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Jüdische Zeitung · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG_Nr. 27 Juden über die Haltung, welche die Juden im politischen Leben Deutschlands einnehmen sollen, wie tolgt: „Wenn die deutsche Judenheit vor die Alternative gestellt wird, ob sie gemeinsam mit den positiv-christlichen oder aber mit den liberalmonistisch-atheistischen Parteien gehen soll, so mub sie zu ersteren halten. Die Mutter darf nicht die Tochter verlassen, um sich der Feindin beider anzuschließen. Zum Schlüsse noch wenige Worte über das Verhalten der Judenheit der Regierung gegenüber. Es ist selbstverständlich aufs tiefste zu verurteilen und zu beklagen, wenn die Regierung uns Juden im Widerspruch mit der Verfassung die Verwaltungs- und Militärlaufbahn verschließt. Aber ■ das in meinem Aufsatz zitierte Wort des Talmuds: „Bete für das Wohl der Obrigkeit“ gilt unbedingt und uneingeschränkt. Behandelt uns die Obrigkeit ungerecht, dann fällt die Schuld auf sie, uns Juden aber erwächst hieraus noch lange nicht das Recht, in die Fronde zu gehen. Es ist kein besonderes Kunststück, regierungstreu zu sein, wenn man gut behandelt wird; die wahre Treue liegt in der unbedingten Hingabe an den Herrscher und die von ihm eingesetzte Obrigkeit“ So steht's „Im Deutschen Reich“, im Organ des Zentralvereines Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Hündischer kann man nicht sein! Wir Zionisten gratulieren uns zu solchen Gegnern. Zionisfisfber Sieg bei den Kultuswählen in Bielitz. Bei den am Dienstag, den 24. Juni in Bielitz abgehaltenen Wahlen in den Kultusausschuß hat wieder die Opposition einen großen Sieg zu verzeichnen. Die Liste, auf weldher sich 8 Oppositionelle befanden, drang mit einer Majorität von 50 Stimmen bei 260 abgegebenen durch. Die Opposition mußte 5 neue Kandidaten nominieren und es wurden auch tatsächlich die aufgestellten 5 Zionisten: die Herren Ing. M. Klipper, Berthold Simachowitz aus Emsdorf, Wilhelm Sobel, Obmann des zion. Vereines „Haschadhar“, M. U. Dr. Karl Wagner und Adjunkt Adolf Wolf aus Dzieditz neu gewählt. — Ebenso siegreich waren die Oppositionellen bei der Wahl der 6 Ersatzleute, die mit einer noch größeren Majorität gewählt erscheinen. Die Begeisterung unter den Oppositionellen, denen sich diesmal die ganze Intelligenz von Bielitz anschloß, war eine große und noch am selben Abende nach Verkündigung des Wahlresultates wurde von den Gesinnungsgennossen eine Siegesfeier improvisiert. Die Neugewählten versprachen in ihren Reden, sich für die demokratisch-zionistischen Interessen in der Kultusstube jederzeit wärmsiens einzusetzen, was ihnen jetzt umso leichter fallen wird, da sie jetzt schon im Ausschuß in der Majorität sind. Sie wollen nun trachten, auch im engeren Kultus- Vorstände den Liberalen an Zahl gleichzukommen. Der Kultuspräsident Herr kais. Rat Salomon P o 11 a k, der sich für die „gefallenen Kandidaten“ persönlich eingesetzt hatte, wird sich wohl nunmehr dazu bequemen müssen, den Wünschen der Majorität der jüdischen Bevölkerung Rechnung zu tragen und wird hoffentlich auch sein Ideal vom „Konfessionellen Frieden“ in der Stadt Bielitz aufgeben. Die Hochburg der Assimilation ist endgültig gefallen. Hoffentlich zieht die zionistische Sache draus den größten Nutzen. Die jüdische Wählerschaft, unterstützt von der jüdischen Jugend, leistete am Wahltage der guten Sache einen großen Dienst. Stuöentisriie Ehpabsdinuder. Die in München von Dr. Paul v. Salvisberg herausgegebenen „Hodischulnachrichten“ veröffentlichen unter obigem Titel über die Skandale an der Wiener Universität folgende, im Auszug wiederge^ ebene Ausführungen. In derselben wird den deutschnationalen Wiener Feiglingen ein derbes, aber gerechtes Urteil zuteil und diesmal ist der Richter ein Arier. In Graz wurde im abgelaufenen Monat wieder einmal die Stiftungsfeier einerkatholischen - Verbindung in ebenso unmotivierter wie roher Weise durch „deutsch-nationale Studenten“ gestört und das Gasti-echt gegenüber reichsdeut-, sehen Kommilitonen in blutiger Weise verletzt. In Wien steht die. Sache noch schlimmer. Hier haben bekanntlich gegen die jüdischenVerbindungen blutige Kämpfe auf akademischem. Boden wie auf der Straße stattgefunden. Die Entstehungsursachen dieser beschämenden Vorkommnisse sind noch nicht festgestellt. Indessen kann ein Blinder den Sachverhalt greifen. Der Wiener Rektor deutet ihn in seiner Kundgebung vom 20. Mai wenigstens teilweise mit erfreulicher Offenheit an, wenn er u. a. sagt: „Ich spreche den Urhebern dieser Vorfälle die schärfste Mißbilligung und Entrüstung aus, eines Sinnes mit allen Professoren, die, warme Freunde der Studentenschaft in deren idealen Bestrebungen, ein die Ehre der Universität vor der Oeffentlichkeit gefährdendes Verhalten, Roheiten, wie sie unter Gebildeten nicht Vorkommen dürfen und Angriffe auf die Autorität der akademischen Behörden auf das schärfste zurückweisen, eines Sinnes aber auch, wie -ich’ überzeugt bin, mit der großen Mehrzahl unserer Studenten, die sich in ihrem Ansehen durch diese unakademischen Handlungen selbst beleidigt fühlen müssen.“ An der Hauptursache geht aber auch diese Kundgebung auffallender Weise vorbei und diese gipfelt in der Tatsache, daß an der. ersten Landesuniversität Oesterreichs Verbindungen geduldet werden, die einen großen Teil ihrer Kommilitonen satzungsgemäß die Ehre abschneiden. Das sogenannte Waidhofener Prinzip, zu dem sich eine ganze Anzahl von Verbindungen auf österreichischen Hochschulen offen bekennt, ist nichts anderes als eine gesetzlich verbotene Verrufserklärung schlimmster Art, denn es erklärt alle Juden „als von Geburt der Ehre bar“! — — — Auf keiner einzigen deutschen Hochschule kann ein Student anders seine Ehre verlieren als durch eigenes und bewußtes ehrloses Gebahren. Hier wird sie ihm im Mutterleibe abgesprochen und dieses unserer aufgeklärten Zeit ein Schandmal aufdrückendes Gebaren macht sich auf akademischem Boden unter Farben breit und findet die stillschweigende Zustimmung der „zuständigen Behörden“. Krasse Beispiele der Rechtsprechung oder -Beugung und eine oft recht eigenartige Handhabung der akademischen Disziplin komplizierenn diese Sachlage. Wenn die akademischen Behörden nicht — wie es übrigens bereits geschehen ist — der Ohnmacht im eigenen Hause geziehen werden wollen, so wäre es wahrlich an der Zeit, mit festem und unerschrockenem Griffe da endlich zuzugreifen, wo sich der Ehrabschneider auf akademischem Boden höhnisch breit macht. Mit dem lendenlahmen „Quousque tandem“ — ist es nicht mehr getan — Taten, deutsche Taten gehören auf diese mit deutschen Färben und Liedern schmählichen Mißbrauch treibende Schande! Der XI. Zionistenhongreft in Ulen. Logis. Außer Hotelzimmern werden Privatzimmer für die Unterkunft der Kongreßbesucher zur Verfügung gestellt werden. Die Preise für VPrivatzimmer betragen (ohne Frühstück) 2.50 K bis 5.— K. In Privatpensionen sind Zimmer mit voller Verpflegung von 6.50 K an, zu haben. Die Hotelpreise betragen (ohne Frühstück und Mahlzeiten inklusive Licht und Service) mit 1 Bett mit 2 Betten a) in Hotels I. Ranges von cca. K7.— K 12.—auf w. b) in feinbürgerlichen Hotels „ 5.— „ 7.— „ c) in guten "bürgerl. Hotels „ 3.— „ 5.— „ d) in Geschäft shotels „ 2.60 „ 4.60 „ e) in einfachen Gasthöfen „1.60 „ 3.50 „ f) in Logierhäus. (Schlafsäle) „ l.— pro Bett Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß der auch aus anderen Ursachen zu erwartende starke Fremdenverkehr zur Zeit des Kongresses rechtzeitige Logisbestellung dringend erforderlich macht, da nur bei frühzeitigen Bestellungen für Logisbeschaffung garantiert werden kann. Ein Formular für Wohnungsbestellungen Bst;unten abgedruckt. Wenn die Bestellungen nicht ausdrücklich’ eine andere Anweisung enthalten, wird angenommen werden, daß es den Bestellern gleichgültig ist, ob sie in Hotelzimmern oder Privatzimmern untergebracht werden. Ermäßigungen. Die k. k. österr. Staatsbahn gewährt auf allen Strecken mit Ausnahme der im Staatsbetriebe stehenden Lokalbahnen auf Entfernungen über 50 km eine Fahrbegünstigung dahin, daß bei Benützung der 1. und 2. Wagenklasse der Personenzüge der halbe tarifmäßige Schnellzugsfahrpreis und bei Benützung der 1., 2. und 3. Wagenklasse der Schnellzüge der tarifmäßige Personenzugsfahrpreis der zu benützenden Wagenklasse zu entrichten ist. Die Ermäßigung findet nur Anwendung bei Abfertigung innerhalb des Gebietes der k. k. österreichischen Staatsbahnen und gilt für die Fahrt nach Wien innerhalb der Zeit vom 27. August bis 5. September, für die Rückfahrt von Wien innerhals tember, für die Rückfahrt von Wien innerhalb der Zeit vom 6. bis 14. September. Die k. k. priv. Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft gewährt auf ihren Passagierlinien die Benützung des 1. und 2. Schiffsplatzes gegen Bezahlung der Gebühren des nächst niederen Schiffsplatzes. Die k. k. priv. Südbahn und die ungarische Fluß- und Seeschiffahrts A.-G. werden ebenfalls Ermäßigungen gewähren, über die noch näheres mitgeteilt wird. Verhandlungen. Der Einlaß zu jeder Sitzung und jeder Veranstaltung ist nur gegen Karten gestattet, die für jede einzelne Sitzung und Veranstaltung besonders ausgegeben werden. Die Einlaßkarten für die Verhandlungen kosten für jede Sitzung 1.— K (0.85 M, 1.05 Frs.; 0.40 Rbl., 0.20 Doll., 10 d). Es finden elf Sitzungen des Kongresses statt. Da ‘ schon jetzt eine große- Anzahl von Bestellungen auf Einlaßkarten vorliegen und eine äußerst starke Beteiligung zu: erwarten ist, empfiehlt es sich, die Karten im Vorverkauf zu bestellen. Eröffnungssitz. Jede weitere Sitz. Sämtl. Verhandl. sämtl. Plätze Sitz Logensitz Sitz Logen sitz K 3.— K 1.50 K 3.— K 18.— K 33.— M 2.60 M 1.30 M 2.50 M 15.60 M 28.60 Fr. 3.20 Fr. 1.60 Fr. 3.20 Fr. 19.20 Fr. 35.20 Rbl 1.20 Rbl 0.60 Rbl 1.20 Rbl 7.20 Rbl 13.20 Dol. 0.60 Dol. 0.30 DoL 0.60 Dol. 3.60 Dol. 5.60 Sh 2,6 Sh 1,3 Sh 2,6 Sh 15,6Jtfi 1,7,6 Bestellungen für Einlaßkarten ‘ zu - den Verhandlungen sind unter gleichzeitiger Einsendung des Betrages an das Kongreß-Bureau zu richten. NESTLE” älthewmesi:ii;ii|j;l,',»iH PROBEDOSE VERSENDET GRATIS: |!•••• NIEDERLÄNDISCHE lH"BS'SuKS.?S?tsc"4rr im eigenen Palais. — Versilbertes Kapital zirba 380 Billionen. — Prämienpeseroe zipfea 113 Millionen. — Billigste Prämien und Kulanteste Bedingungen. Engagiert ■ jederzeit tOditige, leistungsfähige Agenten gegen hohe Bezöge. flnsbSnfte erteilt Die Beneralagentsdiatt Uien, 1., flspernplatz 1 (Heiter: Paoifl Hebenzahl). Eür Ostgalizien n. Bubowina: Suböirebtion H5bl Taubes, Hemberg.

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