Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438432-2438458--3659-2443443
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 26 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Aus dem judifdien Leben. | Sieg der Straucherpartei bei den Czernowitzer i Kultuswahlen. ( Einer, am Mittwoch, den 25. d., aus Czerj nowitz eingelangten Depesche zufolge hat die unter Führung des Abg. Dr. Straucher stehende Nationalpartei bei den stattgefundenen Kultusratswahlen auch im zweiten Wahlkörper einen glanzenden Sieg über die Volksratspartei des Professor Kellner davongetragen. Zur Beilis-Affäre. Wie zu erwarten war, hat die Kiewer Gerichtskammer in ihrer Sitzung vom 6. Juni die Anklageschrift gegen Beilis genehmigt und den Beschluß gefaßt, diesen wegen Beteiligung an der Ermordung Justschinskys vor das Geschworenengericht zu stellen. Sowohl der Vorsitzende Kamenzow als auch der Berichterstatter Ryshow haben ihre abweichende Ansicht zu Protokoll gegeben und in ausführlich motivierten Eingaben, die den offiziellen Materialien beigefügt wurden, den Standpunkt vertreten, daß Beilis, gegen den nicht einmal irgendwelche indirekte Indizien vorliegen, sofort freigelassen werden sollte. Die anderen Mitglieder des Gerichtshofes widersetzten sich jedoch diesem 'Antrag, weil es , .unbequem“ gewesen wäre, den ganzen Prozeß jetzt zu liquidieren und somit einzugestehen, daß man den Angeklagten zwei Jahre lang unschuldig im Gefängnis hat schmachten lassen. Sie fanden es deshalb bequemer, daß das Geschworenengericht ihn freispreche. Um also nicht zugeben zu müssen, daß man einen unschuldigen Menschen zwei -Jahre lang im Gefängnis schmachten ließ, hält man es für richtig, den armen notorisch unschuldigen Mann noch ein paar Monate gefangen zu halten! Denn die Gerichtsverhandlung soll ja erst im Herbst stattfinden, trotzdem die „Novvoje Wremja“ sich vor kurzem heuchlerisch darüber empörte, daß die jüdischen Ränkeschmiede ein absichtliches Verschleppungsspiel trieben, um inzwischen die öffentliche Meinung und das Gericht in ihrem Sinne bearbeiten zu können. — Die Stützen der staatserhaltenden Parteien ruhen inzwischen nicht. Am 11. Juni hielten in Petersburg in den Redaktionsräumen der „Semschtschina“, wie auch in der Wohnung des antisemitischen Dumaabgeordneten Samislowsky, Vertreter der rechtsstehenden Organisationen, der Nationalisten und des rechten Oktobristenflügels unter Beteiligung von Beamten des Justizministeriums Beratungen über die Bailis-Affäre ab. Der berüchtigte Schmakow referierte über die genehmigte Anklageschrift und die Versammlung faßte den Beschluß, dahin zu wirken, daß die Verhandlung gegen Beilis ohne Hinzuziehung von Geschworenen stattfinde, daß strengstens verboten werde, an den Gutachten der Sachverständigen Kritik zu üben und Fragen zu behandeln, die mit dem Prozeß im Zusammenhänge stehen. Ferner sollen die Berichte über die Gerichtsverhandlung vom Vorsitzenden geprüft werden und erst nach dessen Genehmigung veröffentlicht werden dürfen. — Auf der nächsten Versammlung der genannten Gruppe soll ein hochstehender Kiewer Justizbeamter als Referent auftreten. * Die Judenfrage auf dem Aerztekongreß in Petersburg. Der zurzeit in Petersburg tagende Kongreß der russischen Aerzte und Naturforscher — diese Kongresse, die den Namen des großen russischen Mediziners und Menschenfreundes Pirogow tragen, sind der Sammelpunkt der fortschrittlichen und volksfreundlichen Intelligenz Rußlands — hatte Gelegenheit, sich auch mit der Judenfrage zu befassen. Leider ist selbst diese achtbare Institution von dem „Geiste der Zeit“ nicht ganz verschont geblieben. In der Sektion für Heeres- und Marinewesen referierte ein gewisser Doktor Tanfilew über „körperliche Gebrechen“ und hielt bei dieser Gelegenheit eine Schimpfrede auf die Juden, die er beschuldigte, sich häufig selbst zu verstümmeln, um dem Militärdienst zu entgehen. Schließlich verlangte der Redner den Ausschluß der Juden aus der Armee. 'Ihm assistierte dann ein zweiter patriotischer Arzt, Herr Krasnorutzky. Der Vorsitzende, Professor Makkawejew, Chet'der mili- •tärärztlichen Akademie, ließ die patriotischen Redner gewähren. Zu Ehren des Kongresses muß aber festgestellt werden, daß diese Auslassungen einmütige Entrüstungen hervorriefen, so dab die betreffende Sektion sich veranlaßt sah, den Vorsitzenden zu beauftragen, in den Bulletins des Kongresses eine Erklärung zu veröffentlichen, die die erwähnten Redner ausdrücklich desavouiert. Im Gegensätze zu diesem unerquicklichen Zwischenfall hatte übrigens der Kongreß andererseits Gelegenheit, seine schönen humanen Traditionen zur Geltung zu bringen. Die Sektion für gesellschaftliche Medizin nahm einstimmig eine Rosolution an, die die Abwanderung russischer Studenten nach dem Auslande als Folge der engherzigen reaktionären Regierungspolitik hinstellt und gegen die Russenhetze an den ausländischen Universitäten protestiert. Der Kongreß drückte gleichzeitig die Hoffnung aus, „daß die freiheitlichen Traditionen des deutschen Volkes schließlich über die kleinlichen nationalistischen und Standesinteressen die Sieg davontragen werden.“ Wichtiger noch als diese Resolution war eine andere Kundgebung des Pirogow-Kongresses. Unter stürmischer Zustimmung der Versammlung nahm der Kongreß am 18. Juni eine Resolution an, die gegen den Beilisprozeß und die damit verbundene Ritualmordhetze scharfen Protest einlegt. » Anerkennung jüdischer Feiertage an der Czernowitzer Universität. Eine Deputation Czernowitzer jüdischer Studentenverbindungen erschien beim Rektor der hiesigen. Universität und unterbreitete die Wünsche der jüdischen Studentenschaft bezüglich der Sistierung von Vorlesungen an jüdischen Feiertagen. Der Rektor erklärte jedoch den besthenden Gesetzen gemäß, die Wünsche von 40 Prozent der Hörerschaft derzeit nicht durchführen zu können. * BeZalel-Ausstellung in Zürich. Eine unserer bekanntesten Züricher Kunstfirmen, die Kunst und Spiegel A.-G., hat es in anerkennenswerter Weise übernommen, eine Bezalel-Ausstellung zu arrangieren. Die erste Sendung ist bereits aus Jerusalem eingetroffen. Es sind den verschiedenen Ateliers entnommen worden: Silber-Filigrangegenstände, Treibarbeit in Silber, Treibarbeit in Messing und Kupfer, getriebene Aletall- und Holzgegenstände, Arbeiten aus Olivenholz, Metallgegenstände nach Damaszener Art und handgeknüpfte wollene und baumwollene Teppiche. Es sind dies Gegenstände für Kultzwecke, für den täglichen Gebrauch und Zierstücke. Die Ausstellung wird nächste Woche eröffnet werden. Es steht zu Aufruf. Zwölf Jahre sind vorüber seit Rosa Kollmann, eine der ersten Vorkämpferinnen des; Zionismus in unserer Zeit, die Augen für immer schloß. Ihr Andenken dürfte wohl noch in den Herzen so mancher ihrer Vereinsschwestern des seinerzeitigen literarischen Geselligkeitsvereines jüdischer Mädchen „Moria“ lebendig sein. Um dieses Andenken wach zu erhalten, wurde nach ihrem Tode Seine Rosa KoUmann- Stiftung ins Leben gerufen, die den Zweck verfolgt, alljährlich einige arme Schulmädchen vollständig zu bekleiden. So geschah es auch heuer. Das Grab Rosa Kollmanns aber ist verfallen, _ der Grabstein, von den Mitgliedern gesetzt, dem Umsturz nahe, die jüd. Inschrift verwischt und unleserlich. Es Wurde leider übersehen, für die Erhaltung (dieser Grabstätte zi* sorgen. Darum soll jetzt nachgeholt werden, was vergessen wurde. Es ergeht demnach an alle jüd. Mädchen und Frauen die Bitte, durch Uebersendung eines Beitrages behilflich zu sein, das Grab Rosa Kollmanns instand setzen zu können. Spenden, die dankend ausgewiesen werden, übernimmt die ehemalige Kassierin Frl. Adele Poppenscheller, IX., Schlickgasse 5. Mit bestem Dank und jüdischnationalem Gruß für den ehern, lit. Ges.-Verein jüd. Mädchen „Moria“ Eine Gründerin. ParfeisNadiridifen. Eine neue zionistische Broschüre für Oesterreich. Die guten Erfahrungen, welche die Zionistische Vereinigung für Deutschland mit der systematischen Versendung von Broschüren machte, haben die Wiener Zionistische Vereingung veranlaßt, durch die Herstellung einer kurzgefaßten, | präzis gehaltenen und billigen Broschüre in der i Vereinigung und Ortsgruppe eine weitausge-; dehnte Agitation zu betreiben. 1 Das Mitglied des innerösterreichischen Distriktkomitees, Herr Julius L ö w y, gewesener sener Chefredakteur der „Welt“, hat diese erwähnte Broschüre geschrieben, die durch ihre Klarheit und Kürze zur Gewinnung von unserer Bewegung noch völlig fernstehenden Elementen geeignet ist. Der Preis eines Exemplares beträgt 14 h. Bei Bestellung von' mindestens 20 Exemplaren wird der Preis auf 10 h pro Exemplar ermäßigt. Es ist empfehlenswert, bei Uebernahme einer größeren Anzahl das Exemplar um 14 h zu verkaufen und den Rest unentgeltlich zu verteilen oder zu versenden. Bestellungen sind an Herrn Jakob Landau, II/l, Zirkusgasse Nr. 10, zu richten. Die Broschüre ist auch im Büro der „Jüdischen Zeitung“, II., Karmeliterplatz 1, erhältlich. * Wir ersuChen alle Gesinnungsgenossen, welche sich in Kurorten unseres. Distriktes aufhalten oder sich1 dahinbegeben, uns dies wegen Veranstaltung von Versammlungen und Lichtbildervorträgen umgehend bekannt zu geben. Das mähr.-fcchlcs. Distriktskomitee in Troppau. * Palästina-Gesellschaftsreise anläßlich des XI. Zionistenkongresses. Im Anschluß an den XL Zionistenkongreß findet eine große Gesellschaftsreise nach Palästina statt. Die näheren Bedingungen für die Teilnahme und das Programm werden nächstens bekanntgegeben werden. Es empfiehlt sich, schon jetzt die Anmeldungen für die Reise an das Palästina-Informationsbureau, Wien II., Karmeliterplatz 1, zu richten. Je nach der Größe der Teilnehmerzahl werden die Ermäßigungen und die sonstigen Begünstigungen festgestellt. Die Niederlage der Karmalweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. Juföibep Sport. Am Sonntag, den 22. d. M. spielte die Fußballsektion des Iglauer Jüdischen Turn- und Sportvereines gegen ein Team des Deutschen Fußbaltklubs. Schon in der neunten Minute ergab sich aus einem Tumult vor dem feindlichen Tor ein Punkt für die Blau-Weißen. Ein Durchbruch in der 17. Minute brachte den Blauen das zweite Goal und wenige Augenblicke später saß der Ball zum dritten Mal im feindlichen Netz. Nim aber kamen die Deutschen in Form und noch vor Halbzeit sind die 3 Goale ausgeglichen. In der zweiten Halbzeit Waren die Deutschen ständig im Angriff und nur die Glanzleistungen Öfters in der Verteidigung verhindern einen Erfolg der Deutschen. So blieb denn das Spiel 3:3 unentschieden. Bei den Blauen. Einzelleistungen Monias, Fleischmann, Hayek, Taussik und Off er. Bei den Deutschen eine überaus schöne Kombination. mmm jakob pinkas im Neubau des HOTEL NEW-YORK TW2 Wien, II., Kleine Sperigasse!> bietet den P. T. Gasten allen Komfort. — Küche und Keller sind als erstklassig bekannt. Elegante und geräumige Lokalitäten. Hochzeits¬ und Festbankette werden bestens arrangiert. VepsiRsns&rtditeß. Wien. (Jüdischer Handlurgsgehilfen-Verband, Ortsgruppe Wien, II., Taborstraße 11b.) Samstag, den 28. d. M., Uhr abends, Versammlung der Jugendabteilung mit Vortrag des Kolli Deutsch: „Einiges zur Geschichte des Handels.“ — Dienstag, den 1. Juli d. J., > Uhr abends, Referat des Koll. Simon Advokat: „Das Judenproblem und die Vorschläge zu seiner Lösung“, Agitationsvortrag für den Zionismus, (mit anschließender Diskussion). Gäste willkommen. Wien. (Saisonschluß im „Jüdischen Museum“, II., Malzgasse 16.) Montag, den 30. d., wird, wie alljährlich, das „Jüdische Museum“, II., Mafzgasse 16, für die Zeit der .Sommerferien, d. h.! für die Monate Juli und August, geschlossen. I — Die beiden letzten Besuchstage sind also noch j Samstag und Sonntag, an denen jedermann bei : freiem Entree in der Zeit von 11 bis 1 Uhr die außerordentlich reichen Sammlungen besichtigen kann. — Die Wiedereröffnung wird Sonntag, den 31. August d. J., stattfinden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.