karmeliterplatz 1,10. * Sonntag, den 27. Juli 1913, III. Blumentag in Sauerbrunn bei Wr.-Neustadt zu Gunsten zionistischer Institutionen. * ... Das .Landeskomitee des Schweizerischen Zionistenverbandes in Zürich bittet Gesinnungsgenossen, die sich in der Hochsaison; in den Schweizer Kurorten aufhalten und bereit sind, die Propagandatätigkeit des Zionistenverbändes zu unterstützen, um rechtzeitige Angabe ihrer Adressen. . Wiefi. (Herzl-Klüb, .11., Leopoldgässe .31/61.) Dienstag, den 29. d. M., interne Herzlfeier im Klublokäle. Festrede des Gg. Herrn Bato, Vortrag aus Herzls Werken durch Gg. Herrn Sass. Beginn sJa8 Uhr. Um rege Beteiligung wird gebeten. Bei allen Veranstaltungen Gäste will- •kömmen! Wie«. (Neure Jehuda.4 Donnerstag, den 7. August> findet auf der Bude der „Neure Jeh'uda“, IX., Servifengasse 10, ein Diskussionsabend über „Die jüdische Barikfrage“ statt. Das einleitende Referat wird Gg. Luclan Brunner halten. Gäste willkommen! Wien. (Jüdischer Wanderbund „Blau-Weiß“.) Der jüdische Wanderbünd „Blau-Weiß“ veranstaltet Mittwoch, den 13. und Donnerstag, den 14. August eine zweitätige Wanderfahrt für Knaben und Mädchen (von 11 Jahren aufwärts) in den südliche nWienerwald (Ausgangspunkt: Baden). Nähere Auskünfte bei den Führern: Herrn med. Isidor Klaber, Mauer bei Wien, Kaisersteig 15 und Frl. cand. ehern. Rudolfine Waltuch, L, Maria Theresienstraße 24. Für die Böhmerwaldwanderung können keine Anmeldun- Boskowitz. (Jüd.-akad. Ferial Verbindung „Laetitia“.) Chargenwahlen für das laufende Semester: JUC. Paul Stern x; med. Hugo Spitzer, xxFx; ing. cand. Ernst Ultmann xxx (xxx). 239871