Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 28 selbst in seinem Schreiben an den 10. Kongreß befürwortet hat oder, was ich aus den einleitend angeführten Gründen für noch wichtiger hielte, den Versuch zu machen, ob es einer anderen j Führung nicht gelingen könnte, den J. C. T. doch zu einer gut funktionierenden Commerzbank zu machen. Nachdem das jetzige Direktorium dies nicht zuwege gebracht hat, so wird es mit einer Reorganisation der Leitung einverstanden sein müssen. Es liegt jedermann ferne, die verdienten und geschäftserfahrenen Zionisten, die heute das Direktorium bilden, eliminieren zu wollen, es muß nur verlangt werden, daß neue, sachkundige Gesinnungsgenossen hinzugewähll werden, die einen frischen Zug in die Führung bringen und die schon eingewurzelte unrichtige Gesdiäftspolitik der Bank einer gründlichen Revision unterziehen. Mit dieser bescheidenen Forderung werden einige Freunde und ich vor den Kongreß treten, in der Hoffnung, daß es im Willen aller Zionisten gelegen ist, die Bank aus ihrer heutigen Situation zu bringen und sie zu einem kräftigen und brauchbaren finanziellen Instrument unserer Bewegung zu machen. Der XI. Zionistenfiongrefi in Hien. Verhandlungen. Der Einlaß zu jeder Sitzung und jeder Veranstaltung ist nur gegen Karten gestattet, die für jede einzelne Sitzung und Veranstaltung besonders ausgegeben werden. Die Einlaßkarten für die Verhandlungen kosten für jede Sitzung 1.— K (0.85 M, 1.05 Frs., 0.40 Rbl., 0.20 Doll., 10 d). Es finden elf Sitzungen des Kongresses statt. Da schon jetzt eine große Anzahl von Bestellungen auf Einlaßkarten vorliegen und eine äußerst starke Beteiligung zu erwarten ist, empfiehlt es sich, die Karten im Vorverkauf zu bestellen. Die Gebühren im Vorverkauf betragen: Eröffnungssitz. Jede weitere Sitz. Sämtl. Verhandl. sämtl. Plätze Sitz Logensitz Sitz Logensitz K 3.— K 1.50 K 3.— K 18.— K 33.- M 2.60 M 130 M 2.50 M 15.60 M 28.60 Fr. 3.20 Fr. 1.60 Fr. 3.20 Fr. 19.20 Fr. 35.20 Rbl 1.20 Rbl 0.60 Rbl 1.20 Rbl 7.20 Rbl 13.20 Dol. 0.60 Dol.030 DoLO.60 Dol. 3.60 Dol. 5.60 Sh 2,6 Sh 1,3 Sh 2,6 Sh 15,6 Sh 1,7,6 Bestellungen für Einlaßkarten zu den Verhandlungen sind unter gleichzeitiger Einsendung des Betrages an das Kongreßbureau zu richten. Bestellungen, welche ohne Einsendung der entsprechenden Geldbeträge erfolgen, müssen unberücksichtigt bleiben und können nicht beantwortet werden. Infolge der starken Nachfrage nach Eintrittskarten zu den Verh a ndlungen erhalten von jetztan Bestellungen für sämtliche Verhandlungen den Vorzug vor Bestellungen für Einzelsitzungen (auch wenn diese vor den Bestellungen für sämtliche Verhandlungen einlaufen). Bestellungen für Einzelsitzung en können daher nur noch für den Fall berücksichtigt werden, daß die zur Verfügung stehenden Plätze nicht für Kongreßbesucher vergeben werden, die für sämtliche Sitzungen bestellt haben. Es muß also bei Bestellungen für Einzelsitzungen damit gerechnet werden, daß unter Umständen die Bestellung nicht ausgeführt werden kann und die Rücksendung des bei der Bestellung eingesandten Geldbetrages erfolgen muß. Die Versendung der Eintrittskarten kann aus technischen Gründen erst in etwa 2 Wochen erfolgen. Logis. Für die Unterkunft der Kongreßbesucher werden Privat-Zimmer und Hotel-Zimmer zur Verfügung gestellt. Die Preise für Privat- Zimmer betragen (ohne Frühstück) K 3—5, für einzelne Schlafstellen K 2 täglich. In Privat- Pensionen sind Zimmer mit voller Verpflegung von K 6.50 an zu haben. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß der auch aus anderen Ursachen zu erwartende starke Fremdenverkehr zur Zeit des Kongresses rechtzeitige Logisbestellung dringend erforderlich macht, da nur bei frühzeitigen Bestellungen für Logisbeschaffung garantiert werden kann. Ein Formular für Wohnungsbestellungen 'ist unten abgedruckt. Wenn die Bestellungen nicht ausdrücklich eine andere Anweisung enthalten, wird angenommen werden, daß es den Bestellern gleichgültig ist, ob sie in Hotelzimmern oder Privatzimmern untergebracht werden. Ermäßigungen. Die k. k. österr. Staatsbahn gewährt auf allen Strecken mit Ausnahme der im Staatsbetriebe stehenden Lokalbahnen auf Entfernungen über 50 km eine Fahrbegünstigung dahin,- daß bei Benützung der 1. und 2. Wagenklasse der Personenzüge der halbe tarifmäßige Schnellzugsfahrpreis und bei Benützung der 1., 2. und 3. Wagenklasse der Schnellzüge der tarifmäßige Personenzugsfahrpreis der zu benützenden Wagenklasse zu entrichten ist. Die Ermäßigung findet nur Anwendung bei Abfertigung innerhalb des Gebietes der k. k. österreichischen Staatsbahnen und gilt für die Fahrt nach Wien innerhalb der Zeit vom 27. August bis 5. September, für die Rückfahrt von Wien innerhals tember, für die Rückfahrt von Wien innerhalb der Zeit vom 6. bis 14. September. Die k. k. priv. Südbahngesellschaft gewährt für Fahrten von den österreichischen Südbahnstationen nach Wien Südbahnhof und für die Rückfahrt besonders ermäßigte Fahrkarten zu den Preisen des Spezial-Tarifes I (etwa 20°/o vom normalen Preis) unter nachstehenden Bedingungen : 1. Die Ermäßigung wird auf Entfernungen von mindestens 101 km (einfache Fahrt) für alle drei Wagenklassen der fahrplanmäßigen Schnell- und Personenzüge, und zwar entweder für einfache Fahrt von der Einsteigestation nach Wien Südbahnhof oder für Hin- und Rückfahrt von der Einsteigestation nach Wien Südbahnhof und zurück (über die gleiche Strecke) erteilt. 2. Die Karten sind spätestens eine Viertel1s tun de vor dem Abgänge des Zuges zu lösen. 3. Die Ermäßigung gilt für die Fahrt nach Wien vom 27. August bis 7. September einschließlich, für die Rückfahrt vom 6.—14. September einschließlich. Die k. k. priv. Donau-Dampfschiffahrtgesellschaft gewährt auf ihren Passagierlinien die Benützung des ersten und zweiten Schiffsplatzes gegen Bezahlung der Gebühren des nächst niederen Schiffsplatzes. Die Ermäßigung gilt für die Zeit vom 19. August bis 19. September. Die kgl. ung. Fluß- und Seeschiffahrtgesellschaft in Budapest gewährt die gleiche Ermäßigung für die Zeit vom 26. August bis 14. September 1913. Auskunft. Die Firma Thos. Cook & Sohn erteilt in allen ihren Geschäftsstellen Auskunft über Reiseverbindungen zum Kongresse, Ermäßigungen usw. Veranstaltungen. Folgende Veranstaltungen stehen bisher fest: Es finden zwei hebräische Theateraufführungen, veranstaltet von der Lodzer hebräischen Theatergesellschaft, in der Neuen Wiener Bühne statt. Am ■ Sonnabend, den 6. September, findet in der Katharinenhalle ein akademischer Festakt statt, an welchem sich die gesamte nationaljüdische Studentenschaft beteiligen wird. Am Sonntag, den 7. September“, vormittags, ist ein gemeinsamer Gang aller Kongreßteilnehmer zum Grabe Herzls. Am Sonntag, den 7. September und Montag, den 8. September, nachmittags, findet auf dem Vienna- Sportplatz auf der Hohen Warte ein Tum- und Sportfest unter Beteiligung aller, der Jüdischen Turnerschaft angehörigen Vereinigungen, statt. Ferner sind zahlreiche Vorträge, Lichtbilder- und kinematographischeVorführungen, musikalische Veranstaltungen, Führungen durch Sehenswürdigkeiten (Adria-Ausstellung) usw. in Aussicht genommen. Der Jüdische Nationalfonds, der Bezald und der Jüdische Verlag werden Ausstellungen veranstalten. Das genaue Programm wird demnächst bekanntgegeben werden. Das Bureau des XI. Zionistenkongresses. - Vor dem Kongreß - ist es die wichtigste Aufgabe jedes Zionisten sich die Propaganda für die Tägliche Kongreß- Ausgabe der,Welt* angelegen sein zu lassen, — Von ihrer weltweiten Verbreitung hängt nicht zum wenigsten die Wirkung des Kongresses ab. Je crößer der Leserkreis ist. der durch die Kongreßausgabe der „Welt“ über den Kongreß informiert wird, desto erfolgversprechender is die zionistische Propaganda-Arbeit - nach dem Kongreß - Oie Rongrehansgabe der „Welt“ erscheint während des Xt. Zionistenkongresses in Wien (vom 2. bis 9. September 1913) ALS TAGESZEITUNG in sechs Nummern. Sie wird den einzig offiziellen Kongreßbericht bringen und ihre Leser über die Verhandlungen genau und schnellstens informieren. Bezugspreise: Deutschland . . . Mk. 2.40 England .... sh. 2|10 Oesterreich-Ungarn K 2.80 Holland .... Hfl. 1.70 Rußland.Rbl. 1.30 Vereinigte Staaten Doll. 0.70 alle übrigen Länder Frs. 3.60. Bestellungen gegen Voreinsendung des Betrages (auch in Briefmarken) sind zu richten an den VERLAG „DIE WELT“, BERLIN W 15 SÄCHSISCHE STRASSE 8. tembepgep Brief. Die Niederlage des polnischen Hausjuden Löwenstein. („Wenn die letzte Volkszählung, welche für die politische Welt wichtige Materialien lieferte, 650.000 Juden unter den Polen aufzuweisen hat, wenn bisnun keine Wahlen vor sich gingen, ohne daß die Juden ihrer Bürgerpflicht genügten, wenn auch manchmal mit großen Opfern, so ist es mein und meiner Propagandaarbeit Verdienst.“ Aus einer Rede des Dr. N. Löwen,- stein R. v. Opoka gehalten am 24. Juni 1913 in Lemberg.) Und so stand er, der politische Gaukler1, auf der Rednertribüne, um mit seiner Schönrednerei Stimmen für seine Landtagskandidatur zu werben. In dieser Pose findet man ihn immer, den noblen jüdischen Schlachzizen, so oft nur Wahlen vor der Türe stehen. Da spielt er sich als Bannerträger der polnisch-nationalen Idee auf, wird päpstlicher als der Papst selbst, lizitiert in polnischem- PatriotismusTnit den waschechtesten Polen und wenn noch1 die Hilfe der Machthaber, für die er immer offene Taschen hat, dazukommlf, so gelingt es ihm sein Mandat zu behaupten und auf dem Rücken der Volksmasse die hohe soziale Leiter hinaufzusteigen. Und da bot sich1 wieder Gelegenheit ein solch’ Gauklerstückchen zu spielen. Der Landtag war aufgelöst und er mußte wieder hinuntersteigen zu den unteren Schichten und wieder versprechen und schwören, in der Synagoge auf der Thora, in der Kirche" aufs Kreuz. Denn einerseits galt es die Juden für den „Iwri“, anderseits die NicKtjuden für den Nachfolger Bernard Goldmans und Zuckers (so nennt sich Löwenstein gerne) zu gewinnen. Und man sah ihn von einer Versammlung in die andere laufen, hier und dort schön gedrechselte Reden halten, in jüdischen Versammlungen mit dem Verlust des jüdischen Besitzstandes drohen, hingegen in polnischen gegen jeden jüdischen Separatismus donnern, „da doch' die Juden gerne, wenn es notwendig ist, auf ihren Besitzstand zu Gunsten der Polen verzichten.“ So stand die ganze Wahlkampagne in Lemberg im Zeichen der Löwensteinschen Kandidatur. Gegen ihn die ganze Judenheit, die den moralischen Urheber des Drohobyczer Massen mordes gerne von sich abschütteln möchte, gegen ihn das Gros der polnischen Bevölkerung, die den berüchtigten „Rydzyna“ — Verkäufer *) aus ihrer Mitte entfernen will, für ihn ein ganz kleines Häuflein bezahlter k. k. Demokraten, die korumpierten jüdischen Sozialdemokraten (die ehrlichen stellten einen eigenen Kandidaten Rubin Birnbaum auf) und an der Spitze dieser netten Gesellschaft stand der bekannte Schläger und Wahlmacher Korkes. Mit dieser - Suite zog Löwenstein in den Kampf und da galt es doch etwas an Taten aufzuzählen, nachdem er seit 1911 fast in Vergessenheit geraten ist. Doch woher Taten nehmen? So schwor er, daß er in den letzten Jahren viel gelitten, die verfluchten Zionisten und polnischen Nationaldemokraten lassen ihm keine ruhige Nacht mehr, und doch „wenn bei der Volkszählung 650.000 Juden sich zum Polen tu me bekannten, wenn die Juden so oft für polnische Kandidaten, oft mit großen Opfern kämpften, so ist es mein alleiniges Verdiens t.“ Wir wollen nicht darüber streiten wessen Verdienst es ist, wenn wir bei der Volkszählung, unserer nationalen Eigenart beraubt, mit Gewalt den Polen ein verleibt wurden. Tatsache ist es •daß nur durch Gewaltakte die Polen ihren Besitzstand in Galizien um 650.000 Juden vermehrt haben. Und wenn Löwenstein über die Unterstützung der polnischen Kandidaten seitens der Juden mit solcher Emphase spricht, so mögen ihn die Blutflecken an seinem Drohobyczer Reichsratsmandat daran erinnern, welche Sympathien die Juden seiner Kandidatur entgegenbrachten. Es ist schon mehr ate' boshaft, es ist schon gemein, *) Anmerkung der Red. — Der edle „Pole“ Löwenstein hat gegen hohe Provision das polnische Gut Rydzyna in Preußisch-Polcn an die Preußen verschadhert.