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Jüdische Zeitung · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Nr. »29 Generalsekretär Blumenfeld in West- Oesterreidi. Blumenfeld in Wien. Der Zionistische Zentralverein leitete im Hinblick -aut^den in Wien stattfindenden XI. Zionistischen wRongreß eine großangelegte Agitationsarbeit in allen Wiener Bezirken ein. Diese Werbearbeit erreichte ihren Höhepunkt durch die Anwesenheit des Generalsekretärs der zionistischen Organisation Herrn Kurt Blumenfeld, der den Wiener Gesinnungsgenossen infolge seiner im Vorjahre entwickelten Tätigkeit in bester Erinnerung war. Gg. Kurt Blumenfeld, der sich eifrig bemüht, den Kontakt zwischen den Landesorganisationen und der Zentralieitung aufrecht zu erhalten, wirkt durch seine planvolle Tätigkeit nicht nur auf die der Organisation Fernstehenden, sondern auch auf die Parteigenossen erziehend. Seine Vorträge, welche den verschiedensten Problemen unserer Bewegung gewidmet sind, zeichnen sich sowohl durch Klarheit wie auch durch Formvollendung aus. Anläßlich seiner letzten Anwesenheit in Wien sprach Gg. Biumenfeld jeden Abend in den verschiedensten Bezirken und Gruppen. Einmal galt es, die in Wien elbenden spaniolischen Juden der Bewegung zu gewinnen; das zweite Mal wurden die zionistischen Studenten an ihre Aufgaben gemahnt; ein drittes Mal wieder erläuterte Blumenfeld itn Kreise der bewährtesten Vertrauensmänner die intimsten Fragen der Organisation und der» zionistischen Arbeit. Und überall konnte man Erfolge konstatieren, die sich namentlich im Beitritte vieler Personen zur Organisation äußerten. Es ging von der Blumenfeld’schen. Tätigkeit ein belebender und erfrischender Hauch aus. * Generalsekretär Kurt Blumenfeld in Mähren. Troppau. Wieder einmal konnten wir ihn bei uns hören und mit ihm durch ihn siegen. Siegen vor allem über den „inneren Feind“, über Lauheit und Halbheit in unserer Mitte. Gegen diesen gefährlichsten unserer Feinde hatte Blumenfeld schon im letzten Herbst und Winter seine Angriffe gerichtet, ln Troppau, Olmütz, Proßnitz und Iglau sprach er je zweimal, in Bielitz und Teschen je einmal und in M.-Ostrau nun zum drittenmale. Seine Vorträge — so lesen wir in dem an den letzten D.-T. erstatteten Berichte des mähr.-schles. D.-K. — sind das Bedeutendste, was wir an Agitationsreden bisher vernommen haben. Sie bezwingen und überzeugen durch die Gründlichkeit und Vielseitigkeit der Beweisführung und schaffen Klarheit und Entschlossenheit. Vor allem aber imponieren sie denen, die den Zionismus bisher geringgeschätzt haben. Dank Blumenfeld wird die Zahl der denkenden und tätigen Zionisten in unserem Distrikte gewiß steigen und das nationale Bewußtsein vertieft werden. Es ist unser sehnlicher Wunsch, daß diese erstklassige Kraft der Werbe‘ä igkeit erhalten bleibe. So sprach das D.-K. am 6. Jänner in Brünn und dasselbe sagen wir heute unter dem Eindrücke der Tagung und Versammlung in Mähr.- O s t r a u. Dorthin hatte das D.-K. für den 6. d. M. eine Sitzung des „großen D.-K.“, zulichst, da ßalle dem inferioren Reihergeschlechte entstammende Ibisse schon im Mutterleibe ehrlos sind und er fürs ganze Leben bleiben. 2. Wir geloben, in Hinkunft jedem Ibisse, wenn ihm unsererseits die selbstverständliche Mißachtung gelegentlich ausgedrückt wird, die verlangte Satisfaktion infolge der heute dekretiven Ehrlosigkeit zu verweigern. 3. Sollte ein Ibiß die ihm von irgend einer Kröte zu Ten gewordene Mißachtung in seiner Unbescheidenheit übelnehmen und unsere edlen Volksgenossen mit dem großen Schnabel oder den scharfen Krallen behelligen wollen, so wird letzterer in unverfälschter Krötenwürde darauf nicht reagieren, sondern in beschleunigtem Tempo der nächsten Pfütze zustreben und an tiefster Stelle zu Boden tauchen.“ Der geistreiche Vortrag des Herrn Brekeke löste bei allen Krötisch-Nationalen und Allkröten frenetischen Beifall und stürmische Heilrufe aus, worauf die beantragten Satzungen einstimmig angenommen und zum Prinzip erhoben wurden. Nachdem der Redner allseitig gefeiert und beglückwünscht wurde, schloß der Präsident Herr Koax-Koax die Sitzung. Nach Abquakung der beiden Nationallieder: „Die Wacht am Rosenauer Krötentempel“ und „Krötenland, Krötenland über alles“ krochen die Versammelten sachte und würdevoll auseinander. J. Thorn. ooo gleich eine Vertrauensmännerversammlung des Distriktes, einberufen, behufs Vorberatung für den Kongreß. Dieser Einladung hatten mehr als 30 Vertrauensmänner aus M.-Ostrau, Brünn (Bürgerverein und „Veritas"), Olmütz, Prossnitz, Neutitschein, Bielitz (Bürgerverein und „Emunah“), Teschen, Friedek, Oderberg und Troppau Folge geleistet, denen der Distriktsobmann Finzi einen Bericht über den Stand der Organisation im Distrikte erstattete, worauf Gg. Blumenfeld ein zweistündiges, überaus reichhaltiges und fesselndes Referat über die Tätigkeit "des E. A. C. auf allen Gebieten, hauptsächlich auf denen der Politik und Palästinaarbeit, hielt. Anfragen der Gg. Dr. Friedmann, Finzi, Dr. Leschner, Schwarz, Gustav Kohn und Dr. Teller gaben ihm Gelegenheit, so manches Detail und insbesondere die Tagesordnung des Kongresses zu besprechen. In einer vom Volksvereine „Zion“ einberufenen Volksversammlung, wo sich eine vielhundertköpfige Menge eingefunden hatte, sprach er dann über den „XI. Zionistenkongreß in Wien“, über die Bedeutung und Entwicklung der Kongresse, besonders über die Bedeutung des XI. für uns und für die Judenheit. Die begeisterte Zustimmung der Zuhörer wurde zu lautem Jubel, als Blumenfeld in seinen Erwiderungen an den Kultus Vorsteher Dr. Hilf, der zweimal das Wort ergriff, wieder einmal die siegreiche Kraft unserer Idee dartat. Der Abend war ein Triumph für ihn und für uns, vor allem für unsere Sache. Auf folgende von Gg. Julius Neumann (Prossnitz) beantragte Resolution hatten sich am Nachmittage die Vertrauensmänner geeinigt: „Die am 6. Juli 1913 in M.-Ostrau versammelten Vertrauensmänner des mähr.-schles. Distriktes sprechen dem' E. A. C, für die bisherige Führung der Geschäfte der zionistischen Örganisation Dank und Vertrauen aus. Die Versammlung hält es für notwendig, daß das E. A. C. entsprechenden Einfluß auf die Finanzinstrumente der zionistischen Bewegung bekomme, insbesondere ist die Verlegung des Hauptbüros des J. N. F. nach Berlin, an den Sitz der Leitung dringendst geboten. F. Die Niederlage der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. Wien, II., Taborstr. 17 [Hirschenhaus] empfiehlt sich zur Einrichtung von Vereins- und Schulbibliotheken, sowie Lieferung von Büchern jeder Art. Antiquariat. Provinzversand. Hus dem jüdifdien Geben. Eine große Stiftung für Jemeniten. Der Jüdische Kolonisationsverein in Wien hat vor wenigen Tagen dem Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds die Summe von Frcs. 10.000 überwiesen mit der Maßgabe, für diesen Betrag 10 Jemenitenhäuser in einer der palästinensischen Kolonien erbauen zu lassen und diese Gruppe von Häusern nach Herrn Baurat Wilhelm S t i a s n y s. A. zu benennen. In dieser Zuwendung darf nicht nur ein Zeichen der Sympathie mit der Hilfsaktion des Nationalfonds für die in Palästina einwandernden Jemeniten, sondern auch eine Anerkennung der Tätigkeit des Nationalfonds überhaupt und ein Zeichen des Vertrauens zu der Verwaltung dieses Fonds erblickt werden. * Die Einnahmen des jüdischen Nationalfonds während des ersten Halbjahres 1913 betrugen Mk. 344.217,18 (gegenüber Mk. 241.045,26 im ersten Halbjahr 1912). Hiervon entfielen auf Rußland: Mk. 112.403,52 (i. V. Mk. 59.766,76); Nordamerika: Mk. 60.345,41 (i. V. Mark 37.294,18); Oesterreich: Mk. 60.241,06 (i. V. Mk. 59.791,50); Deutschland: Mk. 43.272,18 (i. V. Mk. 25.705,09); der Rest verteilt sich auf Südafrika, Canada, England, Rumänien, Ungarn, Holland, Türkei, Belgien, Südslawische Länder, Argentinien, Ostasien, Griechenland, Frankreich, Australien, Schweiz, Bulgarien, Italien, Brasilien, Aegypten, Schweden, Dänemark, Serbien und Portugal, wobei die Länder nach der Höhe ihrer Abgaben an den Nationalfonds geordnet sind. Die letzte Wocheneinnahme des Nationalfonds betrug Mk. 27.632,27. * Hetzjagden auf „wohnrechtlose“ Juden in Kiew. Kiew. In den letzten Wochen betrieb die hiesige Polizei wieder mit erhöhtem Eifer den edlen Sport der nächtlichen Streifzüge gegen „wohnrechtlose“ Juden. Nacht für Nacht drangen die Häscher in die Wohnungen der jüdischen Bürger ein und fahndeten nach Juden, die in Kiew nicht wohnberechtigt sind. In einer einzigen Nacht wurden auf diese Weise 300 Juden aufgespürt, die sich über ihr Wohnrecht nicht sofort ausweisen konnten und daher ins Gefängnis geschleppt und am nächsten Morgen unbarmherzig nach dem Ansiedlungsrayon abgeschoben wurden! Die jüdischen Hausbesitzer wurden mit hohen Geldstrafen bedroht, falls in ihren Häusern Juden ohne Wohnrecht aufgefunden werden sollten. Vorige Woche ereignete sich bei einer solchen nächtlichen Razzia („Oblawa“ lautet der terminus technicus für diese polizeilichen Menschenjagden) ein tragischer Vorfall. Ein jüdischer junger Mann, der sich vor den unmenschlichen Bütteln geflüchtet und in einem kastenartigen Behältnis verborgen hatte, fand in seinem Versteck den Tod durch Ersticken. Dieser Vorfall hat in der gesamten russischen Oeffentlichkeit derartige Entrüstung hervorgerufen, daß sich der Adjunkt des Ministers des Innern, Likoschin, veranlaßt sah, dem Gouverneur von Kiew die telegraphische Weisung zu erteilen, dje polizeilichen Streifungen in Kiew sollten bis auf weiteres eingestellt werden. Amerikanische Parlamentarier für die Emanzipation der rumänischen Juden. N e w Y o r k. ln einem Massenmeeting, das hier vor kurzem im Waldorf-Astoria-Saale stattfand, wurde die Bildung eines amerikanischen Komitees für die Emanzipation der rumänischen Juden beschlossen. Auf dem Meeting hielten verschiedene amerikanische Parlamentarier, Richter und sonstige angesehene Männer des öffentlichen Lebens flammende Reden für die Rechte der rumänischen Juden. Die Bildung des Emanzipationskomitees wurde sogleich in die Wege geleitet und der Speaker des amerikanischen Repräsentantenhauses, Mr. Champ Clark, wurde zum Vorsitzenden gewählt. Dem Komitee gehören ferner Mr. Frank Tiltord, Mr. Edward Lauterbach und eine Reihe angesehener amerikanischer Politiker an. * Zum Beilis-Prozeß. Kiew. Der berüchtigte Judenfresser Advokat Schmakow aus Moskau, der in dem bevorstehenden Prozesse als Rechtsvertreter der Mutter des ermordeten Knaben Justschinsky fungieren wird, fordert außer den von Seiten der Anklage geladenen Belastungszeugen die Vorladung weiterer 95 Zeugen. Die Verteidiger des Angeklagten Beilis, die Advokaten Grusenberg, Sarudny und Karabtschewski, beantragen ihrerseits die Ladung von 90 Zeugen. Diese sollen nicht nur das Alibi von Beilis dartun, sondern die vorjährigen Enthüllungen von Brasul-Bruschkowski, Krassowski und Iwanow durch Tatsachen belegen. Außerdem beantragen sie die Vorladung einer Reihe von Sachverständigen, so der Theologieprofessoren Glagolew - Kiew, Troitzky-Petersburg, Strack-Berlin, des Professors der semitischen Sprachen Kokowzow-Petersburg, des Psychiaters Bechterew-Petersburg und des Rabbiners Mase-Moskau. Der Zeitpunkt für die Gerichtsverhandlung steht noch nicht endgiltig fest, doch rechnet man damit, daß der Prozeß Ende August oder Anfang September d. J. stattfinden wird. * Drohungen gegen die Juden in Russisch-Polen. P e t r i k a u. In der Ortschaft Pozniewicz im Gouvernement Petrikau ließen vorige Woche die gegen die Juden aufgehetzten Bauern den jüdischen Dorfbewohnern ein „Ultimatum“ zukommen, worin die Juden kategorisch aufgefordert werden, innerhalb einer kurzen Frist das Dorf zu verlassen; sonst würde es ihnen genau so ergehen wie vor einigen Wochen der jüdischen Familie in Pontnew im Gouvernement Kalisch, wo bekanntlich die Bauern des Nachts die Wohnung der jüdischen Familie in Brand steckten und die Unglücklichen im Feuer umkommen ließen. ’ Diese Drohung versetzte die Juden der Ortschaft in einen derartigen Schrecken, daß die meisten von ihnen schleunigst nach Petrikau flohen. Hier wandten sie sich an die Behörden um Schutzmaßnahmen gegen die gefährlichen Drohungen, wurden aber überall glatt abgewiesen. Pontnew macht übrigens auch sonst auf dem flachen Land in Polen Schule. In der Ortschaft Modrejewo wurden vorige Woche sieben polnische Knaben abgefaßt, die ein jüdisches Gebäude in Brand gesteckt hatten. Das Feuer griff dann auch auf die Synagoge über, die versammelten Polen weigerten sich jedoch, an den Löscharbeiten teilzunehmen. Bei ihrer Vernehmung gaben die jugendlichen Brandstifter zu, daß sie durch die antisemitische Boykottagitation zu ihrer Tat veranlaßt worden seien.

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