Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 27 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Bestellungen, welche ohne Einsendung der entsprechenden Geldbeträge erfolgen, müssen unberücksichtigt bleiben und könen nicht beantwortet werden. Das Bureau des XI. Zionistenkongresses. Wien, II., Karmeliterplatz 1. Formular für Wohnungsbestellungen. JiVohnupgsbestellung. Herr.... mit Frau Ny Tochter.fe, Sohn. aus.. kommt zum XI. Zionisten-Kongreß und bestellt hiermit für die Zeit vom..1913 bis.., .Zimmer mit je.Betten zum Preise von K . bis K .pro Zimmer. - Vor dem Kongreß - ist es die wichtigste Aufgabe jedes Zio nisten sich die Propaganda für die Tägliche Kongreß- Ausgabe der,Welt* angelegen sein zu lassen. — Von ihrer weltweiten Verbreitung hängt nicht zum wenigsten die Wirkung des Kongresses ab. Je größer der Leserkreis ist. der durch die Kongreßausgabe der „Welt“ über den Kongreß informiert wird, desto erfolgversprechender is die zionistische Propaganda-Arbeit - nach dem Kongreß - Die Kongrehausgabe Der „Bell“ erscheint während des XI. Zionistenkongresses in Wien (vom 2. bis 9. September 1913) ALS TAGESZEITUNG in sechs Nummern. Sie wird den einzig offiziellen Kongreßbericht bringen und ihre Leser über die Verhandlungen genau und schnellstens informieren. Bezugspreise: Deutschland . . . Mk. 2.40 England .... sh. 210 . Oesterreich-Ungarn K 2.80 Holland .... Hfl. 1.70 Rußland.Rbl. 1.30 Vereinigte Staaten Doll. 0.70 alle übrigen Länder Frs. 3.60. Bestellungen gegen Voreinsendung des Betrages (auch in Briefmarken) sind zu richten an den VERLAG „DIE WELT», BERLIN W 15 SÄCHSISCHE STRASSE 8. Dis SpradrcnJpage in Palästina. Ueber die Sprachenfrage in Palästina schreibt ein deutscher Reisender: Die am1 meisten verbreitete Sprache in Palästina ist die arabische. Wer seinen Erwerb im Lande selbst gewinnt, ist geradezu gezwungen, arabisch zu lernen, wenn er wichtige Beziehungen zur Eingeborenenbevölkerung unterhalten und aus ihnen Nutzen ziehen will. Wenn m'an die ganze Bevölkerung Palästinas auf 650.000 Menschen schätzt, würde man deren kaum 65.000 finden, die weder arabisch sprechen noch schreiben. Solche Leute gibt es Feuilleton. Ein jüdisches Reich Im Mittelalter. . Im Nachlasse des in Wien verstorbenen ersten Sektionschefs des. Reichsfinanzministeriums Hugo Freiherrn v. Kutschera, eines bedeutenden Orientkenners, fand sich ein Manuskript vor, in dem' der Verstorbene die Ergebnisse . seiner jahrelangen Studien über das Chasarenvofk niedergelegt hatte, das nun, von der Witwe des gelehrten Freiherrn in kleiner Auflage und prachtvoller Ausstattung der Oeffentlichkeit übergeben, die größte Aufmerksamkeit in den Kreisen der Orientforscher erregt. Den Gegenstand des Werkes Kutscheras bildet . die Geschichte des Chasarenvolkes. Es ist eine der merkwürdigsten und interessantesten Erscheinungen, die in weiterem Kreise wenig gekannt ist, daß fünf Jahrhunderte nach dem Untergange des jüdischen Nationalstaates, dessen Bewohner in die ganze Welt versprengt ■ und nur durch das Band des Glaubens zusanfmengehalten wurden, an den Ufern des Don und der Wolga ein geordneter jüdischer Staat bestand. Nicht Nachfolger der alten Juden waren die Träger dieses Staates, sondern ein finnischtürkisches Volk, das etwa seit dem Beginn der christlichen Aera bis in das Zeitalter der Kreuzzüge in den Ländern zwischen dem1 Schwarzen und dem1 Kaspischen Meere wohnte und nach dem übereinstimmenden Zeugnisse der Gefast nur in den Städten mit europäischem Uebergewicht. Der Orientale hat im Allgemeinen ein sehr leichtes Auffassungsvermögen für die Einflüsse der europäischen Kultur. Die Missionen arbeiten in diesem Sinne. Von jeher sind die Franzosen auf diesem Gebiete in Palästina die Vorläufer gewesen. Bei jeder Gelegenheit haben sie aus günstigen Augenblicken entsprechenden Nutzen zu ziehen gewußt und somit auch ihren Emflub stets von neuem wieder befestigt. Die französische Sprache ist amtlich neben dem Türkischen bei den gemischten Gerichtshöfen zugelassen. Das Französische wird aber auch jetzt noch hier im Lande dark den Bemühungen der französischen Regierung wie auch der Alliance Francaise immer mehr und mehr verbreitet. Heute erlernen alle Gebildeten, alle bessern Kaufleute in den großem Städten das Französische. Der französische Handel steht zwar erst in zweiter Linie hinter dem' englischen, aber bei Vergebung öffentlicher Arbeiten ist es schon oft bemerkt worden, daß französischen Unternehmern vor den englischen und deutschen der Vorzug gegeben wurde. Die Förderung des Schulwesens in Palästina durch Frankreich hat aut diese Weise zu praktischen Erfolgen geführt, die andere Länder zur Nachahmung des von Frankreich geübten Verfahrens angespornt hat. In den letzten Jahren hat das Hebräischein Palästina einen wohl nie gedachten Aufschwung genom me n dank den unausgesetzten Bemühungen der Zionisten. Man ist überrascht, zu sehen, wie diese Sprache zu einem1 neuen und reichen Leben wieder auferstanden ist. Augenblicklich ist es die Lehrsprache in den meisten jüdischen Schulen und Lehranstalten. Man darf auch nicht erstaunt sein, nicht nur vereinzelt hebräisch auf der Straße, sondern ganze Ortschaften Wie Tiberias und Safed am See Genezareth diese Sprache sprechen zu hören. Mit einer bemerkenswerten Ausdauer arbeitet das jüdische Volk daran, dieser Sprache ihre frühere Bedeutung wiederzugeben, und zweifelsohne wird es ihm bei den Fortschritten der jüdischen Kolonisation hier im Lande auch gelingen. Die deutsche Sprache kommt erst an vierter Stelle. Man schätzt die Zahl der Deutschsprechenden auf etwa S000. Die zahlreichen deutschen Ansiedlungen und ihre Schulen bemühen sich, ihre Muttersprache immer mehr und mehr zu verbreiten. Zu wenig Bedeutung wird auch bis jetzt einer andern Sprachart beigemessen, das ist der sogenannte „Jargon“ jüdisch-deutsch, welcher etwa von 80.000 Menschen gesprochen wird. Die englische Sprache, die etwa 5000 Anhänger hat, konnte sich nur in verschiedenen Städten, in deren englischen Krankenhäusern und Schulen ausbreiten. Sie wird hier niemals tiefe Wurzeln fassen können. Man hört sie hier fast Schichtschreiber jener Zeiten etwa ums Jahr 620 nach der üblichen Zeitrechnung in großen Massen zum Judentum übertrat, in der Mitte des achten Jahrhunderts dehnte der Chasarenstaat seine Herrschaft vorn Ural bis an den Dnjestr und vom südlichen Abhang des Kaukasus bis an die Oka aus. Der Chakan (König) Josef behauptete, von neun Völkern an der Wolga, von fünfzehn Völkern im Kaukasus und von dreizehn anderen an den Küsten des Schwarzen Meeres Tribut zu empfangen. Die Machtstellung des Chasarenvolkes vom' 7. bis zum 9. Jahrhundert drückt sich in manchen historisch überlieferten Tatsachen aus. In Konstantinopel gab es eine Chasarenvorstadt, in der kaiserlichen Leibgarde zu Byzanz bestand eine chasarische Hetärie' und auch sonst hielten die cströmischen Kaiser chasarisch? Truppen. In den Quellen jener Zeit bezeichnet der Ausdruck das Chasarenmeer das Kaspische Meer. Ueber die Chasaren und ihre Geschichte finden sich Schilderungen bei den armenischen, persischen und mongolischen Geschichtschreibern, in den Chroniken der Byzantiner und Araber, sowie in den Schilderungen des ersten russischen Historikers Nestor. Die interessanteste Urkunde aber, die für die chasarische Geschichte erhalten wurde, ist ein hebräischer Brief, den ein König der Chasaren, namens Josef, an einen hochgestellten Juden Spaniens geschrieben hat, über dessen Echtheit nunmehr alle Autoritäten einig sind. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts lebte am Hofe des Maurennur während der Reisezeit. Die türkische Sprache kommt mit weniger als 5000 Personen an letzter Stelle. Diese aber sind größtenteils Beamte und Offiziere. Die andern hier in Palästina gesprochenen Sprachen wie Russisch und Italienisch werden niemals eine große Rolle spielen. FapteüNadiPiciiten. An die Landes- und Sonderverbände! Der XI. Kongreß in Wien wird eine machtvolle Demonstration des zionistischen Gedankens sein. Er wird uns und der Welt beweisen, daß wir weiter gekommen sind, und er wird dartun, daß wir uns mit Recht die einzige Vertretung des jüdischen Volkes nennen, durch die das zerstreute Volk sagt, was es braucht und was es will. Wir haben daher alle Veranstaltungen zu treffen und der ganzen Welt deutlich und unüberhörbar kundzutun, was das im Zionismus verbundene jüdische Volk fordert. Wir müssen die Kundgebung des jüdischen Volkes, die aus den tiefsten Bedürfnissen seines Wesens und seiner Lage geboren ist, durch unsere Organisation in eine Form fassen, an deren Deutlichkeit nicht der böse Wille unserer Gegner und nicht die Abgestumpftheit der Abseitsstehenden rütteln kann. Wenn in Wien die Delegierten der zionistischen Organisation zusammentreten, von einem Willen beseelt und wenn in diesem Augenblicke wieder die Hoffnungen und Erwartungen unseres Volkes auf ihrer Versammlung ruhen, soll sich jeder Zionist und jede zionistische Gruppe nochmals zum zionistischen Parlament des jüdischen Volkes bekennen. Deshalb fordern wir unsere Organisationen aut, unmittelbar vor dem Kongreß einen Kongreßtag zu verans+alten. Wo immer Zionisten Zusammenkommen können, sollen sie sich zu einer gemeinsamen Kundgebung vereinen. Sie sollen sich miteinander und mit der Wiener Tagung, über der Herzls Geist schwebt, solidarisch erklären. Wir wünschen und hoffen, daß die Zionisten der ganzen Welt sich in einer machtvollen Kundgebung zusammenfin'en, deren Größe die Bedeutung unserer Bewegung widerspiegelt. Die Tat wird das Wort erhöhen, wenn bei dieser Kundgebung unsere Organisation eine materielle Stärkung erfährt, wenn jeder unserer Freunde gleichzeitig einen Betrag dem Zentralfonds widmet, der den Bestand unserer Organisation und die Ausführung ihres Willens über alle Gefahren hinaus sichern muß. Die Formen dieser Kundgebung können verschieden sein. Die Einheit muß im Geiste liegen. Das engere Aktions-Komitee der zionistischen Organisation. Professor Otto War bürg Dr. Jacobson Dr. Hantke Dr. Levin N. Sokolow. * Der XI. Kongreß. Wir fordern alle Organisationen auf, die Sammlung der Schekel mit aller Energie zu betreiben und wenigstens zum vorläufigen Abschluß zu bringen. Die Landes- und Sonderverbände müssen die Wahlkreiseinteilung in den nächsten Wochen vornehmen. Denn die Wahlen zum XL Kongreß müssen snä*estens in der ersten Hälfte Augtis*- durchgeführt sein. Spätestens am Montag, den 18. August, müssen die Wahlprotokönigs Abdurama III. in hervorragender Stellung ein Jude namens Chasdai Ibn Schaprut, zu dessen Ohren die Kunde von einem Judenstaate im fernen Osten, weit hinter Konstantincpel, gedrungen war. Bei den äußerst mangelhaften Verbindungen jener Zeiten war es ihm aber nicht möglich, sichere Nachrichten über dieses neue Reich Israel zu erhalten, und er brannte vor Begierde, sich Gewißheit über die Existenz dieses fabelhaften Staates zu verschaff fen. Zu diesem’ Zwecke tieft er ein hebräisches Srndschreib'n an den Chasarenkönig abfassen, worin er denselben um' .iuthe"thche Auskünfte über sein Reich und die Geschichte s°nes Volkes bat. Dieser BrieL der erst auf mancherlei Umwegen in die Hände des damaligen Chasarenfürsten Josef gelangte, sowie die Antwort auf denselben sind uns erhalten. Die Antwort König Josefs enthält die interessantesten Aufschlüsse über die Abstammung und Herkunft der Chasaren, die Ausdehnung >h-es Gebietes und einzelne Ereignisse ihrer Geschichte. Die Chasaren sind zweifellos turanischen Ursprunges und stammverwandt mit den Türken und den Kumaniern, die später in ihre Wohnsitze einrückten. Geraume Zeit waren ihre Wohnsitze denen der Ungarn benachbart, und nach den ältesten ungarischen Quellen zogen neben den Ungarn auch Chasaren bei der Landnahme in .Ungarn ein. Die jüdische Lehre scheint zuerst über den Kaukasus zu den Chasaren gedrungen zu sein. Die ersten Bekehrungen der Chasaren zum1 Judentum fallen in das 7. Jahr-