Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 26 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 26 Wien. (Herzl-Klub.) Dienstag, den 1. Juli d. J., Vortrag des Herrn cand. phil. Israel Köhn über „Die Kulturepochen im judentume“. Beginn präz. S/4S Uhr abends. Ort: II., 'Leopoldsgasse 31, Tür 61. Gäste herzlichst willkommen! — Sonntag, den 29. d. M., korparativer Besuch des Fußballwettspieles des jüd. Sportklubs „Hakoah“ gegen „Admira“. — Der Herzl- Klub hat in seiner letzten, am 21. d. M., stattgefundenen Aussdhußsitzung den Beschluß gefaßt, sein Mitglied, Gg. Simon Advokat in das goldene Buch des „Jüdischen National-Fondes“ einzutragen. Boskowitz. (Mäddienverein „Judith“.) Montag, den 23. Juni 1913, hielt Frl. Josefine Freiwillig im Turnsaale des Jüd. Turnvereines einen Vortrag über das Thema: „Die neuen Erwerbsbahnen der Frauen“. Obzwar uns dieser Vortrag wenig auf nationale Bahnen führte, begrüßen wir dennoch diese Bewegung in der „Judith“ und hoffen, daß sie das Versäumte in folgenden Vorträgen doppelt nachholen wird. Mit Freude konstatieren wir aber, daß die „Judith“ nun endlich einmal daran geht, ihre Existenzberechtigung zu beweisen. Troppau. (Protest-Versammlung.) Donnerstag, den 19. Juni 1. J., fand um 8 Uhr abends in der Promenade-Restauration eine Versammlung der Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde statt, welche sich mit den jüngsten Ereignissen an der Wiener Universität befaßte. Der Vorsitzende Herr Kultusvorsteher Dr. Sonnenschein begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, worauf Herr Advokaturskandidat Dr. Berthold LeSchner ein umfassendes Referat erstattete. Er schilderte die geschichtliche Entwicklung der antisemiti^ sehen Hetzen gegen die jüdischen Studenten der Wiener Universität, setzte den Inhalt des soganannten Waidhofener Programmes auseinander und führte die jüngsten Rohheitsakte gegen die jüdischen Studenten in Wien vor Augen. Er kam zu derselben Folgerung, die auch' schon auf der Einladung zu lesen war: „Wenn man unsere studierende Jugend durch feige Rohheitsakte einsdiüditern, sie ihrer gesetzlichen Rechte berauben und in ihrer Ehre kränken will, so will man damit unsere jüdische Gemeinschaft treffen. Unsere jüdischen Studenten, welche sich furchtlos und mutig gegen diese bubenhaften Ausschreitungen wehren, verteidigen unsere Ehre, unser e Rechte und es ist daher die Herzenssache und Ehrenpflicht eines jeden von uns, zu der Frage Stellung zu nehmen.“ Einstimmig wurde namens der Veranstalter der Versammlung von Herrn Kultusvorsteherstellvertre-: ter Dr. Wolf vorgeschlagene Resolution beschlossen: „Die am 10. Juni 1913 zu Troppau versammelten Vertreter und Mitglieder der Trop pauer Kultusgemeinde Sprechen (der jüdischen Studentenschaft der .Wiener Universität für ihr mannhaftes und taktvolles Verhalten anläßlich der gegen sie geführten Angriffe die herzlich-? sten Sympathien und die Anerkennung aus. Die Versammlung gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Regierung die' geeigneten Vorkehrungen treffen wird, um die Ehre einer großen Zahl von Staatsbürgern vor derartigen Verunglimpfung zu schützen, wie sie in dem Waidhofener Programme enthalten ist Die Versammlung erachtet es als Pflicht jedes ehrbewußten Juden gegen Angriffe auf die Ehre des Judentums sowie einzelner Juden als solcher in jeder Weise und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln energisch anzukämpfen.“ PodwolcCzyska. Vor einigen Tagen tat sich die hiesige jüdische akademische Jugend zusammen und gründete die zionistisdh-akad. Verbindung „Tikwah“. Der erste Ausschuß besteht aus: 1. Alexander Ratz, stiid. iur., Obmann; 2. Leo Wurzel abs. techn., Stellvertreter; - 3. Jakob Günsberg, stud. iur., Schriftführeil. Ropczyce. Vorige Woche war unsere sonst ruhige Stadt in voller Bewegung. Am 15. d., versammeltöl sich alle jüdischen Wähler, um Kandidaten für die bevorstehenden Gemeinde-! ratswahlen zu nominieren. Gg. Mendel Seiden lenkte die Aufmerksamkeit der Versammelten auf die _ unter Anführung des berüchtigten Ka-> tedheten Michael Jez bestehende Antisemiten-, clique, welche sich als Ziel setzte, der JudensChaft ihre Vertretung und ihren langjährigen Besitzstand im Gemeinderat Zu rauben. Nach' den trefflichen Ausführungen des Gg. Mendel Seiden und seiner Aufforderung an die Wähler zur Einigkeit im Kampfe gegen den gemeinsamen Feind wurden ,mit großer Stimmenmehrheit die Herren Mendel Seiden und Schaja Kurz als jüdische Kandidaten bestimmt An den Wahltagen am 17. und 18. d., fehlte kein einziger Jude bei der Wahl. Dank dem von unserem Kultuspräsidenten und Vizebürgermeister H. Aron Seiden mit der fortschrittlichen Partei getroffenen Wahlkompromisses gelang es denn auch, einen Sieg davonzutragen. Die Komi promißpartei vereinigte auf sich eine riesige Stimmenmehrheit und ihre Kandidaten, darunter die obgenannten zwei. Juden, wurden aus dem' dritten Wahlkörper in den Gemeinderat gewählt Auch im zweiten, zwar schon weniger bedrohten, Wahlkörper ist die Kompromißliste durchgedrungen und die antisemitischen Kandidaten fielen schmählich durch. Aber wie immer, zeigte sich auch diesmal die Eiterbeule am jüdischen Kör-; per in den Personen des Dr. Maximilian Rose n f e 1 d und der Schänkerin Sara L ö w, die für die antisemitische Liste, darunter auch für: den Judenfeind Jez, im ersten Wahlkörper stimm-! ten und mit ihren zwei Stimmen die Judenfresser in den Gemeinderat wählten. H. Dr. Rosenfeld begnügte sich nicht bloß damit, daß er so ehrlos handelte und für den Judenfeind stimmte, sondern er agitierte auch noch für „die gute Sache“ in seinem Bekanntenkreise. Die jüdi-i sehe Bevölkerung wird das Vorgehen des Dr. Rosenfeld und der Schänkerin Sara Löw, odeit richtiger ihres stimmbevollmächtigten Sohnes Nahum Löw, nie vergessen. Eingesenöet. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! In der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift“ hat mir die Gemahlin des Herrn Dr. Heinrich Jellinek, Arzt, XII., Hauptstraße 19, dafür ihren Dank ausgesprochen, daß ich mit meinen Schülern Ausflüge unternehme und ihnen Liebe zur Natur sowie botanische Kenntnisse beibringe. Darauf habe ich folgendes zu erwidern: Die Ausflüge, die ich mit den Kindern mache, tragen keinen Charakter von Schulexkursionen, sondern sie sind vom jüdischen Wanderbunde „Blau.-Wei ß“, bei dem ich als Führer fungiere, inauguriert und geleitet. Die mir gezollte Anerkennung ist einzig und allein aufs Konto des genannten Wanderbundes zu setzen. Ich nehme diese Konstatierung in Ihrem Blatte vor, weil mir seitens der Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift“ die Aufnahme dieses Briefes verweigert wurde. „ . j Hodiachtend Ahron Schwertfinger. Einkauf Umtausch 6elegenfieltsfiäufe in Präzisions-Uhren, Brilliantu. 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