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Jüdische Zeitung · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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. Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 27 kolle dem Engeren Aktions-Komitee vorliegen. Jede Ortsgruppe resp. jeder Verein, der in den beiden letzten Jahren zusammen 400 Schekel abgeliefert hat, hat das Recht, einen Delegierten zum Kongreß zu wählen. Kleinere Ortsgruppen und Vereine werden zu einem Wahlbezirk zusammengelegt, der selbstverständlich für die Jahre 5672—1911/12 und 5673-1912/13 zusammen 400 Schekel abgeliefert haben muß. Es ist natürlich gestattet, daß Gesinnungsgenossen, die für das Jahr 5672—1911/12 den Schekel zu entrichten versäumt haben, ihn jetzt noch nachträglich für das vorige Jahr entrichten. Das Engere Aktions-Komitee. * « * Versammlung der zionistischen Vertrauensmänner des Distriktes Böhmen. Am 29. Juni fand im „Jüdischen Vereinsheim“ in Prag eine Versammlung der zionistischen Vertrauensmänner des Distriktes statt, die von fast sämtlichen Ortsgruppen und Vereinen beschickt war. Die Versammlung war einberufen worden, um zu den Kongreßfragen Stellung zu nehmen, und das Aktions-Komitee hatte aut Wunsch des Distriktskomitees seine Sekretäre, Herrn Kurt Blumenfeld und Herrn Leo Herrmann zur Berichterstattung entsendet. Herr Sekretär Leo Herrmann erstattete das Referat, in dem er über die politische Arbeit des Aktionskomitees und ihr System, das für das Aktions-Komitee maßgebend war, und über den Stand und die Aussichten der ■ Palästina-Arbeit ausführliche Mitteilungen machte. Er gab zum Schlüsse seines Referates Auskunft über die Motive, die das Aktions-Komitee veranlassen, dem Kongreß die Forderung einer engeren Verbindung zwischen der Leitung und den Finanzinstituten der Organisation vorzulegen. Herr Sekretär Kurt Blumenfeld gab aut die Anfragen, die aus der Mitte der Versammlung gestellt wurden, eingehende Auskunft. -Die Versammlung nahm einstimmig folgende von den Herren Dr. Emil Margulics, Leitmeritz und Louis Schiff, Aussig eingebrachte Resolution an: „Die am 29. Juni 1913 in Prag tagende Vertrauensmänner versam mlung der Zionisten Böhmens spricht dem Engeren Aktions-K o m i t e e ihr vollstes Vertrauen aus und billigi die von ihm angewandte Arbeitsmethode in jeder Hinsicht. ~ Sie erklärt es als selbstverständliche und unbedingte Notwendigkeit, in Wiederherstellung des normalen, von Herzl geschaffenen Zustandes der vom Kongreß gewäh/ten Leitung auch die Majorität in den Verwaltungen unserer Finanzinstitute einzuräumen, und verlangt gleichzeitig in Konsequenz dieser Forderung die Verlegung des Hauptbüros des Jüdischen Nationaltonds nach Berlin, dem Sitz der Leitung, zum Zwecke der Zentralisierung der zionistischen Verwaltung. Die Vertrauensmänner erklären, daß sie in der Durchführung dieser Forderung die unerläßliche Voraussetzung für eine gedeihliche Fortentwickelung der zionistischen Arbeit erblicken und daher bei dieser Forderung unbedingt beharren mücsen.“ Ferner sprachen die Vertrauensmänner aut Antrag des Herrn Dr. Hugo Bergmann den Wunsch aus, daß die Tagesordnung des Kongresses in der Weise geregelt werde, daß Fragen der zionistischen Erziehung der Jugend genügende Aufmerksamkeit gewidmet werden könne. _ -S . x. hundert und werden von den arabischen Historikern als Frucht der Bemühungen der Juden dargestellt, die infolge der Judenverfolgung unter Kaiser Heraklius nach Chasarien flüchteten. Die Mitteilung der arabischen Historiker stimmt auffallend mit der Beschreibung der Bekehrung der Chasaren zum jurl ntum überein, welche König Josef in dem1 Briefe an Chasdai gibt. Nach' diesem Briefe wurden di" Chasaren um 620 jüdisch. und zwar wrd erzählt, daß der damalige König Bulan durch wiederholte Erscheinungen von Engeln aufgefordert worden sei, dem1 Götzendienst zu entsagen und nur den einzig wahren Gott anzubeten. Im Innern bereits für das Judentum1 gewonnen, wollte Bulan doch auch eine Art Prüfung der verschiedenen, damals bekannten Religionen veranstalten und ließ zu diesem1 Zwecke einen christlichen Mönch kommen, dem» er die Frage vorlegte, welche Religion die bessere sei. die jüdische oder die mohammedanische. Der Mönch antwortete, daß zwar nur die christliche Religion die einzig wahre sei. daß dieselbe jedodi aus der jüdischen Religion hervorgegangen sei, weshalb alle Christen auch den Satzungen der jüdischen Religion Achtung und Verehrung zollten, während sie den Islam' als schändlichen Trug und als Blendwerk des Teufels betrachten. Desgleichen fragte Bulan auch einen mohammedanischen Kadi, ob der christliche oder jüdische Glaube besser sei, und erhielt von diesem' die Antwort, daß jedenfalls die jüdische Religion besser sein müsse wie die christliche, da sie viele Vorschriften, wie die 5. Schekelausweis 5673 (Innerösterreich). Dr. Schallinger, Wien, 2.40; „Esperanza“ 44.40; „Jordania“ 8.40; „Hat’chiah“ 4.80; „Zephira“ 12.—: Wiener Zion. Vereinigung 12.—; zus. 84.—; bisher ausgewiesen 823.60; in Summe 907.60. * Mitteilung des I. Oe. D. K. Jene Gg., die den Sommer in Vöslau oder Baden verbringen, werden höflichst ersucht, ihre Adresse dem Büro des D. K-, II., Karmeliterplatz 1, umgehend bekanntzugeben. * Wien. Der Studententag der mährisch-schlesischen zionistischen Ferialverbindüngen findet heuer vom 22.—24. August in Olmütz statt. Tagesordung; 1. Begrüßung durch den Obmann, Herrn Ing. Bernhard Würbik; 2. Rechenschaftsbericht des Arbeitsausschusses, gehalten vom Obmann; 3. Organisationsstatut, gehalten von der jüdisch-akademischen Verbindung „Emunah“-Bielitz; 4. Palästinareferat (Hebräischkurs und zionistische Ausbildung), gehalten durch die jüdisch-akademische Verbindung „Hessiana-Mähr. Ostrau; 5. . „Jugenderziehung und Sport“, gehalten von der jüdisch-akademischen Verbindung „Hebronia“-Nikolsburg; 6. „Wie soll eine Ferialverbindung beschaffen sein?“, gehalten von der jüdisch - akademischen Verbindung „Gamala- Göding; 7. Eventuelles. Näheres über den Studententag wird in den nächsten Nummern der „Jüdischen Zeitung“ bekannt gegeben werden. — Am Samstag, den 5. Juli findet die letzte Präsidialkonferenz statt, zu welcher alle Ferialverbindungen dringend eingeladen werden. Ort: Cafe Jägerhof. Zeit: präzise %3 Uhr. Bernhard Würbik, dz. Obmann. 1 Die Niederlaere der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. Rus dem judildien Leben. Zur Beilis-Affäre. K i e w. Wie zu erwarten war, hatte der Einspruch des Vorsitzenden und des Referenten der Kiewer Gerichtskammer gegen den Anklageakt nicht die sonst übliche Folge. Sie machte nicht den ordnungsmäßigen Instanzenweg durch, sondern blieb ohne weiteres im Archiv der Gerichtskammer. Der Hinweis auf den rituellen Charakter des Mordes wurde in die Anklageschrift, wie nunmehr feststeht, auf die Forderung des Justizministers hin aufgenommen. Der Vorsitzende des Kiewer Kreisgeridites ging dieser Tage für ein paar Monate in die Sommerterien. Da in seiner Abwesenheit die Verhandlung gegen Beilis nicht stattfinden kann, wird der Bedauernswerte jedenfalls nocheinige Monate im Gefängnis auf die Entscheidung des Gerichts warten müssen. Ein jüdisches Kunstarchiv. Die Quellen zur wissenschaftlichen Bearbeitung jüdischer Kunstdenkmäler und der Biographien jüdischer Künstler fließen nur spärlich. Das zahlreich vorhandene Material ist weit zerstreut, oft noch an unbekannten Orten bewahrt, und kommt nur durch Zufall an das Tageslicht Viele Gemeinden besitzen wertvolle Kunst- Beschneidung und das Verbot des Genusses unreiner Tiere, mit dem Islam gemein habe. Nachdem1 nun selbst die Feinde des Judentums ein so günstiges Zeugnis für dasselbe abgelegt hatten, zögerte Bulan nicht länger und trat mit seinem' ganzen Hofstaate zum Judentum über. Im' 11. Jahrhundert verschwindet das Chasarenreich. Es konnte dem' Ansturm der Kumanen und der seldschukisdi-türkischen Völkerschaften nicht standhalten. Der letzte Chasarenfürst Senacherib unterwarf sich Schließlich den Byzantinern. Reste der Chasaren, namentlich der zum1 Judentum sich bekennende Teil, sind nach Kutschera die Karaim1 im südlichen Rußland und den ehemalig polnischen Ländern. Von der Krim aus mögen auch zuerst die Juden, welche im Chasarenreich' so zahlreich waren, nach1 Rußland und Polen gewandert sein. Russische Historiker bezeugen ausdrücklich, daß die Juden schon in der Zeit des Wladimir Monomachos in großen Mengen aus Chasarien nach’ Rußland eingewandert sind. Sie fanden bei Wladimir freundliche Aufnahme. Auch nach Polen scheinen Chasaren schön zur Zeit Boleslaws I. zu Beginn des 11. Jahrhunderts, also zur Zeit der Zerstörung des Chasarenreidies, eingewandert zu sein. Dieser Einwanderung der thasarischen Juden nach Rußland und Polen legte Baron Kutschera die größte Bedeutung in ethnologischer Beziehung bei. Kutschera bestreitet, daß die ansehnliche jüdische Bevölkerung Polens eine Folge der Judenverfolgungen in Deutschland sei. Die jüdigegenstände, auch viele Familien bewahren unter den Erbstücken Gegenstände, deren kunst- und kulturgeschichtlicher Wert ihnen nicht zur Genüge bekannt ist. An verschiedenen Orten bestehen bereits öffentliche Sammlungen von Kultusgeräten, Münzen, Handschriften und interessanten Drucken. Was aber das Erfordernis einer wissenschaftlichen Bearbeitung aller dieser Dinge ist, die archivalische Kenntnis, d. h. die sachgemäße Notierung und Vergleichung, fehlt noch vollkommen. Was von den jüdischen Kunstaltertümern zu sagen und’ zu beklagen ist, gilt auch von der Kenntnis der jüdischen Künstler unserer Zeit. Der häufig gemachte Einspruch, daß die Juden als Künstler nur mäßig begabt und nichts Ursprüngliches zu leisten imstande seien, ist durch das tatsächliche Material bereits als irrtümlich nachgewiesen. Der bekannte Kunsthistoriker Herr Karl Schwarz hat es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, die jüdischen Kunstdenkmäler und die Werke der jüdischen Künstler zu studieren und hat auf Grund des von ihm bereits seit Jahren gesammelten Materials ein jüdisches Kunstarchiv gegründet, dessen Zweck es ist, alle einschlägigen Dokumente und Nachrichten (auch photographisches Material) an einer Zentralstelle zu sammeln und zu erschließen. Das jüdische Kunstärchiv steht in Verbindung mit dem Gesamtarchiv der deutschen Juden zu Berlin N 24, Oranienburgerstraße 28. Durch diese Verbindung mit einem öffentlich anerkannten Institut ist die ordnungsgemäße Verwaltung und die Sicherstellung des Materials für alle Zeiten gewährleistet. Das Archiv enthält auch eine Lichtbilderzentrale, die für Vorträge über jüdische Kunst und jüdische Künstler geeignetes Material beschaffen will. Das Jüdische Kunstarchiv wendet sich in einem Aufruf an alle Kreise, in erster Linie an unsere jüdischen Künstler, mit der Bitte um Ueberlassung recht zahlreichen Materials. Nähere Auskunft über das Jüdische Kunstarchiv, sowie die Statuten, sind durch das Gesamtarchiv -der deutschen Juden zu erhalten. Der Gouverneur von Jerusalem in den judäischen Kolonien. Jaffa. Alljährlich pflegen die Jerusalemer Gouverneure um diese Zeit, wo der Oscher (die Getreidesteuer) gepachtet und auch eingetrieben wird, eine Reise durch das Land zu machen. Auch der jetzige Jerusalemer Gouverneur, Mugid Bey, unternahm jetzt eine ausgedehnte Reise durch seinen Regierungsbezirk und benutz+q.. zugleich die„Gelegenheit, mit .Land und Leuten; bekannt zu werden. Auf dieser Keise besuchte er auch mehrere jüdische Kolonien, wo er mit der gebührenden Ehrerbietung empfangen wurde. In Pethach-Tikwäh antwortete er aut die Begrüßung seitens des Kolonievorstandes, daß es überflüssig sei, die Anhänglichkeit der Juden an die Türkei erst besonders hervorheben zu wollen und daß er den Verleumdungen der Gegner der Juden nie Gehör schenken werde. In Rechoboth sprach er seinen Wunsch aus. in einigen Wochen dort mit seiner Frau die Sommerferien zu verbringen. In Kostinie sicherte er Erleichterungen bezüglich des Oschers sowie Verbesserungen der Wege zu. Emigrantenfürsorge der Israelitischen Allianz zu Wien. Während des Monates Mai 1913 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 175 Emigranten, davon 153 russische stlien Niederlassungen, die von Palästina ausgingen, beschränkten sich auf die Ufer des Mittelmeeres, im südlichen Europa von Byzanz bis Cadiz und im> nördlichen Afrika vom Nil bis zum1 Atlas. Die jüdischen Ansiedlungen in Deutschland beschränkten sich1 auf den Rhein. Noch1 im’ 11. Jahrhundert werden nur Speyer, Worms und Mainz als jüdische Gemeinden erwähnt. Die Judenverfolgungen im1 12. und 13. Jahrhundert verhinderten die Errichtung neuer Ansiedlungen. I(m' Norden und Osten Deutschlands gab es Ende des 13. Jahrhunderts keine Juden, während im1 dreizehnten Jahrhundert die Juden in Polen bereits förmlich und gesetzlich etabliert sind und große Privilegien genießen. Gewiß fand im1 Laufe der Zeit auch eine Einwanderung von Juden aus Deutschland in Polen statt. Diese Juden brachten auch ihren mittelrheinischen Dialekt mit, wie er Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts zwischen Mainz und Düsseldorf gesprochen wurde, und die Spuren dieses Dialekts haben sich in dem' jüdisch-deutschen Dialekt bis zum1 heutigen Tage erhalten. Die große Masseneinwanderung von Juden nach Polen erfolgte nach Kutschera viel später, und zwar aus dem' Osten. Für ihn steht es fest, daß die polnische Judenheit einen starken Einschlag chasarischen Blutes hat. Daß sich über diesen Punkt zum1 mindesten noch streiten läßt, ist ohne weiteres ersichtlich. OOO

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