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Jüdische Zeitung · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 und 22 rumänische weiterbefördert, und zwar 95 nach den Vereinigten Staaten, 32 nach Argentinien, 22 nach Kanada, 24 nach Frankreich und 2 nach anderen Ländern. In die Heimat zurückbefördert wurden 26 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Mai für 31 Personen zusammen 100 Tage Logis und volle.Verpflegung gezahlt und an 93 Emigranten insgesamt 279 Speisemarken für die Israelitische Volksküche ausgegeben. Ritualmordhetze an einer ungarischen Hochschule. Budapest. Aus Nagyvarad (Großwardein) wird über eine Affäre berichtet, die im* 1 ganzen Lande das größte Aufsehen erregt. An der dortigen katholischen Rechtsakademie liest seit Jahresfrist der praktische Arzt Dr. Stefan Verzär über gerichtsärztliche Medizin. Während seines Vortrages ereignete sich kürzlich folgender Zwischenfall: Der Dozent sprach eben über die äußeren Umstände und Merkmale des Ertrinkens. Plötzlich hielt er inne und sagte dann, wohl um1 seine Ausführungen zu illustrieren: „Bitte, es gibt ein bekanntes und berühmtes Beispiel. Bevor wir weitergehen, bringe ich Ihnen den Fall von Tisza-Eszlär in Erinnerung. Dort geschah es, daß die Juden, welche für rituelle Zwecke das Blut junger Mädchen abzapfen, die Esther Solymosi ertränkten_“ Lautlose Stille trat ein. Da erhob sich ein jüdischer Hörer: „Ich bitte um1 Entschuldigung, Herr Professor, ich bin Jude und weiß, daß das Judentum1 jeden Blutgenuß ausdrücklich und strengstens verbietet.“ „Bitte, meine Herren, lassen wir das,“ sprach der Dozent und las mit Seelenruhe weiter, während die christlichen Hörer ihren jüdischen Kollegen mit den Rufen: „Der Herr Professor sprach sehr richtig“ und ähnlichen Bemerkungen hänselten. Die Angelegenheit wurde bald bekannt. Ein Journalist suchte Dr.i Verzär auf und interviewte ihn. Dr. Verzar bestätigte den in den auf die Frage, ob ihm1 bekannt sei, daß die Unschuld der Juden in Tisza-Eszlar gerichtlich erwiesen wurde: „Nein. Und wenn ich 50 Jahre gerichtsärztliche Medizin dozieren würde, könnte ich die Sache nicht anders darstellen“. Die Erregung in jüdischen Kreisen über das Verhalten des famosen Hochschullehrers ist sehr groß. Ob die Unterrichtsverwaltung mit gebührender Strenge gegen ihn einschreiten wird, bleibt abzuwarten. * Eröffnung einer Filiale der A. P. C. in Tiberias. Eine neue Filiale der zionistischen Anglo- Palestine Company wurde am Mittwoch, den 21. Mai in Tiberias eröffnet. Sie untersteht vorläufig Herrn Gordon, dem Direktor der Safeder Filiale und hat ihre Tätigkeit schon aufgenommen, indem sie mit einem bedeutenden Teil der hiesigen jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden in Geschäftsverbindung getreten ist. Vermutlich wird hier bald auf ihre Anregung auch eine jüdische Leihgenossenschaft eingerichtet werden. Insbesondere dürfte die neue Filiale für die vielen aufstrebenden jüdischen Kolonien von Bedeutung werden, die sich wie ein Kranz um den südlichen Teil des Tiberiassees lagern. Den Kolonisten dieser Gegend wird nun der immerhin etwas umständliche und daher auch nicht billige Verkehr mit Haifa erspart bleiben, und die Bank wird sich, da sie nunmehr eine Niederlassung in der Nähe der Kolonisten hat, noch eingehender mit deren Bedürfnissen befassen können. Herrn Gordon, der kein zünftiger Bankmann ist, bietet die neue Filiale ein neues, aussichtsreiches Tätigkeitsfeld. Er hat von jenem Tage an, wo er als erster und auf eigene'si Risiko in Jaffa ein Informationsbureau begründete, bewiesen, daß er volles Verständnis für die Aufgaben eines Förderers unserer Kolonisation hat, und es ist daher zu hoffen, daß er es verstehen wird, mit den national gesinnten Elementen seiner neuen Umgebung angenehme Beziehungen zu pflegen. liiilig DUO HUGO HH Wien, II., Taborstr. 17 [HirschenhagsJ. empfiehlt sich zur Einrichtung von Vereins- und SchulbibliothekenT sowie Lieferung von Büchern jeder Art. Antiquariat. Provinzversand. PalästinasNadiridifen. Aus der Kolonie Chederah. Man berichtet aus der palästinensischen Kolonie Chederah: Die Ernte in unserer Kolonie war in diesem Jahre ungewöhnlich günstig. Gerste, Weizen, Kartoffeln, verschiedene Gemüsepflanzungen — alles brachte einen Ertrag, wie wir ihn seit Jahren nicht kannten. Zum materiellen Aufschwung der Kolonie trug auch die rege Bautätigkeit bei, die in diesem Jahre hier herrschte. Von Seiten des Jüdischen Nationaltonds wurden hier für die Jemeniten zwanzig Häuschen aus Zementsteinen, außerdem drei solide Holzbaracken, enthaltend 24 Zimmer, nebst einem Zubau von 7 Zimmern zum Ledigenheim für aschkenasische Landarbeiter gebaut. Der Berliner Verein „Esra“ baute hier zehn Wohnhäuser, ebenfalls aus Zementsteinen, und ein Krankenhaus aus gewöhnlichen Steinen. Es sind also für die hiesigen jemenitischen und aschkenasischen Landarbeiter in diesem Jahre insgesamt über 60 Wohnhäuser erbaut worden. Da die gesamten Bauarbeiten, mit alleiniger Ausnahme des Krankenhauses, durch jüdische Arbeiter, die bekanntlich einen großen Teil ihres Verdienstes wieder in der Kolonie ausgeben, ausgeführt wurden, so ergibt sich, daß diese Bautätigkeit auch den hiesigen Kolonisten direkten Nutzen brachte, abgesehen natürlich von dem Umstande, daß durch die Seßhaftmachunglder jüdischen Arbeiter in der Kolonie die Anlagen derselben eine erhebliche Wertsteigerung erfahren. — Auch in der anschließenden Siedlung Chefzibah wurden einige Arbeiterwohnungen errichtet. Bekanntlich war unsere Kolonie von großen Sümpfen umgeben, die hier das Schwarzwasserfieber verbreiteten und viele Opfer forderten. Die meisten dieser Sümpfe wurden durch die Hochherzigkeit des Barons Edmund Rothschild in Paris trocken gelegt und mit Eukalyntusbäumen bepflanzt. Es sind aber noch einig? Sümpfe zurückgeblieben, die zwar, da die Windrichtung nicht nach der Kolonie geht, wenig gesundheitsschädlich sind, deren Austrocknung aber dennoch wünschenswert wäre. Es hat sich nun ein Institut gefunden, welches 240 Dunam trocken legen wollte, falls der dadurch gewonnene Boden dem Institut überlassen würde. Die Kolonie nahm aber diesen Vorschlag nicht an, beschloß vielmehr, dahin zu wirken, daß der Sumpr trocken gelegt wird, ohne daß der Boden der Kolonie verloren geht. Ein anderer wichtiger Beschluß wurde bezüglich der hiesigen sehr ausgedehnten Viehzucht gefaßt, nämlich die Anstellung eines eigenen Tierarztes. In letzter Zeit haben die ^hiesigen Landarbeiter eine ausgedehnte zionistische Tätigkeit entfaltet. Der jüdische Nationalfonds, der so viel für Chederah leistet, hat auch hier seine treuen und hingebungsvollen Freunde. Einstweilen sind in der Kolonie 15 Nationalfonds- Büchsen untergebracht, ein zweiter Transport soll demnächst folgen. Ferner wurden 150 Schekel entrichtet, darunter 30 von den Jemeniten. Der jetzige Gesundheitszustand der Jemeniten ist sehr erfreulich und in keiner Weise mit dem vom vorigen Sommer, wo so viele Krankheitsfälle vorkamen, vergleichbar. Es ist hier viel Liebesarbeit geleistet worden! — Infolge der allgemein günstigen Lage der Kolonie finden die hiesigen Jemeniten auch täglich Arbeit. In dieser Beziehung sind die hiesigen Jemeniten viel besser daran, als ihre Landsleute in Pethach- Tikwah. die oft genug keine Arbeit finden. Beschäftigen doch die dortigen Plantagen der I. C. A. und selbst manches hervorragenden Palästinafreundes nur ganz ausnahmsweise jüdische Arbeiter. Ihre hiesige Siedlung haben die Jemeniten „Nachliel“ genannt. Sie sind jetzt an den Jüdischen Nationalfonds mit der Bitte herangetre+en, ihnen noch eine Svnagoge und ein rituelles Bad zu erbauen, wofür sie dann Miete zahlen wollen. Interessant ist, daß sie einen aschkenasischen Landarbeiter zu ihrem Vertrauensmann erwählt haben. * . Besuch des Gouverneurs von Jerusalem im Jaffaer hebräischen Gymnasium. Der Gouverneur von Jerusalem besuchte während seiner letzten Anwesenheit in Jaffa auch das neue jüdische Stadtviertel Tel-Awiw und das Hebräische Gymnasium, wo er einige Stunden dem Unterricht beiwohnte. Zu seiner Begrüßung wurde die türkische Nationalhymne und die jüdische Volkshymne „Hatikwah“ gespielt. * Jaffaer Chronik. Jaffa. In diesem Jahre gab es noch am 17. Mai ausgiebigen Re^en, was in Palästina zu den äußersten Seltenhei+en gehört. In der jüdischen Kolonie Kastinie be+rug die Regenmenge 20 mm, fast ebenso stark war der Regen in Jerusalem, wo er den in diesem Jahre sehr knapp gefüllten Zisternen zu s+aHen kam. Für den ersten Tag nach Schabuoth wird in Jaffa ein Blumenfest geplant. 50 Prozent der Einnahmen sollen der Jaffaer Bibliothek. 30 Prozent dem füdischen Nationalfonds und 20 Prozent den Kindergärten zufließen. Die Anglo-Palestine Company in Hebron. Am Lag Baomer (25. Mai) wurde hier in Anwesenheit des Kaimakams sowie zahlreicher Notabein aus den jüdischen und arabischen Kreisen der Stadt und ihrer Umgebung das neue Bankgebäude der zionistischen Anglo-Palestine Company von Herrn S. Hoofien-Jaffa eröffnet. Das neue Gebäude, das sich im geschäftlichen Mittelpunkte der Stadt befindet, macht dort, inmitten der altorientalischen Umgebung, mit seiner europäischen und sauberen Einrichtung einen ausgezeichneten Eindruck. * Die Syndizierung der jüdischen Orangenpflanzer in Palästina. Die Syndizierung der jüdischen Orangenpflanzer — ein Plan, über den bereits einigemal berichtet wurde — ist nunmehr einen guten Schritt weitergekommen. Im Laufe mehrerer Sitzungen, die am 26. und 27. Mai in Jaffa unter dem! Vorsitz des Herrn S. Hoofien statifanden und denen etwa 40 Delegierte aus allen jüdischen Kolonien beiwohnten, wurden nämlich die Statuten für die in allen Kolonien zu bildenden Ortsgruppen sowie für den Verband selbst durchberaten und endgültig festgesetzt. Zugleich übernahmen die anwesenden Delegierten die Verpflichtung, die definitive Gründung der Ortsgruppen, die überall schon vorbereitet sind, im Laufe der nächsten zwei Wochen durchzuführen. Vor Schluß der Versammlung wurde ein provisorisches Komitee gewählt, das an Stelle der Anglo-Palestine Company die Leitung der Geschäfte übernimmt. * Ramleb — ein neuer Mittelpunkt der jüdischen Kolonisation in Palästina. Herr Ephraim Deinard, ein bekannter jüdischer Gelehrter und Palästinafreund, der in diesem Jahre von Amerika nach Palästina übersiedelte, hat vor kurzem in der Nähe der Bahnstation Ramleh ein städtisches Terrain erworben una setzt sich jetzt dafür ein, die hiesige jüdische Siedelung zu vergrößern. An ähnlichen Bestrebungen hat es allerdings auch früher nicht gefehlt, doch vermißte man stets energische und kapitalkräftige Leute, die diese Bestrebungen nachdrücklich gefördert hätten. Da der kleinen jüdischen Gemeinde eine Schule fehlte, zogen manche jüdische Familien, die sich vor Jahren hier niedergelassen hatten, nach Jaffa. Ramleh hat ein vorzügliches Klima, eine Bevölkerung von ca. 10.000 Seelen und könnte ein geeignetes städtisches Zentrum für die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien Rechoboth, Gederah, B er-Jakob, Ben-Schemen usw. bilden. Wie Herr Deinard versichert, könnten dort jüdische Schlosser, Tischler, Schuhmacher, Uhrmacher und auch andere Handwerker ausreichende Beschäftigung finden. Er erklärt sich auch bereit, für die Erbauung einer Schule und Volksbibliothek unentgeltlich Boden und außerdem den Betrag von 1000 Frcs. und seine Büchcrsammlung, bestehend aus 6000 Bänden, zur Verfügung zu stellen. — Herr Deinard hat auch die Herausgabe des wertvollen Buches von S. Rafaeli über die altjüdischen Münzen, das demnächst erscheinen wird, finanziell gefördert. Ein Verein christlicher Freunde des Zionismus. Berlin. Dieser Tage gründete sich in Berlin ein Verein mit Namen: „Christliche Freunde des Zionismus“ mit Abteilungen in London und Haag. Der Verein stellt sich zur Aufgabe, die Idee des Zionismus und seine Bestrebungen zu unterstützen, die Regierungen zu veranlassen, den Zionismus zu fördern, und die zionistische Idee in der christlichen Welt zu verbreiten. An der Spitze des Vereines stehen angesehene Persönlichkeiten und wahrscheinlich wird der Verein unter dem Schutze der holländischen Königin stehen. Judifdier Sport. Sportklub „Hakoah“ Einladung zu der Samstag, den 5. Juli, S Uhr abends resp. 1 Stunde später im Klubcafe Liechtenstein stattfindenden V. ordentl. Generalversammlung mit statutarischer Tagesordnung. Erscheinen ist Pflicht! Nur mit ihren Mitgliedsbeiträgen nicht Rückständige haben Zutritt. Wurden die drei letzten Monatsbeiträge nicht entrichtet, erfolgt die automatische Streichung. Eventuelle Anträge drei Tage vorher schriftlich. Für Sportklub „Hakoah“: dipl. exp. E. Rosenberg, dz. Sekretär. |T -n,?»y^.'?qr ‘tagrggf- »-

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