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Jüdische Zeitung · 1913-07-25 · 30 (25.7.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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r* Seite 4 flus dem jüöiltfien Leben. Der Balkankrieg und die Juden. Wie der „Hilfsverein der Deutschen Juden“ mitteilt, sind durch den neuen Krieg unter den Balkanverbündeten auch zahlreiche jüdische Gemeinden des Balkans, insbesondere die Gemeinden Istip, Strumitza, ferner die Gemeinden Serres, Doiran, Drama, Kavalla wieder in schwere Mitleidenschaft gezogen worden. Die Union des Associations Israelites, zu der alle größeren jüdischen Hilfsgesellschaften gehören, haben durch die Komitees, die die Delegierten der Union, die Herren Dr. Paul Nathan-Berlin, Elkan Adler-London und Dr. Bernhard Kahn-Berlin auf ihrer Reise durch das Kriegsgebiet eingesetzt haben und deren Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit sich gerade jetzt wieder erweist, überall, wo die Verhältnisse es bereits erlauben, den Bedrängten die nötige Hilfe zukommen lassen. Für die am schwersten betroffene Gemeinde in Serres mit 1800 Juden, wo beim Rückzug der Bulgaren fast vier Fünftel der Stadt eingeäschert wurden, darunter der ganze Markt und 117 jüdische Häuser mit Synagoge und Schule, sind durch das in Saloniki eingesetzte Komitee Nahrungsmittel, Kleidung und Decken geliefert worden, wofür die Union vorerst 10.000 Francs zur Verfügung gestellt hat. So schwer der materielle Schaden ist, den unsere Glaubensgenossen hier wiederum erlitten haben, so ist es doch ein Trost, daß das Leben der Juden, soweit bisher bekannt ist, geschont worden ist. Unter Mitwirkung der griechischen Behörden werden aut Veranlassung der Union Kommissionen aus Saloniki die Stätten der neuen Kriegsgreuel besuchen und das Hilfswerk organisieren. * Jüdische Opfer des neuen Balkankrieges. Konstantinopel. Der hiesige französische Botschafter erhielt ein Telegramm aus Dedeagatsdh, wonach dort bulgarische Soldaten die jüdische, griechische und mohammedanische Bevölkerung angegriffen und ein Blutbad unter ihnen angerichtet haben. Ernste Besorgnisse erweckt hier auch das Schicksal der jüdischen Bevölkerung von Cavalla, wo die Juden seit dem Einzug der Bulgaren viel zu leiden hatten. Die Stadt Serres wurde von den fliehenden Bulgaren in Brand gesteckt. Das jüdische Viertel samt der großen Synagoge wurde ein Raub der Flammen. Ueber 100 jüdische Familien sind obdachlos. Der Großrabbincr von Saloniki, Rabbi Jakob Melr, berief eine außerordentliche Sitzung der dortigen Gemeinde ein, um sie zur Entsendung einer Kommission nach Serres, Doiran und Strumnitze zu veranlassen; die Kommission soll u. a. die Höhe des Schadens feststellen, den die Juden dieser Städte infolge des neuen Krieges erlitten haben. Kleines Feuilleton. Woher stammt der Name „Ghetto“. Darüber schreibt die „New-Yorker Staatzcitung“: Der Ausdruck Ghetto als Bezeichnung für ein besonderes, abgeschlossenes Judenviertel ist bekannt, die wenigsten aber wissen, woher er stammt Die Antwort lautet: „Aus Venedig“. Am äußersten Ende des alten Venedigs, in der Nähe der Kirche St. Geremia, befand sich ein ausgedehntes Terrain, welches so genannt wurde. Dort waren nämlich im 14. Jahrhundert zahlreiche Eisengießereien gewesen, die zwar nicht lange bestanden, aber doch dem. Stadtteil ihren Namen gaben, denn Getto, woraus später Ghetto wurde, heißt „Guß“. In einem Dokumente von 1458 wird dies, lateinisdi natürlich, ausdrücklich gesagt: „Er wurde Getto genannt, weil sich dort mehr als zwölf Oefen befanden, in denen Erz gesdimolzten wurde.“ Die Juden in Venedig, die Universita ebraica, hätten nun bald mit den übrigen Bürgern, bald gesondert gewöhnt, je nachdem ihnen Gesetz und Zeit günstig waren; schließlich waren sie ganz ausgewiesen worden. Im Jahre 1516 nahm man sic zwar wieder auf,- wies ihnen aber gesonderte Wohnstätten an, lind zwar auf dem öden. Ter?. JÜDISCHE ZEITUNG Aus London wird ferner geschrieben: Nach einer Depesche des Großrabbiners von Bulgarien, D. Ehrenpreis, die dieser Tage hier eintraf, sind mehrere 'tausend jüdische Familien Bulgariens infolge der neuen Mobilisierung dem größten Elend preisgegeben. Der Großrabbiner appelliert an die jüdischen Hilfsgesellschaften Westeuropas, die begonnene Hilfsaktion fortzusetzen. * Massenauswanderung der Juden aus Saloniki. Saloniki. Da es nunmehr fcstsleht, daß Saloniki griechisch bleibt und weite Kreise der hiesigen jüdischen Bewohnerschaft zu den neuen Herren der Stadt kein Vertrauen fassen können, haben zahlreiche jüdische Familien, namentlich aus dem Kaufmannsstande, beschlossen,- nach Konstantiriopel, Smyrna, Kleinasien und Palästina auszuwandern. Ueber 200 jüdische Familien haben sich bereits nach Kohstantinopel begeben. Der Auszug so vieler wohlhabender Bewohner bedeutet eine schwere Schädigung für das Wirtschaftsleben der Stadt. * Palästinafahrten der jüdischen Jugend. Berlin. Durch die Erfolge der letzten Palästinafahrt der jüdischen Turner und Studenten veranlaßt, hat sich aus Vertretern der Jüdischen Turnerschaft, des Bundes Jüdischer Korporationen und des Kartells Zionistischer Verbindungen in Berlin ein ständiges Komitee zur Veranstaltung von Palästinafahrten jüdischer Turner und Studenten gebildet. Dasselbe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erfahrungen der letzten Palästinafahrt nutzbar zu machen, um die nötigen Vorbereitungen für jährlich neue Palästinafahrten zu treffen. Zunächst ist von den oben genannten Organisationen eine Palästi nafahrt für das Frühjahr 1914 in Aussicht genommen. Das Komitee ist mit den Vorbereitungen derselben bereits beschättigt, es steht allen Interessenten mit jeder Auskunft gern zur Verfügung. Alle Zuschriften sind an das Bureau, Berlin W. 15, Bleibtreustraße 25, zu richten. * Die rumänische Judenfrage im amerikanischen Parlament. N e w - Y o r k. Auf Veranlassung des American-Rumaniah Emancipation Cömittee, über dessen Gründung bereits berichtet wurde und an dessen Spitze der Sprecher des Repräsentantenhauses zu Washington eine Anfrage an die Regierung wegen der Lage der rumänischen Juden. Mr. Clark fragte den Staatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten, ob die Interessen der Vereinigten Staaten es nicht als wünschenswert erscheinen ließen, daß die Regierung in Verfolg früherer Vorstellungen in Bukarest nunmehr weitere Schritte unternehme, um die rumänische Regierung an die im Berliner Vertrag übernommenen Verpflichtungen gegenüber den rain, das Ghetto genannt wurde. Von hier aus verbreitete sich der Name in allen Städten, wo man die Juden in besondere Stadtviertel pferchte, bis man die historische Bedeutung des Namens vergaß. * * ■’ / * /Vvt-U. Mannah! y > Der Direktor der Alliance-Schule in Kermanschah (Persien) richtete an das' Zentralkomitee in Paris folgenden Bericht: Vor ungefähr zwei Monaten war die Bevölkerung von Kermanschah Zeuge eines ganz merkwürdigen Phänomens. Sie entdeckte in der unmittelbaren Umgebung der Stadt Körnchen in großen Mengen auf der Erde zerstreut liegen. Diese Körnchen, die eine bis dahin unbekannte Form hatten, besaßen eine rindenartige Schale von grauer Farbe, Während die Substanz weiß war und einen Geschmack ähnlich dem Mais hatte. Die Bevölkerung erblickte in dieser Erscheinung eine Offenbarung der Güte Gottes, dessen Mildtätigkeit sich der Bevölkerung von Kermanschah, die unter der ungeheuren Teuerung der Lebensmittel so schwer zu leiden hatte, kundtat. Für die Juden der Stadt jyar es eine ausgemachte Tatsache, daß diese Körnchen das Mannah war, das ihre Vorfah^gi -bxd,. ihrem jüdischen Landesbewohnern zu erinnern. Mr. Clark führte u. a. aus, daß infolge der recht- Closen Lage der rumänischen Juden und ihrer systematischen Bedrückung tausende von rumänisch-jüdischen Familien alljährlich1 nach den Vereinigten Staaten auswandern, das amerikanische Volk also! an der Lösung der Judenfrage in Rumänien erheblich' interessiert sei. — An die Anfrage des: Abgeordneten Moore knüpfte sich eine lebhafte Debatte. * Jüdisches Leben in Griechenland. Athen. Die zionistische Bewegung breitet sich unter der jüdischen Bevölkerung Griechenlands immer mehr aus. In sämtlichen Gemeinden bestehen zionistische Vereine, die eine eifrige Tätigkeit entfalten. Seit Anfang dieses Jahres sind über 5000 Frcs. für verschiedene zionistische Zwecke; in Griechenland aufgebracht worden, und man Jiofft, daß sich dieser Betrag bis zum bevorstehenden Wiener Zionistenkongreß verdoppeln wird.' Wenn man bedenkt, daß die Zahl der Juden in Griechenland nur 5000 beträgt und daß die allgemeine Finanzlage infolge des Kriegszustandes sehr, ungünstig ist, so muß man dieses Ergebnis als sehr befriedigend bezeichnen. Um die Kenntnis Palästinas unter den Juden des Landes zu fördern, Lplanen die griechischen Zionisten die Veranstaltung einer Lotterie, deren Gewinne in Reiseprämien zum Besuche des Heiligen Landes bestehen sollen. Die innige Liebe zum Lande der Väter hindert die griechischen Juden natürlich nicht, treue und hingebungsvolle griechische Staatsbürger zu sein. Die jüdische Gemeinde in Volo z. B. hat ihren Mitgliedern eine Steuer zugunsten der im Felde stehenden griechischen Soldaten und ihrer Familien aufgelegt und liefert für diesen Zweck allmonatlich 1500 Frcs. ab. Diese Gemeinde besteht aus annähernd 120 Familien, die für Gemeinde- und Kultuszwecke bereits erheblich belastet sind. Die jüdischen Gemeinden in Athen, Korfu und Voloi tragen sich mit dem Gedanken, jüdische Schulen zu gründen, in denen das Hebräische als lebende Sprache unterrichtet werden soll. Eine jüdische Lehramtskandidatin aus Larissa wurde nach Saloniki und Jaffa entsandt, um sich zur Lehrerin des Hebräischen auszubilden und späterhin eine, Volksschule mit hebräischer Unterrichtssprache in Larissa zu eröffnen. Bezalel-Ausstellung in Neu-Sandez. Neu-Sandez (Galizien). In der ersten Hälfte des Monats Juni fand hier eine Ausstellung der Erzeugnisse der Jerusalemer Kunstgewerbeschule Bezalel statt. Das Interesse für die Ausstellung war in unserer Stadt, die 8000 jüdische Bewohner zählt, ein sehr reges, wiewohl die chassidischen Volkskreise leider sehr geringes Verständnis für die jüdischen Renais- Auszuge aus Aegypten in der Wüste gegessen hatten. Möglicherweise hatten sie recht, wie dies übrigens aus einer Mitteilung des Direktors der „Royal-Botanic-Gardens“ in London an den englischen Konsul in unserer Stadt hervorgeht, der eine Anzahl dieser Körnchen nach England gesdiickt hatte. In diesem Gutachten heißt es: „Das Muster, das Sie uns eingeschickt haben, ist das unter dem Namen „Lecanora esculenta“ bekannte „Mannah“, welches in West- und Nordafrika vorzukommen pflegt. Diese Pflanze wächst in den gebirgigen Gegenden, doch pflegen sich Fragmente der Pflanze loszulösen, die dann in großen Massen durch den Wind in die benachbarten Gegenden getragen werden, wobei sie bei diesem Transporte ihren Umfang vergrößern. Man nimmt an, daß diese Frucht mit dem Mannah der Israeliten identisch sei. Im übrigen variiert ihre“ Form7 sowohl bezüglich' ihres Aussehens, als auch ihres Umfanges in ganz außerordentlichem Maße. Die Botaniker haben bereits eine große Anzahl Männah-Spezies festgestellt. Ein' erst jüngst erschienenes Werk behauptet jedochj daß es sich bloß uni verschiedene Formen der bekannten Familie Lecanora esculenta handle.“ Diesem Berichte war auch eine Sendung von dieser ^seltenen .Frucht beigelegt. s sa säsm

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