Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 * JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 28 sehen Bürgerschaft, welches es müde ist, ruhig anzuhören, wie an den österreichischen Universitäten gepredigt wird, daß der Jude von Geburt aus ehrlos ist, noch gute Dienste leisten. Rundschau. Waidhofener Skandale in Czernowitz. ln Czernowitz haben vor wenigen Tagen Studentenkrawalle stattgefunden, die fh der Ursache und dem Verlaufe den Wiener Studentendemonstrationen der letzten Wochen gleichen. Wie hier in Wien, so hat auch in Czernowitz die Anwendung des berüchtigten Waidhofener Beschlusses, welcher jeden Juden als von Geburt aus ehrlos erklärt, die wildesten Szenen entfesselt. Mehrere Wiener antisemitische Kouleur-Studenten haben ihren Bruderverbindungen in Czernowitz einen Besuch abgestattet. Sie fanden es bei dieser Gelegenheit für passend, einige jüdische Hörer der Czernowitzer Universität anzustänkern und grundlos zu beleidigen. Die Beleidigten forderten Genugtuung, aber die lieben Wiener Gäste verweigerten dieselbe mit der Begründung, daß sie Anhänger des Waidhofener Beschlusses seien, sich daher nicht herbeilassen können, von ihnen beleidigten Juden irgendwelche Erklärungen abzugeben. Auf diese solenne Erklärung erfolgte nun die einzig richtige Antwort: die beleidigten jüdischen Studenten prügelten die frechen Feiglinge gründlich durch. Nunmehr erwachte bei den Gastgebern das Solidaritätsgefühl, die Czernowitzer Deutschen traten für die „Gäste“ ein. Beim Spaziergange in der Stadt gerieten beide Parteien aneinander und die deutschen Antisemiten wurden nunmehr korporativ gezüchtigt. Der Versuch, die Wiener deutschnationale Methode auch in der Provinz zu propagieren, hat für die Veranstalter einen kläglichen Verlauf genommen. Wir nehmen keinen Anstand, diesen Vorfall zu begrüßen. Prügeleien sind an sich gewiß keine schöne Sache. Wenn aber die politischen und die Unterrichtsbehörden völlig versagen, wenn sie es dulden, daß die österreichischen Juden auf Schritt und Tritt von alkoholisierten Feiglingen in der niederträchtigsten Weise beschimpft werden, muß zur Selbsthilfe gegriffen werden. Bevor nicht seitens der Behörden Remedur geschaffen wird, werden diese Szenen nicht aufhören. Die jüdische Studentenschaft und die jüdische Bürgerschaft sind nun einmal des Waidhofener Uebermutes gründlich satt und werden nicht früher ruhen, als bis dem Treiben dieser gemeinen Ehrabschneider seitens der berufenen Faktoren Einhalt geboten wird. Deutsche Treue. Anläßlich der mährischen Landtagswahlen hat sich in Brünn ein ganz bezeichnender Zwischenfall abgespielt Bekanntlich sind die politischen Häuptlinge der mährischen Judenschaft die blindesten und getreuesten Knechte der deutschnationalen Antisemiten. Von den Taufjuden Redlidi und Licht und einigen korrupten Kultusvorständen angetrieben, leisten die jüdischen Wälder das möglichste an Selbstverleugnung. "Sie wählen aut Kommando Taufjuden, deutschnationale Antisemiten und auch Christlichsoziale. Bei den letzten Wahlen haben wieder die oberwähnten „fortschrittlichen“ Führer mit den Wolfianern ein sauberes Abkommen getroffen. Sie haben sich verpflichtet, den deutschnationalen Antisemiten alle jüdischen Stimmen zuzubringen, dafür wurde ihnen in Brünn ein Mandat für den Juden D r. Jarolim zugestanden. Der Pakt wurde in Aufrufen, die natürlich auch von den Antisemiten unterschrieben waren, publiziert. Die Juden haben sich natürlich an die beschworene Parole gehalten und in Znaim für den berüchtig ten T e u f e 1, der die allergrößten antisemitischen Lumpereien verübt, in Brünn für den Judenfresser Rögelböck und ähnliches Gelichter gestimmt. Anders die Deutschradikalen. Im letzten Momente trat gegen Dr. Jarolim ein „selbständiger“ Deutschradikaler Kandidat namens Reinfuß aut, der merkwürdiger Weise alle radikalen Stimmen erhielt und mit Jarolim in die Stichwahl kam. Nunmehr, nachdem alle Antisemiten mit Hilfe jüdischer Stimmen gewählt waren, ließen die Führer der Radikalen die Maske fallen und veröffentlichten trotz des beschworenen Abkommens Aufrufe für Reinfuß und gegen Jarolim. So sehen deutsche Treue und jüdische Hinterlist aus! Wir können uns über den Reintali, den die getauften und halbgetauften „Führer“ erlitten haben, beim besten Willen nicht kränken. Ihre Charakterlosigkeit verdient keinen besseren Lohn. Die jüdischen Wähler aber können wiedereinmal erkennen, mit welchem Gesindel sie politisch verbündet sind. Unsere Banft. Von Adolf Böhm, Wien. Von allen Fragen, welche den XI. Zionistenkongreß beschäftigen werden, ist keine von so aktueller Wichtigkeit, wie die der Reorganisation der Jüdischen Kolonialbank. Keine unserer Institutionen ist so wenig den Erwartungen, die man auf sie gesetzt hat, gerecht geworden, wie der Jewisli Colonial Trust. Seine Leitung ist daher stets (das Ziel heftiger Angriffe gewesen. Es hat auch picht an Kongreßbeschlüssen gefehlt, welche auf eine völlige Aenderung des Kurses der Bankpolitik abzielen. Insbesondere ist der am IX. Kongreß (1909) angenommene Antrag Simon zu erwähnen, der folgenden Wortlaut hat: „Der Kongreß fordert die allmähliche möglichste Einschränkung des europäischen Geschäfts des J. C. T. und die Ueberleitung ider freiwerdenden Mittel nach Palästina.“ Aber obzwar vier Jahre seit diesem Beschlüsse verstrichen sind, ist er noch nicht ausgeführt. Zwar hat die Bank ihre Beteiligung an der Anglo Palestine Cy inzwischen vergrößert, im allgemeinen jedoch' hat sich in der Art ihres Geschäftsbetriebes nichts geändert. Der XI. Kongreß hat die Aufgabe, die Bankfrage einer genauen Prüfung zu unterziehen. Hiebei wird von den beiden sich gegenüberstehenden Gruppen genau so wie es am X. Kongreß in Bezug auf die Frage ,der Leitung der Fall war, ein Einvernehmen gesucht werden müssen. Mit der heftigen Kritik des Bankdirektoriums allein .wird eben so wenig etwas getan sein, als mit der stereotyp gewordenen Verteidigung, mit der die Bankleitung bisher alle Angriffe zurückgewiesen hat: Daß das Aktienkapital zu klein, der Name der Bank nicht verlockend sei, die Büros am Samstag gesperrt werden müssen etc. Die Bank ist eine Angelegenheit der zionistischen Gesamtorganisation. Diese hat darüber schlüssig zu werden, wozu ihr Finanzinstrument dienen und in welcher Weise es geführt werden soll. Das Direktorium hat dann nur auszuführen, was der Kongreß beschlossen hat. Es ist aber nicht berechtigt, zu bestimmen, was mit der Bank geschehen soll, ob sie ein reines Kommerzinstitut oder eine Emissionsbank sein, ob sie in Europa überhaupt Geschäfte machen soll oder nicht, etc. Am IX. Kongreß ist mit dem Antrag Simon ein wichtiger Schritt für die Zweckbestimmung der Bank getan worden. Kein Zweifel, die Ueberführung der Mittel nach Palästina, — das ist ein ziemlich eindeutiges Verlangen, wenn auch noch nicht gesagt wurde, wofür das Geld verwendet werden soll. Wahrscheinlich meinte Simon, daß es der A. P. C. übergeben, also wieder zu bankmäßig kommerziellen Geschäften verwendet werden soll. Hierüber kann man auch anderer Ansicht sein. Jedenfalls ist dem Antrag, trotzdem er beschlossen wurde, keine Folge gegeben worden. Es handelt sich heute, genau so wie beim IX. Kongreß, darum, daß die Organisation darüber schlüssig wird, was mit der Bank geschehen soll und daß dafür gesorgt wird, daß die Kongreßbeschlüsse auch ausgeführt werden.' Eine Diskussion der Bankfrage in der Presse vor dem Kongreß ist daher unbedingt nötig. Ich möchte sie mit nachstehenden kurzen Betrachtungen einleiten. Der Zweck der Bank. Am IX. Kongreß ist die Unterscheidung gemacht worden: Sind die Gelder mündelsicher anzulegen oder soll die Bank Konzessionen erwerben? Beide Zwecke schließen einander natürlich aus. Ich glaube nicht, daß heute noch irgend jemand auf dem Standpunkt steht, das Geld der Bank müsse mündelsicher angelegt werden. Das hätte man eher mit dem Gelde des Jüdischen Nationalfonds tun können und auch bei diesem ist das Prinzip der Thesaurierung verlassen worden. Die Bank ist ja von vornherein ials ein lebendiges Instrument der Bewegung angesehen worden. Die andere Ansicht besagt, die Bank solle Konzessionen erwerben. Dazu brauchte sie aber nichts anderes zu sein als eine gute Kommerzbank mit reichlichen Fonds, Depositen, Beziehungen zur Bankwelt usw. Wie viele große Konzessionen, auch in der Türkei, sind von reinen Kommerzbanken (z. B. Deutsche Bank) erworben worden. Man kann ferner der Ansicht sein, daß die Bank, wie ihre Gründer immer betonten, das „politische Instrument“ der Bewegung darstellen müsse. Das heißt mit anderen Worten, daß sie bei Verhandlungen der eine Vertragsteil sein soll. Aber wenn man an einen Charter nicht glaubt, so kann es sich nur um Landkäufe, Konzessionen (Bergwerke, Eisenbahnen, Häfen etc.) oder Uebernahme von Staatsanleihen handeln. Die Landkäufe sind heute auszuschalten, dafür haben wir unsere eigenen Gesellschaften, über den Erwerb von Konzessionen ist schon gesprochen worden. Was die Uebernahme von Anleihen betrifft, so fehlt unserer Bank heute dazu alles. .Wenn wir von der Teilung der Banken in Emissions- und Depositenbanken, wie sie in England {üblich ist, absehen und mehr an die kontinentalen Verhältnisse denken, so ist wiederum zu sagen, daß eine kräftige Kommerzbank auch' dafür genügte, Anleihen zu vermitteln. Dazu braucht es erstens größerer Mittel, um Teile der Anleihen fix zu übernehmen, zweitens einen großen Klientenkreis, der die von der Bank empfohlenen Papiere kauft, so daß diese im Publikum nach und nach placiert werden können, drittens gute Verbindungen mit anderen Banken, um zur Uebernahme der Anleihen ein Syndikat bilden zu können, Wodurch die Anteile”der einzelnen Banken und ihr Risiko verkleinert werden. All das kann 'sich eine kommerziell gut geleitete Bank verschaffen. Eine weitere Ansicht ist die, daß die Bank dazu da sein müsse, die jüdischen Kreditinstitute im Osten Europas durch' Reeskompte und Einlagen zu stützen, einö vierte, daß die Bank nur in Palästina arbeiten möge; Ich möchte meiner Meinung dahin Ausdruck geben, daß die Bank, wie schon angedeutef, fast alle die gewünschten Zwecke erreichen könnte, wenn sie eine gut rentierende Kommerzbank wäre. Eine solche könnte ihr Aktienkapital ständig erhöhen, würde eine wachsende Klientel an sich ziehen, Verbindungen mit anderen Banken schaffen, jüdischen Kreditinstituten Stütze sein können, Konzessionen erwerben, ja vielleicht auch kleinere Anleihen übernehmen können. Was die Arbeit in Palästina betrifft, so bin ich nicht der Ansicht, daß der J. C. T. seine Gelder völlig dahin überführen soll. Die Palästinaarbeit braucht eine kräftige Bank in Europa als Rückhalt, aber nicht bloß, um die selten eintretenden Runs abzuwehren, sondern z. B. um Pfandbriefe von Hypotheken (und andere Palästinapapiere an seine Klientel abzusetzen und ähnliches mehr. Mit dem ewigen Einwand, die Bank müsse ihr Geld zum Teile liquid halten, wegen eventueller Runs in Palästina, soll man uns lieber verschonen. Jede gutgeleitete Bank muß einen Teil ihrer Gelder liquid halten und was da noch fehlt, um einen Ansturm abzühalten, das ist nur durch die continuierliche Verbindung mit anderen Banken zu verschaffen. Ist also das Ziel unserer Bankpolifik kein anderes, als ein gut geleitetes, daher auch1 gut rentierendes Institut zu schaffen, so müssen wir IHlisPM PRÖBEDOSE VERSENDET GRATIS: | HErjR^ESräjWgÜBIBERSrRflgC^JI NIEDERLÄNDISCHE LEBENS ASpjERNpLATZ t Im eigenen Palais. — Uersitherfes Kapital zirba 380 Millionen. — Prämienreserue zirba 113 Millionen. — Billigste Prämien und bulanteste Bedingungen. Engagiert jederzeit tüditige, leistungsfähige Agenten gegen hohe Bezüge. Busbüntte erteilt die 6eneralagentsihaft Wien, I., Hspernplatz 1 (beiter: Daoid Hehenzahl). EBr Ostgalizien u. Buhowina: Subdirehtion böbl Taubes, bemherg.