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Jüdische Zeitung · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 29 Iästigungen von schon seit Jahrzehnten in den nordöstlichen Komitaten Ungarns lebenden galizischen Juden. Ueber einen empörenden Fall wird jetzt wiederum berichtet. Ein seit vierzig Jahren im Komitate Maramaros lebender, aus Galizien stammender Jude wollte von einer Dorfgemeinde einige Waldparzellen kaufen. Der Gemeinderat war dazu geneigt, doch das städtische Forstamt hielt diese Transaktion für „staats- und gemeingefährlich“ und erstattete kurzerhand Anzeige bei der Grenzpolizei — selbstverständlich nicht gegen den Gemeinderat, sondern nur gegen den Juden. Und die Grenzpolizei verurteilte den schon längst gänzlich magyarisierten Juden, der im Lande geborene und verheiratete Kinder hat, der im Dorfe Grund und Boden sein Eigentum nennt und in dessen Hause die staatliche Dorfschule untergebracht ist, ohne weiteres zur Ausweisung. und zwar nicht nur ihn, sondern auch seine sämtlichen Nachkommen. Die Komitatsbehörde bestätigte den Ausweisungsbescheid, und der unschuldig Betroffene wandte sich jetzt an das Ministerium des Innern, dem er vorstellte, daß die Ausweisungsbescheide eine flagrante Verletzung des ungarischen Staatsbürgergesetzes vom Jahre 1879 bedeuten, da dieses ausdrücklich besagt, daß alle diejenigen,' die am Tage des Inkrafttretens des Gesetzes bereits fünf Jahre ohne Unterbrechung auf dem Gebiete der ungarischen Krone wohnen und dort Steuern zahlen, als ungarische Staatsbürger zu betrachten sind. Wie verlautet, wird das Ministerium des Innern auf Grund des sonnenklaren Wortlautes des Gesetzes die Ausweisungsbescheide annulieren und das ganze Verfahren einstellen. Geschieht das nun, so hat es der Mann aber nur dem glücklichen Umstande zu danken, daß er im Jahre 1879 bereits mehr als fünf Jahre in Ungarn wohnte. Wäre er etwa erst 1876 nach Ungarn gekommen, so müßten er und seine Familie heute nach 37 Jahren, Haus und Heimat verlassen, weil er ein Stück Wald kaufen wollte, dessen Verkauf die Aufsichtbehörde — vielleicht an sich mit Recht — nicht für angängig.hielt. Na — ist Magvarien nicht ein Kulturstajft — an russischen Maßstäben gemessen? ParfeisNaAriAten. Theodor Herzls Todestag. Donnerstag, den 24. d., findet im Seitenstättner Gemeindetempel, I., Seitenstättengasse 4, eine Trauerandacht zur Erinnerung an den neunten Todestag Theodor Herzls statt. Anfang der Trauerandacht 1/28 Uhr abends. Die in Wien weilenden Gg. werden aufgefordert, sich einzufinden. Das i.-ö. D.-K. * Zweites zionistisches Sommerfest in Sauerbrunn. Der im Vorjahre durch die Veranstaltung eines zionistischen Sommerfestes in Sauerbrunn erzielte Erfolg veranlaßt die in diesem Kurorte weilenden Zionisten auch heuer, am 27. Juli, ein Sommerfest zu veranstalten. Näheres hierüber wird in der nächsten Nummer veröffentlicht werden. Allfällige Anfragen sind an das i.-ö. D.-K., II., Karmeliterplatz 1, zu richten. * Palästinavortrag in Vöslau. Das innerösterreichische D.-K. veranstaltet am 2. August um VS Uhr abends im Kursalon in Vöslau einen Palästina- Vortragsabend. Die in Vöslau weilenden jüdischen Kurgäste bringen der Veranstaltung großes Interesse entgegen. * Gesinnungsgenossen! Die Frist zur Ablieferung der gesammelten Schekel läuft am 31. Juli ab. Die Gesinnngsgenossen werden aufg)efordert, die Frist bis Ende Juli mit größtem' Eifer für die Schekelsammlung zu benützen. Schekelblocks und Agitationsmaterial stehen im Büro des i.-ö. D.-K., II., Karmeiiterplatz 1, zur Verfügung- * 7. Schekelausweis. 5673 (Innerösterreich). „Theodor Herzl“ (erste Rate) 24.—; Dr. Emil Krasny 12.—; Kohn Gustav 3.60; Dr. P. Heinrich 32.—; M. Liebermann 6.—; „Neure Jehuda“ 73.20; „Ivria“ 12.—; Jüd. Handlungsgehilfenverband I. H. V. 12.—; „Esperanza“ 24.—; Turnverein „Favoriten“ 8.40; Dr. Zweig 9.60; Zion. Zentralverein (dritte Rate) 60.—; Herzlklub 20.—; zus. 276.80; bereits ausgewiesen 1198.80, in Summa K 1475.60. Aus dem mährisch-schlesischen D. K. sind bis jetzt für das Sdiekeljahr 5673 K 2054,40 für Schekel eingegangen. * Mitteilung des I. Oe. D. K. Jene Gg., die den Sommer in Vöslau oder Baden verbringen, werden höflichst ersucht, ihre Adresse dem Büro des D. K. II., Karmeliterplatz 1, umgehend bekanntzugeben. Jene Gesinnungsgenossen, die während des Sommers in Bad Gastein Aufenthalt nehmen, werden ersucht, ihre Adressen dem -Gg. Herrn Simon Advokat, Bad Gastein Villa „Mozart“ bekanntzugeben. * Um den Teilnehmern des XI. Zionistenkongresses in Wien Gelegenheit zu geben, eine Reise nach Palästina zu unternehmen, wird im Anschluß an denselben mit dem Eildampfer des Oesterr. Lloyd eine große Gesellschaftsreise veranstaltet. Da man auf eine große Teilnehmerzahl rechnen kann, werden die Fahrpreise außerordentlich ermäßigt sein. Das Programm war bereits in der letzten Nummer Veröffentlicht. Preise: Wien—Triest und retour Schnellzug I. Kl. Frcs. 130.—, II. Kl. Frcs. 90.—; Wien —Triest und retour Personenzug I. Kl. Frcs. 100.—, II. Kl. Frcs. 70.—; Triest—Palästina und retour bei 20 Teilnehmern I. Kl. Frcs. 600.—, II. Kl. Frcs. 420.—; Kosten des 19-tägigen Aufenthaltes in Palästina Frcs. 425.—; (Angaben für die weiteren Klassen folgen). Freigebäck aut ‘dem Schiff: I. Kl. 100, II. Kl. 60, III. und IV. Kl. 30 Kilo. Die Passagiere, die auf rituelle Verpflegung reflektieren, müssen diesen Wunsch bei der Anmeldung zur Teilnahme an der Fahrt äußern. Die Rückfahrt kann auch aufgelöst erfolgen. Für das Arrangement des Aufenthaltes in Palästina hat jeder Teilnehmer an das Reisebüro Sachs in Jaffa einen einmaligen Pauschalbetrag von Frcs. 30.— zu bezahlen. Die Anmeldungen' zur Gesellschaftsreise werden von Palästina-Informationsbüro, Wien, II., Karmeliterplatz 1, bis zum' 31. Juli 1913 entgegengenommen und bis zu diesem Zeitpunkte ist mindestens die Hälfte des Betrages für die Fahrt Triest — Palästina und retour zu erlegen. Sämtliche Angaben über Verhältnisse des Landes, Sehenswürdigkeiten, Touren, Reiseausrüstungen sind dem im Verlage des Büros erschienenen „Kl. Reiseführer durch/ Palästina“ (Preis 1 Frc.) zu entnehmen. Dem pisdien Volke das den Verhandlungen des XI. Kongresses das lebhafteste Interesse entgegenbringt, wird die tägliche Kongreßausgabe der „WELT“ einen authentischen und schnellen Bericht dieser bedeutsamen Tagung bringen. Schon die Tatsache, daß der Kongreß an dem Ort stattfindet, wo Theodor Herzl die Anfänge unserer Organisation schuf und daß die Stadt des Kongresses zugleich ein jüdisches Zentrum mit einer großen, bewußt jüdischen Bevölkerung ist, sichert den Verhandlungen die Teilnahme und das Interesse eines großen jüdischen Publikums. Jeder Zionist muß es sich daher zur Aufgabe machen, die Wirkung des Kongresses durch die weiteste Verbreitung der Kongreßausgabe zu verstärken. Die Kongreß-Ausgabe der „Welt" ersdieint während des Kongresses sedismal und kostet bti freier täglicher Zustellung für Deutschland Mk. 2.40, Oesterreich - Ungarn K 2.80, Rußland Rbl. 1.30, England sh. 2.10, Holland Hfl. 1.70, Vereinigte Staaten Doli. 0.70, für alle übrigen Lär.dir Frs. 3.60. Bestellungen gegen Voreinsendung des Betrages (auch in Briefmarken) richte man an den VERLAG „DIE WELT“, BERLIN W 15, SÄCHSISCHE STRASSE 8. stigen Vorzüge im Stillen beneidet. Unsere berückende körperliche Schönheit, die unvergleichliche Anmut unserer Bewegungen, der entzückende Rhytmus unseres süßen Gesanges, unsere hohe geistige Begabung, der poetische Schwung und die Tiefe unserer Gedanken und ganz besonders unsere von der ganzen Tierwelt bevfunderte persönliche Tapferkeit, an die Löwe und Tiger nicht heranreichen, geben uns, ganz abgesehen von unserer vornehmen Geburt, das unbestreitbare und unveräußerliche Recht, als die Höchststehende von der gesamten Fauna die höchste Beachtung und unbedingte Unterwerfung zu heischen. Wenn nun trotzdem das miserable Gezücht der Ibisse in Verkennung seiner Inferiorität sich anmäßt, unsere geheiligten Herrenrechte nicht zu respektieren und die haarsträubende Frechheit aufbringt, die Gleichberechtigung mit uns als eine Selbstverständlichkeit zu proklamieren, so ist das eine Ungeheuerlichkeit, die zum Himmel schreit. Unsere oberste Allkröte zu Rosenau würde vor gerechtem Zorne bersten und unsere glorreiche Ahnkröte Hermann sich dreimal im Grabe umdrehen, wenn wir nicht schleunigst wirksame Remedur schaffen. Ich stelle deshalb den Antrag, nachstehende, für alle Krötisch-Nationalen und Allkröten bindende Satzungen zum Prinzip erheben. 1. Wir, die beim großen Tümpel zu Krötenhofen a. d. Ybbs am 13. Heumond im Jahre des Heils MDCCCXCVI versammelten Krötisch- Nationalen und Allkröten erklären hiermit feier- Feuilleton. Außerordentliche. GENERALVERSAMMLUNG. der Niederösterreichischen Kröten beim großen Tümpel in Krötenhofen a. d. Ybbs am 13. Heumond im Jahre des Heils MDCCCXCVI. Präsident: Herr K o a x - K o a x. Generalsekretär: Herr Brekeke. Schriftführer: Herr Koax-Tuu. Der Präsident eröffnet die Sitzung, verliest die aus allen Froschpfützen Niederösterreichs eingelangten Telegramme, wovon das aus dem berühmten Krötentümpel zu Rosenau stehend angehört wird und hält dann an die Versammelten nachstehende Ansprache: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Da unsere Erbfeinde, die tiefstehenden Ibisse, sich nicht nur vermessen, unsere angestammten Herrenrechte nicht anzuerkennen, sondern auch unserem edlen Krötenvolke den schuldigen Respekt versagen und unsere hohen Tugenden coram publico verlachen, wodurch unser Prestige und die von allen Geschöpfen der Erde uns gezollte Hochachtung gefährdet erscheinen, habe ich Euch, geehrte Volksgenossen aus dem berühmten Lurchengeschlechte eingeladen, um behufs diesbezüglicher Abhilfe zu berajen und geeignete Beschlüsse zu fassen. Ich erteile das Wort unserem allverehrten General-Sekretär, der redegewaltigen Allkröte Herrn Brekeke. In feierlicher Stille und mit Enthaltung des sonst üblichen Zwischengequakes führt Herr Brekeke mit seiner lieblichen Stimme Folgendes aus: „Es ist für uns Kröten, dem vornehmsten Volke aus dem edlen Lurchenstamme, im höchsten Grade empörend, daß die inferioren und uns in der Seele verhaßten Ibisse nicht allein die schuldige Hochachtung uns versagen, sondern auch noch die unerhörte Frechheit haben, sich dieselben Rechte anzumaßen, die wir seit Kröten Gedenken besitzen und die uns kraft unserer hohen Geburt und unserer persönlichen Vorzüge und Tugenden zukommen. Selbst das von unseren glorreichen Ahnen überkommene und geheiligte Recht des Anquakens und Aufblähens wollen diese dem inferioren Reihergeschlechte entstammenden Ibisse uns, dem Superioren Herrenvolke, verwehren, ja sie gehen in ihrer empörenden Anmaßung so weit, uns bei solcher Aeußerung der Mißachtung mit ihrem ungeschlachten Schnabel am Genick zu packen und grausam zu beuteln oder gar zu erwürgen. Um unsere tiefe Entrüstung darüber zu begreifen, wollen wir nur die himmelweite Kluft aufzeigen, die zwischen uns und dem tiefstehenden Volke der Ibisse liegt. Es sei vor allem die notorische Tatsache konstatiert, daß uns ,die gesamte Fauna, ja selbst der Löwe, die größte Hochachtung zollt und wegen unserer leiblichen und gei- 1

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