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Jüdische Zeitung · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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388E jfiF!SJE Rr™. SSH JÜDISCHE ZOILUG ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenauinahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnememspreise: Für Oester- _ ™ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Peutschland: Ganzjähr,:. Mk.-. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. " ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplar,e 20 h. — Postsparkassenkönto 133.404. — Telefon 22.075. Bl Nr. 27. Wien, Freitag, den 4. Juli 1913 1 >. . VII. Jahrgang Heimgefunden. Die Vorgänge an der Wiener Universität haben ein weit über den akademischen Kreis hinausgehendes Interesse erweckt. Das Gefühl, daß hier um Ideen gestritten wird, die auf das bürgerliche Leben in Oesterreich starken Einfluß üben, war allgemein vorherrschend. Und so ist es gekommen, daß die Diskussion über die Wiener Universitätskrawalle einen scheinbar unverhältnismäßig großen Umfang angenommen hat. In Bevölkerungsschichten, die sonst für die Ereignisse auf akademischem Boden — vielleicht mit Recht — nichts übrig haben, machte sich eine starke Erregung geltend. Man erkannte, daß die jüdischen Studenten nicht um irgend ein studentisches Vorrecht kämpfen, sondern wirklich um eine jüdische Lebensfrage. Sie kämpfen nicht darum, daß irgend ein antisemitischer Trunkenbold sich dem Juden auf dem Duellboden stelle. Sie kämpfen vielmehr dagegen an, daß die Unterrichtsbehörden und die Regierung dem Waidhofener Prinzip stillschweigend Anerkennung zollt, trotzdem es besagt, daß alle jüdischen Mütter ehrloseBastarde gebären.Sie kämpfen dagegen an, daß die verkommenen Vertreter dieses bestialischen Prinzipes die Universität beherrschen und sodann als Richter und Beamte auf die Justiz und das öffentliche Leben in Oesterreich losgelassen werden. Lange hat es gedauert, ehe sich diese Erkenntnis durchbrach, ehe den jüdischen Studenten die gebührende Beachtung zuteil wurde. Nun ist das Verständnis in den bürgerlichen Kreisen erwacht und die wohltätigen Folgen waren sofort zu spüren. Der akademische Senat sah sich genötigt, gegen die deutschnationalen Bierhelden aufzutreten und ihr Vorgehen zu verdammen. Zum ersten Male hat er das gewagt, den Wolfianern und Schönerianern gegenüberzutreten und den jüdischen Studenten einen Teil des ihnen zukommenden Rechtes zu gewähren. Bestimmend war ganz gewiß der Umstand, daß dem akademischen Senat diesmal nicht die Studenten allein, sondern mit ihnen fast alle jüdischen Bürger rechtheischerid gegenüberstanden. In den letzten Tagen ist allerdings wieder eine Wandlung eingetreten. Aus Furcht vor den Wühlereien der antisemitischen Politiker hat der akademische Senat seine mannhafte Haltung aufgegeben und ist wieder einmal vor den Deutschnationalen zu Kreuze gekrochen. In einem neuerlichen Erlasse hat der Rektor die Anschuldigungen, welche er gegen die Deutschnationalen erhoben hatte, teilweise zurückgezogen. Natürlich ist darob großer Jufiel im antisemitischen Lager. Der Rektor ist zu seinen alkoholisierten Zwjngherren heimgekehrt. Wir wissen wohl dieser schwankenden und unmännlichen FJaltung der Universitätsbehörden die gebührende Mißachtung beizubringen. Diejenigen aber, die jetzt jubeln, tun es zu früh. Die Kämpfe der letzten Wochen haben für uns ein wertvolles Resultat gezeitigt, daß weder die Roheiten der Waidhof ener, noch die Charakterlosigkeit der akademischen Behörden beeinträchtigen. Das jüdische Bürgertum ist an die Seite der jüdischen Studenten getreten und wird im Streite für die jüdische Ehre an seiner Seite bleiben. Und ein Universitätssenat, der sich einer unzivilisierten Horde beugt, wird auf die Dauer einer geeinigten jüdischen Bürgerschaft und Studentenschaft gegenüber beim Unrechte nicht verharren können. Die jüdische Energie ist erwacht, endlich erwacht und der Wiener Universitätssenat ist wahrlich nicht der eisenharte Block, an dem sie zerschellen müßte. Der Kampf gegen das Waidhof ener Prinzip ist aufgenommen und wird durchgeführt werden. Rundschau. Unsere liebe Freundin, die ,Arbeiter-Zeitung“. „Der Zionismus, der sein Streben aut die Wiederansiedlung der Juden in Palästina richtet, besitzt ausgebreitete Sympathien.“ So stand es groß, deutlich und noch dazu an der Spitze eines Artikels in der — „Arbeiter-Zeitung“ geschrieben! Wirklich und wahrhaftig in der Wiener „Arbeiter-Zeitung!“ Das muß eine nette Ueberraschung für die Stammleser gewesen sein. An die achtzehn Jahre gibt es eine organisierte zionistische Bewegung und mit einer Standhaftigkeit sondergleichen hat die „Arbeiter-Zeitung“ sie totgeschwiegen. Die Herren Austerlitz und Adler haben sorgsam gewacht, daß auch nicht ein Sterbenswörtchen über die Ziele und Zwecke des Zionismus in die Spalten ihres Organes rtuschte. Die liberale Presse, die Meisterin der Totschweigetaktik hat dem Zuge der Zeit Rechnung getragen und doch hie und da sachliche Nachrichten über den Zionismus gebracht. Die „Arbeiter-Zeitung“ nicht. Für ihre Leser mußte die zionistische Bewegung eine verrückte Laune einiger Buben und reaktionärer Ortodoxen bleiben. Sie hat von einem klerikalen Häuflein gesprochen. Und nun auf einmal und ohne jeden Uebergang teilt sie dem erstaunten Leser m:t, daß der Zionismus eine weit a u s g _ - dehnte Bewegung ist und große Sy mpathien genießt! Sie berichtet auch weiter : „Die jüdische Einwanderung in das alte Stammland vollzieht sich auch dauernd aus allen europäischen Ländern, und zwar nicht nur nach Jerusalem selbst, sondern auch nach anderen Ansiedlungen des Gebietes.“ Weich Wandlung durch Herrn AusterlLzs Fügung! Ist der Mann krank, ist er plötzlich vom Wahrheitskoller besessen, daß er so lang und so sorgsam geheim gehaltene zionistische Wahrheiten ausplaudert? Nein! Denn er schreibt nachher, daß trotzdem nichts zu machen sei, weil „Palästina für Europäer ebenso gefährlich ist, wie die ungesundesten Gebiete Westatrikas.“ Das also ist des Pudels Kern. Chefredakteur Austerlitz läßt den bisher nicht vorhandenen Zionismus gnädigst aufleben, um ihn zwei Zeilen später totzuschlagen. Diesmal war der sonst so schlaue Herr aber gar nicht schlau. Er hat aus irgend einem Aufsatze ein paar Fräsen über den Gesundheitszustand in Palästina zusammengestappelt und aus unserem Heimatland ein todbringendes Fiebernest gemacht. Wir brauchen wahrlich nicht sachlich darauf einzugehen. Unsere Kolonien blühen, die Kinder gedeihen prächtig und wenn das jahrhundertelang vernachlässigte Land im Anfang hie und da böse Dünste autsteigen läßt, so sind das Schwierigkeiten, die jeder Kolonisation im Wege stehen. Und unsere Kolonisten haben sie spielend überwunden. Wer unsere Palästinabilder gesehen und unsere Palästinaberichte gelesen hat, mub über die düstere Rabenweisheit des Herrn Austerlitz lachen. Seine Argumente verursachen uns wenig Kopfschmerzen. Aber wir sind neugierig, wie er sich in Zukunft verhalten wird. Wird die „Arbeiter-Zeitung“ wieder schreiben, daß es eigentlich keinen Zionismus gibt? Daß nur unreife Buben und verrückte Ortodoxen sich Zionisten nennen? Ja, ja, Herr Austerlitz, nach dieser offenherzigen Entgleisung, nach der Konstatierung, daß der Zionismus weit verbreitet ist und viele Sympathien besitzt, wird die Rückkehr zur Verläumdung und Negierung auch Ihnen, dem Vielgewandten, sehr, sehr schwer sein. ' * * * Hundemoral. Bekanntlich hetzen die Assimilationsjuden in Deutschland jetzt wahnsinnig gegen die Zionisten, und zwar als „Patrioten“ gegen die „Vaterlandsverräter“. Wes Geisteskind nun diese Ehrenmänner sind, mögen folgende Zeilen beweisen. Ein hervorragender Antizionist schreibt im Organ der fortgeschrittenen Deutschnationalen Photograph Nach i m Chefez II., Taborstraße 41. Erstklassiges Melier ttOnstlerisifiep Ridituog. Langjähriger Lieferant der Kultusgemeinde, empfiehlt sich den Kongreßmitgliedern für sämtliche in das Fach einschlagende Arbeiten auf das Beste. Das Atelier befindet sich im Parterre. Telephon 22195. * A / /-

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