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Jüdische Zeitung · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 weigerte Diskussion erzwingen. Beides ist ihr gelungen. Herr Grunwald konnte seinen Vortrag bis zu Ende halten, aber wir stellen richtig, daß dieser nicht als eine Verteidigung des Judentums, sondern als eine Erwiderung auf Sombarts „Zukunft der Juden“ angekündigt war. Dieser Erwiderung ist Herr Grunwald aber in kläglichster Weise ausgewichen und als ihn in der Diskussion zwei zionistische Redner dieserhalb interpellierten, gab er nur leere Ausflüchte. Herr Rosen möge also zur Kenntnis nehmen, dab die Sombarthetze mit einem ganz jämmerlichen Fiasko der Wiener Antizionisten endete. Herr Rosen empfiehlt uns weise Mäßigung. Wir empfehlen ihm, vor der eigenen Tür zu kehren. Noch keinem Zionisten ist es eingefallen, die Gegner als Hochverräter zu denunzieren, wie es ihnen immer wieder und erst neuerstens seitens der Freunde des Herrn Rosen passiert. Er, der von ds!m Elend eines jüdischen Bürgerkriegs faselt, den angeblich die Zionisten entfachen, möge sich nur die allerjüngsten Bruderkämpfe innerhalb der deutschen Judenschaft ins Gedächtnis rufen. Da schrieb am 31. Jänner Herr Prof. Ludwig Geiger. Chefredakteur der „Allg. Zeitung des Judentems“ und oberste Leuchte der Assimilantenschaft gegen Avenarius und forderte die Deutschen auf, gemeinsam mit den Israeliten gegen die Zionisten zu kämpfen! Die „Deutschen“, dafür kann man auch „Antisemiten“ setzen. Jedesfalls haben w i r in diesem Bruderkrieg nicht Volksfremde zuhilfe gerufen. Aber noch mehr. Am 30. März, also vor 31/2 Monaten, Sie gedächtnisschwacher Herr Dr., faßte der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ jene famose Resolution, in der er direkt und indirekt die Zionisten einer antipatriotischen Gesinnung zeiht. Wann und wo liaben die Zionisten zu so niedrigen, elenden Kampfmitteln gegriffen? Wir warten auf Ihre Antwort, Herr Doktor Rosen! Wir müssen gestehen, diese ganze Art der Polemik widert uns schon an. Es ist doch blödsinnig, wenn Leute nicht begreifen wollen, daß ein Werk einer Gemeinschaft von dieser nicht abgetrennt werden kann. Wenn in Palästina so Schönes geschaffen worden ist, so geschah dies nur, weil Menschen bis zur Selbstaufopferung von der Idee des Zionismus ergriffen waren und sie gegen eine Welt von Spott, Hohn una äußeren Schwierigkeiten verteidigten. Wären sie mit sanftem Säuseln gekommen, die Bewegung wäre unter dem Hohngelächter der Protestrabbiner und Kultusisraeliten erstorben. Aber die Idee war so stark, daß sie ihre Jünger zu kräftigem Wehren befeuerte und heute ist es schon so weit, daß jene, welche tüchtige Schläge bekamen, sich zur Idee bekehren, aber gegen die, welche sie ihnen eingebläut haben, ein Gezeter erheben. Nützt nichts, meine Herren! Der Zionismus wird Ihnen auch weiter eingebläut werden, dagegen schützt Sie auch nicht ein Kotau vor der Idee. Gegen die Zionisten gibt es nur eine Rettung: Sich in ihre Reihen zu stellen und an dem Werke des Zionismus selbst mitzuhelfen. Die judifdie Turneriifiaft vor dem XI. Zionistenliongpeft. Von Erich Burin (Berlin) Verbandsturnwart der Jüdischen Turnerschaft. Die jüdischen Turner und Sportsleute rüsten zum Wiener Kongreß. In der fleißigen Arbeit von Monaten sind die Pläne gewachsen. Eine jüdische Olympiade schwebte uns vor, ein Nationalfeiertag im klassischen Sinne. Der Gedanke schien anfangs kühn; wir glaubten, ihn ohne unsere bulgarischen und osmanischen Turner, deren ehemals starke Vereine der Krieg dezimiert hat, nicht in die Tat umsetzen iu können. Aber die Gunst der sportfreudigen Zeit una die Erinnerung an Basel und Hamburg, die in unsren Reihen lebendig ist, schafften unserm Aufrut in der ganzen Jüdischen Turnerschaft einhellige und begeisterte Aufnahme. Zwei Tage, den 7. und 8. September, werden die Veranstaltungen in Anspruch nehmen Sie sind in der Weise gegliedert, daß der erste Tag in einem großzügig angelegten Schauturnen eine Demonstration der in der Turnerschaft organisierten jüdischen Jugend bieten wird, während am zweiten Tag olympische Kämpfe um Sieg und Ruhm zum Austrag kommen. Eine der größten und schönsten Turnierstätten Wiens, der „Vienna“'’-Sportplatz auf der Hohen Warte, wird für die Feste hergerichtet. Mit einem Aufwand von mehreren Tausend Mark werden Turn- und Spielfelder, Laufbahn, Sprunggruben und Wurfplätze kunstgerecht angelegt, Tribünen und Logen eingebaut, Umkleideräume und Sammelplätze geschaffen. Für 15.000 Zuschauer ist Raum berechnet. In diesem Rahmen werden sich die vielartigen Turnübungen, frohen Spiele und heißen Kämpfe abwickeln. Ein festlicher Einzug in farbenprächtiger Anordnung wird am Sonntag-Nachmittag Alle, die zu unserer Fahne gehören, in Parade vorüberführen: Turner und Turnerinnen, Athleten und Fechter, Fußballer und Hockeyspieler, Ringer und Ruderer. Auch das jüdische Pfadfinderkorps Wiens wird die Reihen schließen helfen. Die allgemeinen Freiübungen der Männer, die Anfang Juli in guter photographischer Darstellung in vielen Tausend Exemplaren in die Welt gegangen sind, werden das Schauturnen eröffnen. Ein Gerätturnen in Riegen wird einen Blick in die werktägliche Vereinsarbeit gewähren. Mustermannschaften bringen Höchstleistungen, auch in volkstümlichen Uebungen zur Darstellung. Die Turnerinnen treten zu Stab- und Gerätübungen auf den Plan. Einige Frauenabteilungen, so die der Wiener Vereine und des Berliner Bar-Kochba bereiten besondere „Attraktionen“ vor. Der Jüdische Frauenbund für Turnen und Sport in Berlin entsendet eine Fechtriege. Jugendspiele sind als bunte Abwechslung vorgesehen. Viele Uebungen werden nach dem Takt der Musik ausgeführt. Den Schluß des Schauturnens bildet ein Hockeyspiel: Hakoah Wien—Bar-Kochba Berlin. Nachdem so die Veranstaltungen des ersten Tages mit einem gewissen dekorativen Aufputz, der aber gewaltige Arbeit und viel Schweiß kostet, abgelaufen sind, wird am 2. Tag das Sportmeeting die größere Anziehungskraft auf die Turner und Sportsleute selbst ausüben. Zu scharfen Kämpfen haben wir unsere Athleten herausgefordert. Hier gilt es, zum ersten Mal die jüdische Meisterschaft in den einzelnen Konkurrenzen zu erringen. Im Diskus- und Speerwurf, im Kugelstoßen, Hoch-, Weit- und Stabhochsprung, im Lauf über verschiedene Strecken wird Mann gegen Mann kämpfen. Neben den Einzelkonkurrenzen wird ein Vereinsfünfkampf ausgetragen, um den vom Engeren Zionistischen Aktionskomitee gestifteten Ehrenpreis. Jeder Verein stellt mindestens vier Mann, die sich in bestimmten Kampfarten messen. Der Name des siegreichen Vereins wird auf der Trophäe vermerkt. Sie ist als Wanderpreis gedacht, der dreimal nacheinander oder fünfmal überhaupt von demselben Verein gewonnen werden muß, um in dessen endgültigen Besitz überzugehen. Als 3. Gruppe ist ein Dreikampf nach turnerischen Grundsätzen (Kugelstoßen, Stabhochsprung, 100 Meter-Lauf) ausgeschrieben worden. Mit großer Spannung aber erwartet die jüdische Sportwelt den Ausfall der Stafettenläufe. Es ist eine Vereinsstafette über viermal 100 m und eine Kreisstafette über zehnmal 100 m festgesetzt worden. Die letztere wird voraussichtlich nur den Deutschen Kreis und den Kreis Westösterreich am Start sehen. Ein Fußballmatch der Hakoah-Wien gegen eine noch zu bestimmende Mannschaft gleicher Klasse wird das Sportmeeting und die Feste schließen. Die jüdische Turnerschaft stellt sich hiermit wiederum an die Seite des Kongresses. Ein hoher Geist, ein fröhlicher Eifer sichern unserem Werk eig gut Gelingen. Möge die erste jüdische Olympiade unserem Volkstum eine neue glückliche Epoche eröffnen! Der XI. Zionlstenhongreb In Oien. 2. bis 9. September 1913. Verhandlungen. Der Einlaß zu jeder Sitzung und jeder Veranstaltung ist nur gegen Karten gestattet. Die Gebühren der Karten im Vorverkauf betragen : Eröffnungssitz. Jede weitere Sitz. Sämtl. Verhandl. sämtl. Plätze Sitz Logensitz Sitz Logensitz K 3.— K 1.50 K 3.— K 18.— K 33.— Bestellungen für Einlaßkarten zu den Verhandlungen sind unter gleichzeitiger Einsendung des Betrages an das Kongreßbureau zu richten. Bestellungen, welche ohne Einsendung der entsprechenden Geldbeträge erfolgen, müssen unberücksichtigt bleiben und können nicht beantwortet werden. Infolge der starken Nachfrage nach Eintrittskarten zu den Verhandlungen erhalten von jetzt an Bestellungen für sämtliche Verhandlungen den Vorzug vor Bestellungen für Einzelsitzungen -(auch wenn diese vor den Bestellungen für sämtliche Verhandlungen einlaufen). Die Versendung der Eintrittskarten kann aus technischen Gründen erst in 2 Wochen erfolgen. Logis. Für die Unterkunft der Kongreßbesucher werden Privat-Zimmer und Ho el-Zimmer zur Verfügung gestellt. Die Preise für Privat- Zimmer betragen (ohne Frühstück) K 3—5, für einzelne Schlafstellen K 2 täglich. In Privat- Pensionen sind Zimmer mit voller Verpflegung von K 6.50 an zu haben. Die lokale Uebungt macht es erforderlich, daß bei Bestellungen auf Privatzimmer ein Angeld von K 3.— miteingesandt wird, da nur so bindende Verträge abgeschlossen werden können. Das Angeld wird auf den Mietzins verrechnet. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß der auch aus anderen Ursachen zu erwartende starke Fremdenverkehr zur Zeit des Kongresses rechtzeitige Logisbestellung dringend erforderlich macht, da nur bei frühzeitigen Bestellungen für Logisbeschaffung garantiert werden kann. Wenn die Bestellungen nicht ausdrücklich eine andere Anweisung enthalten, wird angenommen werden, daß es den Bestellern gleichgültig ist, ob sie in Hotelzimmern oder Privatzimmern untergebracht werden. Ermäßigungen gewähren, wie in den vorigen Nummern angegeben war, die k. k. österF. Staatsbahnen; die k. k. priv. Südbahngesellschaft; die k. k. priv. Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft und die k. ung. Fluß- und Seeschifffahrtsgesellschaft. Auskunft. Die Firma Thos. Cook & Sohn erteilt in allen ihren Geschäftsstellen Auskunft über Reiseverbindungen zum Kongresse, Ermäßigungen usw. Veranstaltungen. Folgende Veranstaltungen stehen bisher fest: Es finden zwei hebräische Theateraufführungen, veranstaltet von der Lodzer hebräischen Theatergesellschaft, in der Neuen Wiener Bühne statt. Am Sonnabend, den 6. September, findet in der Kathrinenhalle ein akademischer Festakt statt, an welchem sich die gesamte nationaljüdische Studentenschaft beteiligen wird. Am Sonntag, den 7. September, vormittags, ist ein gemeinsamer Gang aller Kongreßteilnehmer zum Grabe Herzls. Am Sonntag, den 7. September und Montag, den 8. September, nachmittags, findet auf dem Vienna- Sportplatz aut der Hohen Warte ein Tum- und Sportfest unter Beteiligung aller, der Jüdischen Turnerschaft angehörigen Vereinigungen, statt. Ferner sind zahlreiche Vorträge, Lichtbilder- und kinematographische Vorführungen, musikalische Veranstaltungen, Führungen durch Sehenswürdigkeiten (Adria-Ausstellung) usw. in Aussicht genommen. Der Jüdische Nationalfonds, der Bezalel und der Jüdische Verlag werden Ausstellungen veranstalten. Das genaue Programm wird demnächst bekanntgegeben werden. Das Bureau desXl. Zionistenkongresses. Russisches aus Ungarn. Die Mehrzahl der Juden in Ungarn fröhnt heute leider noch dem extremsten magyarischen Chauvinismus. Sie geht bedeutungslos mit den intoleranten Gewaltpolitikern und schädigt dadurch jüdische Interessen. Insbesondere in der Richtung, daß die von der Regierung arg bedrückten Nationalitäten, wie Kroaten, Serben^ Slovaken etc., in den Juden die willigsten Werkzeuge ihrer Bedränger erblicken und daher dem Antisemitismus immer stärker zuneigen. Als Argument für ihre Haltung führen die Juden immer die Regierung an. Ein Vorfall, von dem der Berichterstatter der „Welt“ meldet, illustriert die unbedingte Judenfreundlichkeit der magyarischen Regierung allerdings recht seltsam. Vor einigen Jahren wurde in Ungarn eine neue Institution, die Grenzpolizei, ins Leben gerufen, deren Aufgabe es ist, die Einwanderung fremder Staatsbürger zu überwachen, recte zu erschweren oder unmöglich zu machen und die in den Grenzgebieten sich niederlassenden Fremden unter strenger Kontrolle zu halten. Die jüdischen Zeitungen in Galizien hatten längere Zeit hindurch ständige Rubriken zur Registrierung der ungerechtfertigten Ausweisungen und anderer Be- E. Preiss, II., Karmeliterplatz 1 im Hause des Kongressbüros. 6 Visit K 4.—, 6 Kabinet K 8.—, Postkarten 12 Stück 3 Kronen. 10 Perzent fallen der zionistischen Organisation zu.

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